Textilblindheit – Ich habe nichts zum Anziehen

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„Ich habe schon wieder nichts zum Anziehen!“ Wer kennt diesen Satz nicht auch aus dem Mund einer Frau, die wie jeden Tag vor ihrem vollen Kleiderschrank steht und nicht weiß was sie anziehen soll?

Textilblindheit – Die Auswahl fällt schwer

Textilblindheit
Textilblindheit – Ich habe gar nichts zum anziehen!

„Guten Morgen!“ erklingt es aus dem Radio „Heute wird ein sonniger Tag. Die Vögel zwitschern. Es ist kurz vor 07.00 Uhr und einige Frühaufsteher eilen schon zur Arbeit.“

Noch total verschlafen steht SIE nun da, vor ihrem Kleiderschrank und weiß nicht was sie anziehen soll: eine von vielen Frauen auf dieser Welt, die einfach soviel zum Anziehen im Kleiderschrank hat, dass sie schon gar nicht mehr weiß, was sie denn nun anziehen soll.

Ausgerechnet heute an diesem wichtigen Tag, wo auch der Abteilungsleiter sie vor den versammelten Mitarbeitern um eine Rede  bitten wird, hat sie nicht das Passende gefunden. Sie überlegt sich verschiedenste Kombinationen. Es werden Blusen und Hosen vom Bügel gerissen und anprobiert.

Die Zeit läuft davon und sie hat immer noch nichts gefunden, das ihr für diesen wichtigen Tag gefallen würde. Schlussendlich wird es dann doch wieder der übliche grüne Pullover und der häufig getragene braune Rock. Wem kommt das nicht bekannt vor?

Was ist Textilblindheit?

Textilblindheit taucht vor allem bei Frauen auf, die trotz großer Auswahl mehrmals täglich einer textilen Unentschlossenheit verfallen. Ratlos stehen Frauen vor dem Kleider­schrank und wissen einfach nicht, WAS sie anziehen sollen. Da Frauen sich grundsätzlich auf ihr Gefühl verlassen, welches ihnen jedoch die meiste Zeit sagt, dass sie zu dick sind, ist es äußerst schwer, das Geeignete zu finden.

Kann das männliche Geschlecht hier beistehen?

Wie kann man(n) helfen? Kurz gesagt „GAR NICHT“. Um nicht einen größeren Beziehungsstreit zu riskieren, wäre es besser, sich in solchen Situationen einfach zurück zu halten.

Auch die liebevollsten Worte können hier nicht helfen. Es wird grundsätzlich alles anders ausgelegt, als man(n) es womöglich gemeint hat. Denn sagt er „ich finde das steht dir gut“, entgegnet sie darauf „dass sagst du immer“ und meint er „das gefällt mir nicht so gut“ schließt sie daraus „du findest mich darin wohl zu dick?“

Die Lösung bei Textilblindheit

„Die Lösung ist immer einfach, man muss sie nur finden“, sagte einst der Schriftsteller Alexander Solschenizyn (*1918). Unentschlossene Frauen sollten sich einfach das Outfit für den nächsten Tag bereits am Abend zuvor heraus suchen.

Der Vorteil ist, dass man unter fehlendem Zeitdruck einen klareren Kopf hat, um zu überlegen, was denn das Passende wäre und spart zudem wertvolle Zeit am frühen Morgen. So startet man dann außerdem gut gelaunt in den Tag.

Eine weitere Möglichkeit zur Lösung des „Problems“ ist es, den Kleiderschrank ein­fach einmal auszumisten. Studien belegen, dass nur 20 % der im Kleiderschrank enthaltenen Kleidung auch tatsächlich regelmäßig angezogen wird.

Als dritte Möglichkeit bietet sich ein älteres System namens „Augen zu und durch“ an. Einfach Augen zu und mit dem Finger vor einem Stapel an Kleidungstücken solange hinauf und hinunter fahren, bis man durch Zufall an einem Teil stoppt. Und genau das wird auch angezogen, ohne lange darüber nachzudenken. Nur so können Tränenausbrüche und das Zusammenbrechen vor dem Kleiderschrank mit dem Ausruf „Ich hab nichts zum Anziehen!“ einigermaßen vermieden werden.

3 Gedanken zu „Textilblindheit – Ich habe nichts zum Anziehen“

  1. .. ich dachte ja erst „was ist das für ein Artikel“, fand es dann aber ganz witzig 🙂
    Problem hatte wohl jede Frau schon mal.

  2. Passend dazu ein Gedicht von Kurt Tucholsky alias Theobald Tiger

    NICHTS ANZUZIEHEN
    Ich stehe schon eine halbe Stunde lang
    vor diesem gefüllten Kleiderschrank.
    Was ziehe ich heute nachmittag an?
    Jedes Kleid erinnert mich …
    also jedes erinnert mich an einen Mann.
    In diesem Sportkostüm ritt ich den Pony.
    In diesem braunen küßte mich Jonny.
    Das da hab‘ ich an dem Abend getragen,
    da kriegte Erich den Doktor am Kragen,
    wegen frech …
    Hier goß mir seinerzeit
    der Assessor die Soße übers Kleid
    und bewies mir hinterher klar und kalt,
    nach BGB sei das höh’re Gewalt.
    Tolpatsch.
    In dem … also das will ich vergessen …
    da hab‘ ich mit Joe im Auto gesessen –
    und so. Und in dem hat mir Fritz einen Antrag gemacht,
    und ich habe ihn – leider – ausgelacht.
    Dieses hier will ich überhaupt nicht mehr seh’n:
    in dem mußt‘ ich zu dieser dummen Premiere geh’n.
    Und das hier …? Hängt das noch immer im Schranke …?
    Sekt macht keine Flecke? Na, ich danke!
    Und den Mantel, ich will das nicht mehr wissen,
    haben sie mir beim Sechstagerennen zerrissen!
    Ich steh‘ schon eine halbe Stunde lang
    vor diesem gefüllten Kleiderschrank:
    das nackteste Mädchen in ganz Berlin.
    Wie man sieht:
    Ich habe nichts anzuzieh’n!

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