Sherry – Herkunft und Arten

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Sherry – Herkunft und Geschichte

Für die Bezeichnung des beliebten spanischen Getränks stand die Stadt Jerez de la Frontera in der andalusischen Provinz Cádiz in Andalusien Pate. Die autonome Region Andalusien liegt im Süden des Landes. Im Osten schließt die Region Murcia, im Norden die Regionen Extremadura und La Mancha an. 1100 vor Christus gründeten die Phöniker jene Ansiedlung, welche heute den Namen Cádiz trägt und exportierten Wein.

Sherry
Geschichte des Sherry

Im Jahr 711 fiel Spanien unter arabische Herrschaft, jedoch trotz des islamischen Alkoholverbotes wurde Wein produziert. Als Kalif Alhaken II. im Jahre 966 beschloss, sämtliche Rebstöcke zu vernichten, konnten ihn Einheimische davon überzeugen, dass ein Teil der Trauben zu Rosinen verarbeitet wird, von welchen sich Moslems bei Feldzügen ernährten. Au diesem Grund wurde lediglich ein Drittel der Rebstöcke vernichtet. Schon während des 12. Jahrhunderts sandten spanischen Winzer Sherry nach England und erhielten im Gegenzug Wolle.

In dieser Zeit erhielt der Wein seinen Namen, abgeleitet vom arabischen Namen der Stadt „Sherish“ oder „Xeris“. Die Eroberung durch König Alfons X. im Jahre 1264 brachte Jerez wieder unter christliche Herrschaft. Christen sollen vor einer Schlacht ihren Pferden Wein zu trinken geben haben. 1483 erließ die Regierung der Stadt Jerez erste gesetzliche Regelungen, die Herstellung von Sherry betreffend. Diese enthielten detaillierte Anordnungen zur Weinlese, Beschaffenheit der ledernen Weinschläuche, den Ausbau sowie den Handel mit Wein. Sherry war auf Grund seiner Haltbarkeit für längere Schiffsreisen ausgezeichnet geeignet.

Der 1480 geborene, aus Portugal stammende Ferñao de Magellan erwarb 1519 vor Antritt seiner Weltreise 417 Schläuche und 253 Fässchen Sherry. 1587 griff Sir Francis Drake die Stadt Cádiz an und raubte knapp 3000 Fässer Sherry, wodurch London in Genuss dieses Weines gelangte und rasch sehr beliebt wurde. Der 1564 geborene William Shakespeare galt als besonderer Liebhaber von Sherry, welchen er mit Vorliebe in seinem Stammlokal namens Bear Head Tavern genoss.

Ein Grund, weshalb Sherry auch namentlich in Szenen der Bühnenstücke Richard III., Heinrich IV., Die lustigen Weiber von Windsor und Heinrich IV. genannt wurde. In diesem Zusammenhang war Shakespeare und Sherry auch an der Namensgebung für einen Sekt beteiligt.

Wesentlich früher als im Übrigen Andalusien wurde in Jerez bereits um 1260 alkoholstarke Weine nach Art des heute bekannten Sherrys produziert. Ab dem 16. Jahrhundert mussten Rückschläge im Weinbau verkraftet werden, welche erst in 1950er-Jahren beendet werden konnten.

Im 19. Jahrhundert ließen sich spanische Unternehmen in Jerez nieder, einige gibt es per Namen noch heute. Auf der ganzen Welt wurden Weine unter der Bezeichnung Sherry produziert, die Marke bzw. der Name wurde erst im Jahre 1996 durch die EU geschützt.

Die Region Andalusien gilt als der heißeste Teil Spaniens mit mediterran beherrschtem Klima. Westwinde vom Atlantik sorgen für Abkühlung und der oft kalkhaltige Boden speichert das Wasser auch während trockener Phasen. In der Region sind Condado de Huelva, Jerez, Malaga, Montilla-Moriles und Sierras de Málaga als DO klassifiziert.

Provinz und Stadt Cádiz

Diese liegt im Südwesten Andalusiens und ist die südlichste Provinz auf dem spanischen Festland. Ihre Südspitze, Punta de Tarifa, zählt zum südlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Hier herrscht ganzjährig ein angenehmes Klima. Die Temperaturen in den Wintermonaten liegen durchschnittlich bei etwa 14 Grad, in den Sommermonaten bei etwa 25 Grad.

Die Hälfte der Provinz besteht aus Naturparks, welche sich von der Küste bis hin zum Gebirge mit wechselvoller Landschaft erstrecken. Unter den andalusischen Provinzen verfügt Cádiz über den längsten Küstenabschnitt. Die Provinz wird auch als Wiege des Flamenco angesehen. Zur Hochzeit des Stierkampfs hatten sich in der Region Zuchtbetriebe für Stiere und andalusische Pferde angesiedelt.

Da sich der Atlantische Ozean und das Mittelmeer an der Meerenge von Gibraltar vereinen, entstehen extreme meteorologische Schwankungen, welch sich im Wind Levante entladen, welcher oftmals tagelang die Region um Tarifa beherrscht. wodurch Tarifa zum Zentrum für Kite- und Windsurfer wurde.
Die gleichnamige Stadt gilt nicht nur als die älteste Stadt der Region, sondern auch ganz Europas. 1110 vor Christus nutzten die Phönizier die aus Muschelkalk bestehende und noch vom Festland getrennte Insel, um dort Zinn und Silber zu lagern.

Phönizier wurden von Karthagern und diese wiederum von Römer als Herrscher abgelöst, wobei letztere den Grundstein für die heut bekannte Stadt legten, welche 844 von den Normannen überfallen und bedeutungslos wurde. Erst nach der Eroberung durch Alfons X. im Jahr 1262 gewann Cádiz wieder an Ansehen. 1264 eroberte der kastilische Monarch Alfons X Jerez von den Mauren zurück. Die Stadt wurde zur Grenzstadt, von jetzt an mit christlichem Namen: Xeres de la Frontera.

Xerez war die Grenze zum Nasriden-Königreich von Granada und erlebte jahrelange erbitterte Gewalt und Blutvergießen. In dieser Zeit wurde wichtig, die Bevölkerung und den Anbau aufzustocken. Ein königliches Belohnungssystem wurde eingeführt, wonach Land auf Grundlage des gesellschaftlichen Ansehens und erzielter Verdienste zugeteilt wurde. Weinreben und Getreide wurden zu bedeutenden Wirtschaftsfaktoren und leisteten einen wichtigen Beitrag zur Ernährung der Bevölkerung.

Die Anpflanzung von Weinreben wurden von Alfonso X gesetzlich verordnet. Der König besaß sogar seinen eigenen Weinberg in der Region Jerez. Einer seiner wichtigsten Offiziere, Fernán Ibáñez Palomino, gab der Traube, welche charakteristisch für das Gebiet wurde, den Namen Palomino.

Christoph Kolumbus erkor die Stadt als Startpunkt von zwei seiner vier Reisen. Aufgrund der Lage auf einer vorgesetzten Landzunge im Atlantik, wurden Befestigungsanlagen mit bis zu 15 Meter hohen Mauern errichtet, um die Stadt unter anderem vor den Fluten des Atlantiks zu schützen.

Das bekannteste Produkt der Stadt

Als bekanntestes Produkt der Stadt Jerez gilt der Weinbrand „Brandy de Jerez“. Der aus Spanien stammende Arnaldus de Villanova führte bereits um das Jahr 1285 Versuch auf dem Weingut der Tempelritter in der Nähe der Stadt Perpignan im heutigen Roussillon um das Jahr 1285 durch, um Branntwein und Wein zu produzieren. Der 1240 geborene Arnaldus de Villanova lehrte an der Universität Montpellier im heutigen Languedoc Heilkunde. Er zählte zu den einflussreichsten und bedeutendsten Ärzten seiner Zeit und stand als Alchemist im Ruf eines Goldmachers. So zählten etwa Bonifatius VIII. und König Friedrich III. zu seinen Patienten. Villanova destillierte nach arabischen Rezepten aus Wein Alkohol.

Er stellte bei seinen Versuchen fest, dass durch Zugabe von Alkohol die Gärung gestoppt und Restzucker im Wein erhalten wird 1299 erhielt Villanova vom König von Mallorca ein Patent zu Herstellung. Weiters geht auf Villanova die Entdeckung der Giftigkeit von Kohlenmonoxid und verwesendem Fleisch zurück. Er beschrieb als erster die Darstellung und das Verhalten von Mineralsäuren gegenüber Metallen.

Als er im Auftrag des Königs zu Papst Clemens V. gerufen wurde, starb er 1311 bei einem Schiffsunglück. Er beschäftigte sich intensiv mit den medizinischen Eigenschaften von Wein und dessen positiver Wirkung auf die Gesundheit und Seine Erkenntnisse schrieb er in seinem Werk „Liber de Vinis“ nieder.

Darin schlägt er Würzweine als Medizin vor, wie etwa Ochsenzungenwein für die Heilung Geisteskranker und Rosmarinwein als Appetitanreger, Zahnputzmittel, zur Verschönerung des Gesichts und als Haarwuchsmittel. Seiner Ansicht nach sollte Wein Melancholie vertreiben und als Medizin für Leber, Nieren, Harnwege und Venen dienen sowie zur Linderung von Hämorrhoiden und Kältegefühl eingenommen werden. Auch Ratschläge zur Herstellung von Wein sind in diesem Werk zu finden.

Die Nachfrage englischer, französischer und flämischer Händler nach Sherry führte dazu, dass der Stadtverwalter von Jerez im Jahre 1483 die Verordnungen der Rosinen- und Weinlesezunft des Sherrys verkündete. Es war die erste Regelung einer Herkunftsbezeichnung, welche die Einzelheiten der Lese, die Eigenschaften der Fässer, das System des Ausbaues und den Handel regelte. 1625 griff Lord Wimbledon Cádiz ohne Erfolg an.

Aufgrund dieses Fehlschlags mussten Engländer, Schotten und Iren die Versorgung mit Sherry über übliche Handelswege sichern und gründeten Unternehmen in der Region Jerez wie unter anderem Fitz-Gerald, O`Neale, Gordon, Garvey oder Mackenzie. Die britische Staatsangehörigkeit ermöglichte es ihnen, in Jerez Druck auf die britische Regierung auszuüben, Einfuhrzölle zu senken. Dies wurde 1825 mit zwei Duros je Weinschlauch erreicht.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden große Mengen Rohdestillate nach Holland geliefert, wodurch die Bezeichnung „Holandas“ für einen bestimmten Typ von Branntweinen entstand. Ende des 19. Jahrhunderts wütete auch in der Region Jerez die Reblaus auf.

Die Neuanpflanzung der Rebflächen in Jerez verlief im Vergleich zu anderen europäischen Gebieten relativ schnell und die endgültige Auswahl der Rebsorten getroffen, welche auch aktuell noch zur Produktion von Sherry-verwendet werden. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts breitete sich Sherry weiter auf den internationalen Märkten aus.

Die Erzeugung spanischen Brandys liegt aktuell vornehmlich in Händen hier ansässiger Sherryproduzenten. Brandy de Jerez muss wie alle Weinbrände, von der Europäischen Union verabschiedete Bedingungen für die Produktion eines Branntweines aus Wein erfüllen.

Hierfür verwendete Grundweine stammen zwar nicht aus der Stadt Jerez, bzw. ihres Umlandes, jedoch erfolgen hier Destillation und Reifung. Der größte Anteil der Grundweine stammt aus der Region La Mancha. Des Weiteren sind vier unterschiedliche Verfahren zur Destillation zugelassen. Das es hierbei jedoch um das Thema Sherry handelt, wird auf diese nicht näher eingegangen. Ergänzend sei jedoch erwähnt, dass das finale Produkt mit dem Begriff „Aguardiente“, übersetzt „brennendes Wasser“ bezeichnet wird.

Brandy de Jerez

Brandy de Jerez wird zur Reifung in amerikanische Eichenfässer gebettet, wobei er ähnlich dem Solerasystem bei Sherry, auf welches zu einem späteren Zeitpunkt angegangen wird, mehrmals umgefüllt und bewusst mit Sauerstoff in Kontakt gelangt. Dieses Verfahren trägt die Bezeichnung „dynamisches System“.

Das „statische System“ entspricht der Norm, wobei der Weinbrand bis zum Ende der Reifung im selben Fass verbleibt. Einige Produzenten benutzen hierfür Fässer, in welchen zuvor Oloroso-Sherry gelagert wurde, wodurch sich eine besondere Fülle und Würze ergibt. Aufgrund des dynamischen Systems reifen spanische Brandys wesentlich rascher.

Diese Techniken tragen dazu bei, dass ein Brandy de Jerez geschmacklich nicht mit Cognac auf ein und dieselbe Stufe gestellt werden kann. Als Brandy de Jerez“ darf Weinbrand nach zumindest sechs Monaten Reifezeit bezeichnet werden. Der Zusatz Reserva beschreibt einen ein Jahr gereiften Weinbrand. Den Zusatz Gran Reserva darf ein zumindest drei Jahre gereifter Brand tragen.

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