Thema Sexualität in der Familie

Sexualität ein Tabuthema in einer Familie?

Im Familienleben der meisten Hausgemeinschaften gibt es ungeschriebene Regeln. Eine davon bezieht sich auf die Sexualität innerhalb der Familie. Während die Eltern ihr Schlafzimmerleben möglichst hüten wie einen heiligen Gral, so dass die Kinder im besten Falle nichts davon mitbekommen, müssen die Kinder erst noch in die passende Lebensphase kommen, um selber bestimmte Empfindungen hegen zu können.

Sexualität und Familie
Ist Sexualität ein Tabuthema in einer Famulie

Sie werden dennoch, schon vor Eintritt der Pubertät mit Sexualität konfrontiert. Wenn dies nicht innerhalb der Familie ist, dann durch die Medien oder der Schulalltag. Der Fernsehkonsum kann von den Eltern weitestgehend kontrolliert werden, um zumindest arge Verfehlungen im Konsum zu vermeiden.

Innerhalb der Schule sind die Kinder jedoch auf sich alleine gestellt und müssen sich auch mit älteren Mitschülern direkt oder indirekt auseinander setzen. Viele jüngere Kinder streben danach möglichst aufgeklärt und entwickelt aufzutreten, dies kann dazu führen, dass sie versuchen älteren Kindern nachzueifern, die wahrscheinlich schon die Pubertät erreicht haben und in wenigen Fällen die ersten Erfahrungen im Bereich Sexualität gesammelt haben oder sie aus zweiter, dritter Hand weiter geben an ihre Mitschüler.

Nicht nur die Schule oder das Fernsehen ist reichlich angefüllt mit Sexualität, insbesondere der technologische Fortschritt macht es beinahe unmöglich die eigenen Kinder davor abzuschirmen. Das Internet ermöglicht ungeahnte Optionen zur Informationsbeschaffung. Es ist jedoch nicht ohne Grund stark sexualisiert, da ein Großteil der vorherrschenden Daten im Netz pornografischer Natur sind.

Sexualität – Aufklärung durch die Medien

Eltern können den Internetkonsum durch moderne Mittel oder einfache Kontrolle relativ geschickt überwachen und im bei Bedarf regulieren. Eine Totalkontrolle ist jedoch weder anzuraten noch erfolgversprechend. Wenn sich das eigene Kind erst einmal mit der eigenen Sexualität auseinandersetzt, sollte es auch ein Recht eingeräumt bekommen, es in bestimmten Maßen erforschen zu können. Dabei gilt natürlich der Grundsatz, dass die Sicherheit des Kindes immer an oberster Stelle steht.

„Smartphones“, „Tablets“ und viele andere moderne Geräte sind in der Lage nicht nur tragbar zu sein für ein junges Geschöpf, sondern auch nutzbar. Die Bedienoberflächen sind selbst für junge Mitmenschen leicht zu meistern. Ein Fallbeispiel sollte aufklären, warum diese Technologien beachtet werden sollten: Wenn ein junger Mensch pornografische Bilder oder Videos erhält, kann er oder sie dazu neigen, mit diesen Materialien vor Altersgenossen anzugeben. Dies kommt besonders häufig im Freundeskreis oder innerhalb des Schulalltags vor. Auch Lehrer können die Schüler nicht rund um die Uhr überwachen, so dass es durchaus zu diesem Datenaustausch kommen kann.

Eltern sollten aber nicht verzweifeln, die allermeisten Kinder sind in der Lage mit diesen Informationen umzugehen. Es sollte zum richtigen Zeitpunkt dennoch eine Aufklärung geben. Dabei sollte das Kind jedoch weder komplett schonungslos noch zu verblümt an das Thema heran geführt werden. Es sollte dem Entwicklungsstand entsprechen und dennoch alle wichtigen Kriterien abdecken.

Das Thema Verhütung ist Beispiels neben den technischen und biologischen Aspekten von Sex durchaus ein wichtiges Thema. Es sollte aber auch über Risiken gesprochen werden, nicht nur übertragbare Krankheiten (wobei Sex nicht als unnatürlich oder furchtbar dargestellt werden sollte, dies schadet nur der Glaubwürdigkeit der Eltern, die schließlich selber welchen gemacht haben, um das aufzuklärende Kind zu zeugen), sondern auch über den Umgang.

Junge Menschen sollten wissen, das Sex nicht nur natürlich ist, sondern auch eine gewisse Erfahrung benötigt. Dass das erste Mal nicht direkt perfekt sein sollte und das wenn jemand sehr unbedarft in der Durchführung ist, dass es durchaus zu Verletzungen kommen könnte.

Es sollte jedoch nicht aus dem privaten Nähkästchen der Eltern geplaudert werden. Das Thema sollte allgemeingültig gehalten werden, am besten ausschließlich auf die Gesellschaft und Spezies Mensch ausgerichtet. In späteren Entwicklungsjahren kann optional über eigene Erfahrungen gesprochen werden.

Damit Eltern überhaupt aufklären können, sollten sie sich natürlich passend vorbereiten. Etwaige bestehende Bildungslücken sollten zeitnah geschlossen werden und auf eventuelle Gegenfragen müssen auch Antworten gefunden werden. Falls jedoch Fragen gestellt werden, auf die es keine bekannte Antwort gibt oder die Antwort als solche unangenehm ist, sollten Eltern möglichst ehrlich reagieren. „Ich möchte dir das noch nicht erzählen, weil du es irgendwann selber herausfinden wirst.“ wäre wohl eine bessere Antwort als „Darüber reden wir nicht.“, immerhin sollte das Thema von beiden Seiten offen angegangen werden.

Eltern stehen glücklicherweise nicht alleine auf weiter Flur. Es existieren einige Organisationen und Dachverbände, die ihnen Hilfestellungen geben können. Es sollte nur darauf geachtet werden, das alle Organisationen ihre eigenen Vorstellungen und Ideologien haben. Deshalb sollten sich Eltern genauer mit dem vermittelten Inhalt beschäftigen, bevor sie diesen an ihre Kinder weiter geben. Auch Schulen bieten Hilfe zu diesem Thema an, auch wenn sie es meist nicht offen bewerben. Da Sexualkunde ein Teilbereich der Biologie ist, könnte ein Austausch mit den jeweiligen Lehrern in Erwägung gezogen werden.

Das auf-klärende Gespräch

Letztlich ist Aufklärung immer ein heikles Thema, da Wissen vermittelt werden muss. Im Falle der sexuellen Aufklärung geht das Bedürfnis einher, das Kind vor Fehlern und Gefahren zu beschützen, ihm jedoch einen gesunden Umgang mit diesem Thema zu ermöglichen, bevor es unvermittelt im Leben direkt damit konfrontiert wird. Ein gemeinsamer Nenner ist äußerst wichtig und sollte mit den Kindern gefunden werden.

Eltern mit mehreren Kindern sollten Einzelgespräche führen und das zu Momenten, wo sie mit dem jeweiligen Kind alleine sein könnten. Bei der Wahl des Elternteils (sofern nicht alleinerziehend), sollten sich die Eltern miteinander unterhalten, wer die bessere Eignung hat. Ein Gespräch mit beiden Eltern gleichzeitig könnte ein Kind für unangenehm erachten und es daher vermeiden bestimmte Fragen zu stellen. Eine vertraute Atmosphäre entsteht bekanntlich meist nur unter vier Augen.

Sollte das Kind im Zuge dieses Aufklärungsgespräches bereits über sexuelle Erfahrungen verfügen (auch ohne das Wissen und oder Einverständnis der Eltern), sollten diese sich möglichst verständnisvoll und „erwachsen“ benehmen. Heikle Thematiken die in einem Vertrauensgespräch aufgeführt würden, sollten die Eltern nicht aus der Haut fahren lassen. Wut, Ärger und Enttäuschung können einen im Überraschungsfall auf dem falschen Fuß erwischen.

Dies sind jedoch nur kurzweilige Emotionen, das Vertrauen zwischen Kind und Eltern(teil) ist jedoch etwas für viele Jahrzehnte. Deshalb sollten Eltern sich immer gewahr werden, dass sie mit zerbrechlichen Inhalten hantieren und auch die eigene Beziehung zum Kind neu ausgerichtet werden muss.

Die eigenen Erfahrungen werden niemals die sein, die das Kind selber gemacht hat oder machen wird. Jedes Menschenleben ist individuell. Selbst gleiche Erlebnisse können anders bewertet und verarbeitet werden. Sollte es zu großen Unterschieden kommen, müssen Eltern ihre eigenen Vorstellungen zurückstellen und sich möglichst objektiv mit der Thematik auseinander setzen. Ein Extremfall wäre es, wenn das Kind homosexuell wäre (dies kann, muss sich aber nicht, sich bereits im pubertären Alter herauskristallisieren). Homosexualität ist angeboren und keineswegs als kränklich zu bezeichnen, da es in der Natur in gehäufter Form vorkommt. Eltern sollten sich daher auf alles gefasst machen und sich einen Tag aussuchen, wo sie genug Zeit für das jeweilige Kind haben, jedoch auch nicht unter akuten Stress leiden, da dieser alles verkomplizieren kann.

Sind Eltern nicht in der Lage selber offen über das Thema zu sprechen, sei es, weil es ihnen peinlich ist oder sie Angst haben einen Fehler zu machen, kann auch in der eigenen Verwandtschaft nach Hilfe gesucht werden. Onkel und Tanten sind meist innerhalb der eigenen Familienstruktur eine passende Wahl. Diese haben eine eher freundschaftliche Beziehung zu ihren Neffen und Nichten und sind in vielen Fällen nicht hoch-frequentiert Teil des Haushaltsleben.

Sexualität und religiöse Befindlichkeiten

Falls Religion ein Thema im Haushalt ist, sollten sich Eltern natürlich überlegen, inwieweit sie ihre religiösen Vorstellungen auf ihr Kind übertragen wollen oder können. Viele Staaten garantieren ihren Mitgliedern ein Recht auf freie Entfaltung. Dies ist Teil der Menschenrechte. Rechtlich betrachtet stehen diese über jedes geschriebene Wort in Bibel, Koran und Thora. Dies bedeutet, dass falls das Kind in der religiösen Überzeugung der Eltern erzogen wird, sollte es auch darauf vorbereitet werden, das nicht alle Menschen dieser Vorstellung folgen. Es müssen daher auch alle nötigen Themen abgedeckt werden, denn Unwissenheit ist in vielen Fällen des Lebens die Ursache für viele negative Erfahrungen und Unfälle.

Als religiöser Ansprechpartner sollte schon alleine aus Respekt dem Kind gegenüber nicht der eigene Pfarrer, Rabbi, Pastor oder Imam gewählt werden. Dies könnte in späteren Jahren, wenn das Kind teil dieser religiösen Gemeinschaft wird, diesem unangenehm werden.

Hilfsangebote gibt es in großer Anzahl. Für Eltern stellt sich nur die Frage, welches davon das Richtige ist. Dinge sollten daher hinterfragt werden und überhaupt, Eltern waren selber einmal Kinder und können vielleicht ihre Erfahrungen teilen, wie sie mit der Aufklärung ihrer Sexualität konfrontiert wurden.

Wie der Weg auch beschritten wird. Vertrauen ist eine wichtige Sache, etwas Kontrolle ist gesund, aber alles natürlich in einem gewissen Maß. Auch Kinder benötigen Freiräume und Eltern sollten immer freundlich anklopfen am Zimmer ihrer Kinder. Für junge heranwachsende Menschen ist eines sehr verwirrende Zeit, Eltern müssen daher Geduld aufbringen, selbst wenn es schwer fällt. Aber es lohnt sich dennoch, schließlich geht es um die eigenen Kinder.

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