Ratschläge zum Baby Stillen

Stillen – Erste Schritte für Mama und Baby

Stillen ist die natürlichste Art der Säuglingsernährung. Muttermilch ist die ideale Ernährung für das Neugeborene. Sie reicht bis zum sechsten Monat völlig aus und liefert neben den Nahrungsstoffen auch ausreichend Flüssigkeit. Der enge Kontakt fördert die Mutter – Kind – Bindung (Bonding) und es entwickelt sich zumeist eine ganz besondere Stillbeziehung zwischen Mutter und Kind – mit sehr individuellen Erfahrungen und Empfindungen.

Stillen - Wie fange ich an
Anleitung und Tipps zum Stillen

Darüber hinaus ist Stillen preiswert und praktisch, da überall verfügbar. Muttermilch muss nicht extra zubereitet werden, daher entfallen alle Arbeiten, die mit der Zubereitung der Flaschennahrung verbunden sind, z. B. Kochen von Wasser, Reinigen der Flaschen, Überprüfung der Trinktemperatur.

Wovor schützt stillen?

Viele Studien haben gezeigt, dass durch Muttermilch das Allergierisiko für das Neugeborene erheblich gesenkt werden kann. Zudem befinden sich in der Muttermilch die körpereigenen Abwehrstoffe, die die Mutter im Laufe ihres Lebens gebildet hat. Diese Antikörper schützen das Neugeborene für einige Wochen gegen Infektionen. Dies erklärt, warum gestillte Säuglinge seltener an Infektionen des Magen-Darm-Traktes, der Luftwege, des Mittelohrs, der Harnwege und der Hirnhäute erkranken.

Erstaunlicherweise ist diese Wirkung bis zum Schulalter noch nachweisbar. Ein gestillter Säugling wird seltener krank! Die Zusammensetzung der Muttermilch ist von der Natur optimal auf die Bedürfnisse des Säuglings abgestimmt und kann durch Kuh-, Stuten- oder Schafsmilch oder Flaschennahrung nicht ersetzt werden.

Ist einer Mutter z. B. bei Stillhindernissen, kindlicher Trinkschwäche das Stillen nicht möglich, steht adaptierte Säuglingsmilch zur Verfügung. Sie ist weitestmöglich der Muttermilch angepasst. Kinder mit einer Allergiebelastung in der elterlichen Vorgeschichte sollten hypoallergene Säuglingsmilch (sog. HA-Nahrung) erhalten.

Stillen wirkt sich positiv auf die Mutter-Kind-Beziehung aus

Die junge Mutter muss sich nicht Gedanken um die »richtige« Ernährung machen, sie hat sie einfach dabei. Zudem führt das Stillen dazu, dass bei der Mutter das wehenanregende Hormon Oxytocin ausgeschüttet wird. Dies fördert die Rückbildung der Gebärmutter im Wochenbett und verringert das Risiko für das Wochenbettfieber.

Zudem verbraucht Stillen Energie, weshalb stillende Mütter nach der Geburt schneller wieder abnehmen. Man geht von einem durchschnittlichen Mehrverbrauch von etwa 600 kcal/Tag aus. Schon kurz nach der Geburt hat das Neugeborene seinen Saugreflex; dieser Zeitpunkt ist optimal, um das Stillen zu beginnen.

Üblicherweise wird die Hebamme noch im Kreißsaal zeigen, wie das Kind das erste Mal an die Brust gelegt wird. In den folgenden Tagen wird die Stilltechnik von Mutter und Kind »geübt«. Auch hier ist die professionelle Unterstützung durch eine Hebamme oder Kinderkrankenschwester wichtig. Üblicherweise pendelt sich der Stillrhythmus innerhalb der ersten Lebenstage ein.

Ein Großteil der Zusammensetzung der Muttermilch lässt sich nicht beeinflussen. Allerdings konnten Studien nachweisen, dass verschiedene Mineralstoffe und Vitamine in der Muttermilch in größeren Konzentrationen nachweisbar sind, wenn die Stillende auf eine ausreichende Zufuhr achtet.

Stillende, die Sorge haben, über die Ernährung nicht ausreichend damit versorgt zu sein, können auf verschiedene Nahrungsergänzungsmittel zurückgreifen, die auch schon für die Schwangerschaft angeboten werden. In seltenen Fällen ist Stillen gar nicht oder nur eine Zeit lang möglich. Besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt oder der Hebamme. Dann sollte die Ernährung in den ersten Monaten auf die spezielle Flaschennahrung umgestellt werden, die die wichtigsten Inhaltsstoffe der Muttermilch enthält.

Abstillen nach der Entbindung

Stillen ist ja auch eine Frage der Mode und des Zeitgeistes. Heute werden die medizinischen und emotionalen Vorteile des Stillens gepriesen, während unseren Müttern noch zur Flaschennahrung geraten wurde.

Obwohl die Vorteile des Stillens inzwischen bekannt sind und entsprechend aufgeklärt wurde, wünschen auch heute noch manche Frauen erst gar nicht zu stillen. Gründe dafür können praktische Umstände, schlechte Erfahrungen oder einfach rein emotionaler Natur sein.

Stillen ja oder nein, das ist auch eine Bauchentscheidung. Damit die Milch erst gar nicht einschießt, sollte das Kind gar nicht erst angelegt werden. Die Frau erhält dann am ersten Tag ein Medikament, welches die Milchbildung bremst. Zusätzlich kann das Tragen eines festen BH und Kühlung der Brust nützlich sein. Bei Allergien in der Familie von Mutter oder Vater sollte das Kind hypoallergene Säuglingsmilch (HA-Milch) erhalten.

Besonderheiten während der Stillzeit

1. Milcheinschuss: Während der ersten Tage nach der Geburt kommt es zum Milcheinschuss. Hierbei wird die in den Brustdrüsenzellen gebildete Milch in die Milchgänge abgesondert, die Brust ist gespannt, viele Frauen haben dabei auch Schmerzen. Nicht selten kann im Zusammenhang mit dem Milcheinschuss auch eine kurze Zeit Fieber auftreten.

Auch wenn der Milcheinschuss schmerzhaft ist, sollten Sie das Kind weiter regelmäßig anlegen. Zur Verbesserung des Milchflusses kann man vor dem Stillen warm duschen oder warme Umschläge machen, um den Milchfluss zu erleichtern. Nach dem Stillen sollte man darauf achten, dass die Brust insgesamt wieder weich wird. Ansonsten kann die Frau ihre Brust an den gespannten Arealen zur Brustwarze hin ausstreichen. Die Technik lassen Sie sich am besten von einer Hebamme zeigen.

Um einer übermäßigen Milchproduktion vorzubeugen, sollte man dann die Brust kühlen (Kühlpakete, Quarkwickel, Kohlblätter aus dem Kühlschrank) und einen gut sitzenden BH tragen, auch nachts.

2. Milchstau: Beim Milchstau ist der Abfluss aus den Brüsten oder einzelnen Milchgängen behindert. Es treten typische Entzündungszeichen auf: Harte, druckschmerzhafte Bereiche, die im Verlauf eine Hautrötung zeigen. Unter der Haut kann man als Knoten die gestauten Milchgänge tasten. Bei der Frau kann es zu grippeähnlichen Allgemeinsymptomen mit Fieber und Abgeschlagenheit kommen. Ein Milchstau tritt häufig in angespannten Situationen auf, in denen die Frau keine ausreichende Ruhe für das Stillen hat.

Auch mechanische Gründe wie ein schlecht sitzender BH (Bügel-BH) kommen infrage. Ein Stau entsteht auch dann, wenn die Frau mehr Milch produziert als das Kind trinkt. Ziel ist es, den Stau zu beheben und die Brust zu entleeren. Manchmal muss die Brust mit Hilfe einer Milchpumpe geleert werden. Dies sollte aber nur Notfallmaßnahme und keine Dauertherapie sein, da die Pumpe die erneute Milchbildung fördert und so einen Teufelskreis anheizen kann.

Oft helfen aber wie oben beschrieben warme Umschläge oder besser warmes Duschen der Brust. Während dieser Wärmeanwendung wird die verhärtete Stelle ausgestrichen. Die gleiche ausstreichende Massage der Brust kann während des Stillens erfolgen. Das Brustgewebe sollte nach dem Stillen insgesamt weich sein.

Nach dem Stillen wird die Brust schließlich gekühlt. Die Frau sollte ruhen. Ein Milchstau dauert bei konsequenter Behandlung 1-2 Tage und kommt ohne Medikamentengabe aus. Dauern die Beschwerden weiterhin an, kann die Brustdrüse entzündet sein.

3. Brustdrüsenentzündung (Mastitis): Eine Entzündung der Brustdrüse kann sich während der gesamten Stillzeit ausbilden. Hierbei ist die Brust zumeist an einem Areal deutlich gerötet, die Stillende kann dabei Fieber haben. Die beim Milchstau beschriebenen Beschwerden werden nicht besser, sondern nehmen sogar noch zu. Frauen mit einer Brustdrüsenentzündung sollten sich umgehend bei der Hebamme oder dem Frauenarzt vorstellen.

4. Abstillen: Sofern Stillen nicht mehr erwünscht wird, ist eine langsame Reduzierung der Mahlzeiten sinnvoll bei gleichzeitigem Zufüttern mit altersentsprechender Babynahrung. Nur in seltenen Fällen muss eine Stillende aus gesundheitlichen Gründen schnell abstillen. Hier wird häufig – nach Rücksprache mit der Hebamme oder dem Frauenarzt – ein Medikament eingesetzt, das die Produktion von Milch etwas hemmt.

5. Wunde Brustwarzen: Die häufigsten Ursachen für wunde Brustwarzen sind das falsche oder zu lange Anlegen des Kindes. Die Haut reißt schmerzhaft ein (Rhaghaden). Durch die Rhagaden können Krankheitserreger eindringen und eine Brustdrüsenentzündung verursachen, die beim Anlegen des Säuglings sehr schmerzhaft ist.

Doch so gemein dies auch ist: Das Kind muss weiter angelegt werden, da sonst ein Milchstau droht. Die Anlegetechnik sollte in diesem Fall überprüft werden. Die Entzündung heilt besser ab, wenn Milch- und Speichelreste nach dem Stillen lufttrocknen und die Stilleinlagen regelmäßig gewechselt werden. Die Brustwarze kann mit Traubenzucker betupft werden, was ebenfalls den Heilungsprozess fördert. Hebammen empfehlen auch Johanniskrautöl.

Weiterhin stehen pflegende Salben, z. B. Lanolin zur Verfügung. Alle Öle oder Cremes sollten aber nur wohldosiert aufgetragen werden, da sie sonst die Brustwarze weiter aufweichen.

6. Scheidentrockenheit: Es kommt vor, dass die Scheide und der Scheideneingang in der Stillzeit aufgrund von Hormonverschiebungen etwas trockener sind und dadurch der Geschlechtsverkehr beeinträchtigt sein kann. In diesem Fall kann man spezielle Cremes oder Gele im Außenbereich und in der Scheide auftragen, die Linderung verschaffen.

Konkrete Tipps fürs Stillen

  1. Unterstützen Sie die Brust mit Ihrer freien Hand. Legen Sie den Daumen oberhalb der Brustwarze und die Finger unter der Brustwarze ca. 3 cm von der Brustwarze entfernt an.
  2. Halten Sie das Baby so, dass sein Körper Ihnen ganz zugewandt ist. Das Kind soll seinen Kopf nicht drehen müssen, um die Brust erfassen zu können, da dies das Schlucken sehr erschwert. Der Mund des Babys soll auf Höhe der Brustwarze sein.
  3. Stimulieren Sie nun die Lippen des Babys mit der Brustwarze. Dies löst den Suchreflex aus und hat zur Folge, dass das Kind den Mund weit öffnet und die Zunge auf die untere Zahnleiste senkt.
  4. Wenn der Mund weit geöffnet ist, ziehen Sie das Baby schnell heran, so dass es die Brustwarze und (wichtig!) einen großen Teil des Brustgewebes zu fassen bekommt.
  5. Lassen Sie Ihr Kind nie nur an der Brustwarze nuckeln. Dies verhindert das effektive Entleeren der Brust und ist der häufigste Auslöser für wunde Brustwarzen und schlechtes Gedeihen des Säuglings.
  6. Falls Ihnen nach dem Anlegen das Saugen des Kindes Schmerzen bereitet, lösen Sie im Mundwinkel des Babys den Saugschluss mit Ihrem Finger, nehmen Sie es ab und beginnen Sie nochmals. Es ist ganz normal, wenn in der Lernphase dieser Vorgang mehrere Male wiederholt werden muss, aber die Mühe lohnt.
  7. Halten Sie die Brustwarzen trocken und sauber. Nach dem Stillen sollten Sie gerade in der Anfangsphase die Brustwarzen etwas an der Luft trocknen lassen. Das Ausstreichen von etwas nachlaufender Muttermilch unterstützt die Pflege. Verwenden Sie Stilleinlagen, die immer trocken sein sollten.
  8. Feste Stillzeiten können anfangs helfen, einen eigenen Rhythmus zu finden (alle 3-4 Stunden). Ansonsten wird »Stillen nach Bedarf« empfohlen. Das Stillen an sich dauert meist 20-40 Minuten. Lassen Sie gerade am Anfang den Säugling nicht länger als 15 Minuten an einer Seite trinken, sondern wechseln dann zur Gegenseite.
  9. Trinken Sie reichlich, vor allem Wasser, Stilltee oder Saftschorlen, Kaffee und Schwarztee bitte nur in Maßen. Pfefferminztee reduziert die Milchbildung.

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