Wellensittiche als Haustier

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Der Wellensittich – das ideale Haustier?

Der Wellensittich erfreut sich als Heimtier nach wie vor einer großen Beliebtheit unter den Ziervögeln. Leider müssen viele der intelligenten Sittiche ihr Leben nach wie vor allein und in kleinen Käfigen ohne Freiflug verbringen. Doch der Wellensittich stellt an seinen Halter gewisse Ansprüche, die dieser in jedem Fall erfüllen sollte, möchte er sein Haustier tiergerecht und auf verantwortungsvolle Art und Weise halten.

Blauer Wellensittich
Wellensittiche als Haustiere

Wer sich für die Haltung von Wellensittichen interessiert, sollte sich darüber im Klaren sein, dass Wellensittiche keine Kuscheltiere sind. Jeder Vogel stellt ein kleines Individuum dar und nicht jedes dieser Individuen verspürt den Drang, sich dem Menschen anzuschließen.

Wellensittiche sind nicht immer zahm!

Lange nicht jeder Wellensittich wird zahm, lässt sich anfassen oder steigt dem Menschen auf Finger oder Schulter. Jedoch erfreuen diese Tiere ihren Halter mit ihrem munteren Wesen, ihrer neugierigen Verspieltheit und ihrem ausgeprägten Sozialverhalten. Wellensittiche gibt es in den verschiedensten Farbschlägen, die die Farben blau, grün, gelb, schwarz, grau, braun, weiß und violett enthalten können.

Wellensittiche selbst sind im Anschaffungspreis recht günstig, dies sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass für ihren Unterhalt, insbesondere für Tierarztbesuche, schnell relativ hohe Kosten entstehen können. Für einen artgerechten Käfig sollte man ebenfalls eine größere Summe einplanen, wogegen sich die Kosten für Futter und Einstreu eher im Rahmen halten werden.

Für Reinigungsarbeiten und das Füttern der Tiere sollte man genügend Zeit einplanen, ansonsten sind die Vögel allerdings nicht auf die Anwesenheit ihres Menschen angewiesen und können auch den ganzen Tag alleine gelassen werden.

Wellensittich als Haustier

Als Haustiere für Kinder sind Wellensittiche nur bedingt geeignet. Wie bei allen anderen Tierarten auch, liegt die Verantwortung für die Tiere allein bei den Eltern. Wellensittiche lassen sich meist nur ungern anfassen, sie sind also eher etwas für ältere Kinder, die Spaß am Beobachten haben und sich immer wieder neue Sachen für ihre Tiere ausdenken.

Hunde und Katzen sollten nicht in die Nähe der Wellensittiche kommen. Beides sind Raubtiere, die die kleinen Australier als Beute wahrnehmen würden. Bei der gemeinsamen Haltung von Wellensittichen mit Nagetieren müssen unbedingt die verschiedenen Aktivitätszeiten beachtet werden, sowie das oftmals sehr feine Gehör der Nager, welches unter den lauten Tönen der Wellensittiche leidet.

Größere Sitticharten und Papageien sollten nicht zusammen mit Wellensittichen gehalten werden, da diese sie schwer verletzen könnten. In umgekehrter Weise gilt dies auch für Kanarienvögel und Finken.

Eine gemeinsame Haltung mit Nymphensittichen oder Bourkesittichen verläuft dann positiv, wenn beide Arten genug Rückzugsmöglichkeiten haben.

Aquarien sollten so abgedeckt sein, dass die Wellensittiche nicht hineinfallen und darin ertrinken können.

Die geselligen Wellensittiche dürfen unter keinen Umständen allein gehalten werden. Die äußerst sozialen Tiere leben in ihrer ursprünglichen Heimat Australien in großen Schwärmen, die sogar mehrere tausend Tiere umfassen können. Auch die domestizierten Wellensittiche machen alles gemeinsam – fliegen, fressen, putzen, schlafen.

Der Sozialkontakt zu Artgenossen ist für ihre physische und psychische Gesundheit sehr wichtig. Nicht selten sind schwere Verhaltensstörungen die Folge jahrelanger Einzelhaltung. Der Mensch, der dem Wellensittich niemals einen Artgenossen ersetzen kann, sollte diese Tiere daher mindestens zu zweit halten.

Sehr gut harmoniert ein echtes Pärchen bestehend aus Hahn und Henne, aber auch zwei Hähne verstehen sich in der Regel sehr gut und bilden nicht selten eine richtige Männerfreundschaft. Von der Haltung zweier Hennen ist abzuraten, da es unter diesen sehr oft zu Streit kommen kann.

Bei der Haltung einer kleinen Gruppe von 4 oder mehr Tieren sollte das Geschlechterverhältnis möglichst ausgeglichen sein, einen Hennenüberschuss gilt es zu vermeiden. Die Angst vor ungewolltem Nachwuchs beim Wellensittichpärchen ist in den allermeisten Fällen unbegründet.

Stellt man dem Paar keinen Nistkasten oder eine andere dunkle Höhle zur Verfügung, wird es nicht zur Eibildung und -ablage kommen. Einen Nistkasten anbieten darf nur ein Wellensittichhalter, der eine Zuchtgenehmigung besitzt. Um diese zu erlangen, müssen verschiedene Auflagen erfüllt werden.

Züchten ohne Zuchtgenehmigung stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und zieht Geldstrafen nach sich. Doch auch im Interesse der Tiere will eine Zucht gut vorbereitet sein und der Halter muss über das nötige Wissen verfügen.

Wellensittiche benötigen Platz in Form eines ausreichend großen Käfigs oder einer Voliere. Für ein Wellensittichpärchen sollte die Käfiglänge mindestens 80 cm betragen, mehrere Wellensittiche hält man in einem entsprechend größeren Vogelheim. Grundsätzlich gilt beim Wellensittichkäfig „je größer desto besser“.

Die Höhe spielt eine eher untergeordnete Rolle, da Wellensittiche horizontal und nicht etwa senkrecht fliegen. Der Käfig sollte eine möglichst einfache, rechteckige Form aufweisen und leicht zu reinigen sein. Unnötige Schnörkel bringen den Tieren keinen Vorteil und stören meist bei den täglichen Pflegearbeiten. Waagrechte Gitterstäbe sind für die kletterfreudigen Tiere von Vorteil.

Der Käfig für Wellensittiche

Das Material des Käfigs stellt ein häufig unterschätztes Problem dar. Zink und Messing können zu Schwermetallvergiftungen führen, Kunststoffummantelungen werden von den Vögeln oft benagt und gelangen so ebenfalls in den Vogelkörper. Perfekt geeignet sind dagegen Hammerschlagbeschichtungen und Edelstahl.

Bei der Käfigeinrichtung ist darauf zu achten, dass der Käfig alle nötigen Einrichtungsgegenstände enthält, jedoch nicht vollgestopft wird. Sitzstangen sollten aus Naturholz sein, da diese durch ihre unterschiedliche Stärke die Füße trainieren und somit Druckstellen vorbeugen. Hartholzstangen sind eher ungeeignet, da ihre Form zu gleichmäßig ist.

Tabu sind Plastiksitzstangen und Sandblattüberzüge, die schwere Fußerkrankungen nach sich ziehen können. Sitzstangen sollten im Vogelheim so angeordnet sein, dass der Vogel zwischen ihnen eine kleine Flugstrecke zur Verfügung hat und die untere Sitzstange nicht von der oberen Sitzstange aus beschmutzt werden kann.

Sehr gerne werden auch Schaukeln von den Tieren angenommen. Oftmals bilden sie die bevorzugten Schlafplätze, weshalb für jeden Wellensittich eine Schaukel zur Verfügung stehen sollte.

Neben den Sitzstangen benötigt man noch zwei Näpfe, einen für Futter und einen für Wasser. Plastiknäpfe sind problematisch in der Reinigung, als sehr praktisch haben sich dagegen Edelstahlnäpfe erwiesen. Sie können sowohl für Körnerfutter als auch für Trinkwasser genutzt werden und sind sehr gut zu reinigen.

Wer seine Vögel möglichst naturnah halten möchte, kann das Futter auch in einer flachen Tonschale, beispielsweise ein Pflanzenuntersetzer, auf dem Käfigboden anbieten. Bei dieser Bodenfütterung muss allerdings darauf geachtet werden, dass das Futter nicht durch herabfallenden Kot verschmutzt werden kann.Beide Gefäße sollten täglich mit heißem Wasser gereinigt werden.

Für den Käfigboden gibt es verschiedene Einstreumöglichkeiten. Die bekannteste stellt wohl der Vogelsand dar. Ebenso gut geeignet ist auch Buchenholzgranulat, Maiseinstreu oder Heu. Bei den letzten Varianten muss allerdings zusätzlich Grit angeboten werden, dessen kleine Steinchen im guten Vogelsand bereits enthalten sind und die im Muskelmagen des Wellensittichs das Futter zermahlen. Eine weitere Alternative stellt einfaches Küchenpapier dar, das sehr leicht zu wechseln ist.

Wellensittiche und baden

Viele Wellensittiche baden trotz – oder aufgrund – ihrer trockenen Heimatregion sehr gerne. Die handelsüblichen Badehäuschen, die in die Käfigtür eingehängt werden, sind allerdings vielen Vögeln zu eng. Hier empfiehlt sich eine flache Schale, beispielsweise ein Blumenuntersetzer aus Ton, zum Herumplantschen.

Der Standort des Käfigs kann entscheidend für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Tiere sein. Das Wohnzimmer oder ein vergleichbarer Raum sind am günstigsten, Badezimmer und Küche sind in den meisten Fällen nicht geeignet.

Der Käfig sollte hell stehen, aber nicht völlig ungeschützt inmitten des Zimmers. Direkte Sonneneinstrahlung gilt es zu vermeiden, ebenso Zugluft, die bei Wellensittichen schnell zu Erkältungen führen kann. Ein sicherer Standort in Augenhöhe auf einem Tisch oder einer Kommode bietet den Vögeln eine artgerechte Rückzugsmöglichkeit.


Wellensittiche
Klasse:     Vögel (Aves)
Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
Familie:    Eigentliche Papageien (Psittacidae)
Tribus:     Plattschweifsittiche (Platycercini)
Gattung:  Wellensittiche
Art:           Wellensittich

Woher kommen Wellensittiche?
Wellensittiche kommen aus Australien. Die Heimat der Wellensittiche sind die
weiten Landschaften Australiens.  Wilde Wellensittiche sind grün gefärbt. In Freier Wildbahn leben Wellensittiche in Schwärmen.

Tipps und individuelle Ratschläge für Wellensittich-Besitzer/innen im Wellensittich-Forum


Freiflug für Wellensittiche – Achtung Kollisionsunfall

Wellensittiche benötigen als Tiere der Lüfte täglich mehrere Stunden Freiflug in einem vogelsicheren Zimmer. Während dieser Zeit müssen Fenster und Türen geschlossen sein und auch die Einrichtung des Zimmers sollte auf Vogeltauglichkeit geprüft werden.

Große Glasflächen oder Spiegel können zu Kollisionsunfällen führen, wenn die Vögel dagegen fliegen. Tiefe, offene Gefäße sollten entfernt oder abgedeckt werden, da die Vögel ansonsten hineinfallen können.

Ganz besonders ist auf Spalten hinter den Schränken zu achten. Die neugierigen Tiere können schnell hinter einen Schrank fallen und werden vom Halter oftmals nicht rechtzeitig gefunden.

Auch die Gefahr einer Vergiftung lauert auf die Vögel beim Freiflug in Form von giftigen Zimmerpflanzen, Zigarettenasche, Reiniger, Klebstoffe, Sprays usw. Kerzen oder heiße Herdplatten können zu schweren Verbrennungen bei den Sittichen führen.

Hat man alle Gefahren gebannt, spricht nichts dagegen, den Tieren ganztägigen Freiflug auch ohne menschliche Aufsicht zu gewähren. Dies hat den Vorteil, dass die Tiere ihren Tagesrhythmus selbst bestimmen können.

Nur wenn die Voliere der Vögel eine Länge von 2,50 Metern oder mehr aufweist, kann diese komplett den Freiflug ersetzen.

Neben einem ausreichend großen Käfig und täglichem Freiflug spielt die artgerechte Ernährung eine wichtige Rolle bei der Gesunderhaltung der Wellensittiche.

Nahrung der Wellensittiche

Ihre Grundnahrung stellt eine Körnermischung aus verschiedenen Hirsesorten, Kanariensaat und Hafer dar. Hochwertigere Futtermischungen, die vorzuziehen sind, enthalten noch geringe Anteile an verschiedenen anderen Saaten.

Das Körnerfutter sollte frisch und keimfähig sein und keine Zusätze, wie Bäckereierzeugnisse oder Ähnliches, enthalten.

Lebenswichtige Vitamine und Mineralstoffe erhalten Wellensittiche aus der täglichen Gabe von Grünfutter, Gemüse und Obst. Die Auswahl ist hier sehr vielfältig: Salat, Kräuter, Kresse, Karotte, Gurke, Radieschen, Zucchini, Mais, Tomate, Apfel, Birne, Beeren, Melone usw.

Auch Wildpflanzen wie Rispengräser, Knaulgras, Löwenzahn, Vogelmiere oder Hirtentäschel sind äußerst beliebt und stellen eine gesunde Ergänzung des Wellensittichspeiseplans dar.

Ebenfalls sehr gesund ist Quell- oder Keimfutter, welches durch Wässern von Körnerfutter selbst hergestellt werden kann. Es sollte jedoch – genau wie Grünfutter, Gemüse und Obst – regelmäßig entfernt werden, da es schnell verdirbt.

Für eine optimale Mineralstoffversorgung sorgt ein Kalk- oder Mineralstein, der im Käfig angebracht wird. Als Ergänzung zu diesem kann eine Sepiaschale gereicht werden, die aber vorher 24 Stunden gewässert werden sollte.
Normalerweise erhält der Vogel über diese Ernährung alle Stoffe, die er benötigt. Zusätzliche Vitamingaben sollten optimalerweise mit einem Tierarzt abgesprochen werden.

Ab und zu darf der Halter seinen Tieren auch einen Leckerbissen gönnen – allerdings immer in Maßen, denn Übergewicht ist leider ein häufiges Problem in der Wellensittichhaltung. Als Leckerbissen eignen sich besonders Kolbenhirse, Knaulgrassamen oder selbstgebackene Welli-Kekse.

Auf zuckerhaltige Knabberstangen sollte man verzichten, da diese für den Vogel ungesund sind.

Um körperlich und geistig fit zu bleiben, benötigen Wellensittiche nicht nur eine ausgewogene Ernährung, sondern auch ausreichende und artgerechte Beschäftigung. Spielzeug, welches in großer Auswahl im Fachhandel angeboten wird, kann sowohl im als auch außerhalb des Käfigs angeboten werden.

Man sollte auf natürliche Materialen wie Holz oder Baumwolle zurückgreifen. Spiegel und Plastikvögel sind kein geeignetes Wellensittichspielzeug, da sie dem Vogel einen Partner vortäuschen, welcher nicht vorhanden ist. Das intensive Füttern des Spiegels kann im schlimmsten Fall zu einer tödlichen Entzündung des Kropfes führen.

Nagen gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen eines Wellensittichs. Um die Einrichtung zu schonen, sollten ihm frische Zweige, Korkrinde oder Weidenkränze angeboten werden. Während des Freiflugs bieten verschiedene Spielplätze und ein Vogelbaum den Tieren Landeplätze und Aufenthaltsorte im Zimmer. Mit etwas Fantasie und handwerklichem Geschick kann man den munteren Gesellen viele Spielzeuge selbst basteln.

Auch bei einer artgerechten Wellensittichhaltung kann es vorkommen, dass das Tier einen Tierarzt benötigt. Zeigen sich Krankheitsanzeichen, wie veränderter Kot, ungewohntes Verhalten, Müdigkeit usw. sollte man schnellstmöglich einen Tierarzt aufsuchen, der sich speziell mit Vögeln gut auskennt. Oftmals muss man hierfür eine etwas längere Strecke auf sich nehmen.

Wellensittiche erkranken leider relativ häufig an verschiedenen Infektionskrankheiten, sowie Tumoren oder Erkrankungen der inneren Organe. Den Kostenaufwand für Tierarztbesuche sollten Wellensittichhalter keineswegs unterschätzen und am besten dafür einen bestimmten Betrag einplanen.

Gut versorgt kann ein Wellensittich 10 – 12 Jahre alt oder älter werden. Aufgrund der erhöhten Krankheitsanfälligkeit erreichen aber nur noch sehr wenige Tiere dieses hohe Alter.

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