Missbrauch an Kindern

Die Begriffe „Kindesmissbrauch“ und „sexueller Missbrauch“ sind umstritten, weil das Wort „Missbrauch“ nahe legt, es gäbe einen legitimen sexuellen Gebrauch von Kindern. Wir sind selbstverständlich für einen sensiblen Umgang mit diesem Thema, halten das allerdings ein wenig für Wortklauberei und verwenden das Wort „Missbrauch“ in diesem Zusammenhang weiterhin sehr bewusst.

Schutz vor sexuellem Missbrauch

Schutz vor sexuellem Missbrauch
Schutz vor sexuellem Missbrauch von Kindern

Alle Eltern wollen ihre Kinder so gut es geht vor Gewalt und sexuellem Missbrauch schützen. Aber ab wann kann man dieses Thema überhaupt mit Kindern besprechen? Und vor was genau warnt man sein Kind im Speziellen? Ist es nötig, alle Details offenzulegen oder reichen ein paar Grundregeln, um das Kind vor sexuellen Übergriffen zu schützen?

Im Hinblick darauf, dass die Täter oft Familienangehörige sind, ist das Thema noch schwieriger und sollte mit möglichst viel Fingerspitzengefühl angegangen werden.

Ganz wichtig ist es, dem Kind zu vermitteln, dass es mit jedem Problem und allen Ängsten immer zu den Eltern kommen darf.

Selbstvertrauen stärken!

Selbstbewusste Kinder werden seltener Opfer von sexuellem Missbrauch. Die Hemmschwelle für den Täter scheint hier höher, da er die Befürchtung hegt, das Kind könnte sich wehren oder die Übergriffe zuhause thematisieren. Es ist also wichtig, seinem Kind ein möglichst positives Selbstbild zu vermitteln und auf seine körperlichen Bedürfnisse zu achten und sie zu respektieren.

Das fängt schon beim Kuss des Onkels an, den das Kind verweigert. Hier niemals auf Berührungen oder Zärtlichkeiten bestehen, die dem Kind unangenehm sind. Ein „Das ist doch nicht so schlimm, reiß dich zusammen, sonst ist der Onkel beleidigt“ ist ein Beet, in dem die Saat des Täters in Zukunft keimt. Denn auch er kann mit solchen Sprüchen ein Kind zu Dingen bewegen, die es nicht möchte. Was ein Kind möchte und was nicht, bestimmt es selbst.

Es kostet auch Mut, zu sagen, dass man nicht von der Tante angefasst werden will. Dafür brauchen die Kinder Selbstbewusstsein und das Gefühl, mit ihrem Körper eigenbestimmt umgehen zu dürfen. Ist ihr Kind eher schüchtern und zurückhaltend, können Sie sein Selbstvertrauen auch in speziellen Kursen stärken.

Die gibt es heute fast in jeder Stadt, selbst Selbstverteidigung für Kindergartenkinder bieten manche Organisationen an. Es geht nicht darum zu behaupten, dass ein Kindergartenkind sich gegen einen Erwachsenen effektiv zur Wehr setzen könnte, aber das Wissen, das ein Kind in so einem Kurs erwirbt, macht es selbstbewusster und mutiger – und bringt es damit aus der Opferrolle.

Offenheit und Aufklärung schützen vor Missbrauch

Eine gute Beziehung zu Ihrem Kind ist das A und O, damit sich Ihr Kind Ihnen anvertraut, falls es in Not gerät. Nebenbei sollten Sie Ihr Kind in puncto Sexualität aufklären, und zwar offen und ohne Scham. Die Geschichte mit den Bienchen und Blümchen ist lange vorbei. Ein Kind kann nur benennen, was es kennt. Seien Sie also so offen wie möglich, geben Sie allen Körperteilen die richtigen Namen und scheuen Sie sich nicht davor, die Fragen Ihres Kindes ehrlich zu beantworten.

Wenn Ihr Kind fragt – und es wird fragen, da alle Kinder ab einem gewissen Alter dafür Interesse haben! –, wo die Babys herkommen, dann erzählen Sie es ihm so unbefangen wie möglich und lassen Sie den Storch außen vor. Es gibt mittlerweile wunderbare Aufklärungsbücher und -broschüren, die Eltern helfen, das Thema Sexualität ohne Hemmungen anzugehen.

Drohung und Belohnung– die Methoden des Täters mit Kindern besprechen

Kinder ab dem Grundschulalter sollten wissen, was sexueller Missbrauch ist. Erklären Sie Ihrem Kind möglichst sachlich und ohne Angst, dass sexueller Missbrauch immer wieder vorkommt. Natürlich ist es eine Gratwanderung zwischen Warnen und Ängstigen. Daher ist es wichtig, dass Sie Ihrem Kind auch sagen: Das gibt es, aber es passiert selten. Aber wenn es passiert, muss man darüber sprechen.


Werbung

Die häufigste Methode von Tätern ist es, das Kind zum Schweigen zu animieren. Er wird Drohungen aussprechen oder versuchen, das Kind zu erpressen. Oder er gibt Versprechen und belohnt das Kind für sein Schweigen. Auch das sollte Ihr Kind wissen.

Wer die Methoden kennt, erkennt auch leichter, wann ein sexueller Missbrauch beginnt und kann sich dagegen wehren. Denn oft beginnt der sexuelle Missbrauch schleichend und nicht von einer Sekunde auf die andere. Ein Täter tastet sich vorwärts und überschreitet mit der Zeit immer mehr Grenzen.

Ermutigen Sie Ihr Kind also, über alles, was ihm unangenehm ist, sofort zu sprechen, auch wenn es bedroht wird. Es muss wissen, dass es nur geschützt werden kann, wenn es darüber spricht.

Wo beginnt sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen?

Sexuelle Belästigung im Büru
Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist kein Kavaliersdelikt

Wer glaubt, sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen würde erst dann beginnen, wenn es zu irgendeiner Form sexueller Handlung kommt, irrt sich.

Aber wo genau fängt sexueller Missbrauch oder sexuelle Belästigung eigentlich an? Ganz klar kann man diese Grenze nicht eindeutig ziehen.

Jedoch ist alles, was die Würde und den Willen des Kindes verletzt, eindeutig eine kriminelle Handlung. Nach dieser Definition kann dies sogar auch ein eindeutiger Blick oder eine obszöne Bemerkung sein. Unsere Gesellschaft ist bei diesem Thema übersensibilisiert, was zum einen sehr positiv ist, und alle, die in pädagogischen Einrichtungen tätig sind, hellhörig macht. Es führt aber auch dazu, dass vorwiegend Väter zunehmend gehemmter mit ihren Kindern umgehen, um nichts falsch zu machen.

Sexueller Missbrauch in seinen Erscheinungsformen

Zu Beginn steht die Belästigung. In Chaträumen oder Foren werden Kindern oder Jugendlichen Videos oder Fotos mit obszönen Inhalten geschickt. Manchmal werden sie auch aufgefordert, sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen, meist via Skype, sodass es dem Täter möglich ist, dabei zuzusehen. Andere Formen der Belästigung sind das Ansprechen auf der Straße oder das Nachrufen eindeutiger sexueller Wörter und Inhalte.

Der nächste Schritt ist das Berühren des Kindes. Der Täter verlangt, von dem Kind im Schambereich angefasst zu werden, fasst es selbst an oder animiert es dazu, sich selbst zu berühren und ihn zusehen zu lassen. Das Berühren kann bis zur Vergewaltigung führen und/oder alle anderen Sexualpraktiken einschließen.

Auch Kinderpornografie gehört natürlich in den Bereich des sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen. Hier wird das Kind genötigt, sich auszuziehen und sich filmen und fotografieren zu lassen. Manchmal wird es auch gezwungen, sich pornografische Bilder und Filme anzusehen oder bei Praktiken anderer zuzuschauen. Die Formen des sexuellen Missbrauches sind so vielfältig wie die krankhaften Fantasien der Täter!

Warum kommt es so selten zur Anzeige?

Die Dunkelziffer von sexuellem Missbrauch ist erschreckend hoch. Laut Polizei wird nur jeder zehnte bis fünfzehnte Fall von sexuellem Missbrauch angezeigt. Das resultiert daraus, dass die Täter oft aus dem Umfeld des Kindes stammen. In den meisten Fällen sind es leider Familienangehörige, die ihre Machtposition über das Kind ausnutzen.

Das Kind steht in einem Abhängigkeitsverhältnis, seelisch wie körperlich, und kann sich lange Zeit nicht gegen die sexuellen Übergriffe wehren. Selbst wenn es sich entschließt, mit einem anderen Erwachsenen der Familie zu sprechen, führt das oftmals nicht zur Anzeige bei der Polizei.

Fakt ist, je näher ein Kind einem Täter steht, desto unwahrscheinlicher ist es, dass das Vergehen angezeigt wird und vor Gericht kommt. Fakt ist auch, dass immer noch überwiegend Mädchen die Opfer der kriminellen Handlung sind. Die männlichen Täter stammen meist aus dem direkten Umfeld oder dem näheren Bekanntenkreis.