Zitate & Sprüche Georg Christoph Lichtenberg

Zitate und Sprüche von Georg Christoph Lichtenberg

Georg Christoph Lichtenberg, geboren am 1.7.1742 in Ober-Ramstadt und verstorben am 24.2.1799 in Göttingen, befasste sich mit naturwissenschaftlichen Themen wie der Astronomie, Chemie oder der Geodäsie und gilt als Begründer des deutschen Aphorismus.

Hans-Christoph Lichtenberg
Zitate Hans-Christoph Lichtenberg

Stöbern Sie in unserer umfangreichen Sammlung von Zitaten, Sprüchen und Weisheiten von Georg Christoph Lichtenberg:

  • Alles auf einmal wollen heißt alles auf einmal zerstören.
  • Alles hat seine Tiefen. Wer Augen hat, der sieht alles in allem.
  • Alles reformiert sich: Musik war ehemals Lärm, Satire war Pasquill, und da, wo man heutzutage sagt: Erlauben Sie gütigst, schlug man einem vor alters hinter die Ohren.
  • An nichts muß man mehr zweifeln als an Sätzen, die zur Mode geworden sind.
  • Ängstlich zu sinnen und zu denken, was man hätte tun können, ist das Übelste, was man tun kann.
  • Auf die Blüte folgt die unreife Frucht; die Blüte ist in sich eine Vollkommenheit. Ebenso ist es mit dem Menschen. Der Jüngling wird für vollkommener gehalten als der Mann von 30, 40 Jahren. Dann kommt erst wieder ein vollendeter Zustand, die Reife.
  • Bei den meisten Menschen gründet sich der Unglaube in einer Sache auf blinden Glauben in einer anderen.
  • Bei einem Roman sollte hauptsächlich darauf gesehen werden, die Irrtümer sowohl als die Betrügereien aller Stände und aller menschlichen Alter zu zeigen.
  • Bei jedem Streit ziehe die Versöhnung selbst dem leichtesten Siege vor!

Bei manchem Werke eines berühmten Mannes möchte ich lieber lesen, was er weggestrichen hat.

  • Bei vielen Menschen ist das Versemachen eine Entwicklungskrankheit des Geistes.
  • Beim Disputieren ist ein sehr feiner und bitterer Griff, erst die Gründe des Gegners noch viel stärker vorzustellen, als er sie selbst vorzustellen imstande war, und dann alles mit triftigen Gründen aus dem Wege zu räumen.
  • Belehrung findet man öfter in der Welt als Trost.
  • Bücher mit einem sehr einnehmenden, gut erfundenen Titel taugen selten etwas. Vermutlich ist er vor dem Buche selbst erfunden, vielleicht von einem andern.
  • Das alte Faß ist ausgetrunken, der Himmel steckt ein neues an. Wie mancher ist vom Stuhl gesunden, der nun nicht mit uns trinken kann. Doch ihr, die ihr wie wir beim alten mit so viel Ehren ausgehalten, geschwind die alten Gläser leer und setzt euch zu den neuen her!
  • Das Aufschieben wichtiger Geschäfte ist eine der gefährlichsten Krankheiten der Seele.
  • Das Buch hatte die Wirkung, die gemeiniglich gute Bücher haben: Es machte die Einfältigen einfältiger, die Klugen klüger, und die übrigen Tausende blieben ungeändert.
  • Das Buch, das in der Welt am ersten verboten zu werden verdiente, wäre ein Katalog von verbotenen Büchern.
  • Das Doktorwerden ist eine Konfirmation des Geistes.
  • Das Gefühl von Gesundheit erwirbt man sich nur durch Krankheit.
  • Das Gegenteil tun heißt auch nachahmen.
  • Das höchste, wozu sich ein schwacher Kopf von Erfahrung erheben kann, ist die Fertigkeit, die Schwächen besserer Menschen aufzufinden.
  • Das Hutabnehmen ist eine Abkürzung unsres Körpers, ein Kleinermachen.
  • Das Land, wo die Kirchen schön und die Häuser verfallen sind, ist so gut verloren als das, wo die Kirchen verfallen und die Häuser Schlösser werden.
  • Das Rauchen im Dunkeln ist wirklich eine angenehme Beschäftigung, und wenn man sonst wohl ist, so denke ich, kommt es unmittelbar nach dem Küssen im Dunkeln.
  • Das Vergnügen, das mir die genaue Bemerkung eines Fehlers an mir machte, war oft größer als der Verdruß, den der Fehler selbst bei mir erweckte.
  • Das viele Lesen hat uns eine gelehrte Barbarei zugezogen.
  • Das Wort Entbindung ist zweideutig: Es kann auch den Tod bedeuten.
  • Das Wort Gottesdienst sollte verlegt und nicht mehr vom Kirchengehen, sondern bloß von guten Handlungen gebraucht werden.
  • Das Wort Schwierigkeit muß gar nicht für einen Menschen von Geist als existent gedacht werden. Weg damit!
  • Den ganzen Tag, hör ich, sei unter euch die Frage: Ob ich auch selbst das tue, was ich sage? Nein, ich, als Seelenarzt, treib’s, wie’s ein Doktor treibt: Kein Doktor in der Welt verschluckt, was er verschreibt.
  • Der Aberglaube gemeiner Leute rührt von ihrem frühen und allzu eifrigen Unterricht in der Religion her.
  • Der Amerikaner, der zuerst einen Europäer entdeckte, machte eine böse Entdeckung.
  • Der einzige Fehler, den die recht guten Schriften haben, ist der, daß sie gewöhnlich die Ursache von sehr vielen schlechten oder mittelmäßigen sind.
  • Der Franzose ist ein sehr angenehmer Mann um die Zeit, wo er zum zweiten Mal anfängt, an Gott zu glauben.

Der gerade Weg ist der kürzeste, aber es dauert meist am längsten, bis man auf ihm zum Ziele gelangt.

  • Der gewöhnliche Kopf ist immer der herrschenden Meinung und der herrschenden Mode konform.
  • Der Mann hatte soviel Verstand, daß er fast zu nichts mehr in der Welt zu gebrauchen war.
  • Der Mensch ist ein Ursachen suchendes Wesen. Der „Ursachensucher“ würde er im System der Geister genannt werden können.
  • Der Mensch ist verloren, der sich früh für ein Genie hält.
  • Der Mensch liebt die Gesellschaft, und sollte es auch nur die von einem brennenden Rauchkerzchen sein.
  • Der Mensch, der sich vielen Glückes und seiner Schwäche bewußt ist, wird abergläubisch, flüchtet zum Gebet.
  • Der oft unüberlegten Hochachtung gegen alte Gesetze, alte Gebräuche und alte Religion hat man alles Übel in der Welt zu verdanken.
  • Der Pöbel ruiniert sich durch das Fleisch, das wider den Geist, und der Gelehrte durch den Geist, den zu sehr wider den Leib gelüstet.
  • Der Stolz, eine edle Leidenschaft, ist nicht blind gegen eigene Fehler. Aber der Hochmut ist es.
  • Der Wein reizt zur Wirksamkeit, die Guten im Guten und die Bösen im Bösen.
  • Die Ärzte sollten nicht sagen: „Den habe ich geheilt“, sondern: „Der ist mir nicht gestorben.“
  • Die Augen eines Frauenzimmers sind bei mir ein so wesentliches Stück, ich sehe oft danach, denke mir so vielerlei dabei, daß, wenn ich nur ein bloßer Kopf wäre, die Mädchen meinetwegen nichts als Auge sein könnten.
  • Die Ausdrücke „Herz verschenken „, „Gunst verschenken“ sind poetische Blümchen. Kein Mädchen schenkt ihr Herz weg; sie verkauft es entweder für Geld oder Ehre oder vertauscht es gegen ein anderes, wobei sie Vorteil hat oder doch zu haben glaubt.
  • Die Bauernmädchen gehen barfuß und die vornehmen barbrust.
  • Die Bescheidenheit müßte die Tugend derer sein, denen die andern fehlen.
  • Die Bewegungsgründe, woraus man etwas tut, könnten so wie die 32 Winde geordnet und die Namen auf ähnliche Art formiert werden: Brotbrotruhm oder Ruhmruhmbrot, Furcht, Lust.
  • Die Bibel ist ein Buch, von Menschen geschrieben, wie alle Bücher. Von Menschen, die etwas anderes waren als wir, weil sie in etwas anderen Zeiten lebten, etwas simpler in manchen Stücken waren als wir, dafür aber auch sehr viel unwissender. Also ein Buch, worin manches Wahre und manches Falsche, manches Gute und manches Schlechte enthalten ist.

Die Briefe eines klugen Mannes enthalten immer den Charakter der Leute, an die er schreibt.

  • Die Bücher, die zu keiner Zeit jemand ganz versteht, selbst der Autor nicht, sind diejenigen, die zu allen Zeiten am gierigsten gelesen werden.
  • Die Erinnerung an meine Mutter und ihre Tugend ist bei mir gleichsam zum Kordial geworden, das ich immer mit dem besten Erfolg nehme, wenn ich irgend zum Bösen wankend werde.
  • Die Erschütterung der Luft wird erst Schall, wo ein Ohr ist.
  • Die feinste Satire ist unstreitig die, deren Spott mit so weniger Bosheit und so vieler Überzeugung verbunden ist, daß er selbst diejenigen zum Lächeln nötigt, die er trifft.
  • Die Fliege, die nicht geklappt sein will, sitzt am sichersten auf der Klappe.
  • Die gefährlichsten Unwahrheiten sind die Wahrheiten, mäßig entstellt.
  • Die Gelehrsamkeit kann auch ins Laub treiben, ohne Früchte zu tragen.
  • Die geschnitzten Heiligen haben in der Welt mehr ausgerichtet als die lebendigen.
  • Die Gesichter der gemeinen Leute auf einer Straße anzusehen, ist jederzeit eines meiner größten Vergnügen gewesen.
  • Die gesundesten und schönsten, regelmäßigst gebauten Leute sind die, die sich alles gefallen lassen. Sobald einer ein Gebrechen hat, so hat er seine eigene Meinung.
  • Die Gesundheit sieht es lieber, wenn der Körper tanzt, als wenn er schreibt.
  • Die Gleichheit, die der Mensch hier verlangen kann, ist sicherlich der erträglichste Grad der Ungleichheit.
  • Die großen Begebenheiten in der Welt werden nicht gemacht, sondern finden sich ein.
  • Die großen Geister schaffen nur, ohne zu tadeln.
  • Die größten Denker, die mir vorgekommen sind, waren gerade unter allen Gelehrten die, welche am wenigsten gelesen hatten.
  • Die Hottentotten nennen das Denken die Geißel des Lebens.
  • Die kleinsten Unteroffiziere sind die stolzesten.
  • Die langen Arme der Großen, sich selbst überlassen, sind bei weitem nicht so furchtbar wie die verzwickten kurzen ihrer Kammerdiener.
  • Die letzte Hand an sein Werk legen heißt es vernichten.
  • Die Leute, die niemals Zeit haben, tun am wenigsten.
  • Die meisten Gelehrten sind abergläubischer, als sie selbst sagen, ja als sie selbst glauben.
  • Die meisten Menschen leben mehr nach der Mode als nach der Vernunft.
  • Die meisten Poeten kommen erst nach ihrem Tode zur Welt.
  • Die Menschen denken über die Vorfälle des Lebens nicht so verschieden, wie sie darüber sprechen.
  • Die Menschen sind in ihren Anlagen alle gleich, nur die Verhältnisse machen den Unterschied.
  • Die Natur hat die Frauenzimmer so geschaffen, daß sie nicht nach Prinzipien, sondern nach Empfindung handeln sollen.
  • Die Natur hat die Frauenzimmer so geschaffen, dass sie nicht nach Prinzipien, sondern nach Empfindungen handeln sollen.
  • Die Naturlehre ist, für mich wenigstens, eine Art Tilgungsfonds für die Religion, wenn die vorwitzige Vernunft Schulden macht.
  • Die schönen Weiber werden heutzutage mit unter die Talente ihrer Männer gerechnet.
  • Die Schwachheiten großer Leute bekannt zu machen, ist eine Art von Pflicht. Man richtet damit Tausende auf, ohne jenen zu schaden.
  • Die Seele legt, so wie der Magnet den Feilstaub, das Gesicht um sich herum.
  • Die Sprichwörter leben in ewigem Krieg wie alle Regeln, die nicht der Untersuchungsgeist, sondern die Laune gibt.
  • Die unterhaltendste Fläche auf der Erde für uns ist die des menschlichen Gesichts.
  • Die Welt ist nicht da, um von uns erkannt zu werden, sondern um uns in ihr zu bilden.
  • Die wenigsten Menschen haben wohl recht über den Wert des Nichtseins gehörig nachgedacht. Unter Nichtsein nach dem Tode stelle ich mir den Zustand vor, in dem ich mich befand, ehe ich geboren wurde.
  • Die Zeitungsschreiber haben sich ein hölzernes Kapellchen erbaut, das sie auch den Tempel des Ruhmes nennen, worin sie den ganzen Tag Porträts anschlagen und abnehmen.
  • Dinge zu bezweifeln, die ganz ohne weitere Untersuchung jetzt geglaubt werden, das ist die Hauptsache überall.
  • Du sollst Deinen Nächsten seines Glaubens wegen nicht braten, zumal du ihn nicht essen kannst!
  • Ehe man tadelt, sollte man immer erst versuchen, ob man nicht entschuldigen kann.
  • Ein etwas vorschnippischer Philosoph, ich glaube, Hamlet, Prinz von Dänemark, hat gesagt, es gäbe eine Menge Dinge im Himmel und auf der Erde, wovon nichts in unsern Kompendien stände. Hat der einfältige Mensch, der bekanntlich nicht recht bei Troste war, damit auf die Kompendien der Physik gestichelt, so kann man ihm getrost antworten: Gut, dafür stehen auch wieder eine Menge von Dingen in unseren Kompendien, wovon weder im Himmel noch auf der Erde etwas vorkommt.
  • Ein Gelübde zu tun ist eine größere Sünde, als es zu brechen.
  • Ein gewisser Freund, den ich kannte, pflegte seinen Leib in drei Etagen zu teilen, den Kopf, die Brust und den Unterleib, und er wünschte öfters, daß sich die Hausleute der obersten und untersten Etage besser vertrügen.
  • Ein Grab ist doch immer die beste Befestigung wider die Stürme des Schicksals.
  • Ein guter Ausdruck ist so viel wert wie ein guter Gedanke, weil es fast unmöglich ist, sich gut auszudrücken, ohne das Ausgedrückte von einer guten Seite zu zeigen.

Ein gutes Gedächtnis ist eine gute Gabe Gottes, Vergessenkönnen ist oft eine noch bessere Gabe Gottes.

  • Ein König lässt befehlen, dass man bei Lebensstrafe einen Stein für einen Demant halten soll.
  • Ein langes Glück verliert schon allein durch seine Dauer.
  • Ein Lehrer auf Schulen und Universitäten kann keine Individuen erziehen. Er erzieht bloß Gattungen.
  • Ein Mädchen, kaum zwölf Moden alt.
  • Ein Schriftsteller, der noch von der Nachwelt gelesen sein will, muß es sich nicht verdrießen lassen, Winke zu ganzen Büchern, Gedanken zu Disputationen in irgendeinen Winkel eines Kapitels hinzuwerfen, daß man glauben muß, er habe sie zu Tausenden wegzuwerfen.
  • Ein sicheres Zeichen von einem guten Buche ist, wenn es einem immer besser gefällt, je älter man wird.
  • Ein Starker weiß mit seiner Kraft hauszuhalten, nur der Schwache will über seine Kraft hinaus wirken.
  • Ein Unverschämter kann bescheiden aussehen, wenn er will, aber kein Bescheidener unverschämt.
  • Eine Ehe ohne die Würze kleiner Mißhelligkeiten wäre fast so etwas wie ein Gedicht ohne „r“.
  • Eine Republik zu bauen aus den Materialien einer niedergerissenen Monarchie ist freilich ein schweres Problem. Es geht nicht, ohne bis erst jeder Stein anders gehauen ist, und dazu gehört Zeit.
  • Eine Sache den Augenblick anfangen und nicht eine Minute, viel weniger eine Stunde oder einen Tag aufschieben, ist ebenfalls ein Mittel, die Zeit zu strecken.
  • Eine schädliche Folge des allzu vielen Lesens ist, daß sich die Bedeutung der Wörter abnutzt.
  • Einer erzeugt den Gedanken, der andere hebt ihn aus der Taufe, der dritte zeugt Kinder mit ihm, der vierte besucht ihn am Sterbebette, und der fünfte begräbt ihn.
  • Er handelte mit anderer Leute Meinungen. Er war Professor der Philosophie.
  • Er hatte ein paar Stückchen auf der Metaphysik spielen gelernt.
  • Er hatte seine Bibliothek verwachsen, so wie man eine Weste verwächst. Bibliotheken können überhaupt der Seele zu enge und zu weit werden.
  • Er hing noch auf der dortigen Universität wie ein schöner Kronleuchter, auf dem aber seit zwanzig Jahren kein Licht mehr gebrannt hatte.
  • Er kann die Tinte nicht halten, und wenn es ihm ankommt, jemand zu besudeln, so besudelt er sich gemeiniglich am meisten.
  • Er war einer von denen, die alles besser machen wollten, als man es verlangt. Dieses ist eine abscheuliche Eigenschaft an einem Bedienten.
  • Er war nicht sowohl Eigentümer als Pächter der Wissenschaften, die er vortrug. Denn es gehörte ihm nicht ein Fleckchen davon.
  • Es erleichtert die Korrespondenz, wenn man weiß, daß der Korrespondent eine schöne Frau hat.
  • Es gibt allemal einen Narren mehr, als jeder glaubt.
  • Es gibt eine Art von leerem Geschwätz, dem man durch Neuigkeit des Ausdrucks und unerwartete Metaphern das Ansehen von Fülle gibt.
  • Es gibt eine Art, das Leben zu verlängern, die ganz in unserer Macht steht: Früh aufstehen, zweckmäßiger Gebrauch der Zeit, Wählung der besten Mittel zum Endzweck und, wenn sie gewählt sind, muntere Ausführung.
  • Es gibt eine gewisse Jungfernschaft der Seele bei Mädchen und eine moralische Entjungferung. Diese findet bei vielen schon sehr frühzeitig statt.
  • Es gibt Gesichter in der Welt, wider die man schlechterdings nicht „du“ sagen kann.
  • Es gibt hundert Witzige gegen einen, der Verstand hat.
  • Es gibt kein größeres Hindernis des Fortgangs in den Wissenschaften als das Verlangen, den Erfolg davon zu früh verspüren zu wollen.
  • Es gibt Leute, die meinen, alles wäre vernünftig, was man mit einem ernsthaften Gesicht tut.
  • Es gibt Leute, die so wenig Herz haben, etwas zu behaupten, daß sie sich nicht getrauen zu sagen, es wehe ein kalter Wind, so sehr sie ihn auch fühlen möchten, wenn sie nicht vorher gehört haben, daß es andre Leute gesagt haben.
  • Es gibt Leute, die zu keinem Entschluß kommen können, sie müssen sich denn erst über die Sache beschlafen haben. Das ist ganz gut; nur kann es Fälle geben, wo man riskiert, mitsamt der Bettlade gefangen zu werden.

Es gibt Menschen die reden soviel, daß sie sich auch selbst noch ins Wort fallen.

  • Es gibt Schärmer ohne Fähigkeit. Das sind die wirklich gefährlichen Leute.
  • Es gibt schlechterdings keine bessere Art, Gott zu verehren, als die Erfüllung seiner Pflichten und das Handeln nach Gesetzen, die die Vernunft gegeben hat.
  • Es gibt sehr viele Menschen, die bloß lesen, damit sie nicht zu denken brauchen.
  • Es gibt sehr viele Menschen, die unglücklicher sind als du. Das zu wissen, gewährt zwar kein Dach, darunter zu wohnen. Allein sich bei einem Schauer darunter zu retirieren, ist das Sätzchen gut genug.
  • Es ist ein Fehler, den der bloß witzige Schriftsteller mit dem ganz schlechten gemein hat, daß er gemeiniglich seinen Gegenstand eigentlich nicht erleuchtet sondern ihn nur dazu braucht, sich selbst zu zeigen.
  • Es ist ein großer Rednerkunstgriff, die Leute zuweilen bloß zu überreden, wo man sie überzeugen könnte; sie halten sich alsdann oft dafür überzeugt, wo man sie bloß überreden kann.
  • Es ist ein großer Verlust für den Menschen, wenn er die Überzeugung von einem weisen, die Welt lenkenden Wesen verloren hat.
  • Es ist eine Bemerkung, die ich durch vielfältige Erfahrung bestätigt gefunden habe, daß unter den Gelehrten diejenigen fast allezeit die verständigsten sind, die nebenher mit einer Kunst sich beschäftigen.
  • Es ist eine Frage, ob wir nicht, wenn wir einen Mörder rädern, gerade in den Fehler des Kindes verfallen, das den Stuhl schlägt, an dem es sich stößt.
  • Es ist fast nicht möglich, etwas Gutes zu schreiben, ohne daß man sich dabei jemanden oder auch eine gewisse Auswahl von Menschen denkt, die man anredet.
  • Es ist fast unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu versengen.
  • Es ist gewiß besser, eine Sache gar nicht studiert zu haben, als oberflächlich. Denn der bloße gesunde Menschenverstand, wenn er eine Sache beurteilen will, schießt nicht so sehr fehl als die halbe Gelehrsamkeit.
  • Es ist in der Tat verkehrt, wenn man unsern Kindern alles mit Liebe beibringen will, da in dem höheren Leben, wenn wir älter werden, uns das wenigste zu Gefallen geht.
  • Es ist nicht zu leugnen, dass das, was man Beharren nennt, manchen Taten das Ansehen von Würde und Größe geben kann so wie Stillschweigen in Gesellschaft einem dummen Haupt Weisheit und scheinbaren Verstand.
  • Es ist schade, daß man bei Schriftstellern die gelehrten Eingeweide nicht sehen kann, um zu erforschen, was sie gegessen haben.
  • Es ist sehr gut, die von andern hundertmal gelesenen Bücher immer noch einmal zu lesen, denn obgleich das Objekt einerlei bleibt, so ist doch das Subjekt verschieden.
  • Es ist wahr, alle Menschen schieben auf und bereuen den Aufschub. Ich glaube aber, auch der Tätigste findet so viel zu bereuen als der Faulste; denn wer mehr tut, sieht auch mehr und deutlicher, was hätte getan werden können.
  • Es ist wirklich nichts abscheulicher, als wenn Strafgerichte anlaufen, nachdem man schon lange angefangen hat, sich zu bessern.
  • Es kann noch nicht alles richtig in der Welt sein, weil die Menschen immer noch mit Betrügereien regiert werden müssen.
  • Es kommt nicht darauf an, ob die Sonne in eines Monarchen Staat nicht untergeht, wie sich Spanien ehedem rühmte, sondern was sie während ihres Laufes in diesen Staaten zu sehen bekommt.
  • Es läßt sich ohne sonderlich viel Witz leicht so schreiben, daß ein anderer sehr viel haben muß, um es zu verstehen.
  • Es macht den Deutschen nicht viel Ehre, daß „einen anführen“ so viel heißt wie „einen betrügen“.
  • Es schadet bei manchen Untersuchungen nicht, sie erst bei einem Räuschchen durchzudenken und dabei aufzuschreiben.
  • Es sind gewiß wenige Pflichten in der Welt so wichtig wie die, die Fortdauer des Menschengeschlechts zu befördern und sich selbst zu erhalten, denn zu keiner werden wir durch so reizende Mittel gezogen wie zu diesen beiden.
  • Es sind zuverlässig in Deutschland mehr Schriftsteller, als alle vier Weltteile überhaupt zu ihrer Wohlfahrt nötig haben.
  • Es war wohl niemals ein Mann von irgendeinem Wert, auf den kein Pasquill gemacht worden wäre.
  • Füllt die Seele den Körper etwa wie ein elastisches Flüssiges, das allezeit die Form des Gefäßes annimmt, so daß, wenn eine platte Nase Schadenfreude bedeutet, der schadenfroh wird, dem man die Nase plattdrückt?
  • Furcht, sagt Lukrez, hat die Götter geschaffen. Aber wer schuf diese allmächtige Furcht?
  • Gelegenheit macht nicht Diebe allein; sie macht auch große Männer.
  • Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde. Das heißt vermutlich: Der Mensch schuf Gott nach dem seinigen.
  • Heftiger Ehrgeiz und Mißtrauen habe ich noch allemal beisammen gesehen.
  • Heutzutage machen drei Pointen und eine Lüge einen Schriftsteller.
  • Hochzeiten gehören unter die Fleischspeisen, da sie in den Fasten verboten sind.
  • Hüte dich, daß du nicht durch Zufälle in eine Stelle kommst, der du nicht gewachsen bist, damit du nicht scheinen mußt, was du nicht bist! Nichts ist gefährlicher und tötet die innere Ruhe mehr, ja ist aller Rechtschaffenheit mehr nachteilig als dieses.
  • Ich bin außerordentlich empfindlich gegen alles Getöse, allein es verliert ganz seinen widrigen Eindruck, sobald es mit einem vernünftigen Zweck verbunden ist.
  • Ich bin sehr viel mitleidiger in meinen Träumen als im Wachen.
  • Ich frage alle Physiognomen, ob sie nicht einmal aus den Gesichtern auf Vornamen geschlossen haben.

Ich fürchte, unsere allzu sorgfältige Erziehung liefert uns Zwergobst.

  • Ich gehe oft, wenn ein Bekannter vorbeigeht, vom Fenster weg, nicht sowohl, um ihm die Mühe einer Verbeugung. als vielmehr mir die Verlegenheit zu ersparen, zu sehen, daß er mir keine macht!
  • Ich glaube nicht, daß die sogenannten frommen Leute gut sind, weil sie fromm sind, sondern fromm, weil sie gut sind.
  • Ich glaube, daß die meisten Menschen besser von andern gekannt werden, als sie sich selbst kennen.
  • Ich glaube, daß die moralische Empfindlichkeit im Menschen zu unterschiedenen Zeiten verschieden ist, des Morgens stärker als des Abends.
  • Ich glaube, daß es im Krankenbette oft besser zugeht als am ersten Platz der königlichen Tafel. Ich habe wenigstens in einer kleinen Kammer als Kranker im Bette zuweilen Augenblicke gehabt, die ich den glücklichsten meines übrigen Lebens ohne Scheu gleichsetze.
  • Ich habe das Register der Krankheiten angesehen und habe die Sorgen und traurigen Vorstellungen nicht darunter gefunden. Das ist sehr unrecht.
  • Ich habe den Tod sehr nahe gesehen, und seit der Zeit sind mir eine Menge von Dingen, die die Welt fürchtet, eine Kleinigkeit.
  • Ich habe durch mein ganzes Leben gefunden, daß sich der Charakter eines Menschen aus nichts so sicher erkennen läßt, wenn alle Mittel fehlen, als einen Scherz, den er übelnimmt.
  • Ich habe es sehr deutlich bemerkt, daß ich oft eine andere Meinung habe, wenn ich liege, und eine andere, wenn ich stehe.
  • Ich habe immer gefunden: Die sogenannten schlechten Leute gewinnen, wenn man sie genauer kennenlernt, und die guten verlieren.
  • Ich habe mir zur unverbrüchlichen Regel gemacht, aus Respekt schlechterdings nichts zu glauben.
  • Ich habe sehr häufig gefunden, daß gemeine Leute, die nicht rauchten, an Orten, wo das Rauchen gewöhnlich ist, immer sehr gute und tätige Menschen waren.
  • Ich hat mir’s zur Regel gemacht, daß mich die aufgehende Sonne nie im Bett finden soll, solange ich gesund bin.
  • Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen, es muss anders werden, wenn es gut werden soll.
  • Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser wird wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen, es muß anders werden, wenn es gut werden soll.
  • Ich kann mir eine Zeit denken, welcher unsere religiösen Begriffe so sonderbar vorkommen werden als der unsrigen der Rittergeist.
  • Ich kann mir vorstellen, daß ein Mensch, der von einer Kanonenkugel tödlich getroffen wird, in einem sekundenlangen Beben seines Gehirns sein ganzes Leben in einem Punkt sieht und fühlt.
  • Ich kannte einen Gelehrten, der so oft den Homer las und so in der klassischen Welt lebte, daß er das Wort „angenommen“ nicht richtig lesen konnte, sondern stattdessen immer „Agamemnon“ las.
  • Ich mag immer den Mann lieber, der so schreibt, daß es Mode werden kann, als den, der so schreibt, wie es Mode ist.
  • Ich möchte was darum gegen, genau zu wissen, für wen eigentlich die Taten getan worden sind, von denen man öffentlich sagt, sie wären für das Vaterland getan worden.
  • Ich sehe die Rezensionen als eine Art von Kinderkrankheit an, die die neugeborenen Bücher mehr oder weniger befällt. Man hat Exempel, daß die gesundesten daran sterben und die schwächlichsten oft durchkommen.

Ich weiß aus unleugbarer Erfahrung, daß Träume zu Selbsterkenntnis führen.

  • Ich will mein noch übriges Leben die Zeit des neuen Bundes nennen und meine ganze Krankheit, so gedrängt voll von Jammer sie auch war, ansehen, wie Sheridan sagt: As the blank leaf between the old and new Testament.
  • Ich wohne nun völlig im Garten, eine vortreffliche Wohnung für ein ruhiges Gewissen.
  • Ihr Unterrock war rot und blau, sehr breit gestreift, und sah aus, als wenn er aus einem Theatervorhang gemacht wäre. Ich hätte für den ersten Platz viel gegeben, aber es wurde nicht gespielt.
  • Im Deutschen reimt sich Geld auf Welt. Es ist kaum möglich, daß es einen vernünftigeren Reim gebe.
  • Im Wort Gelehrter steckt nur der Begriff, daß einem vieles gelehrt ist, aber nicht, daß man auch etwas gelernt hat. Daher sagen die Franzosen sinnreich, wie alles, was von diesem Volke kommt, nicht les enseignés, sondern les savants, und die Engländer nicht the thaught ones, sondern the learned.
  • In allen Geschäften sei geduldig und übereile die nie! Man hat Geduld den zweiten Verstand genannt. Das heißt: Wieviel Verstand ein Mensch auch haben mag, so wird er doch, wenn er alle seine Besorgungen mit Geduld und Bedächtigkeit verrichtet, seinen Verstand verdoppeln.
  • In dem Hause, wo ich wohnte, hatte ich den Klang und die Stimmung jeder Stufe einer alten hölzernen Treppe gelernt und zugleich den Takt, in welchem sie jeder meiner Freunde, der zu mir wollte, schlug, und, ich muß gestehen, ich bebte allemal, wenn sie von einem Paar Füßen in einem mir unbekannten Ton heraufgespielt wurde.
  • In die Welt zu gehen, ist deswegen für einen Schriftsteller nötig, nicht sowohl damit er viele Situationen sehe, sondern selbst in viele komme.
  • In einem Städtchen, wo sich immer ein Gesicht aufs andere reimt.
  • In jedem Menschen ist etwas von allen Menschen.
  • In jeder Fakultät sollte wenigstens ein recht tüchtiger Mann sein. Wenn die Scharniere von gutem Metall sind, so kann das übrige von Holz sein.
  • In jedes Menschen Charakter sitzt etwas, das sich nicht brechen läßt: Das Knochengebäude des Charakters.
  • In Preußen gibt’s noch Patrioten. Dort sind sie aber auch am nötigsten. Nur Patrioten und Philosophen dorthin, so soll Asien wohl nicht über die Grenzen von Kurland vorrücken.
  • Irren ist auch insofern menschlich, als die Tiere wenig oder gar nicht irren.
  • Ist es nicht seltsam, daß die Menschen so gern für ihre Religion fechten und so ungern nach ihren Vorschriften leben?
  • Je größer der Mann ist, desto strafbarer ist er, wenn er die Fehler anderer ausplaudert.
  • Jede Gefahr ist in der Vorstellung fürchterlicher als in re.
  • Jeder Fehler erscheint unglaublich dumm, wenn andre ihn begehen.
  • Jeder Mensch hat auch seine moralische backside, die er nicht ohne Not zeigt und die er solange wie möglich mit den Hosen des guten Anstandes zudeckt.
  • Jeder Mensch hat seinen individuellen Aberglauben, der ihn bald im Scherz, bald im Ernst leitet.
  • Jeder Mensch ist des Tages einmal ein Prophet.
  • Jeder Mensch ohne Ausnahme hat jährlich wenigstens drei Augenblicke der Genialität, und der größte Dichter hat vor keinem unter uns etwas voraus als die häufigere Wiederkehr solcher Augenblicke und die besonnene Auffassung derselben.
  • Jeder, der je geschrieben hat, wird gefunden haben, daß Schreiben immer etwas erweckt, was man vorher nicht deutlich erkannte, ob es gleich in uns lag.
  • Jedes Mädchen ist die Verwalterin der weiblichen Mysterien. Es gibt Stellen, wo Bauernmädchen aussehen wie Königinnen; das gilt von Leib und Seele.
  • Keine Klasse von Menschen urteilt billiger von der anderen als die Denker von den Denkern und keine unbilliger als die Literaten von den Literaten.
  • Kenntnis der Mittel ohne eine eigentliche Anwendung, ja ohne Gabe und Willen, sie anzuwenden, ist, was man jetzt gemeiniglich Gelehrsamkeit nennt.
  • Kirchtürme: Umgekehrte Trichter, das Gebet in den Himmel zu leiten.
  • Kluge Leute glauben zu machen, man sei, was man nicht ist, ist in den meisten Fällen schwerer, als wirklich zu werden, was man scheinen will.
  • Krankheiten der Seele können den Tod nach sich ziehen, und das kann Selbstmord werden.
  • Kultur verschlingt Gastfreundschaft.
  • Leute, die sehr viel gelesen haben, machen selten große Entdeckungen.
  • Man fängt sein Testament gewöhnlich damit an, daß man seine Seele Gott empfiehlt. Ich unterlasse dieses mit Fleiß, weil ich glaube, daß solche Rekommendationen wenig fruchten, wenn sie nicht durch das ganze Leben vorausgegangen sind.
  • Man ist gewöhnlich immer desto weniger republikanisch gesinnt, je höher der Rang ist, den man in der Welt bekleidet.
  • Man ist verloren, wenn man zu viel Zeit bekommt, an sich zu denken.
  • Man kann auf so vielerlei Weise Gutes tun, als man sündigen kann, nämlich mit Gedanken, Worten und Werken.
  • Man liebt sich nicht nur in anderen, sondern haßt sich auch in ihnen.
  • Man liebt weder Vater, noch Mutter, noch Frau, noch Kind, sondern die angenehmen Empfindungen, die sie uns machen.
  • Man mag so alt, so gelehrt, so weise und geschmackvoll sein, als man will – eine Reise nach Italien gibt immer noch dem Geist ein neues Gepräge.
  • Man muß keinem Menschen trauen, der bei seinen Versicherungen die Hand auf das Herz legt.
  • Man muß nie den Menschen nach dem beurteilen, was er geschrieben hat, sondern nach dem, was er in Gesellschaft von Männern, die ihm gewachsen sind, spricht.
  • Man sagt: Das Adlerauge der Kritik. In vielen Fällen wäre es besser zu sagen: Die Hundsnase der Kritik.
  • Man sollte sich nicht schlafen legen, ohne sagen zu können, daß man an dem Tage etwas gelernt hätte.
  • Man wird bei allen Menschen von Geist die Neigung finden, sich kurz auszudrücken.
  • Man wird häufig finden, daß die Verteidiger der Freiheit nicht selten die größten Tyrannen in ihrem Hause sind.
  • Man wirft oft den Großen vor, daß sie sehr viel Gutes hätten tun können, was sie nicht getan haben. Sie könnten antworten: „Bedenkt einmal das Böse, was wir hätten tun können und nicht getan haben!“
  • Manche Köpfe tragen keine Früchte, wenn sie nicht wie Hyazinthenzwiebeln über Bouteillenhälsen stehen. Der Feige holt da seinen Mut, der Schüchterne Vertrauen auf die eigne Kraft und der Elende Trost.
  • Mancher kluge Kerl fiel auf seinen Kopf und wurde ein Narr, und ich erinnere mich, in den Memoiren der Pariser Akademie gelesen zu haben, daß dort einmal ein Narr auf den Kopf stürzte und klug wurde.
  • Mehr als das Gold hat das Blei die Welt verändert. Und mehr als das Blei in der Flinte das im Setzkasten.
  • Mir ist ein Kleintuer weit unausstehlicher als ein Großtuer. Einmal verstehen es so wenige, weil es eine Kunst ist, während Großtun aus der Natur entspringt. Und dann läßt der Großtuer jedem seinen Wert, während der Kleintuer den, gegen welchen er es ist, offenbar verachtet.
  • Mir ist wenig am Lob der Leute gelegen. Ihr Neid wäre allenfalls das einzige, was mich noch freuen würde.
  • Mir tut es allemal weh, wenn ein Mann von Talent stirbt; denn die Welt hat dergleichen nötiger als der Himmel.
  • Mit der Feder in der Hand habe ich, mit gutem Erfolg, Schatzen erstiegen, von denen andere, mit Schwert und Bannstrahl bewaffnet, zurückgeschlagen worden sind.
  • Neue Bäder heilen gut.
  • Nicht alle, die „Wohlgeboren“ sind, sind „Wohlgestorben“.
  • Nichts kann mehr zur Seelenruhe beitragen, als wenn man gar keine Meinung hat.
  • Nichts macht schneller alt als der immer vorschwebende Gedanke, daß man älter wird.
  • Niemand kennt seine guten und bösen Fähigkeiten alle.
  • Nur der Betrug entehrt, der Irrtum nie.
  • Nützlicher wäre ein anderer Weg, den Charakter der Menschen zu erforschen, und der sich vielleicht wissenschaftlich behandeln ließe: Nämlich aus bekannten Handlungen eines Menschen, und die zu verbergen er keine Ursache zu haben glaubt, andere, nicht eingestandene zu finden.
  • Ordnung führt zu allen Tugenden. Was aber führt zur Ordnung?
  • Reisen, mein Lieber, macht mich gesund, das weiß ich aus Erfahrung. Ich bin nie gesunder, als wenn mich das Posthorn aus dem Schlaf weckt.

Ruhm und Ruhe sind Dinge, die nicht zusammen wohnen können.

  • Sagt, ist noch ein Land außer Deutschland, wo man die Nase eher rümpfen lernt als putzen?
  • Selbst die sanftesten, bescheidensten und besten Mädchen sind immer sanfter, bescheidener und besser, wenn sie sich vor dem Spiegel schöner gefunden haben.
  • Sich recht anschauend vorstellen zu lernen, daß niemand vollkommen glücklich ist, ist vielleicht der nächste Weg, vollkommen glücklich zu werden.
  • Sie ging mit Schritten, wovon jeder die Absicht zu haben schien. zu besiegen.
  • Sie glauben oft, um ein schöner Geist zu sein, müsse man etwas liederlich leben und gleichsam das Genie mit verdorbenen Sitten fett machen.
  • Sind wir nicht auch ein Weltgebäude, so gut als der Sternenhimmel, und eines, das wir kennen sollten und besser kennen könnten, sollte man denken, als das dort oben?
  • So sagt man, jemand bekleide ein Amt, wenn er vom Amt bekleidet wird.
  • So steht unser Körper zwischen Seele und der übrigen Welt in der Mitte, Spiegel der Wirkungen von beiden, erzählt nicht allein unsere Neigungen und Fähigkeiten, sondern auch die Peitschenschläge des Schicksals, Klima, Krankheit, Nahrung und tausend Ungemach.
  • So wie die Völker sich bessern, bessern sich ihre Götter.
  • So wie nicht jeder träumt, der schläft, so schläft auch nicht jeder, der träumt.
  • So wie wir ein Paar Hosen verwachsen, so verwachsen wir Umgang, Bibliotheken, Grundsätze und dergleichen.
  • So zu schreiben, daß das Geschriebene bloß dem Autor mißfällt, ist der Triumph des Schriftstellers. Das Umgekehrte ist das reche Kennzeichen der Erbärmlichkeit.
  • Sobald wir einen Menschen erblicken, so ist es allerdings dem Gesetz unseres Denkens und Empfindens gemäß, daß uns die nächstähnliche Figur, die wir gekannt haben, sogleich in den Sinn kommt und gemeiniglich auch unser Urteil sogleich bestimmt. Wir urteilen stündlich aus dem Gesicht und irren stündlich.
  • Sogar aus Hunden läßt sich etwas machen, wenn man sie recht erzieht. Man muß sie nur nicht mit vernünftigen Leuten, sondern mit Kindern umgehen lassen, so werden sie menschlich.
  • Sollte nicht der Mensch seine Ideen von Gott ebenso zweckmäßig weben können wie die Spinne ihr Netz zum Fliegenfang?
  • Sparen und arbeiten muß freilich die Ordre du Jour sein, und in der Welt gibt es dazu für Menschen von Gefühl kein größeres Reizmittel als Kinder.
  • Starke Empfindung, deren sich so viele rühmen, ist nur allzuoft die Folge eines Verfalls der Verstandeskräfte.
  • Symbol der Revolution: Katzen drehen Wollkugeln um, ohne zu wissen, was sie da machen.
  • Täglich zu sehen, wie Leute zum Namen Genie kommen wie die Kelleresel zum Namen Tausendfuß, nicht weil sie soviele Füße haben, sondern weil die meisten nicht bis auf 14 zählen wollen, hat gemacht, daß ich keinem mehr ohne Prüfung glaube.
  • Tätige Menschenliebe ohne Verstand verfehlt so gut ihren Zweck als Menschenhaß ohne Macht.
  • Über nichts wird flüchtiger geurteilt als über die Charaktere der Menschen, und doch sollte man in nichts behutsamer sein.
  • Um sicher Recht zu tun, braucht man sehr wenig vom Recht zu wissen. Allein, um sicher Unrecht zu tun, muß man die Rechte studiert haben.
  • Um über gewisse Gegenstände mit Dreistigkeit zu schreiben, ist es fast notwendig, daß man nicht viel davon versteht.

Unser Leben kann man mit einem Wintertag vergleichen. Wir werden zwischen 12 und 1 des Nachts geboren, es wird 8 Uhr, ehe es Tag wird, vor 4 des Nachmittags wird es wieder dunkel, und um 12 sterben wir.

  • Unsere meisten Ausdrücke sind metaphorisch. Es steckt in denselben die Philosophie unserer Vorfahren.
  • Unsere Theologen wollen mit Gewalt aus der Bibel ein Buch machen, worin kein Menschenverstand ist.
  • Unsere Welt wird noch so fein werden, daß es so lächerlich sein wird, einen Gott zu glauben, als heutzutage Gespenster.
  • Unter die größten Entdeckungen, auf die der menschliche Verstand in den neuesten Zeiten gefallen ist, gehört meiner Meinung nach wohl die Kunst, Bücher zu beurteilen, ohne sie gelesen zu haben.
  • Unternimm nie etwas, wozu du nicht das Herz hast, dir den Segen des Himmels zu erbitten!
  • Verminderung der Bedürfnisse sollte wohl das sein, was man der Jugend durchaus einzuschärfen und wozu man sie zu stärken suchen müßte. Je weniger Bedürfnisse, desto glücklicher, ist eine alte, aber sehr bekannte Wahrheit.
  • Viele Menschen sehen die Tugend mehr im Bereuen der Fehler als im Vermeiden.
  • Viele Spötter meinen reich an Geist zu sein und sind nur arm an Takt.
  • Viele, die über Ablaßkrämerei in der katholischen Kirche lachen, üben sie täglich selbst. Wie mancher Mann von schlechtem Herzen glaubt sich mit dem Himmel ausgesöhnt, wenn er Almosen gibt.
  • Vieles Lesen macht stolz und pedantisch. Viel sehen macht weise, vernünftig und nützlich.
  • Vielleicht hält ein höheres Geschlecht von Geistern unsere Dichter wie wir die Nachtigallen und Kanarienvögel: Ihr Gesang gefällt ihnen eben deswegen, weil sie keinen Verstand darin finden.
  • Vom Wahrsagen läßt sich wohl leben in der Welt, aber nicht vom Wahrheit sagen.
  • Von dem Ruhm der berühmtesten Menschen gehört immer etwas der Blödsinnigkeit der Bewunderer zu.
  • Von einem französischen Atheisten, der Esprit hat, wird verlangt, daß er sich nur bei schmerzlichen Krankheiten und auf dem Todbette bekehrt. Unsere hingegen bekehren sich gemeiniglich bei jedem Donnerwetter.
  • Vorsicht im Urteilen ist, was heutzutage allen und jedem zu empfehlen ist.
  • Wahrhaftigkeit ist die größte List.
  • Warum sollte es nicht Stufen von Geistern bis zu Gott hinauf geben und unsere Welt das Werk von einem sein können, der die Sache noch nicht recht verstand?
  • Was bin ich? Was soll ich tun? Was kann ich glauben und hoffen? Hierauf reduziert sich alles in der Philosophie.
  • Was heißt „schwätzen“? „Schwätzen“ heißt, mit einer unbeschreiblichen Geschäftigkeit von den gemeinsten Dingen, die entweder schon jedermann weiß oder nicht wissen will, so weitläufig sprechen, daß darüber niemand zum Wort kommen kann und jedermann Zeit und Weile lang wird.
  • Was ist der Mensch im Schlaf? Er ist eine bloße Pflanze.
  • Was ist wohl die schlechteste und welches ist die schönste Tat, die du in deinem Leben nach deinem Urteil begangen hast?
  • Was mag wohl die Ursache sein, daß unangenehme Gedanken viel lebhafter schmerzen des Morgens, wenn man erwacht, als einige Zeit nachher, wenn man weiß, daß alles wacht, oder auch wenn man aufgestanden ist oder mitten am Tage oder auch des Abends?
  • Was man „Herz“ nennt, liegt weit tiefer als der vierte Westenknopf.
  • Weiber, die fünf Jahre gewartet haben, fangen wieder an, aber Musen, die fünf Jahre nicht gesungen haben, singen nie wieder.
  • Weil er seine eigenen Pflichten immer vernachlässigte, so behielt er Zeit übrig, zu sehen, wer von seinen Mitbürgern seine Pflichten vernachlässigte, um es der Obrigkeit anzuzeigen.
  • Wenn auch das Gehen auf zwei Beinen dem Menschen nicht natürlich ist, so ist es doch gewiss eine Erfindung, die ihm Ehre macht.
  • Wenn deine Gegenwart makellos ist, so untersucht man deine Vergangenheit.
  • Wenn die Erinnerung an die Jugend nicht wäre, so würde man das Alter nicht verspüren. Nur daß man das nicht mehr zu tun vermag, was ehemals vermochte, macht die Krankheit aus.
  • Wenn die Menschen nicht in Etagen wohnten, so wäre die halbe Erde schon mit Häusern angefüllt, so bauen wir schon in der Luft, wo wir nicht hingehören.
  • Wenn die Menschen plötzlich tugendhaft würden, so müßten viele Tausende verhungern.
  • Wenn die Menschen sagen, sie wollen nichts geschenkt haben, so ist es gemeiniglich ein Zeichen, daß sie etwas geschenkt haben wollen.
  • Wenn die Welt noch eine unzählbare Zahl von Jahren steht, so wird die Universal-Religion geläuterter Spinozismus sein.
  • Wenn du die Geschichte eines großen Verbrechers liest, so danke immer, ehe du ihn verdammst, dem gütigen Himmel, der dich mit deinem ehrlichen Gesicht nicht an den Anfang einer solche Reihe von Umständen gestellt hat.
  • Wenn du einmal eine Welt schaffst oder malst, so schaffe und male das Laster häßlich und alle giftigen Tiere scheußlich! So kannst du es besser übersehen. Aber beurteile Gottes Welt nicht nach der deinigen!
  • Wenn Du glücklich sein willst, so halte Dich um Himmels willen mit Deinem Fuhrwerk auf der Chaussee, denn sonst riskierst Du, daß Dir die Pfaffen die Pferde ausspannen.
  • Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen, und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buch?
  • Wenn eine Betschwester einen Betbruder heiratet, so gibt das nicht immer ein betendes Ehepaar.
  • Wenn ich einen Nagel einschlage, nur um etwas anzuheften, so denke ich immer: Was wird geschehen, ehe ich ihn wieder herausziehe?
  • Wenn ich Kinder und Geld hätte, so schickte ich sie bis ins 15. Jahr nach England, bis ihnen das Selbstdenken habituell würde und ihr natürlicher Verstand gesichert wäre und durch unsere polyhistorischen Schwatzmethoden nicht mehr verdorben werden könnte.
  • Wenn jemand alle glücklichen Einfälle seines Lebens sammelte, so würde ein gutes Werk daraus werden. Jedermann ist wenigstens des Jahres einmal ein Genie.
  • Wenn Leute ihre Träume aufrichtig erzählen wollten, da ließe sich der Charakter eher daraus erraten als aus dem Gesicht.
  • Wenn man die Menschen lehrt, wie sie denken sollen, und nicht ewighin, was sie denken sollen, so wird auch dem Mißverständnis vorgebeugt.
  • Wenn man Mitleid fühlt, so fragt man nicht erst andere Leute, ob man es fühlen soll.
  • Wenn man viel selbst denkt, so findet man viel Weisheit in die Sprache eingetragen.
  • Wenn Religion der Menge schmecken soll, so muß sie notwendig etwas vom Hautgout des Aberglaubens haben.
  • Wenn uns einmal ein höheres Wesen sagte, wie die Welt entstanden sei, so möchte ich wohl wissen, ob wir imstande wären, es zu verstehen. Ich glaube nicht.
  • Wenn unsern Pädagogen ihre Absicht gelingt, ich meine, wenn sie es dahin bringen können, daß sich die Kinder ganz unter ihrem Einfluß bilden, so werden wir keinen einzigen recht großen Mann mehr bekommen.
  • Wenn wir die Aufmerksamkeit auf schwache Empfindungen vermehren lernen, so können sie uns den Dienst von starken tun.
  • Wenn wir nur die Kinder dahin erziehen könnten, daß ihnen alles Undeutliche völlig unverständlich wäre.
  • Wenn wir von einem weisen Wesen auf diese Stelle gestellt worden sind, woran kein Zweifel ist, so laßt uns das Beste in dieser Situation tun und uns nicht durch Offenbarungen blenden, die alle betrügerisch sind. Was der Mensch zu seiner Glückseligkeit zu wissen nötig hat, das weiß er gewiß ohne alle Offenbarung.
  • Wer aus England nach Holland kommt, glaubt aus einer Gesellschaft wohlerzogener Offiziere unter Tamboure und Profosse versetzt zu sein.
  • Wer eine alte Tante zu beerben gedenkt, der mache ja keine Satiren auf Frauenzimmer über fünfzig, aber desto derbere auf alle unter vierzig.
  • Wer gegen sein Gesinde gut ist, ist meistens im Grunde gut. Man verstellt sich nicht leicht gegen Leute, die man für ihre Dienste bezahlt.
  • Wer in sich selbst verliebt ist, hat wenigstens bei seiner Liebe den Vorteil, daß er nicht viele Nebenbuhler erhalten wird.
  • Wer nichts als Chemie versteht, versteht auch die nicht recht.
  • Wer recht sehen will, was der Mensch tun könnte, wenn er wollte, darf nur an die Personen denken, die sich aus Gefängnissen gerettet haben oder haben retten wollen. Sie haben mit einem einzelnen Nagel so viel getan wie mit einem Mauerbrecher.
  • Wer sich sein eigenes Leiden klagt, klagt es sicherlich vergeblich. Wer es der Frau klagt, klagt es einem Selbst, das helfen kann und schon durch die Teilnahme hilft.
  • Wer sich selbst recht kennt, kann sehr bald alle anderen Menschen kennenlernen. Es ist alles Zurückstrahlung.
  • Wer weniger hat, als er begehrt, muß wissen, daß er mehr hat, als er wert ist.
  • Werke von großen Geistern sind Spiegel: Wenn ein Affe hineinguckt, kann kein Apostel heraussehen.
  • Widerwärtigkeiten sind Pillen, die man schlucken muß und nicht kauen.
  • Wie glücklich viele Menschen wären, wenn sie sich genau so wenig um die Angelegenheiten anderer bekümmerten wie um ihre eigenen!
  • Wie nah wohl zuweilen unsere Gedanken an einer großen Entdeckung hinstreichen mögen?
  • Wie sich körperlich viele für krank halten, ohne es zu sein, so halten umgekehrt geistig sich viele für gesund, die es nicht sind.
  • Wieviel in der Welt auf Vortrag ankommt, kann man schon daraus sehen, daß Kaffee, aus Weingläsern getrunken, ein sehr elendes Getränk ist.
  • Wir fressen einander nicht, wir schlachten uns nur.
  • Wir irren allesamt, nur jeder irret anders.
  • Wir kennen nur allein die Existenz unserer Empfindungen, Vorstellungen, Gedanken. „Es denkt“ sollte man sagen, so wie man sagt: „Es blitzt“. Zu sagen „Cogito“ ist schon zuviel.
  • Wir leben in einer Welt, worin ein Narr viele Narren, aber ein weiser Mann nur wenige Weise macht.
  • Wo Mäßigung ein Fehler ist, da ist Gleichgültigkeit ein Verbrechen.
  • Wo zuviel zu sehen ist, sehen wir nichts.
  • Woher kommt es doch, dass man bei ähnlichen Gesichtern so oft ähnliche Gesinnungen findet?
  • Wovon das Herz nicht voll ist, davon geht der Mund über, habe ich öfters wahr gefunden als den entgegengesetzten Satz.
  • Wunder müssen in der Ferne gesehen werden, wenn man sie für wahr, so wie Wolken, wenn man sie für feste Körper halten soll.
  • Zwei auf einem Pferd bei einer Prügelei – ein schönes Sinnbild für eine Staatsverfassung.
  • Zweifel muß nichts weiter sein als Wachsamkeit, sonst kann er gefährlich werden.
  • Zweifle an allem wenigstens einmal und wäre es auch der Satz „Zweimal zwei ist vier!“

Gerne fügen wir unserer Sammlung weitere Zitate, Sprüche und Aphorismen von Georg Christoph Lichtenberg hinzu!

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