So nervt der Sommer – Das Schönheitsideal der Frau

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Es ist draußen noch nicht mal so richtig warm geworden, und schon bekommt man an jeder Ecke von Werbeplakaten und Reklametafeln vor Augen geführt, wie sommersonnentauglich man als attraktiver und begehrenswerter Mensch tunlichst auftreten sollte.

So nervt der Sommer

Bikinischönheit
Schönheit liegt im Auge des Betrachters

Wehe, die Winterkobolde hätten wieder mal die eingemotteten Sommerklamotten vom letzten Jahr enger genäht!

Und wehe, an den bloßen Füßen zeigte sich der allerkleinste Ansatz von Hornhaut oder an den Damenbeinen das kleinste Härchen, oder gar, mächtig großes Desaster, die allseits gefürchtete Dellenlandschaft bindegewebserschlaffter Orangenhaut am freizeitlich freigelegten Oberschenkel.

Straff und schlank und sportgestählt und jugendlich faltenfrei muss man sein, und frau erst recht, um den gestrengen optischen Sommer-TÜV zu bestehen.

Würden sich hier auch nur die geringsten gesellschaftlich geächteten Mängel feststellen lassen, so wäre dringendst nach Abhilfe zu suchen, koste es, was es wolle.

Soll ich Ihnen mal was verraten? Auf dieses sommerliche Schaulaufen der Eitelkeiten hab ich als erwachsener und selbstbewusster Mensch absolut keine Lust mehr. Und auch Sie sollten sich besser vom kosmetischen Konsumterror emanzipieren.

Raus aus dem Zwiebellook, rein ins Selbstbewusstsein

Menschen mit einem von Wohlbeleibtheit kündenden Body Mass Index fürchten sommerliche Temperaturen wie der Teufel das Weihwasser. Denn anders als den magersüchtigen Kleiderständern gestattet es ihnen die öffentliche Etiquette nicht, ihre reichlich vorhandene Haut zur natürlichen Regulierung der gefühlten Temperatur stolz herzuzeigen.

So sieht man beim „Summer in the City“ einerseits Hungerhaken, deren Röcke so kurz sind, dass sie Gefahr laufen, mit dem Blinddarm in der Rolltreppe hängen zu bleiben.

Und andererseits die adipös Ausgestoßenen in dem ebenso verzweifelten wie sinnlosen Versuch, ihre mehr oder weniger wogenden Massen unter wallenden Gewändern oder unter anderen sackartigen textilen Strukturen schamhaft zu verbergen.

Ich war auch mal so drauf, als ich noch an den Weihnachtsmann und an das modische Diktat der heiligen Magermodelmaße glaubte. Bis ich erkannt habe, dass es für mein Selbstwertgefühl absolut keine Rolle spielen sollte, ob ich anderen Leuten, die für mich keinerlei soziale oder menschliche Relevanz haben, gefalle oder nicht.


Urlaubsreisen ans Meer


Wer mich gerne anschauen mag, wogegen ich absolut nichts habe, dem schenke ich immer ein ehrliches und freundliches Lächeln. Und wer mich, aus welchen Gründen auch immer, nicht schön findet, der darf herzlich gerne woanders hinsehen. Gibt ja auch ohne mich wahrhaft genug zu gucken. So einfach ist das, so einfach sollte es sein. Chacun à son goût.

Gestylt um jeden Preis?

Selbstverständlich darf man seinen Mitmenschen ohne triftigen Grund weder dreckig noch stinkend noch verlaust daherkommen. Wer sich und seine Kleidung ordentlich sauber hält und auch sonst die hygienischen Basics brav beachtet, sollte keine Probleme haben, sollte man meinen.

Die Kosmetikindustrie sieht das allerdings anders. Wenn es nach denen ginge, dann hätte man den ganzen Tag nichts anderes zu tun, als Hornhaut und Körperhaare zu entfernen, die Augenringe gerade zu bügeln oder an anderen ewig omnipräsenten Body-Baustellen rumzubasteln. Von wohlmeinenden Schminktipps für den Hochtemperaturbereich ganz zu schweigen.

So nervt der Sommer
Werbung für Sonne, Strand und heiße Frauen?

Hallo? Berufstätige Leute haben wirklich weitaus Besseres zu tun, als sich den lieben langen Sommertag pausenlos für das tagtägliche Rattenrennen aufzustrapsen.

Und derzeit von der Teilhabe am regulären Erwerbsleben Freigestellte verfügen üblicherweise nicht über die zur Befriedigung des kosmetischen Diktats erforderlichen Barschaft. Menschen mit reichlich Tagesfreizeit und unbegrenztem Budget sind in der Sommerzeit in Sachen Körperkult und Wellnesswahn natürlich eindeutig im Vorteil.

Doch wer gehört schon zu dieser kleinen feinen glücklichen Elite? Ich jedenfalls nicht. Und Sie wahrscheinlich auch nicht. Also lassen Sie sich nicht einreden, dass Ihr Lebensglück ausschließlich in obszön teuren Tiegelchen und Tübchen zu finden sei. Oder dass Sie ewig allein und ungeküsst bleiben, wenn man Ihnen Ihr pralles Leben mal ansehen kann. Das ist nämlich wirklich nicht wahr.

Fazit

Seien Sie auch und gerade im Sommer ganz Sie selbst und bleiben Sie sauber und frisch geduscht. Wer Sie dann gerne leiden mag, mit dem können Sie in menschlicher Hinsicht sehr wahrscheinlich was Gutes anfangen.

Wer allerdings die Nase rümpft, weil Sie den Tanz ums goldene Kosmetikkalb nicht uneingeschränkt mitmachen, der ist Ihre Gesellschaft nicht wert. So viel Standing zu sich selbst sollte sich jeder Mensch mit Stolz gönnen. Ich tu’s jedenfalls. Und ich fühl mich sehr gut dabei.

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