Verhütung – Methoden im Überblick

Ratgeber Verhütung: Pille, Kondom & Co

In einer liebevollen Beziehung kommt für viele Mädchen der Moment, wo sie ihrem Freund gerne ganz nahe sein möchten und mit ihm schlafen möchten. Sie gehen dann meistens sehr verantwortlich mit ihrer Fruchtbarkeit um, indem sie sich bei der Frauenärztin oder beim Frauenarzt die Pille verschreiben lassen.

Methoden der Verhütung
Aufklärung – Verhütung mit Pille oder Kondom

Und trotzdem wissen viele Mädchen oft nicht genug Bescheid darüber

Viele Mädchen tragen Fragen zur Verhütung generell oder auch irgendwelche Sorgen oder Zweifel über die Wirkung der Pille mit sich herum.

Die wichtigsten Fragen werden hier angesprochen und wenn du darüber hinaus Fragen hast, dann sprich unbedingt deine Frauenärztin oder deinen Frauenarzt darauf an.

Wann sind denn die fruchtbaren Tage?

Das lässt sich leider nie ganz genau vorhersagen, aber meistens gibt es in der Mitte zwischen zwei Perioden ca. acht Tage, an denen ein Ei befruchtet werden kann. Eigentlich lebt das Ei nur einen Tag, nachdem es aus dem Eierstock herausgesprungen ist in den Eileiter. Aber die Samenzellen können in der Gebärmutter bis zu sieben (!) Tagen überleben, dort ist es für sie warm und feucht und sie werden dort mit Zucker bei Kräften gehalten. Da aber bei jungen Mädchen die Regel ohnehin noch nicht so zuverlässig und pünktlich kommt, sollte man sich auf seine Rechenkünste lieber nicht verlassen. Wenn man dann noch bedenkt, dass eine ungewollte Schwangerschaft kaum jemals so sicher verhütet werden muss wie bei jungen Mädchen, dann ist nur die sicherste Verhütungsmethode die beste.

Kann man während der Regel auch schwanger werden?

Das ist zwar nicht besonders wahrscheinlich, aber ausgeschlossen ist es nicht. Insbesondere bei jungen Mädchen, bei denen die Regel noch keinen zuverlässigen Rhythmus gefunden hat, kann es passieren, dass die nächste Regel mal deutlich zu früh kommt und dann erfolgt der nächste Eisprung möglicherweise schon in der ausklingenden Regel davor. Und weil man das nie genau vorhersehen kann, ist ungeschützter Sex auch während der Regel nicht sicher genug.

Warum ist denn „Aufpassen“ nicht sicher?

Manche Jungen stellen sich immer noch vor, sie könnten kurz vor dem Samenerguss das Glied so rechtzeitig aus der Scheide zurückziehen, dass doch eigentlich gar nichts „passieren“ könne. Das ist sehr unsicher, denn schon kurz vor dem Samenerguss tritt tröpfchenweise Samenflüssigkeit nach außen, ohne dass der Junge das bemerken muss. Und wenn man weiß, dass in einem Samenerguss ca. 500 Millionen Samenzellen sind, dann sind in einem Tropfen immer noch so viele, dass eine Befruchtung leicht möglich ist. Wenn du deinen Freund mal fragen würdest, wie er das machen will, auf 500 Millionen Samenzellen in diesem Moment aufzupassen, dann wird ihm sehr schnell klar werden, dass er das gar nicht können kann.

Wie verhüte ich denn nun am sichersten?

Deine Frauenärztin oder dein Frauenarzt sind hier die richtigen Ansprechpartner. Sie kennen sich sehr genau aus mit der Verhütung und wissen, was für junge Mädchen am besten und sichersten ist. Und wahrscheinlich wird sie oder er dir die Pille empfehlen. Millionen junger Frauen verhüten mit der Pille und deshalb zählt sie zu den am besten erforschten Medikamenten. Du kannst dich ganz sicher darauf verlassen.

Wie wirkt die Pille eigentlich?

Die Hauptwirkung ist, dass unter regelmäßiger Pilleneinnahme in den Eierstöcken keine Eier mehr reif werden. Wenn es keinen Eisprung mehr gibt, dann kann auch kein Ei mehr befruchtet werden. Die Eierstöcke ruhen also unter regelmäßiger Pilleneinnahme, dabei geht es ihnen sehr gut. Zusätzlich hat die Pille aber noch drei weitere Sicherheitseffekte:

• Die Eileiter werden träger und könnten das Ei gar nicht in der notwendigen Zeit in den Eileiter transportieren.

• Die Gebärmutterschleimhaut (= das Eibett) wird nicht mehr so hoch aufgebaut, dass sich ein Ei einnisten könnte. Deshalb wird die Regelblutung unter Pilleneinnahme meistens etwas schwächer – wenn weniger drin ist in der Gebärmutter, dann kann auch nur weniger ausgespült werden.

• Außerdem bleibt der Eingang in die Gebärmutter durch einen Schleimpfropf verschlossen, sodass gar keine Samenzellen in die Gebärmutter aufsteigen können.

Deshalb ist der Pearl-Index, mit dem die Sicherheit einer Verhütungsmethode gemessen wird, bei der Pille auch in einem besonders sicheren Bereich. Unter regelmäßiger Pilleneinnahme kannst du also fast 100ig sicher sein vor einer ungewollten Schwangerschaft.

Wann ist die Pille nicht sicher?

• Wenn du die Einnahme vergessen hast: Die meisten Pillen sollten drei Wochen lang täglich, am besten immer ungefähr zur gleichen Zeit, eingenommen werden. Wenn die Einnahme der Pille darüber hinaus länger als 12 Stunden vergessen wurde, dann ist eine Sicherheit nicht mehr gegeben. Aber das ist ja eigentlich klar: Ein Medikament, das ich nicht nehme, kann natürlich auch nicht wirken.

TIPP: Mit einem Herzaufkleber „Pille nicht vergessen“ auf dem Zahnputzbecher oder über die Weckfunktion deines Handys kannst du dir Eselsbrücken bauen, damit du an die Pilleneinnahme denkst.

• Erbrechen oder starker Durchfall in den ersten drei Stunden nach Einnahme der Pille. Aber auch das ist eigentlich selbstverständlich: Wenn man ein Medikament, was man eben gerade heruntergeschluckt hat, gleich wieder ausspuckt, dann kann es auch nicht wirken.

Wichtig: Innerhalb der nächsten 12 Stunden solltest du eine weitere Pille nehmen, dann bleibst du geschützt.

• Einige verschreibungspflichtige Medikamente (Antibiotika/Psychopharmaka) können die Wirkung der Pille herabsetzen. Außerdem solltest du den Arzt informieren, wenn du vielleicht regelmäßig Medikamente wegen einer chronischen Erkrankung einnehmen musst.

Hilfe, ich habe die Pille seit zwei Tagen vergessen!

Das ist prinzipiell nicht schlimm für deine Gesundheit generell, aber du bist dann in diesem Monat bis zur nächsten Regelblutung nicht mehr geschützt vor einer Schwangerschaft. Auf jeden Fall solltest du dann, wenn du es gemerkt hast, die restlichen Pillen weiter jeden Tag einnehmen wie gewohnt, damit du mit deinem Zyklus nicht ganz durcheinanderkommst.

Und was heißt das dann für dein Liebesleben? Entweder dein Freund übernimmt mit Kondomen die Verantwortung dafür, dass keine Schwangerschaft entstehen kann. Oder wenn dir das nicht sicher genug ist, dann besprichst du das mit deinem Freund ganz ehrlich. Und dann fällt euch auch sicher für den Rest des Monats etwas anderes Spannendes ein, was man zusammen machen könnte außer Sex.

Ab welchen Alter bekomme ich die Pille?

Ab 16 Jahren:

• Jedes Mädchen bekommt völlig problemlos ab 16 Jahren die Pille und die Kosten werden bis zum 20. Lebensjahr von deiner Krankenkasse übernommen.

Zwischen 14 und 16 Jahren:

• Mädchen können beim Arzt auch schon ab 14 Jahren problemlos die Pille bekommen, allerdings muss sich der Arzt der so genannten „Einwilligungsfähigkeit“ versichern. Das heißt, der Arzt muss sich davon überzeugen, dass du reif genug bist zu verstehen, was es mit der Pille auf sich hat und wie und warum man die Pille regelmäßig einnehmen muss.

Der Arzt muss dich also einiges fragen und dir manches erklären und das dokumentieren in der Patientendatei, einfach um sich rechtlich auch abzusichern. Aber meistens haben Ärzte keinen Zweifel daran, dass ein 14-jähriges Mädchen, das so verantwortlich ist und wegen der Verhütung zum Frauenarzt kommt, auch einwilligungsfähig ist. Natürlich zahlen auch hier die Kassen die Pille bis zum 20. Lebensjahr.

Unter 14 Jahren:

• Da wird der Arzt in aller Regel darum bitten, dass du die Einwilligung deiner Mutter mitbringen möchtest oder am besten mit deiner Mutter zusammen kommen solltest.

Kann man von der Pille dick werden?

Viele Mädchen haben schon gehört, dass irgendein Mädchen unter Pilleneinnahme aufgegangen sei wie ein Hefekloß. Das stimmt so sicher nicht, die Pille macht weder dick noch schlank. Allerdings nehmen Mädchen zwischen 10 und 20 Jahren ohnehin um das Doppelte an Körpergewicht zu, einfach weil aus einem Kind eine Erwachsene junge Frau wird. Das passiert also auch so ohne Pilleneinnahme.

Macht die Pille unfruchtbar?

Das wäre ja eine furchtbare Vorstellung und dann würden sicher nicht Millionen junger Frauen auf der Welt die Pille zur Verhütung nehmen. Nein, die Pille hat keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit. Wenn man zum Beispiel vergisst, die Pille zu nehmen oder wenn man nach Jahren der Pilleneinnahme vielleicht doch ein Kind bekommen möchte und sie dann absetzt, wachen die Eierstöcke in der Regel sehr schnell wieder auf, es werden wieder Eier reif und Mädchen somit wieder fruchtbar.

Hat die jahrelange Pilleneinnahme vielleicht Auswirkungen auf ein Kind später?

Da kannst du ganz beruhigt sein: Nach gesicherten Erkenntnissen hat die Pille keinerlei Auswirkungen auf eine spätere Schwangerschaft, Fehlgeburten und Missbildungen werden dadurch ganz sicher nicht provoziert.

Meine Freundin hat eine Pille verschrieben bekommen, damit hat sie jetzt eine viel schönere Haut. Gibt es das?

Ja, das gibt es, prinzipiell ist jede Pille gut zur Haut. Aber manche Pillen können da wirklich zaubern, indem Hautprobleme wie Pickel deutlich weniger werden. Das ist ein für viele Mädchen wichtiger positiver Nebeneffekt der Pille. Sprich deinen Arzt ruhig darauf an.

Und wenn doch mal was mit der Verhütung nicht geklappt hat?

Vielleicht ist es dir trotz aller Sorgfalt mal passiert, dass du die Pilleneinnahme vergessen hast oder das Kondom ist abgerutscht. Oder das „1. Mal“ kam irgendwie so spontan, dass du alle guten Vorsätze zur Verhütung einfach vergessen hast. Dann solltest du unbedingt so bald als möglich zu deiner Frauenärztin/deinem Frauenarzt gehen und das mit ihr/ihm besprechen. Und dann wird dir möglicherweise die „Pille danach“ verschrieben werden.

Aufpassen: Verhütungspannen können jedem Menschen passieren, angeblich vergisst jedes zweite Mädchen irgendwann im Leben einmal die Pilleneinnahme. Das ist also überhaupt kein Grund, sich dafür zu schämen oder aus Angst, die Frauenärztin/der Frauenarzt könnten vielleicht Fragen stellen oder dir Vorwürfe machen, nicht sofort um einen Termin in der Praxis zu bitten. Sag bei der Anmeldung unbedingt gleich, was der Grund für den Termin ist und mache es dringlich. Die Frauenärztin/der Frauenarzt wird mit dir zusammen die Wahrscheinlichkeit einer möglichen eingetretenen Befruchtung abschätzen, dafür solltest du wissen, wann genau deine letzte Regel gewesen ist. Dazu ist es immer hilfreich, wenn du einen Regelkalender führst.

Und wo liegen die Vorteile bei einem Kondom?

Das Kondom ist das einzige Verhütungsmittel, das der Mann benutzen kann. Damit können Jungen ihren eigenen Beitrag zur Sicherheit bei der Empfängnisverhütung leisten – und das sollten sie auch unbedingt tun.

Denn Spaß kann außerdem auch ansteckend sein: Das Kondom ist die einzige Möglichkeit, sich vor der Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen. Die meisten Mädchen denken dabei sofort an AIDS, weil die Werbung für Kondome in der Vergangenheit fast ausschließlich mit dem Thema AIDS verbunden wurde. Aber sicherlich wirst du weit weniger wahrscheinlich mit AIDS in Kontakt kommen als mit anderen sehr viel weiter verbreiteten sexuell übertragbaren Krankheiten, die man sich beim Sex so schnell wie z. B. sonst einen Schnupfen holen kann. Daran wird man dann zwar nicht irgendwann sterben wie bei AIDS, trotzdem können sie auch unschöne Konsequenzen nach sich ziehen, wie z. B. Gebärmutterhalskrebs oder Unfruchtbarkeit/Kinderlosigkeit, die durch die Erreger HPV oder Chlamydien verursacht werden. Es gibt also Nebenwirkungen der Liebe, die sich mit einem Kondom weitgehend vermeiden lassen. Viele Jungen tun sich nach wie vor schwer mit der Kondombenutzung, selbst wenn im Sexualkundeunterricht vielleicht die richtige Handhabung durch Abrollen an einem Holzpenis geübt wurde.

Sicher gehört zur Kondombenutzung auch Routine und vor allem ein stabiles männliches sexuelles Selbstbewusstsein. Und welcher Junge bringt das schon mit auf die Welt – Meister fallen einfach nicht vom Himmel. Viele Jungen haben Sorge, dass sie sich damit dumm anstellen und alles nicht so cool abläuft oder dass vielleicht durch die Manipulation mit dem Kondom das Glied im falschen Augenblick wieder erschlaffen könnte – die Vorstellung, dass „ohne“ schöner wäre, liegt da sehr nahe.

Mädchen sollten liebevoll, aber konsequent auf einem Kondom bestehen. Aus Liebe zu ihrem eigenen Körper, der es wert ist, geschützt zu werden, und weil es dem Jungen hilft, eines Tages routiniert mit Kondomen umgehen zu können. Und am besten sollten Mädchen immer ein Kondom in der Tasche haben, falls der Junge es mal wieder „vergessen“ hat.

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