Zitate & Sprüche Friedrich Nietzsche

Zitate, Sprüche und Weisheiten von Friedrich Nietzsche

Friedrich Wilhelm Nietzsche, geboren am 15.10.1844 in Röcken, verstorben am 25.08.1900 in Weimar zählt zu den bekanntesten deutschen Philologen. Mit seinem lyrischen Werk „Also sprach Zarathustra“ erlangte Friedrich Nietzsche bis heute Weltruhm.

Zitate Friedrich Nietzsche
Zitate, Sprüche und Lebensweisheiten von Friedrich Nietzsche

Stöbern Sie nachfolgend in der umfangreichen Sammlung an Sprüche, Zitaten und Weisheiten von Friedrich Nietzsche:

  • Aber der Staat lügt in allen Zungen des Guten und Bösen; und was er auch redet, er lügt – und was er auch hat, gestohlen hat er’s. Ach, auch euch, ihr großen Seelen, raunt er seine düsteren Lügen!
  • Aber es gibt etwas in mir, das ich Mut heiße: Das schlug bisher mir jeden Unmut tot.
  • Aber schlecht schläft es sich ohne einen guten Namen und einen kleinen Schatz.
  • Aberglaube ist die Freigeisterei zweiten Ranges.

Abseits vom Markte und Ruhme begibt sich alles Große.

  • Ach, wie sehr verlange ich nach Gesundheit! Man habe nur erst etwas vor, das länger dauern soll als man selber, dann dankt man für jede gute Nacht, für jeden warmen Sonnenstrahl, ja für jede geregelte Verdauung.
  • Achtet mir, meine Brüder, auf jede Stunde, wo Euer Geist in Gleichnissen reden will: Da ist der Ursprung Eurer Tugend.
  • Alle Menschen machen sich, wie zu allen Zeiten, auch jetzt noch zu Sklaven und Freien; denn wer von einem Tag nicht mindestens ein Drittel für sich hat, ist ein Sklave, mag er Minister oder Arbeiter sein.
  • Alle Vorurteile kommen aus den Eingeweiden.
  • Alleinsein schafft Übermut.
  • Alles Entscheidende entsteht trotzdem.
  • Alles gackert, aber wer will noch still auf dem Neste sitzen und Eier brüten?
  • Alles Geschehen aus Absichten ist reduzierbar auf die Absicht der Mehrung von Macht.
  • Alles, was Gold ist, glänzt nicht. Die sanfte Strahlung ist dem edelsten Metalle eigen.
  • Allgemein ist die Hast, weil jeder auf der Flucht vor sich selbst ist.
  • Allgenügsamkeit, die alles zu schmecken weiß, das ist nicht der beste Geschmack. Ich ehre die widerspenstigen, wählerischen Zungen und Mägen, welche „Ich“ und „Ja“ und „Nein“ sagen lernten.
  • Alt werden und einsam werden scheint dasselbe, und ganz zuletzt ist man wieder nur mit sich zusammen und macht andere durch seinen Tod einsam.
  • An die dumme Stirne gehört als Argument von Rechts wegen die geballte Faust.
  • Andern altert das Herz zuerst und andern der Geist. Und einige sind greis in der Jugend: aber spät jung erhält lang jung.
  • Anmaßung bei Verdiensten beleidigt noch mehr als Anmaßung von Menschen ohne Verdienst: Denn schon das Verdienst beleidigt.
  • Arzt, hilf dir selber! So hilfst du auch deinem Kranken noch. Das sei seine beste Hilfe, daß er den mit Augen sehe, der sich selber heil macht.
  • Auch der Mutigste von uns hat nur selten den Mut zu dem, was er eigentlich weiß.

Auch der vernünftigste Mensch bedarf von Zeit zu Zeit wieder der Natur, das heißt seiner unlogischen Grundstellung zu allen Dingen.

  • Aus Betenden müssen wir Segnende werden.
  • Bei einem längeren Gespräch wird auch der Weiseste einmal zum Narren und dreimal zum Tropf.
  • Bei unseren größten Männern muß man immer noch sagen: Möchten sie etwas mehr Genie haben und etwas weniger Schauspieler sein!
  • Bessere Lieder müßten sie mir singen, daß ich an ihren Erlöser glauben lerne. Erlöster müßten mir seine Jünger aussehen.
  • Besserung ist: Etwas sichtbar werden lassen von dem, was den guten Menschen gefällt. Nicht mehr!
  • Bettler aber sollte man ganz abschaffen! Wahrlich, man ärgert sich, ihnen zu geben, und ärgert sich, ihnen nicht zu geben.
  • Bildung ist das Leben im Sinne großer Geister mit dem Zwecke großer Ziele.
  • Bitte nie! Laß dies Gewimmer! Nimm, ich bitte dich, nimm immer!
  • Blas dich nicht auf: Sonst bringet dich zum Platzen schon ein kleiner Stich.
  • Bleib‘ nicht auf ebnem Feld! Steig‘ nicht so hoch hinaus! Am schönsten sieht die Welt von halber Höhe aus.
  • Das beste Mittel, jeden Tag gut zu beginnen ist, beim Erwachen daran zu denken, ob man nicht wenigstens einem Menschen an diesem Tage eine Freude machen könne.
  • Das Gebet ist für solche Menschen erfunden, welche eigentlich nie von sich aus Gedanken haben und denen eine Erhebung der Seele unbekannt ist oder unbemerkt verläuft.
  • Das Gift, an dem die schwächere Natur zugrundegeht, ist für den Starken Stärkung, und er nennt es auch nicht Gift.
  • Das Glück des Mannes heißt: Ich will. Das Glück des Weibes heißt: Er will.
  • Das Glück des Menschen beruht darauf, daß es für ihn eine undiskutierbare Wahrheit gibt.
  • Das Gute ist leicht. Alles Göttliche läuft auf zarten Füßen.
  • Das Hauptelement des Ehrgeizes ist, zum Gefühl seiner Macht zu kommen. Lob und Tadel, Liebe und Haß sind gleich für den Ehrsüchtigen, welcher Macht will.
  • Das Leben um der Erkenntnis willen ist vielleicht etwas Tolles, aber doch ein Zeichen von Frohmütigkeit. Der Mensch dieses Willens ist so lustig anzusehen wie ein Elefant, welcher versucht, auf seinem Kopfe zu stehen.
  • Das Schicksal des Menschen ist auf glückliche Augenblicke eingerichtet – jedes Leben hat solche -, aber nicht auf glückliche Zeiten.
  • Das Sitzfleisch – ich sagte es schon einmal – ist die eigentliche Sünde wider den heiligen Geist.
  • Das Talent manches Menschen erscheint geringer, als es ist, weil er sich immer zu große Aufgaben gestellt hat.
  • Das Weib lernt hassen in dem Maße, in dem es zu bezaubern verlernt.
  • Das Werk aller Erziehung ist, bewußte Tätigkeiten in mehr oder weniger unbewußte umzubilden.
  • Das widrigste Tier von Mensch, das ich fand, das taufte ich Schmarotzer. Das wollte nicht lieben und doch von Liebe leben.
  • Definition des Protestantismus: Die halbseitige Lähmung des Christentums und der Vernunft.
  • Dein wortloser Stolz geht immer wider den Geschmack. Sie frohlocken, wenn Du einmal bescheiden genug bist, eitel zu sein.
  • Dem Fleißigen neide ich seinen Fleiß: Goldhell und gleich fließt ihm der Tag herauf, goldhell und gleich zurück, hinab ins dunkle Meer – und um sein Lager blüht Vergessen, gliederlösendes.
  • Dem wird befohlen, der sich nicht selber gehorchen kann.

Demokratie ist die Verfallsform des Staates.

  • Den allermeisten von denen, welche von ihrer Universitätszeit an so selbstgefällig und ohne Scheu in den erstaunlichen Trümmern jener antiken Welt herumwandern, sollte eigentlich aus jedem Winkel eine mächtige Stimme entgegentönen: „Weg von hier, ihr Uneingeweihten, ihr niemals Einzuweihenden! Flüchtet schweigend aus diesem Heiligtum!“
  • Den Stil verbessern, das heißt den Gedanken verbessern.
  • Den Verwegnen hüte Dich zu warnen! Um der Warnung willen läuft er in jeden Abgrund noch.
  • Der Aphorismus, die Sentenz, in denen ich als der Erste unter Deutschen Meister bin, sind die Formen der „Ewigkeit“; mein Ehrgeiz ist, in zehn Sätzen zu sagen, was jeder andre in einem Buche sagt – was jeder andre in einem Buche nicht sagt.
  • Der Asket macht aus der Tugend eine Not.
  • Der Autor hat den Mund zu halten, wenn sein Werk den Mund auftut.
  • Der Besitz besitzt. Er macht die Menschen kaum unabhängiger.
  • Der Bettler empfindet den Mangel lange nicht so, als er ihn empfinden machen muss, wenn er vom Betteln leben will.
  • Der Brief ist ein unangemeldeter Besuch, der Briefbote der Vermittler unhöflicher Überfälle. Man sollte alle acht Tage eine Stunde zum Briefempfangen haben und danach ein Bad nehmen.
  • Der christliche Entschluß, die Welt häßlich und schlecht zu finden, hat die Welt häßlich und schlecht gemacht.
  • Der Denker bedarf des Beifalls und des Händeklatschens nicht, vorausgesetzt, dass er seines eigenen Händeklatschens sicher ist: Dies aber kann er nicht entbehren.
  • Der Egoismus ist etwas Spätes und immer noch Seltenes. Die Herden-Gefühle sind mächtiger und älter.
  • Der eine geht zum Nächsten, weil er sich sucht, und der andre, weil er sich verlieren möchte.
  • Der Fanatismus ist die einzige „Willensstärke“, zu der auch die Schwachen und Unsicheren gebracht werden können.

Der getretene Wurm krümmt sich. So ist es klug. Er verringert damit die Wahrscheinlichkeit, von neuem getreten zu werden. In der Sprache der Moral: Demut.

  • Der Glaube an Autorität ist die Quelle des Gewissens: Es ist also nicht die Stimme Gottes in der Brust des Menschen, sondern die Stimme einiger Menschen im Menschen.
  • Der Glaube kann zwar keine Berge versetzen, aber er vermag Berge dorthin zu setzen, wo keine sind.
  • Der große Vorzug adliger Abkunft ist, dass sie die Armut besser ertragen lässt.
  • Der Held ist heiter. Das entging bisher den Tragödiendichtern.
  • Der Irrsinn ist bei Einzelnen etwas Seltenes, aber bei Gruppen, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel.
  • Der kleine Mensch, sonderlich der Dichter, wie eifrig klagt er das Leben in Worten an! Hört hin, aber überhört mir die Lust nicht, die in allem Anklagen ist!
  • Der Mann ist für das Weib ein Mittel: Der Zweck ist immer das Kind.
  • Der Mann macht sich das Bild des Weibes, und das Weib bildet sich nach diesem Bilde.
  • Der Mensch aber ist das mutigste Tier: Damit überwand er jedes Tier.
  • Der Mensch hat eine wahre Wollust darin, sich durch übertriebene Ansprüche zu vergewaltigen und dieses tyrannisch fordernde Etwas in seiner Seele nachher zu vergöttern.
  • Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch. Ein gefährliches Hinüber, ein gefährliches Auf-dem-Wege, ein gefährliches Zurückblicken, ein gefährliches Schaudern und Stehenbleiben. Was groß ist am Menschen, das ist, daß er eine Brücke und kein Zweck ist.
  • Der Mut schlägt auch den Schwindel tot an Abgründen: Und wo stünde der Mensch nicht an Abgründen! Ist Sehen nicht selber – Abgründe sehen?
  • Der Sturm der Begierde reißt den Mann mitunter in eine Höhe hinauf, wo alle Begierde schweigt: dort, wo er wirklich liebt, und noch mehr in einem besseren Sein als besserem Wollen lebt.
  • Der Wille zum System ist ein Mangel an Rechtschaffenheit.
  • Der Witz ist das Epigramm auf dem Tod eines Gefühls.
  • Der Zuwachs an Weisheit läßt sich genau nach der Abnahme an Galle bemessen.
  • Der, welcher etwas Großes schenkt, findet keine Dankbarkeit; denn der Beschenkte hat schon durch das Annehmen zuviel Last.
  • Der, welcher keine Bücher schreibt, viel denkt und in unzureichender Gesellschaft lebt, wird gewöhnlich ein guter Briefschreiber sein.
  • Die Ähnlichkeit und Gleichmacherei sind das Merkmal schwacher Augen.
  • Die Anhänger eines großen Mannes pflegen sich zu blenden, um sein Lob besser singen zu können.
  • Die Arbeit ist eine Schmach, weil das Dasein keinen Wert an sich hat.
  • Die Aufgabe der Gebildeten: Wahrhaftig zu sein und sich wirklich in ein Verhältnis zu allem Großen zu setzen.
  • Die Bestie in uns will belogen werden; Moral ist Notlüge, damit wir von ihr nicht zerrissen werden.
  • Die Bildung wird täglich geringer, weil die Hast größer wird.
  • Die Bosheit hat nicht das Leid des andern an sich zum Ziel, sondern unsern eigenen Genuss.
  • Die Deutschen haben das Pulver erfunden – alle Achtung! Aber sie haben es wieder quitt gemacht: Sie erfanden die Presse.
  • Die Dichter sind gegen ihre Erlebnisse schamlos: Sie beuten sie aus.
  • Die Ehe ist die verlogenste Form des Geschlechtsverkehrs, und eben deshalb hat sie das gute Gewissen auf ihrer Seite.
  • Die einen werden durch großes Lob schamhaft, die anderen frech.

Die Einsamkeit macht uns härter gegen uns und sehnsüchtiger gegen die Menschen: In beiden verbessert sie den Charakter.

  • Die Eitelkeit anderer geht uns nur dann wider den Geschmack, wenn sie wider unsere eigene Eitelkeit geht.
  • Die Empörung über das Unglück des anderen ist der männliche Bruder des Mitleidens.
  • Die Folgen unsrer Handlungen fassen uns am Schopfe, sehr gleichgültig dagegen, daß wir uns inzwischen „gebessert“ haben.
  • Die Forderung geliebt zu werden, ist die größte der Anmaßungen.
  • Die geistige Aufklärung ist ein unfehlbares Mittel, um die Menschen unsicher, willensschwächer, anschluß- und stützenbedürftiger zu machen, kurz, das Herdentier im Menschen zu entwickeln.
  • Die gewöhnlichste Form des Wissens ist die ohne Bewußtheit. Bewußtheit ist Wissen um ein Wissen.
  • Die Gewöhnung an Ironie ebenso wie die an Sarkasmus, verdirbt übrigens den Charakter. Sie verleiht allmählich die Eigenschaft einer schadenfrohen Überlegenheit: Man ist zuletzt einem bissigen Hunde gleich, der noch das Lachen gelernt hat außer dem Beißen.
  • Die Grausamkeit gehört zu den ältesten Festfreuden der Menschheit. Folglich denkt man sich auch die Götter erquickt und festlich gestimmt, wenn man ihnen den Anblick der Grausamkeit anbietet. Und so schleicht sich die Vorstellung in die Welt, daß freiwillige Leiden, die selbsterwählte Marter einen guten Sinn und Wert haben.
  • Die Grenzen der menschlichen Vernunft begreifen – das erst ist wahrhaft Philosophie.
  • Die großen Ideen kommen auf Taubenfüßen daher.
  • Die größten Ereignisse, das sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden.
  • Die höchsten Menschen leiden am meisten am Dasein, aber sie haben auch die größten Gegenkräfte.
  • Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden Bach des Lebens.
  • Die Humanität der Berühmten des Geistes besteht darin, im Verkehr mit Unberühmten auf eine verbindliche Art Unrecht zu behalten.
  • Die Huren sind ehrlich und tun, was ihnen lieb ist, und ruinieren nicht den Mann durch das Band der Ehe.
  • Die Liebe vergibt dem Geliebten sogar die Begierde.
  • Die mächtigsten Menschen haben immer die Architekten inspiriert; der Architekt war stets unter der Suggestion der Macht. Im Bauwerk soll sich der Stolz, der Sieg über die Schwere, der Wille zur Macht versichtbaren.
  • Die Menschen wissen ein Gespräch nicht zu benutzen. Sie verwenden bei weitem zuviel Aufmerksamkeit auf das, was sie sagen und entgegnen wollen, während der wirkliche Hörer sich oft begnügt, vorläufig zu antworten und etwas als Abschlagszahlung der Höflichkeit überhaupt zu sagen, dagegen mit seinem hinterhaltigen Gedächtnis alles davonträgt, was der andere geäußert hat, nebst der Art und Ton und Gebärde, wie er es äußerte.
  • Die Mutter der Ausschweifung ist nicht die Freude, sondern die Freudlosigkeit.
  • Die Phantasie der Angst ist jener böse, äffische Kobold, der dem Menschen gerade dann noch auf den Rücken springt, wenn er schon am schwersten zu tragen hat.
  • Die schlechtesten Leser sind die, welche wie plündernde Soldaten verfahren: Sie nehmen sich einiges, was sie brauchen können, heraus, beschmutzen und verwirren das übrige und lästern auf das Ganze.
  • Die stillsten Worte sind es, welche den Sturm bringen. Gedanken, die mit Taubenfüßen kommen, lenken die Welt.

Die Vertraulichkeit des Überlegenen erbittert, weil sie nicht zurückgegeben werden darf.

  • Die Wahrheiten des Menschen sind die unwiderlegbaren Irrtümer.
  • Die Welt in ihrer Tiefe verstehen heißt den Widerspruch verstehen.
  • Die wertvollsten Einsichten werden am spätesten gefunden, aber die wertvollsten Einsichten sind die Methoden.
  • Die witzigsten Autoren erzeugen das kaum bemerkbarste Lächeln.
  • Dies aber ist das Dritte, was ich hörte: Daß Befehlen schwerer ist als Gehorchen.
  • Diese Werkstätte, wo man Ideale fabriziert – mich dünkt, sie stinkt vor lauter Lügen.
  • Dieser ging wie ein Held auf Wahrheiten aus, und endlich erbeutete er sich eine kleine geputzte Lüge. Seine Ehe nennt er’s.
  • Ein Beruf macht gedankenlos, darin liegt sein größter Segen. Denn er ist eine Schutzwehr, hinter welche man sich, wenn Bedenken und Sorgen allgemeiner Art anfallen, erlaubtermaßen zurückziehen kann.
  • Ein Bündnis ist fester, wenn die Verbündeten aneinander glauben, als sie voneinander wissen.
  • Ein Deutscher ist großer Dinge fähig, aber es ist unwahrscheinlich, daß er sie tut.
  • Ein Glück bleibt es bei alledem, wenn man in der Einsamkeit mit sich selber fertig werden kann. Aber wie viele sind gebunden und müssen ihr Elend im Verkehr mit Menschen doppelt tragen!
  • Ein Herz voll Tapferkeit und guter Dinge braucht von Zeit zu Zeit etwas Gefahr, sonst wird ihm die Welt unausstehlich.

Ein Mensch mit Genie ist unausstehlich, wenn er nicht mindestens noch zweierlei dazu besitzt: Dankbarkeit und Reinlichkeit.

  • Eine Behauptung wirkt stärker als ein Argument, wenigstens bei der Mehrzahl der Menschen: Denn das Argument weckt Misstrauen. Deshalb suchen die Volksredner die Argumente ihrer Partei durch Behauptungen zu sichern.
  • Eine feine Seele bedrückt es, sich jemandem zum Dank verpflichtet zu wissen, eine grobe, jemandem zu Dank verpflichtet zu sein.
  • Eine Frau, die begreift, daß sie den Flug ihres Mannes hemmt, soll sich trennen. Warum hört man von diesem Akt der Liebe nicht?
  • Einen anderen nicht beurteilen wollen, ist oft ein Zeichen von Humanität.
  • Einige Stunden Bergsteigen machen aus einem Schuft und einem Heiligen zwei ziemlich gleiche Geschöpfe. Die Ermüdung ist der kürzeste Weg zur Gleichheit und Brüderlichkeit – und die Freiheit wird endlich durch den Schlaf hinzugegeben.
  • Elf Zwölftel aller großen Männer der Geschichte waren nur Repräsentanten einer großen Sache.
  • Erkennen heißt: Alle Dinge zu unserem Besten verstehen.
  • Es gibt bei jeder Handlung erstens das wirkliche Motiv, das verschwiegen wird, zweitens das präsentable, eingeständliche Motiv.
  • Es gibt eine Unschuld der Bewunderung: Der hat sie, dem es noch nicht in den Sinn gekommen ist, auch er könne einmal bewundert werden.
  • Es gibt einen Trotz gegen sich selbst, zu dessen sublimiertesten Äußerungen manche Formen der Askese gehören. Gewisse Menschen haben nämlich ein so hohes Bedürfnis, ihre Gewalt und Herrschsucht auszuüben, dass sie, in Ermangelung anderer Objekte oder weil es ihnen sonst immer misslungen ist, endlich darauf verfallen, gewisse Teile ihres eigenen Wesens, gleichsam Ausschnitte oder Stufen ihrer selbst, zu tyrannisieren.
  • Es gibt keinen Teufel und keine Hölle. Deine Seele wird noch schneller tot sein als dein Leib. Fürchte nun nichts mehr!
  • Es gibt Verluste, welche der Seele eine Erhabenheit mitteilen, bei der sie sich des Jammers enthält und sich wie unter hohen schwarzen Zypressen schweigend ergeht.
  • Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe. Es ist aber immer auch etwas Vernunft im Wahnsinn.
  • Es ist leichter, einer Begierde ganz zu entsagen, als in ihr Maß zu halten.
  • Es ist mehr Vernunft in deinem Leibe als in deiner besten Weisheit.
  • Es ist mit dem Menschen wie mit dem Baume. Je mehr er hinauf in die Höhe und Helle will, um so stärker streben seine Wurzeln erdwärts, abwärts, ins Dunkle, Tiefe, ins Böse.
  • Es ist schwer, mit Menschen zu leben, weil schweigen so schwer ist.
  • Es sollte nicht erlaubt sein, im Zustande der Verliebtheit einen Entschluß über sein Leben zu fassen und einer heftigen Grille wegen den Charakter seiner Gesellschaft ein für allemal festzusetzen: Man sollte die Schwüre der Liebenden öffentlich für ungültig erklären und ihnen die Ehe verweigern: Weil man die Ehe unsäglich wichtiger nehmen sollte!
  • Es war auch undeutlich. Was hat er uns darob gezürnt, dieser Zornschnauber, daß wir ihn schlecht verstünden! Aber warum sprach er nicht reinlicher? Und lag es an unseren Ohren, warum gab er uns Ohren, die ihn schlecht hörten?
  • Es zeigt die Schwärmerei und vielleicht die höhere Gesinnung des Mannes, daß er das Weib schön will. Es zeigt den größeren Verstand und die Nüchternheit der Weiber (vielleicht auch ihren Mangel an ästhetischem sinne), daß sie auch die häßlichen Männer annehmen; sie sehen mehr auf die Sache.
  • Eure Liebe zum Weibe und des Weibes Liebe zum Manne: Ach, möchte sie doch Mitleiden sein mit leidenden und verhüllten Göttern! Aber zumeist erraten zwei Tiere einander.
  • Formel meines Glücks: Ein Ja, ein Nein, eine gerade Linie, ein Ziel.
  • Freigebigkeit ist bei Reichen oft nur eine Art Schüchternheit.
  • Für den Einsamen ist schon Lärm ein Trost.
  • Fuß und Augen sollen nicht lügen, noch sich einander lügen strafen. Aber es ist viel Lügnerei bei den kleinen Leuten.
  • Gar nicht von sich reden, ist eine sehr vornehme Heuchelei.
  • Gebildet sein heißt nun: Sich nicht merken lassen, wie elend und schlecht man ist, wie raubtierhaft im Streben, wie unersättlich im Sammeln, wie eigensüchtig und schamlos im Genießen.
  • Gedanken sind Zeichen von einem Spiel und Kampf der Affekte.
  • Gegen einen Feind gibt es kein besseres Gegenmittel als einen zweiten Feind.
  • Goldne Zeit, da man den Übermut für die Quelle des Bösen hielt!
  • Grausamkeit ist das Heilmittel des verletzten Stolzes.
  • Grobe Menschen, welche sich beleidigt fühlen, pflegen den Grad der Beleidigung so hoch als möglich zu nehmen und erzählen die Ursache mit stark übertreibenden Worten, um nur in dem einmal erweckten Haß- und Rachegefühl sich recht ausschwelgen zu können.
  • Grobheit ist die humanste Form des Widerspruchs.
  • Große Verbindlichkeiten machen nicht dankbar, sondern rachsüchtig.
  • Gründe machen den Pöbel mißtrauisch. Und wenn da einmal Wahrheit zum Siege kam, so fragt Euch mit gutem Mißtrauen: „Welch starker Irrtum hat für sie gekämpft?“
  • Gute Lieder wollen gut widerhallen: Nach guten Liedern soll man lange schweigen.
  • Gutmütig und tückisch – ein solches Nebeneinander, widersinnig in bezug auf jedes andere Volk, rechtfertigt sich leider zu oft in Deutschland: Man lebe nur eine Zeitlang unter Schwaben!
  • Habt ihr acht gegeben, was für Menschen am meisten Wert auf strengste Gewissenhaftigkeit legen? Die welche sich vieler erbärmlicher Empfindungen bewußt sind, ängstlich von sich und an sich denken und Angst vor anderen haben.
  • Hast du eine große Freude an etwas gehabt, so nimm Abschied! Nie kommt es zum zweiten Male.
  • Hat man bemerkt, dass im Himmel alle interessanten Menschen fehlen?“
  • Hat man Charakter, so hat man auch sein typisches Erlebnis, das immer wieder kommt.
  • Heroismus – das ist die Gesinnung eines Menschen, welcher ein Ziel erstrebt, gegen das gerechnet er gar nicht mehr in Betracht kommt. Heroismus ist der gute Wille zum Selbst-Untergang.
  • Hier ist ein Heros, der nichts getan, als den Baum geschüttelt, sobald die Früchte reif waren. Dünkt euch dies zu wenig, so seht euch den Baum erst an, den er schüttelte!
  • Hüte dich auch vor den Anfällen deiner Liebe! Zu schnell streckt der Einsame dem die Hand entgegen, der ihm begegnet.
  • Ich bin ein Wanderer und ein Bergsteiger, sagte er zu seinem Herzen, ich liebe die Ebenen nicht, und es scheint, ich kann nicht lange still sitzen. Und was mir nun auch noch als Schicksal und Erlebnis komme – ein Wandern wird darin sein und ein Bergsteigen: Man erlebt endlich nur noch sich selbst.
  • Ich bin höflich gegen sie, wie gegen alles kleine Ärgernis. Gegen das Kleine stachlicht zu sein, dünkt mich eine Weisheit für Igel.

Ich bin meiner Weisheit überdrüssig, wie die Biene, die des Honigs zuviel gesammelt hat.
Ich bedarf der Hände, die sich ausstrecken.

  • Ich bin peinlich gerecht, weil es die Distanz aufrecht erhält.
  • Ich fand bei Plutarch, mit welchen Mitteln sich Cäsar gegen Kränklichkeit und Kopfschmerz verteidigte: Ungeheure Märsche, einfache Lebensweise, ununterbrochener Aufenthalt im Freien, Strapazen.
  • Ich liebe die Tapferen, aber es ist nicht genug, Haudegen sein. Man muß auch wissen Hau-schau-wen!
  • Ich rede von der Demokratie als etwas Kommendem. Das, was schon jetzt so heißt, unterscheidet sich von den älteren Regierungsformen allein dadurch, daß es mit neuen Pferden fährt: Die Straßen sind noch die alten und die Räder sind auch noch die alten.
  • Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.
  • Ich verstehe unter Geist, wie man sieht, die Vorsicht, die Geduld, die List, die Verstellung, die große Selbstbeherrschung und alles, was Mimikry ist.
  • Ihr habt den Weg vom Wurme zum Menschen gemacht, und vieles ist in euch noch Wurm. Einst wart ihr Affen, und auch jetzt noch ist der Mensch mehr Affe als irgendein Affe.
  • Ihr leidet mir noch nicht genug; denn Ihr littet an Euch, Ihr littet noch nicht am Menschen.
  • Ihr sollt nur Feinde haben, die zu hassen sind, aber nicht Feinde zum Verachten. Ihr müßt stolz auf Euern Feind sein, also lehrte ich schon einmal. Dem würdigeren Feinde, o meine Freunde, sollt Ihr Euch aufsparen. Darum müßt Ihr an Vielen vorübergehn.
  • Ihr Verzweifelnden! Wieviel Mut macht ihr denen, die euch zuschaun!
  • Im Beifall ist immer eine Art Lärm: selbst in den Beifall, den wir uns selber zollen.
  • In allen Augenblicken, wo wir unser Bestes tun, arbeiten wir nicht. Arbeit ist nur ein Mittel zu diesen Augenblicken.
  • In dem großen Strudel von Kräften steht der Mensch und bildet sich ein, jener Strudel sein vernünftig und habe einen vernünftigen Zweck: Irrtum! Das einzige Vernünftige, was wir kennen, ist das bißchen Vernunft des Menschen. Er muß es sehr anstrengen, und es läuft immer zu seinem Verderben aus, wenn er sich etwa der „Vorsehung“ überlassen wollte.
  • In der Leutseligkeit ist nichts von Menschenhaß, aber eben darum allzuviel von Menschenverachtung.
  • In der Natur fühlen wir uns so wohl, weil sie kein Urteil über uns hat.
  • In Frankreich möchte sich der esprit gern Genie geben. In Deutschland möchte sich das Genie gern esprit geben.
  • In jeder Art der weiblichen Liebe kommt auch etwas von der mütterlichen Liebe zum Vorschein.
  • In mancher Hinsicht sucht sich auch der Asket das Leben leicht zu machen: und zwar gewöhnlich durch die vollkommene Unterordnung unter einen fremden Willen oder unter ein umfängliches Gesetz oder Ritual.
  • In Wahrheit heißt etwas wollen ein Experiment machen, um zu erfahren, was wir können.
  • Ist denn mein Erleben von gestern? Das ist lange her, daß ich die Gründe meiner Meinungen erlebte. Müßte ich nicht ein Faß sein von Gedächtnis, wenn ich auch meine Gründe bei mir habe wollte?
  • Ist es nicht besser, in die Hände eines Mörders zu geraten als in die Träume eines brünstigen Weibes?

Je abstrakter die Wahrheit ist, die du lehren willst, umso mehr musst du noch die Sinne zu ihr verführen.

  • Jedem das Seine geben: Das wäre die Gerechtigkeit wollen und das Chaos erreichen.
  • Jeder auserlesene Mensch trachtet instinktiv nach seiner Burg und Heimlichkeit, wo er von der Menge, den vielen, den allermeisten erlöst ist, wo er die Regel „Mensch“ vergessen darf als deren Ausnahme.
  • Jeder Umgang ist schlechter Umgang außer dem mit seinesgleichen.
  • Jedermann hat gerade so viel Eitelkeit, als es ihm an Verstand fehlt.
  • Jedermann trägt ein Bild des Weibes von der Mutter her in sich. Davon wird er bestimmt, die Weiber überhaupt zu verehren oder sie geringzuschätzen oder gegen sie im allgemeinen gleichgültig zu sein.
  • Junge Menschen, deren Leistungen Ihrem Ehrgeiz nicht gemäß sind, suchen sich einen Gegenstand zum Zerreißen aus Rache, meistens Personen, Stände, Rassen, welche nicht gut Wiedervergeltung üben können.
  • Kalte Seele, Maultiere, Blinde, Trunkene heißen mir nicht herzhaft. Herz hat, wer Furcht kennt, aber Furcht zwingt, wer den Abgrund sieht, aber mit Stolz.
  • Kein Strom ist durch sich selber groß und reich: Sondern daß er soviele Nebenflüsse aufnimmt und fortführt, das macht ihn dazu. So steht es auch mit allen Größen des Geistes.
  • Konvention heißt Übereinkommen in Worten und Handlungen ohne Übereinkommen des Gefühls.
  • Körnige Gedrängtheit, Ruhe und Reife – wo du diese Eigenschaften bei einem Autor findest, da mache Halt und feiere ein Fest mitten in der Wüste: Es wird dir lange nicht wieder so wohl werden.

Kultur ist Einheit des künstlerischen Stils in allen Lebensäußerungen eines Volkes.

  • Kunst kommt von Können. Käme es von Wollen, so hieße es Wulst.
  • Leiden war’s und Unvermögen – das schuf alle Hinterwelten, und jener kurze Wahnsinn des Glücks, den nur der Leidendste erfaßt.
  • Lernen wir besser uns freuen, so verlernen wir am besten, anderen wehe zu tun.
  • Lieber eine Feindschaft aus ganzem Holz als eine geleimte Freundschaft.
  • Lieber sich bestehlen lassen, als Vogelscheuchen um sich zu haben – das ist mein Geschmack.
  • Löst mir das Rätsel, das dies Wort versteckt: „Das Weib erfindet, wenn der Mann entdeckt.“
  • Machen wir es nicht im Wachen wie im Traum? Immer erfinden und erdichten wir erst den Menschen, mit dem wir verkehren.
  • Man bleibt nur gut, wenn man vergißt.
  • Man bricht das Bein selten, solange man im Leben mühsam aufwärts steigt – aber wenn man anfängt, es sich leicht zu machen und die bequemen Wege zu wählen.
  • Man darf über seine Freunde nicht reden: Sonst verredet man sich das Gefühl der Freundschaft.
  • Man darf wohl eine Bitte abweisen, aber nimmermehr darf man einen Dank abweisen oder, was dasselbe ist, ihn kalt und konventionell annehmen. Dies beleidigt tief.
  • Man denkt sich den moralischen Unterschied zwischen einem ehrlichen Manne und einem Spitzbuben viel zu groß.
  • Man gefällt durch den Geist, den man zu kosten gibt, aber man wird gefürchtet um des Geistes willen, den man verschluckt.
  • Man greift nicht nur an, um jemandem weh zu tun, ihn zu besiegen, sondern vielleicht auch nur, um sich seiner Kraft bewusst zu werden.
  • Man habe nur die Fähigkeit, fortwährend ein lebendiges Spiel zu sehen und immerfort von Geisterscharen umringt zu leben, so ist man Dichter.
  • Man lobt oder tadelt, je nachdem das eine oder das andere mehr Gelegenheit gibt, unsere Urteilskraft leuchten zu lassen.
  • Man muss aufhören, sich essen zu lassen, wenn man am besten schmeckt.
  • Man muss die Gerüste wegnehmen, wenn das Haus gebaut ist.
  • Man muss die Probe machen, wer von den Freunden und von denen, welchen „unser Wohl am Herzen liegt“, standhält: Behandelt sie einmal grob!
  • Man muss für seinen Arzt geboren sein, sonst geht man an seinem Arzt zugrunde.
  • Man muss sich verdunkeln können, um die Mückenschwärme allzu lästiger Bewunderer loszuwerden.
  • Man muß verstehen, ein Schwamm zu sein, wenn man von übervollen Herzen geliebt sein will.
  • Man nehme sich vor allen Personen in acht, welche das bittere Gefühl des Fischers haben, der nach mühevollem Tagewerk am Abend mit leeren Netzen heimfährt!
  • Man schreibt im Angesichte der Poesie gute Prosa; denn diese ist ein ununterbrochener artiger Krieg mit der Poesie.
  • Man widerspricht oft einer Meinung, während uns eigentlich nur der Ton mißfällt, in dem sie vorgetragen wurde.
  • Man wird selten irren, wenn man extreme Handlungen auf Eitelkeit, mittelmäßige auf Gewöhnung und kleinliche auf Furcht zurückführt.
  • Manche Mutter braucht glückliche, geehrte Kinder, manche unglückliche: Sonst kann sich ihre Güte als Mutter nicht zeigen.
  • Mancher weiß nicht, wie reich er ist, bis er erfährt, was für reiche Menschen an ihm noch zu Dieben werden.
  • Mancher wird auch für seine Wahrheiten und Siege zu alt; ein zahnloser Mund hat nicht mehr das Recht zu jeder Wahrheit.
  • Mancher wird nur deshalb kein Denker, weil sein Gedächtnis zu gut ist.
  • Männer halten selten einen Beruf aus, von dem sie nicht glauben oder sich einreden, er sei im Grunde wichtiger als alle anderen. Ebenso ergeht es Frauen mit ihren Liebhabern.
  • Menschen, die nach Größe streben, sind gewöhnlich böse Menschen.
  • Mißtraut allen, in welchen der Trieb zu strafen allmächtig ist!
  • Mit Behagen aber verträgt sich nur die bescheidene Tugend.
  • Mit einem Talent mehr steht man oft unsicherer als mit einem weniger: Wie der Tisch besser auf drei als auf vier Füßen steht.
  • Mit einer sehr lauten Stimme im Halse ist man fast außerstande, feine Sachen zu denken.
  • Muß nicht der, welcher die Menge bewegen will, der Schauspieler seiner selbst sein? Muß er sich nicht selber erst ins Grotesk-Deutliche übersetzen und seine ganze Person und Sache in dieser Vergröberung und Vereinfachung vortragen?
  • Mutige Leute überredet man dadurch zu einer Handlung, dass man dieselbe gefährlicher darstellt, als sie ist.
  • Mütter sind leicht eifersüchtig auf die Freunde ihrer Söhne, wenn diese besondere Erfolge haben. Gewöhnlich liebt eine Mutter sich mehr in ihrem Sohne als den Sohn selbst.
  • Neues will der Edle schaffen und eine neue Tugend. Altes will der Gute und daß Altes erhalten bleibe.

Nicht der Mangel der Liebe, sondern der Mangel der Freundschaft
macht die unglücklichen Ehen.

  • Nicht die Stärke, sondern die Dauer der hohen Empfindung macht die hohen Menschen.
  • Nicht fort sollt Ihr Euch entwickeln, sondern hinauf.
  • Nicht gegen den, der uns zuwider ist, sind wir am unbilligsten, sondern gegen den, welcher uns gar nichts angeht.
  • Nicht ihre Menschenliebe, sondern die Ohnmacht ihrer Menschenliebe hindert die Christen von heute, uns zu verbrennen.
  • Nicht nur fort sollt Du Dich pflanzen, sondern hinauf.
  • Nicht wir gegen den Gedanken Audienz, sondern die Gedanken geben uns Audienz.
  • Nicht woher Ihr kommt, mache Euch fürderhin Eure Ehre, sondern wohin Ihr geht.
  • Nichts ist kostspieliger als der Anfang.
  • Niemand dankt dem geistreichen Menschen die Höflichkeit, wenn er sich einer Gesellschaft gleichstellt, in der es nicht höflich ist, Geist zu zeigen.
  • Niemand weiß, welche Nachricht von Bedeutung ist, bevor hundert Jahre vergangen sind.
  • Nur wer Geist hat, sollte Besitz haben: sonst ist der Besitz gemeingefährlich.
  • Nur wer weiß, wohin er fährt, weiß auch, welcher Wind gut ist.
  • Oh, ihr empfindsamen Heuchler, ihr Lüsternen! Euch fehlt die Unschuld in der Begierde: Und nun verleumdet ihr darum das Begehren!
  • Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.
  • Phlegmatische Naturen sind nur so zu begeistern, dass man sie fanatisiert.
  • So sprach mir ein Weib: „Wohl brach ich die Ehe, aber zuerst brach die Ehe mich!“
  • So steigt der Mensch auf gefährlichen Wegen in die höchsten Gebirge, um über seine Ängstlichkeit und seine schlotternden Knie Hohn zu lachen.
  • Stil und Geist von Briefen sind immer das eigentliche Zeichen der Zeit.
  • Tiefdenkende Menschen kommen sich im Verkehr mit anderen als Komödianten vor, weil sie sich da, um verstanden zu werden. immer erst eine Oberfläche anheucheln müssen.
  • Unbeliebten Personen rechnen wir die Artigkeiten, welche sie uns erweisen, zum Vergehen an.
  • Unbewegt ist meine Seele und hell wie das Gebirge am Vormittag. Aber sie meinen, ich sei kalt und ein Spötter.
  • Und andere gibt es, die heißen Tugend das Faulwerden ihrer Laster, und wenn ihr Haß und ihre Eifersucht einmal die Glieder strecken, wird ihre Gerechtigkeit munter und reibt sich die verschlafenen Augen.
  • Und niemand lügt soviel als der Entrüstete.
  • Und wahrlich, wieviel geriet schon! Wie reich ist diese Erde an kleinen guten vollkommenen Dingen, an Wohlgeratenem!
  • Und wenn dir nunmehr alle Leitern fehlen, so musst du verstehen, noch auf deinen eigenen Kopf zu steigen: wie wolltest du anders aufwärts steigen?
  • Unser Charakter wird noch mehr durch den Mangel gewisser Erlebnisse als durch das, was man erlebt, bestimmt.
  • Unsere gelegentliche Gleichgültigkeit und Kälte gegen Menschen, welche uns als Härte und Charaktermangel ausgelegt wird, ist häufig nur eine Ermüdung des Geistes.
  • Unsere Meinungen: die Haut, in der wir gesehen werden wollen.
  • Unsere Pflichten – das sind die Rechte auf uns.
  • Unter hilfreichen und wohltätigen Menschen findet man jene plumpe Arglist fast regelmäßig vor, welche sich den, dem geholfen werden soll, erst zurechtmacht: Ob er zum Beispiel Hilfe „verdiene“, gerade nach ihrer Hilfe verlange und für alle Hilfe sich ihnen tief dankbar, anhänglich, unterwürfig beweisen werde. Mit diesen Einbildungen verfügen sie über den Bedürftigen wie über ein Eigentum.
  • Unter zwölf Aposteln muss immer einer hart wie Stein sein, damit auf ihm die neue Kirche gebaut werden könne.
  • Vergnügungsreisende: Sie steigen wie Tiere den Berg hinauf, dumm und schwitzend; man hatte ihnen zu sagen vergessen, dass es unterwegs schöne Aussichten gebe.
  • Verloren sei uns der Tag, wo nicht ein Mal getanzt wurde! Und falsch heiße uns jede Wahrheit, bei der es nicht ein Gelächter gab!
  • Viel von sich reden, kann auch ein Mittel sein, sich zu verbergen.
  • Viele Menschen warten ihr Leben lang auf die Gelegenheit, auf ihre Art gut zu sein.
  • Voll von feierlichen Possenreißern ist der Markt, und das Volk rühmt sich seiner großen Männer.
  • Von dem, was du erkennen und messen willst, mußt du Abschied nehmen, wenigstens auf eine Zeit. Erst wenn du die Stadt verlassen hast, siehst du, wie hoch sich ihre Türme über die Häuser erheben.
  • Von Zeit zu Zeit muß man sich durch den Umgang mit guten und kräftigeren Menschen neu einbinden lassen, sonst verliert man einzelne Blätter und fällt mutlos immer mehr auseinander.
  • Vor nichts soll man sich so hüten als vor dem Aufwachsen jenes Unkrauts, welches Anmaßung heißt und in uns jede gute Ernte verdirbt.
  • Vor wem man glänzt, den läßt man gerne als Licht gelten.
  • Während der wirkliche Denker nichts mehr erseht als Muße, flieht der gewöhnliche Gelehrte vor ihr, weil er mit ihr nichts anzufangen weiß. Seine Tröster sind die Bücher: Das heißt, er hört zu, wie jemand anders denkt, und läßt sich auf diese Art über den langen Tag hinweg unterhalten.
  • Wahrlich, es gibt auch für das Böse noch eine Zukunft, und der heißeste Süden ist noch nicht entdeckt für den Menschen. Wie manches heißt jetzt schon ärgste Bosheit, was doch nur zwölf Schuhe breit und drei Monate lang ist! Einst aber werden größere Drachen zur Welt kommen.
  • Wahrlich, ich mag sie nicht, die Barmherzigen, die selig sind in ihrem Mitleiden. Zu sehr gebricht es ihnen an Scham.
  • Was mich nicht umbringt, macht mich stärker.
  • Weißt du nicht, wer allen am nötigsten tut? Der Großes befiehlt.
  • Welche Philosophie gibt die höchste Formel für den Staatsbeamten? Die Kants: der Staatsbeamte als Ding an sich zum Richter gesetzt über den Staatsbeamten als Erscheinung.
  • Welches Kind hätte nicht Grund, über seine Eltern zu weinen?
  • Wen nennst du schlecht? Den, der immer beschämen will.
  • Wenig versteht sich sonst das Weib auf Ehre. Aber dies sei Eure Ehre: Immer mehr zu lieben, als Ihr geliebt werdet!
  • Wenige Motive, energisches Handeln und gutes Gewissen machen das aus, was man Charakterstärke nennt. Dem Charakterstarken fehlt die Kenntnis der vielen Möglichkeiten und Richtungen des Handelns. Sein Intellekt ist unfrei, gebunden, weil er ihm in einem gegebenen Falle vielleicht nur zwei Möglichkeiten zeigt. Zwischen diesen muß er jetzt gemäß seiner ganzen Natur und Notwendigkeit wählen. Und er tut dies leicht und schnell.

Wenn alle Almosen nur aus Mitleid gegeben würden, so wären die Bettler allesamt verhungert.

  • Wenn das Weib ein denkendes Geschöpf wäre, so hätte es ja, als Köchin seit Jahrtausenden, die größten physiologischen Tatsachen finden, insgleichen die Heilkunst in ihren Besitz bringen müssen!
  • Wenn die Brot umsonst hätten, wehe! Wonach würden sie schrein! Ihr Unterhalt, das ist ihre rechte Unterhaltung. Und sie sollen es schwer haben!
  • Wenn die Dankbarkeit vieler gegen einen alle Scham wegwirft, so entsteht der Ruhm.
  • Wenn die Ehegatten nicht beisammen lebten, würden die guten Ehen häufiger sein.
  • Wenn die Selbstsucht erst einmal größer, klüger, feiner, erfinderischer geworden ist, wird die Welt selbstloser aussehen.
  • Wer anderen nützt, warum soll der besser sein, als wenn er sich nützt? Doch nur, wenn der Nutzen, den er anderen erweist, in einem absoluten Sinn höherer Nutzen ist als der, welchen er sich erweist. Sind die anderen weniger wert, so wird er, wenn er sich nützt, selbst auf Unkosten der anderen recht handeln.
  • Wer auf den höchsten Bergen steigt, der lacht über alle Trauer-Spiele und Trauer-Ernste.
  • Wer aus sich kein Hehl macht, empört.
  • Wer befehlen kann, findet die, welche gehorchen müssen.
  • Wer besaß bis jetzt die überzeugendste Beredsamkeit? Der Trommelwirbel. Solange die Könige diesen in der Gewalt haben, sind sie immer noch die besten Redner und Volksaufwiegler
  • Wer davon lebt, einen Feind zu bekämpfen, hat ein Interesse daran, daß er am Leben bleibt.
  • Wer den Leser kennt, der tut nichts mehr für den Leser. Noch ein Jahrhundert Leser, und der Geist selber wird stinken.
  • Wer ermißt am Eitlen die ganze Tiefe seiner Bescheidenheit? Ich bin ihm gut und mitleidig ob seiner Bescheidenheit. Von Euch will er seinen Glauben an sich lernen. Er nährt sich an Euren Händen. Euren Lügen glaubt er noch, wenn Ihr gut über ihn lügt; denn im Tiefsten seufzt sein Herz: „Was bin ich?“ Und wenn das die rechte Tugend ist, die nicht um sich selber weiß: Nun, der Eitle weiß nicht um seine Bescheidenheit.
  • Wer ihn als einen Gott der Liebe preist, denkt nicht hoch genug von der Liebe selber. Wollte dieser Gott nicht auch Richter sein? Aber der Liebende liebt jenseits von Lohn und Vergeltung.
  • Wer immer danach hinhorcht, wie er beurteilt wird, hat immer Ärger.
  • Wer seine Gedanken nicht auf Eis zu legen versteht, der soll sich nicht in die Hitze des Streites begeben.
  • Wer sich tief weiß, bemüht sich um Klarheit. Wer der Menge tief scheinen möchte, bemüht sich um die Dunkelheit.
  • Wer viel denkt, und zwar sachlich denkt, vergißt leicht seine eigenen Erlebnisse, aber nicht so die Gedanken, welche durch jene hervorgerufen wurden.
  • Wer viel einst zu verkünden hat, schweigt viel in sich hinein. Wer einst den Blitz zu zünden hat, muß lange Wolke sein.
  • Wer viel Freude hat, muß ein guter Mensch sein. Aber vielleicht ist er nicht der klügste, obwohl er gerade das erreicht, was der Klügste mit aller seiner Klugheit erstrebt.
  • Wessen Väter es mit Weibern hielten und mit starken Weinen und Wildschweinen – was wäre es, wenn der von sich Keuschheit wollte? Eine Narrheit wäre es!
  • Wie artig weiß die Hündin Sinnlichkeit um ein Stück Geist zu betteln, wenn ihr ein Stück Fleisch versagt wird!
  • Wie wenig Lust genügt den meisten, um das Leben gut zu finden, wie bescheiden ist der Mensch!
  • Will man einen Freund haben, so muß man auch für ihn Krieg führen wollen, und um Krieg zu führen, muß man Feind sein können.
  • Wir haben das Gewissen eines arbeitsamen Zeitalters: Dies erlaubt uns nicht, die besten Stunden und Vormittage der Kunst zu geben, und wenn diese Kunst selber die größte und würdigste wäre.
  • Woher kommen die höchsten Berge? so fragte ich einst. Da lernte ich, dass sie aus dem Meere kommen. Dies Zeugnis ist in ihr Gestein geschrieben und in die Wände ihrer Gipfel. Aus dem Tiefsten muss das Höchste zu seiner Höhe kommen.
  • Wollen befreit.
  • Wünschen ist ein Anzeichen von Genesung oder Besserung.
  • Würde ist die Verstellungsform derer, welche im Grunde furchtsam sind.
  • Zeichen der Vornehmheit: Nie daran denken, unsere Pflichten zu Pflichten für jedermann herabzusetzen.
  • Zu allem Handeln gehört Vergessen, wie zum Leben alles Organischen nicht nur Licht, sondern auch Dunkel gehört.
  • Zu den größten Wirkungen der Menschen, welche man Genies und Heilige nennt, gehört es, daß sie sich Interpreten erzwingen, welche sie zum Heile der Menschheit mißverstehen.
  • Zu jeder Seele gehört eine andere Welt; für jede Seele ist jede andere Seele eine Hinterwelt. Zwischen dem Ähnlichsten gerade lügt der Schein am schönsten.
  • Zuvieles mißriet ihm, diesem Töpfer, der nicht ausgelernt hatte! Daß er aber Rache an seinen Töpfen und Geschöpfen nahm, dafür, daß sie ihm schlecht gerieten, das war eine Sünde wider den guten Geschmack.
  • Zwar hat der Glaube bisher noch keine wirklichen Berge versetzen können, obschon dies, ich weiß nicht wer, behauptet hat. Aber er vermag Berge dorthin zu setzen, wo keine sind.

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