Weihnachten in anderen Ländern

Geschätzte Lesedauer 5 Minute(n)

Wie Weihnachten in Deutschland gefeiert wird, wissen wir: vier Wochen vor Heiligabend beginnt die Vorweihnachtszeit mit dem ersten Advent.

Wie feiern Christen in anderen Ländern Weihnachten?

Weihnachten international
Wie feiert man Weihnachten in anderen Ländern

Auf den Tischen steht der Adventskranz mit vier Kerzen und die Wohnungen werden weihnachtlich geschmückt. Kinder bekommen Anfang Dezember ihren Adventskalender und in ganz Deutschland eröffnen die gemütlichen Weihnachtsmärkte.

Spätestens am Heiligen Abend wird der Weihnachtsbaum festlich geschmückt und am Abend des 24.12. bringt das Christkind die Geschenke.

Wie aber feiern Christen in anderen Ländern Weihnachten?

Wie feiert man Weihnachten in Estland

Um es vorweg zu nehmen, Estland ist aller Wahrscheinlichkeit nach das Ursprungsland des Weihnachtsbaums. Der Überlieferung zufolge wurde im Jahre 1441 in Estland der erste geschmückte Weihnachtsbaum aufgestellt.

Die Vorweihnachtzeit in Estland ist alles andere als besinnlich, denn im ganzen Land gibt es sehr viele Weihnachtsmärkte und es ist die Zeit des Feierns, ob nun mit Familie, Freunden oder Kollegen.

Die Kinder stellen abends ihre Hausschuhe auf die Fensterbänke, damit sie Nachts von den „Päkapikud“ (Weihnachtselfen) mit Süßigkeiten gefüllt werden. Dem Volksglauben zufolge treiben in den langen Adventsnächten wilde Hexen ihr Unwesen. Und da nur schmutzige Besen gut fliegen können, werden in den Wochen vor Weihnachten in den Haushalten die Besen meist gründlich gereinigt.

Der 24. Dezember ist in Estland ein gesetzlicher Feiertag und wird „Jõululaupäev“ (Weihnachtssamstag) genannt. Traditionell ruft der estnische Präsident jedes Jahr den „Weihnachtsfrieden“ aus und wohnt einem Weihnachtsgottesdienst bei. Die Behörden sind angewiesen, in den Tagen nach Weihnachten keine Schriftstücke mit für den Empfänger negativen Entscheidungen zu verschicken. Diese Tradition wurde von der schwedischen Königin Christina im 17. Jahrhundert eingeführt.

Es wird nach dem Partymarathon in der Adventszeit ein Gang runtergeschaltet und die Friedhöfe besucht, um Kerzen für die Verstorbenen anzuzünden. Danach nehmen manche am Festgottesdienst in der Kirche teil, andere wärmen sich in der Sauna auf.

Das weihnachtliche Festmahl nach dem Gottesdienst besteht meist aus Schweinefleisch mit Sauerkraut, gebackenen Kartoffeln, Weißwurst und Blutwurst, Kartoffelsalat mit Roter Beete und Pastete. Als Dessert gibt es Lebkuchen und Marzipan. Dazu trinkt man üblicherweise Bier und Glühwein. Das übriggebliebene Essen wird mit dem schmutzigen Geschirr über Nacht stehen gelassen, damit die Geister verstorbener Verwandte, die nächtens zu Besuch kommen, sich daran bedienen können.

Die Geschenke bringt der „Jõuluvana“(Weihnachtsmann) nach dem weihnachtlichen Festmahl, der mit einem Schlitten voller Geschenke aus seiner fernen Heimat Finnland anreist. Hilfe hat er dabei, dem Volksmund nach, von den „Päkapikks“ (Gnome oder Wichtel), die ihm tatkräftig beim Verteilen der Geschenke helfen.

Jedes Familienmitglied muss eine kleine Aufgabe erfüllen, bevor man Geschenke erhält. Meist wird ein Gedicht aufgesagt oder ein Lied gesungen. Der 25. Dezember heißt „Jõulupüha“ und wird meist für Verwandtenbesuche ode zur Entspannung benutzt. Aufgrund des hohen Bevölkerungsanteils der russischen Minderheit ist auch das Weihnachtsfest am 6. Januar in dem Land weit verbreitet.

Wie feiert man Weihnachten in Finnland

Im Dezember, dem „Joulukuu“ (Weihnachtsmonat), wo weiße Schneelandschaften garantiert sind, zelebrieren Kinder und Erwachsene mit Leidenschaft die geliebte Weihnachtszeit, indem sie schon Wochen vor dem Fest rote Zipfelmützen tragen und sich mit Freunden zu gemütlichen Abenden treffen.

Am Heiligabend wird in Turko, der ehemaligen Hauptstadt von Finnland, der Weihnachtsfrieden verlesen und per Radio/TV im ganzen Land übertragen. Die gesamte Familie kommt traditionell an diesem Tag zusammen, um es sich anzuhören oder anzusehen. Am späten Nachmittag finden dann überall auf den Friedhöfen Gottesdienste statt. An den Gräbern der verstorbenen Angehörigen werden Kerzen angezündet.

Danach wird zu Hause mit Spannung auf „Joulupukki“, der finnische Weihnachtsmann, der ja bekanntermaßen in Finnisch-Lappland auf dem Korvatunturi wohnt, gewartet. Er klopft an die Tür und fragt als Erstes, nachdem er eingetreten ist, ob es im Zimmer artige Kinder gibt, bevor er alle Anwesenden beschert. Seine Kleidung ist rot und er trägt einen Gehstock.

Unterwegs ist er mit einem Rentierschlitten und eines seiner Rentiere heißt „Petteri Punakuono“, welches das Vorbild für den bekannten „Rudolph, the Red-Nosed Reindeer“ ist. Joulupukki hat auch eine Frau, die heißt „Joulumuori“, die besonders feinen Weihnachtsporridge zubereiten kann.

Früher gab es anstelle des Weihnachtsmanns den Weihnachtsbock, was auf die mythische Gestalt des Julbockes hinweist. Dieser Ausdruck stammt aus einer Zeit, als es üblich war, sich nach dem Weihnachtsessen mit Ziegenhäuten als Julbock zu verkleiden.

Nach dem Besuch von „Joulupukki“ und der Bescherung, gibt es das große Festmahl. Zum traditionellen finnischen Weihnachtsessen gehören Weihnachtsschinken, Kartoffel- und Steckrübenauflauf sowie „Rosolli-Salat“ (Rote-Bete-Salat). Als Gebäck sind „Piparkakut“ (Pfefferkuchen) und „Joulutortut“ (sternförmige und mit Pflaumenmus gefüllte Blätterteigtaschen) üblich. Außerdem gibt es „Glögi“ (Weihnachtspunsch), der je nach Geschmack mit oder ohne Alkohol hergestellt wird und meist mit Rosinen und Mandeln serviert wird.

Viele Familien in Finnland lassen den Abend in der Sauna ausklingen.

Wie feiert man Weihnachten in Ghana

Weihnachten in Ghana heißt „Afishapa“ und die Weihnachtszeit beginnt, wie bei uns, Ende November.

Auch in Ghana ist es Tradition, in der Weihnachtszeit Verwandte zu besuchen, die oft über das ganze Land verteilt leben. Da der überwiegende Teil der Bevölkerung in Ghana sehr arm ist und man sich nur selten ein Auto leisten kann, erfolgen die Verwandtenbesuche nicht selten zu Fuß, weswegen die Anreise natürlich mehrere Tage in Anspruch nehmen kann.

Das Weihnachtsfest feiert man in Ghana am 25. und 26. Dezember. Zu diesem Zeitpunkt ist in Afrika Hochsommer und entsprechend hoch sind die Temperaturen. Deswegen wird das Weihnachtsfest normalerweise im Freien gefeiert.

Als weihnachtliche Dekoration wird eine Weihnachtskrippe mit Giraffen und Löwen, anstatt Ochs‘ und Esel, aufgestellt. Selbst einen Weihnachtsbaum gibt es hier, allerdings keine Tanne, sondern Mangobäume oder Guaven.

Zu Beginn der Feierlichkeiten am 25. Dezember gehen alle in eine Messe, die mehrere Stunden andauert. Es wird währenddessen viel gesungen und getanzt. Oft führt die Gemeinde auch ein Theaterstück auf.

Nach der Messe versammeln sich die Familienmitglieder und nehmen ein festliches Mahl ein. Auch die ärmeren Familien wollen es sich an diesem besonderen Festtag gut gehen lassen und legen teilweise das ganze Jahr über nur für dieses eine Essen Reis oder andere haltbare Lebensmittel beiseite oder züchten Schlacht-Tiere. Das beliebteste Weihnachtsgericht ist „Fufu“ (Fleisch- und Gemüseeintopf“).

Die Bescherung für die Kinder findet erst am 26. Dezember statt.

Auch wenn die Ghanaer wenig Geld haben, so lassen sie es zu Weihnachten gerne so richtig krachen. Ein Feuerwerk gehört, zumindest in den größeren Städten, immer zu den Feierlichkeiten dazu.

Wie feiert man Weihnachten in Japan

Das erste Weihnachtsfest wurde sogar schon von holländischen Kaufleuten in Nagasaki im 16. Jahrhundert gefeiert. Was aber erst einmal lediglich eine Feststellung ist, denn die japanische Kultur wird vom Buddhismus und Shintoismus beherrscht, die natürlich auch die übers Jahr anfallenden Feiertage und Feste prägen. Nur 1% der Bevölkerung sind Christen und „Kurisumasu“ (Weihnachten) ist kein offizieller Feiertag. Durch den globalen Kommerz und den aufgrunddessen zu erwartenden Konsum verbreitet der Handel aber auch in Japan die Sitten und Bräuche. So findet man heutzutage in jedem größeren japanischen Kaufhaus einen Weihnachtsmann.

Auch wenn das Weihnachtsfest bei weitem nicht den Stellenwert hat wie bei uns, so wird in Japan das Weihnachtsfest gerne als das „Fest der Liebe“ genutzt. Es ist geradezu „in“, romantische Dates zu verabreden, um so einen Partner fürs Leben kennenzulernen oder man trifft sich mit Freunden, um fröhliche Partys zu feiern. Es werden kleine Geschenke ausgetauscht und Weihnachtstorte gegessen, die das Christkind symbolisiert.

Letztendlich begegnen viele Japaner dem Weihnachtsfest wie den „Matsuri“ (shintoistischen Feiern), wo die Teilnehmer oft nicht wissen, welche „Kami“ (Gottheit) gerade gefeiert wird, aber dies doch als Ehrbezeugung betrachten. In diesem Sinne: „Merii Kurisumasu!“(Frohe Weihnachten)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.