Therapiereiten für Kinder

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Therapiereiten – Für mehr Lebensfreude und Wohlbefinden behinderter Kinder

Vielfach werden die Eltern von körperlich und/oder geistig behinderten Kindern von Therapeuten darauf angesprochen, dass die Kinder von therapeutischem Reiten profitieren könnten.

Gerade für Eltern, die bisher keinen Bezug zu Pferden hatten, ist das schwer vorstellbar. Sind Pferde doch große Tiere und die Kinder vermeintlich hilfsbedürftig und ungelenk – ob das gut geht?

Therapeutisches Reiten als Therapie
Therapeutisches Reiten für Kinder

Welche Formen des Therapiereitens gibt es?

Zum einen gibt es das sogenannte Heilpädagogische Reiten. Die Schwerpunkte liegen hier in der körperlichen, geistigen und emotionalen, aber auch in der sozialen Förderung. Neben der Förderung der Sensorik über Putzen und Pflegen des Pferdes werden verschiedene Übungen (Werfen von Bällen, balancieren von Gegenständen, umsetzen von Gegenständen auf Ablagen, etc.) auf dem Pferd ausgeführt und teilweise, je nach Möglichkeiten des Kindes, sogar kleinere Aufgaben aus der täglichen Stallarbeit (mit Unterstützung des Therapeuten) durchgeführt. Die Kinder lernen so neben der Übernahme von Verantwortung auch mehr Selbstständigkeit und Geschicklichkeit zu erreichen.

Daneben gibt es die Hippotherapie, die zwei bekannte Therapieformen, nämlich die Physio- und die Ergotherapie, in sich vereint. Ziel ist es, verkrampfte Muskelpartien zu lockern, den Gleichgewichtssinn zu schulen und gleichzeitig auch etwas Muskulatur aufzubauen.

Pferd und FutterHippotherapie wird meist von zwei Personen durchgeführt, da der Therapeut einen Pferdeführer oder Longenführer benötigt, damit er sich voll auf die therapeutischen Übungen konzentrieren kann.

Oft werden beide Therapieformen zu einer vermischt, um den Kindern den größtmöglichen Nutzen zu geben. Welche Form für Ihr Kind die beste ist erfragen Sie am einfachsten beim behandelnden Arzt, da gerade die Hippotherapie bei verschiedenen Erkrankungen eher kontraproduktiv wirken würde.

Ab welchem Alter kann das Kind zum Therapiereiten gehen?

Schon die kleinsten Kinder können von dieser Therapieform profitieren. Die Therapiepferde werden mit einem weichen Sattelkissen und einem Gurt mit Haltegriffen ausgerüstet und eine Helferin läuft bei den Kleinsten auf der Reitanlage immer nebenher, um dem Kind Sicherheit und Halt zu geben. Ältere und bereits Pferde-erfahrenere Kinder können je nach Behinderung auch alleine sitzen und sich festhalten. Im Übrigen gilt wie bei fast jeder Therapieform: Je früher man beginnt, desto mehr Nutzen hat das Kind bzw. der Jugendliche langfristig davon.

Bei welchen Behinderungen empfiehlt sich Hippotherapie?

Sowohl geistig als auch körperlich behinderte Kinder können einen Nutzen aus dieser Therapieform ziehen. Sie bekommen eine bessere innere Balance und lernen ihren Körper besser zu koordinieren. Die sanfte Schaukelbewegung des Pferderückens lockert verkrampfte Muskulatur, das Pferd an sich gibt Selbstvertrauen, strahlt Körperwärme für mehr Wohlbefinden aus und motiviert die Kinder aus sich heraus zu gehen und sich mehr zuzutrauen, als sie es ohne diese Therapie tun würden.

Viele Kinder empfinden die Pferde als Freunde, da sie durch die sensiblen Antennen genau spüren, in welcher Stimmung die Kinder sind und sich instinktiv darauf einstellen. So kann man oft beobachten, dass die Pferde viel vorsichtiger und sensibler bei stärker eingeschränkten Kindern agieren, als sie es bei mobileren Jungs und Mädchen machen.

Wie kann eine Reittherapie-Stunde aussehen?

Die therapeutischen Reitstunden laufen meist nach ähnlichem Schema ab: Die Pferde werden von den Kindern mit Unterstützung der Betreuer/In vom Auslauf oder aus der Box geholt. Dann wird gemeinsam das Pferd gestriegelt und dabei bereits Vertrauen zwischen Kind und Pferd aufgebaut und verstärkt. Je nach Fähigkeiten und Alter des Kindes, wird auch gemeinsam das Pferd mit Trense, Satteldecke und Gurt ausgestattet.

Was das Kind auf dem Pferderücken machen kann hängt vom Grad der Behinderung, vom Alter aber auch von der bereits gemachten Erfahrung mit Reittherapie ab. Anfänglich wird der Schwerpunkt darauf liegen, dass das Kind sich mit den Pferdebewegungen ausbalanciert und locker sitzen lernt. Natürlich passiert dies alles wie auch die anderen Übungen immer im Schritt, um jederzeit Kontrolle zu haben, falls das Kind unsicher wird oder ins Rutschen kommt.

Später können geübtere Kinder oder solche mit nur leichten Einschränkungen sogar Bälle oder Ringe über Hindernisse werfen, Gegenstände auf Ablagen von rechts nach links legen oder ähnliche Herausforderungen problemlos meistern. So wird noch mehr die Koordination, aber auch das Selbstvertrauen und der Spaß gesteigert.

Wie finde ich den geeigneten Reit-Therapeuten?

Sofern nicht der behandelnde Arzt eine gute Institution empfehlen kann findet man in Branchenbüchern oder im Internet (unter den Suchbegriffen Hippotherapie oder Therapeutisches Reiten) verschiedene Höfe und Therapeuten für Reittherapie. Am besten suchen Sie sich zwei oder drei Höfe/Therapeuten in erreichbarem Umkreis aus und schauen sich diese persönlich genauer an. Maßgeblich für die gesamte Qualität ist beispielsweise die Ordnung auf dem Hof, der gesundheitliche Zustand der Pferde (Hufe, Fell, aufmerksame glänzende Augen), die Unterbringung der Pferde (sauber gemistete Ställe oder Ausläufe/Weiden).

Ein optimales Therapiepferd wird zudem ruhig aber interessiert auf einen Menschen zugehen und freundlich Kontakt aufnehmen. Nicht zuletzt ist natürlich auch der Preis ein Kriterium, da Hippotherapie von den Krankenkassen leider in der Regel nicht übernommen wird. Wenn möglich vereinbaren Sie eine kostenlose oder vergünstigte Probestunde für Ihr Kind oder schauen Sie bei einer der Therapiestunden für andere Kinder einmal zu. So können Sie am Ende am besten entscheiden, welcher Hof für die Therapieleistung in Frage kommt.

Wie kann ich mein Kind zusätzlich unterstützen?

Um die durch die Reittherapie gelockerte Muskulatur möglichst lange entspannt zu halten können Sie sogenannte Infrafrottextilien, z. B. der Marke Back on Track, einsetzen. Das Material kann die Durchblutung unterstützen und so gerade bei Kindern, die zu Verspannungen und Verkrampfungen neigen, Erleichterung bringen. Speziell empfehlenswert sind die Shirts und Halskragen, aber auch die verschiedenen Gelenkschoner (Handgelenkschoner, Knieschoner, Fußgelenkschoner, Ellbogenschoner, etc.) können therapieunterstützend eingesetzt werden. Bei Interesse können Sie hier einige Produkte und weiterführende Informationen über die Back on Track Textilien finden.

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