Sozialverhalten der Kinder fördern

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Wie fördert man Sozialverhalten bei Kindern?

Schubsen, ärgern, mobben? Sozialkompetenz ist eine Fähigkeit, die Kinder erst erlernen müssen. Kein Mensch kommt als soziales Wesen auf die Welt, ein positives Sozialverhalten zu vermitteln und einzufordern macht daher einen wichtigen Teil des Sozialisations- und Erziehungsprozesses aus.

Sozialverhalten bei Kindern
Wie fördere ich das Sozialverhalten meines Kindes

In unserer Gesellschaft ist ein soziales und konstruktives Miteinander aber erwünscht. Es wird von jeder Person erwartet, dass sie sich nicht nur an Gesetze, sondern auch an Normen und Werte hält. Wer das nicht tut, hat Probleme mit anderen Menschen zurecht zu kommen und wird schnell zum Außenseiter.

Daher sollte es für Sie als Eltern ein wichtiges Erziehungsziel sein, Ihrem Kind die Grundregeln des sozialen Miteinanders zu lehren. Später werden Sie bei dieser Aufgabe auch durch Institutionen wie Kindergärten und Schulen unterstützt.

Sind Kinder kleine Egoisten?

Säuglinge und Kleinkinder sind zunächst nur auf sich selbst fixiert. Sie reagieren triebgesteuert und können ihre Bedürfnisse nicht zurückstellen. In diesem Zusammenhang sprechen Pädagogen und Soziologen von kindlichen Egozentrismus.

Für Kleinkinder dreht sich sich die Welt ausschließlich um sich selbst. Das hat aber nichts mit Egoismus zu tun: Ein kleines Kind hat einfach noch nicht gelernt, die Bedürfnisse anderer zu erkennen und sich dementsprechend zu verhalten. Zudem kann es sein eigenes Handeln und dessen Folgen noch nicht reflektieren. So ist sich ein zweijähriges Kind häufig noch keiner Schuld bewusst, wenn es ein anderes an den Haaren zieht. Es kann noch nicht nachvollziehen, dass es seinem Spielpartner damit Schmerzen zufügt. Auch ein Gewissen im moralischen Sinn hat es in diesem Alter noch nicht.

Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass die Sprache als wichtigstes soziales Medium der Interaktion noch nicht weit genug entwickelt ist. Erziehung, die fortschreitende kognitive, emotionale und soziale Entwicklung sowie individuelle Erfahrungen im Umgang mit anderen Kindern und auch Erwachsenen helfen Ihrem Kind, seine soziale Kompetenz zu erweitern.

Soziales Miteinander lernt Ihr Kind nur im Kontakt

Experimente und Beobachtungen bei Kindern haben beweisen, dass soziales Verhalten bereits in der frühen Kindheit gelernt werden muss. Kinder, die in sozialer Isolation aufwachsen, können die fehlenden sozialen Lernerfahrungen und Kontakte im späteren Verlauf ihrer Entwicklung nur schwer ausgleichen.

Daher ist es für ein gutes Sozialverhalten wichtig, dass Ihr Kind schon früh Kontakte zu anderen Kindern hat. Besuchen Sie beispielsweise eine Spielgruppe oder unternehmen Sie regelmäßig etwas mit befreundeten Familien. Der Lerneffekt für Ihr Kind ist groß und Sie erhalten gleichzeitig die Möglichkeit, sich mit anderen Eltern auszutauschen.

Auch Krippen und Kindergärten leisten einen wichtigen Beitrag, wenn es um die Förderung des Sozialverhaltens geht. Ihr Kind trifft dort auf viele verschiedene Kinder und lernt, seine Bedürfnisse auch einmal zurückzustellen und Konflikte konstruktiv zu lösen. Bringen Sie daher Ihr Kind regelmäßig in die Betreuungseinrichtung und unterstützen Sie die Erzieher dabei, soziales Miteinander zu stärken, indem Sie auch zu Hause auf die Einhaltung der Regeln pochen.

Gutes Benehmen – nach wie vor ein wichtiges Thema

Höflichkeit und gute Manieren gehörten für frühere Generationen zu den wichtigsten Erziehungszielen überhaupt. Aber sind diese Werte heute noch zeitgemäß?

Fakt ist, dass Höflichkeit auch ein Ausdruck des Respekts anderen gegenüber ist und auf ein gutes Sozialverhalten hindeutet. Zudem möchte jeder selbst zuvorkommend behandelt werden. Daher sind gute Manieren durchaus auch heute noch ein Thema, wenn es um Sozialkompetenz und soziales Verhalten geht.

Wenn Sie Wert auf gutes Benehmen legen, so sollten Sie Ihrem Kind dies von Anfang an vorleben. Kinder orientieren sich im Hinblick auf ihr Verhalten zunächst an ihren Eltern. „Lernen am Modell“ heißt das im pädagogischen Fachjargon.

Halten Sie Ihr Kind dazu an, Höflichkeitsformeln wie „bitte“ und „danke“ zu benutzen und tun Sie dies selber so oft wie möglich. Später können Sie dann auch erklären, warum es wichtig ist, höflich und freundlich zu sein. Denn wer die sozialen Spieltegeln nicht befolgt, eckt an. Freundlichkeit hingegen kann Tür und Tor öffnen – beruflich wie privat.

Sozialkompetenz bei Kindern stärken

Kinder müssen vor allem lernen, wie sie sich untereinander und auch gegenüber Erwachsenen verhalten sollten. Dazu müssen sie zunächst viele Regeln verinnerlichen, wie zum Beispiel die soziale Norm, dass körperliche Aggression nicht erwünscht ist.

Kleine Kinder werden zunächst den Sinn und Zweck dieser Regel nicht verstehen – bis sie in der Lage sind, sich in ihr „Opfer“ einzufühlen und realisieren, dass sie selbst auch nicht gerne geschlagen werden möchten.

Wenn Ihr Kleinkind also versucht, sich beispielsweise mit Gewalt ein Spielzeug anzueignen, müssen Sie als Mutter oder Vater sofort eingreifen und die Situation entschärfen. Erklären Sie Ihrem Kind, dass es warten oder sich ein anderes Spielzeug muss. Später sollten Sie Ihr Kind dazu anhalten, Konflikte verbal zu lösen, Kompromisse zu finden oder sich Hilfe von Erwachsenen zu suchen.

Wenn Sie Regeln für das soziale Miteinander aufstellen, müssen Sie auch dafür sorgen, dass diese eingehalten werden. Das ist zwar anstrengend, aber notwendig, damit Ihr Kind deren Bedeutung versteht und sie auch wirklich verinnerlicht. Kommt es zu Regelverstößen, beispielsweise beim Spiel mit anderen Kindern, müssen Sie konsequent durchgreifen. Eine Maßnahme in diesem Fall könnte sein, dass Ihr Kind eine Zeit lang keine Freunde mehr einladen darf.

Wichtig ist, dass Sie immer wieder auf alternative gewaltlose Verhaltensweisen hinweisen und höfliches, soziales Verhalten durch Lob verstärken.

Literaturempfehlungen zum Thema Erziehung und Sozialverhalten:

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