Armagnac – Getränke

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Die Wurzeln der französischen Spirituose Armagnac, welche fälschlicherweise oftmals mit Cognac auf eine Stufe gestellt wird sind in der Region Gascogne, einer von sanften Hügeln durchsetzten Landschaft zwischen den Pyrenäen und dem Fluss Garonne zu finden.

Armagnac – Herkunft und Geschichte

Armagnac aus dem Jahr 1948
Glas alter französischer Armagnac

Die Gascogne umfasst politisch die Départements Landes, Gers und Hautes-Pyrénées sowie Teile der Départements Pyrénées-Atlantiques, Lot-et-Garonne, Tarn-et-Garonne, Haute-Garonne, Gironde und Ariège, Auch das spanische Aran-Tal zählt historisch und sprachlich zu diesem Gebiet, wie auch das Baskenland. Die Bezeichnung Gascogne leitet sich von dem ursprünglich iberischen Volk der Vasconen ab. Die ursprüngliche Sprache in der Gascogne ist eine Art des Okzitanischen. Die Hauptstadt der Provinz Gascogne war die Stadt Auch. Die aktuellen Hauptstädte der Regionen sind Bordeaux im Bereich Aquitaine und Toulouse im Bereich Midi-Pyrénées.

Während der Antike wurde die Gascogne vom Volksstamm der Aquitanier besiedelt, welche im Gegensatz zu den übrigen Bewohnern Galliens nicht die keltische, sondern eine dem Baskischen ähnliche Sprache benutzten. Die Bewohner der Gascogne erlernten im 12. Jahrhundert von den Mauren die Destillation. Zur Mitte des 11. Jahrhunderts wurde der Bereich der Grafschaft Aquitanien einverleibt und war 300 Jahre unter englischer Herrschaft, ehe er 1453 Frankreich zugeschlagen wurde. Erste schriftliche Hinweise zu Armagnac stammen aus dem Jahre 1411. In einer Urkunde aus dem Jahr 1461 wird berichtet, dass der Geist des Weines Schmerzen lindert, das Gedächtnis frisch und die Menschen jung erhält und Freude und Wohlbehagen mit sich bringt. Es bestehen lediglich Annahmen, wonach diese Zeilen aus der Feder eines der Grafen von Armagnac stammen.

Die Grafen von Armagnac zählen zu altem Adel, welche über das Gebiet vom 10. bis zum Ende des 15. Jahrhunderts herrschten. Unter ihnen Graf Johann I. welcher zwischen 1319 und 1373 lebte und der Sohn Bernhards IV., welcher sich britischen Truppen anschloss und den Schwarzen Prinzen nach Spanien begleitete. Letzterer kämpfte auch an der Seite Frankreichs und half, das Gebiet um Limousin zu unterwerfen. Sein Enkel Johann III. führte gegen den Herzog von Mailand, Galeazzo, Söldner über die Alpen, er unterlag 1391 bei Alessandria in einer Schlacht und musste sein Leben lassen.

Als bekannteste Gestalt der Grafen von Armagnac gilt in der einschlägige Literatur Johann III., ein Bruder Bernhards VII., welcher sich unter König Karl VI. Haupt gegen Burgund gerichteten Truppe anschloss, deren Kennzeichen im Gegensatz zur blauen Farbe des Feindes die weiße Armbinde wurde. Armagnac schloss sich im Streit über die Regentschaft dem Herzog Ludwig von Orléans an, dessen Sohn Karl sein Schwiegersohn war, und übernahm nach 1407 die Führung seiner Vereinigung, welcher sich im Bund von Gien 1410 auch die Herzöge von Berry, von Bourbon, von Bretagne und die Grafen von Alençon und Clermont anschlossen. Nach dem Frieden von Pontoise des Jahres 1413 zwischen Karl VI. und dem jungen Herzog von Orléans zog Graf Bernhard Armagnac an der Spitze des Heers in die Hauptstadt, verteidigte sie gegen burgundische Truppen und wurde nach der Schlacht bei Azincourt im Jahre 1415 zum ersten Minister ernannt.

Aufgrund harter Entscheidungen lag er mit seinen Getreuen dauerhaft im Streit, worauf Königin Isabella den Weg zum Herzog von Burgund antrat und diesen veranlasste, 1418 die Hauptstadt zu unterwerfen. Der Graf von Armagnac wurde gefangen genommen, vom Volk aus dem Gefängnis gezerrt und im Juni des Jahres 1418 ermordet. Sein ältester Sohn Johann IV., ein Anführer von Söldnern, welche sich Armagnaken nannten, geriet in eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen Frankreich und England und wurde von Ludwig gefangen genommen und von Karl VII. erst gegen Abtretung der Grafschaft Comminges und andrer Güter freigelassen. Er starb 1451.

Sein Sohn Johann V. wurde gestürzt, da er aufgrund des Zusammenlebens mit seiner Schwester Isabelle und der Untreue gegen König Ludwig XI. von der Kirche verbannt wurde. 1465 schloss er sich einer Vereinigung an, welche gegen Ludwig kämpfte und kam mit dem Herzog von Bourbon bis nach Paris. In weitere Folge schloss er sich zur Eroberung Guiennes England an, verlor jedoch die Herrschaft über Armagnac an Ludwig XI., bis er sie aufgrund seiner Verbindung mit Ludwigs Bruder Karl im Jahre 1472 wieder erringen konnte. Ein Jahr später wurde er vom königlichen Heer in Lectoure belagert und von seinen Soldaten ermordet.

Ein weiterer der Grafen von Armagnac war Karl, nach seinem Ableben 1497 übergab Franz I. die Grafschaft Armagnac seinem Schwager, dem Herzog Karl von Alençon. Es war Heinrich IV. vorbehalten, das Gebiet der Krone von Frankreich zu übergeben. 1645 ernannte Ludwig XIV. Heinrich von Harcourt zum Grafen von Armangnac, dessen Nachkommen den Titel bis zur Revolution führten. Eine Nebenlinie des Hauses Armagnac bildete Jakob von Armagnac, ein Enkel Bernhards VII. Auch er trat als Anführer gegen Ludwig XI. in Erscheinung, wurde jedoch gefangen genommen und schließlich 1477 enthauptet. Mit dem Ableben seines Sohnes Ludwig von Nemours, welcher 1503 in Cerignola in Italien gegen die Spanier sein Leben lassen musste, erlosch auch diese Linie.

Die Bereiche der Gascogne

Madiran

Im heute bekannten Gebiet der Gascogne sind die Bereiche Armagnac, Côtes de Gascogne, Côtes de Saint-Mont, Jurançon und Madiran zu finden. Der Bereich Madiran liegt im Südwesten der Region und zählt zu den ältesten Weinbaugebieten Frankreichs. Viel Jahre galt im Gebiet produzierter Rotwein als Pilgerwein, da ab dem 11. Jahrhundert Pilger durch diese Region am heute so genannten Jakobsweg nach Santiago de Composite zogen. Im Gebiet Madiran werden 1400 Hektar Rebflächen gepflegt, auf welchen vornehmlich die aus Bordeaux stammende Sorte Tannat kultiviert wird. Aus diesen Trauben werden dunkle, tränenreiche und langlebige Rotweine hergestellt, welche sich durch Aromen nach Himbeeren auszeichnen. In den 1970er-Jahren wurde der Anteil der Rebsorte zugunsten Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Fer Servadou mit 40 % begrenzt um den adstringierenden Geschmack der Weine zu mildern.

Diese Regelung wurde vom französischen „Institut National des Appellations d’Origine“ kurz der INAO bestimmt. Im Jahre 1935 wurde aufgrund einer Initiative des Professors Joseph Capus und des Weingutsbesitzers Baron Pierre Le Roy de Boiseaumarié das Gremium „Comité National des Appellations d’Origine“ als Vorläufer der INAO gegründet. Die Zentrale der Vereininung ist in Paris ansässig, unter welcher regionale Verbände für Verwaltung, Regulierung, Antragsbearbeitung, Zuerkennung, Kontrolle und Schutz der zwei höchsten französischen Qualitätsstufen bei Wein verantwortlich zeichnen.

Joseph Capus wurde 1867-geboren und 1924 als Abgeordneter des Département Gironde gewählt. Sein Einfluss auf den französischen Weinbau bzw. auf die Weingesetze begann mit dem Roquefort-Käse, bzw. mit dem ganz Frankreich bewegenden „Käse-Skandal“ im Jahre 1925. Joseph Capus nahm den Skandal zum Anlass, die bisher im Bordeaux übliche Vorgangsweise, Wein aus beliebigen Trauben bzw. Bereichen und mit beliebigen Methoden herzustellen, zu bekämpfen. Seinem Einfluss ist es zu verdanken, dass 1927 das bestehende Gesetz durch Vorschriften zur Weinherstellung erweitert wurden. Darin war unter anderem definiert, dass lediglich heimische Rebsorten verwendet werden dürften. Der Professor für Landwirtschaft verstarb 1947.

Baron Pierre Boiseaumarié wurde 1890 geboren. Er wurde nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Ersten Weltkrieg als Kampfpilot eingesetzt. 1919 ehelichte er Emma Bernard Le Saint, die Erbin des Château Fortia. Als Weingut Mitbesitzer wurde er mit Problemen durch Verwüstungen der Reblaus sowie Verfälschungen mit Trauben aus anderen Gebieten kontrontiert. 1923 definierte er ein Gebiet, welches sich nach ökologischen Gesichtspunkten optimal für Weinbau eignete.


Wein – Weinsorten


Als Kriterien bestimmte er gemeinsam wachsende Wildpflanzen wie Thymian und Lavendel. Er bestimmte auch aktuell noch verwendete Rebsorten, welche sich auf Grund der Beschaffenheit von Böden und Klima bestens eignen. Somit kann er als Begründer der 1935 klassifizierten Appellation Châteauneuf-du-Pape angesehen werden. Baron Boiseaumarié versuchte auch, Winzer für seine Ideen zu mobilisieren und gründete 1924 die Winzervereinigung in Châteauneuf-du-Pape und 1929 die Union Côtes du Rhône. 1930 gründete er gemeinsam mit dem Schriftsteller Maurice E. Sailland alias Curnonsky die L’Académie du Vin de France nach dem Vorbild der Académie Française. Er verstarb 1967.

Bekannte Produzenten des Bereichs Madiran sind unter anderem Castelnau-Rivière-Basse, Château d’Aydie, Château Bouscassé, Domaine Brana, Domaine Capmartin, Domaine du Crampilh, Château de Crouseilles, Clos Fardet, Domaine Labranche-Laffont, Château Laffitte-Teston, Domaine Laffont, Domaine de Lanestousse, Chapelle Lenclos, Château Montus , Château de Peyros, Primo Palatum und Domaine Sergen zu nennen. Weißweine dieses Bereiches werden unter der AC Pacherenc du Vic-Bilh produziert.

Bereits im 14. Jahrhundert wurden vom Parlament von Navarra die Rebflächen des Gebietes

Jurançon

als Weinberglagen definiert. Auch das Verbot der Einfuhr von Weinen wurde ausgesprochen und Juraçon als einer der ersten französischen Bereiche als AC klassifiziert. 1909 wurde erstmals die Herkunftsbezeichnung „Appellation Armagnac“ verwendet. Das BNIA überwacht die Bestimmungen und vergibt nach positiven Prüfungsergebnisse ein goldgelbes Siegel. Rebflächen sind an nach Süden ausgerichteten Hängen in Höhen von bis zu 600 Meter zu finden.

Bei kühlem Klima werden die Reben mittels der Erziehungsform Espalier kultiviert. Es handelt sich um eine so genante Hochkultur von etwa zwei Metern, welche die Trauben vor Bodenfrösten schützt. Sonnige Herbstmonate ermöglichen späte Ernten, welch bis in den Dezember andauern können.Die bekannten Sauternes-Weine zeichnen sich in der Variante aus Jurançon als süße Weißweine aus überreifen bzw. getrockneten Trauben aus. Auf kleinen Flächen werden auch die Sorten Gros Manseng Courbu, Camaralet und Lauzet kultiviert.

Bei letzterem handelt es sich um einen schweren Wein, welcher ausgewogene Säure aufweis und als äußerst langlebig angesehen wird. Der Bereich wurde im Jahre 1975 als Jurançon Sec klassifiziert. In diesem Bereich sind unter anderem die Produzenten Domaine du Bellegarde Domaine Bordenave, Domaine de Cabarrouy, Domaine Castéra, Domaine Cauhapé, Domaine Gaillot, Château Jolys, Cru Lamouroux, Clos Lapeyre, Domaine Larredya, und Domaine Nigri ansässig.

Der Bereich

Côtes de Saint-Mont

wurde nach der Stadt Saint-Mont benannt und ist nördlich des Bereiches Madiran im Süden der Region Gascogne zu finden. Kultivierte Rebflächen weisen ein Ausmaß von wenig mehr als 1200 Hektar auf. Der Bereich ist für Rot- und Roséweine bekannt, welche aus den Rebsorten Tannat produziert werden. Auch die Sorten Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot werden kultiviert. Weißweine werden aus den Sorten Arrufiac, Clairette, und Courbu Blanc , Gros Manseng und Petit Manseng hergestellt. Als die bekanntesten Produzenten des Bereichs gelten die Domaine de Maouries und Producteurs Plaimont.

Als weiterer Bereich ist jener namens

Côtes de Gascogne

zu nennen. Vor allem in diesem Bereich wurde in der Vergangenheit Armagnac produziert. Neben der Spiritiuose werden hauptsächlich Weißweine aus den Rebsorten Colombard, Manseng, Sauvignon Blanc und Ugni Blanc hergestellt. Rot- und Roséweine werden aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Tannat produziert. Die bekanntesten Produzenten des Bereichs sind die Domaine des Cassagnoles sowie Domaine du Joy, Domaine du Rey, Domaine de San de Guilhelm, Domaine du Tariquet und Hugh Ryman, um lediglich einige zu nennen. Schließlich sei noch jener Bereich erwähnt, nach welchem die französische Spirituose benannt wurde. Im Bereich

Armagnac

sind Rebflächen im Ausmaß von 15000 Hektar zu finden. Das Gebiet ist in drei Zonen mit charakteristischen Merkmalen und verschiedenen Bodentypen unterteilt. Im Westen liegt Bas-Armagnac mit Böden,welche von Lehm und Sand durchzogen sind und die mittlere Zone, welche den Anmen Ténarèze trägt und kalkreiche Lehmböden aufweist. Im Osten befindet sich Haut-Armagnac, mit besonders kalkreichen Ablagerungen. Im Bas-Armagnac genannten Teil werden mit einem Produktionsanteil von knapp 55 % hochqualitative Destillate mit charakteristischen Aromen hergestellt.

Für Armagnacs aus diesen Bereich gelten besonders strenge Bestimmungen, auf welche zu einem späteren Zeitpunkt näher eingegangen wird. Die qualitativ hochwertigsten Armagnacs entstammen dem Bereich „Terre de Bouc” welche übersetzt „Ziegenbockland“ genannt wird. Diese Produkte dürfen die Bezeichnung „Grand Bas-Armagnac“ tragen. Der Bereich „Haut-Armagnac“ verantwortet lediglich fünf Prozent der Gesamtproduktion. Vornehmlich werden Grundweine für die Produktion von Sekt hergestellt, welche auch nach Deutschland exportiert werden.

Ehe die Reblaus um 1878 in diesem Bereich wütete, wurde die Rebsorte Picpoul kultiviert, aus welcher Weine mit hohem Säuregehaltes hergestellt wurden. Aktuell werden auf etwa 12000 Hektar Rebflächen die zur Produktion von Armagnac verwendeten Rebsorten Ugni Blanc, welche in der Region auch Trebbiano Toscano genannt wird, sowie Baco Blanc, Colombard, Blanquette, Blanc Dame, Graisse, Jurançon Blanc, Mauzac, Mauzac Rose und Meslier-Saint-François kultiviert.