Tagesmutter für zuhause finden

Wie finde ich die richtige Tagesmutter* für mein Kind?

Sind die Kleinen aus dem Gröbsten heraus, möchten viele Mütter bzw. Väter, die sich der Erziehungszeit gewidmet haben, wieder Ihre vorherige oder eine neue berufliche Tätigkeit aufnehmen.

Tipps zum Finden einer Tagesmutter
Wie finde ich eine geeignete Tagesmutter?

Da stellt sich die Frage: wo und wie finde ich die beste Unterbringung für mein Kind? Zudem ist es auch für ein Kind wichtig, neben dem Elternhaus soziale Kompetenz im Umgang mit Gleichaltrigen zu erfahren, zu lernen und zu üben. Erfahrungsgemäß gestaltet sich diese Umstellung einfacher, wenn nicht all zu spät damit begonnen wird.

In vielen Regionen und Städten Deutschlands ist eine Unterbringung in Kinderkrippen und –gärten kein Problem, da ausreichend Plätze vorhanden und diese bezahlbar sind. Doch wie ist es, wenn diese Plätze nicht ausreichen oder die Eltern sich eine persönlichere Betreuung für ihr Kind wünschen? Hier gibt es die Möglichkeit, eine Tagespflege in Anspruch zu nehmen. Gerade in Ballungszentren ist diese Form der Betreuung oft eine gute Alternative und ein Ersatz der fehlenden KITA-Plätze.

Doch erfordert das Suchen einer geeigneten Tagesmutter mehr Aufwand von Seiten der Eltern. Denn in Kinderkrippen und – gärten kann man davon ausgehen, dass alle Erzieher eine pädagogische Ausbildung haben, das Haus ein entsprechendes Konzept und alle notwendigen Versicherungen existieren. Doch wie sieht es bei der Tagesmutter damit aus? Die folgenden Ausführungen orientieren sich an den Gegebenheiten für das Bundesland Bayern, sind jedoch in anderen Bundesländern ähnlich.

Wer erhält eine Pflegeerlaubnis als Tagesmutter?

Einen pädagogischen Hintergrund kann man hier zwar nicht zwangsläufig erwarten, doch gewisse Grundvoraussetzungen müssen erfüllt sein. Denn die Pflegeerlaubnis erteilt das Jugendamt unter folgenden Maßgaben:

• persönliche Eignung
• ausreichend kindergerechte Räumlichkeiten
• vertiefte Kenntnisse hinsichtlich der Anforderungen an die Kindertagespflege
• Teilnahme am Qualifizierungskurs mit 60 Unterrichtseinheiten
• eine Ersatzbetreuung bei Ausfall der Tagespflegeperson soll sichergestellt sein
• Bereitschaft der Tagespflegepersonen zu unangemeldeten Kontrollen
• Polizeiliches Führungszeugnis ohne Eintragungen

Die Qualifizierung vermittelt der angehenden Betreuungsperson z.B. Erste-Hilfe-Kurse an Kleinkindern, rechtliche Grundlagen, Entwicklung in den ersten Lebensjahren, Eingewöhnung, Erziehungspartnerschaft, die Sicherheit in der Wohnung und den Bildungsauftrag der Tagespflege.

Wer benötigt eine Tagesmutter eine Pflegeerlaubnis?

Wer Kinder außerhalb der Wohnung in anderen Räumen während des Tages, mehr als 15 Stunden wöchentlich, gegen Entgelt und länger als drei Monate betreuen will, bedarf der Erlaubnis. Für Kinder, die im Haushalt der Eltern betreut werden, braucht die Tagesmutter keine Pflegeerlaubnis. Sie wird für die Betreuung von maximal 5 Kindern erteilt und ist auf 5 Jahre befristet. Zuständig für die Erteilung der Pflegeerlaubnis ist das Jugendamt (§ 87a, SBG VIII). Die Pflegeerlaubnis wird auf die Tagesmutter ausgestellt, nicht mehr auf die zu betreuenden Kinder. Die Tagespflegeperson ist zudem zur jährlichen Fortbildung im Umfang von 15 Stunden verpflichtet.

Bei erfüllten Voraussetzungen für die Pflegerlaubnis sind außerdem Förderungen durch das Jugendamt möglich:

• ein Tagespflegeentgelt nach SGB VIII
• ein 20%iger Qualifizierungszuschlag bei abgeschlossener Qualifizierung
• soweit erforderlich, wird ein Beitrag zur Krankenversicherung gewährt, wenn keine anderweitigen Absicherungen für die Krankheitsfall, z.B. Familienversicherung bestehen
• ein Beitrag zur Altersvorsorge in mindestens der Höhe des Mindestbeitrages zur freiwilligen
Rentenversicherung, aber auch einer privaten Altersvorsorge, wenn der Abschluss einer solchen  Vorsorge nachgewiesen wird

Jede Tagesmutter sollte zudem eine Haftpflichtversicherung haben. Nach Ansicht der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege in Hamburg ist eine selbstständig tätige Tagesmutter außerdem gesetzlich unfallversicherungspflichtig. Nach aktuellem Kenntnisstand sind Tageskinder bei der Unfallversicherung der öffentlichen Hand (Unfallkasse) kostenneutral gesetzlich unfallversichert, wenn der Tagespflegeperson eine Erlaubnis zur Kindertagespflege nach § 43 SGB VIII vorliegt.

Wo finde ich eine Tagesmutter?

Hier lohnt sich ein Blick ins Internet, wo sich viele verschiedene Plattformen anbieten. Jedoch obliegt es hier am meisten der Aufmerksamkeit der Eltern, die Eignungshintergründe einer infrage kommenden Pflegeperson zu erkunden.

Eine weitere gute Möglichkeit sind lokale Tagesmütterprojekte, Vereine der Nachbarschaftshilfe, an die ein Tagesmütterprojekt angeschlossen ist oder das Jugendamt. Aber auch Städte und Gemeinden, wie z.B. München bieten Tagesbetreuungsbörsen an. Hier kann jede Tagesmutter einen Aushang mit Ihren Betreuungsangeboten hinterlegen. Ebenso können Eltern Ihre Gesuche aushängen.

Bei dieser Art von Projekten ist zumeist sichergestellt, dass man hier wirklich nur Tagesmütter findet, die ausschließlich nach den oben ausgeführten Kriterien arbeiten. Die Verträge zur Tagespflege werden dann über das zuständige Sozialreferat der Stadt/Gemeinde geschlossen.

Oft übernimmt hier die Stadt einen Teil der Betreuungskosten, da die Kindertagespflege den regulären Betreuungsangeboten gleichgestellt werden soll. Des Weiteren kann unter Umständen für den Kostenanteil, den die Eltern zu tragen haben, zusätzlich ein Zuschuss beantragt werden, wenn die Eltern diese Mittel nachgewiesenermaßen nicht allein aufbringen können. Auch in anderen Städten gibt es diese Möglichkeiten. Hier lohnt es sich, nachzufragen.

Was kostet die Tagesmutter?

Hier gibt es regional große Unterschiede. Und jede selbständig arbeitende Tagesmutter kann ihren Preis selbst festlegen. Vertretbare Kosten liegen im Durchschnitt zwischen 5 und 8 EURO/Stunde, wenn die Tagesmutter über das Jugendamt oder ein entsprechendes Projekt vermittelt wird. Sucht man sich eine Betreuungsperson über das Internet, kann hier der Preis natürlich höher liegen.

Was sagt mein Bauchgefühl?

Bei allen Hintergrundfakten ist das Finden der richtigen Tagesmutter natürlich letztlich eine Frage des Bauchgefühls. Wo würde sich mein Kind wohl fühlen? So, wie sich Eltern in der Regel mehrere Kinderkrippen oder –gärten anschauen würden, so empfiehlt sich auch das Kennenlernen mehrerer Tagesmütter. Sind die Räumlichkeiten freundlich und kindgerecht? Gibt es einen Garten, einen Spielplatz? Gibt es Haustiere? Ist das erwünscht oder problematisch (Allergiekinder)? Kocht die Tagesmutter selbst (wenn ja, wie?) oder muss ich meinem Kind etwas mitgeben?

Zudem gibt es auch hier eine Eingewöhnungszeit, in der sich zeigt, ob die Situation für beide Seiten passt. Von Vorteil ist es auch, wenn die Gruppe der Kinder, in die Eltern ihr Kind eingliedern möchten, in etwa gleichaltrig ist. Denn ein 1jähriges Kind hat einfach andere Bedürfnisse als ein 6jähriges. Von daher empfehlen sich Gruppen zwischen 1 und 3 Jahren sowie Gruppen zwischen 3 und 6 Jahren.

*Anmerkung: Aus vereinfachten Gründen habe ich im Text meist den Begriff „Tagesmutter“ verwendet. Es gibt natürlich, wenn auch seltener, Tagesväter. In meiner Darstellung sind natürlich immer beide Geschlechter gemeint.

(c) Text von Anke Neumann

Vielen Dank für Ihre Kommentare!