Aufklärung der Kinder und Jugendlichen

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Jugendliche aufgeklärt wie nie?

Angeblich erleben Jungen und Mädchen heutzutage ihr erstes Mal früher als noch vor zwanzig Jahren. Angeblich weiß die Jugend von heute mehr über Verhütung als die Generation vor ihr.

Sexuelle Aufklärung
Sexuelle Aufklärung des eigenen Kindes

Angeblich bekamen die Frauen früher viel später ihre Menstruation und allesamt waren körperlich viel weniger weit entwickelt als die heutigen Teens. Was ist dran an den hunderttausend Studienergebnissen und Umfragen über das sexuelle Aufgeklärtsein der Jugend von heute?

Nicht alle beim Thema Aufklärung über einen Kamm scheren

Wenn man von Jugend spricht, meint man zumeist die Summe aller Dreizehn- bis Achtzehnjährigen, für manche beginnt diese Zeitspanne auch erst mit vierzehn Jahren. Aber homogen ist diese Gruppe keinesfalls. Will man Näheres über ihr Wissen aus dem Bereich der Sexualität erfahren, muss man deutlich unterscheiden, dass es einen Unterschied macht, aus welcher sozialen Schicht ein Kind kommt, auch wenn ein solches Denken uns eigentlich widerstrebt.

Wenn man bedenkt, wie detailliert der Sexualkundeunterricht an manchen Schulen, insbesondere der Gymnasien ist, dass Jugendliche – Jungen wie Mädchen – hier mit echten Kondomen das Überstreifen an einem Modell erlernen, muss diese Gruppe Jugendlicher auf jeden Fall über größeres Wissen verfügen als viele Generationen davor. Ein Teil der Jugendlichen scheint und ist also tatsächlich aufgeklärter als ihre Vorreiter. Aber verallgemeinern kann man das natürlich nicht. Und ob ein Aufgeklärtsein im Ernstfall tatsächlich auch dazu führt, zu verhüten, sei sowieso dahingestellt.

Omnipräsenz der Sexualität – wofür dann noch Aufklärung?

Betrachtet man sich die Medien, scheint die menschliche Sexualität mit zu den wichtigsten und am häufigsten diskutierten Themen zu gehören. Ob so eine Omnipräsenz allerdings auch dazu führt, unverkrampft und neutral mit der Thematik umzugehen, ist fraglich. Im Gegenteil: Nie waren Jugendliche so verunsichert, was die eigene Sexualität angeht wie heute. Ein falsches Verhalten, ein Nichtwissen kann schon dazu beitragen, dass sie sich wie Versager fühlen.

Noch dazu kommt der Wahn, dass Schönheit ein Attribut ist, das unabdingbar zur Sexualität gehört, beinahe so, als wäre es nur attraktiven Menschen vorbehalten. All diese Faktoren beeinflussen maßgeblich das Selbstwertgefühl der jungen Menschen im negativen Sinne, was dazu führt, dass allein schon der Begriff Sexualität negativ und mit vielen Ängsten besetzt ist und wie eine unüberwindbare Barriere erscheint.

Gerüchteküche, nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird

Wenn Eltern sagen, die Kinder heute seien eben schon viel weiter als früher, ist das nur bedingt wahr. Betrachtet man sich die Lebenserwartung noch vor nicht allzu langer Zeit, stellt man fest, dass die Menschen früher schon in sehr jungen Jahren Familien gründeten und kaum älter als dreißig wurden.

Hier blieb ihnen nichts anderes übrig, als ihre Sexualität frühzeitig auszuleben und Familien zu gründen. Das Gerücht mit der heute viel früher einsetzenden Menstruation stimmt also nicht, wenn man von Einzelfällen absieht, die es früher aber auch schon gab.

Auch ihr erstes Mal erleben viele Jugendliche nicht mit den erschreckenden elf oder zwölf Jahren, also im Kindesalter, wie es Medien gerne hochpushen, sondern laut einer Studie zwischen fünfzehn und siebzehn Jahren, was nicht so sehr von dem Durchschnitt von noch vor zwanzig Jahren abweicht.

Wenn aber die Unterschiede zu früheren Genrationen nicht so gewaltig sind wie erwartet, warum wird dann so ein Aufhebens um die sexuelle Aktivität unserer Jugendlichen veranstaltet? Sind wir überpädagogisiert? Welchem Zweck folgt die Debatte? Geht es darum, Dinge zu verbessern? Ginge es nur um Informationen, müsste man diesen Diskurs nicht starten, denn Informationen gibt es zuhauf im Internet. Die Frage, die sich aufdrängt, wäre eher die: Warum sind manche Jugendliche trotz der Fülle an Informationen so wenig aufgeklärt?

Was man für die Aufklärung der Kinder selbst tun kann

Natürlich obliegt es den Eltern, für die Aufklärung ihrer Kinder zu sorgen. Lassen Sie den Storch im Nest und die Bienchen auf den Blümchen und reden Sie offen und unbefangen über das Thema Sexualität. Beantworten Sie Ihrem heranreifenden Kind alle Fragen, sprechen Sie auch über Dinge, die Ihnen wichtig erscheinen und nach denen es nicht fragt. Vielleicht traut es sich nicht und ist dankbar, wenn Sie das Thema ansprechen.

Eines müssen Sie aber unbedingt beachten: das Schamgefühl Ihres Kindes. Haben Sie den Eindruck, es windet sich bei dem Wort Sexualität wie ein Fisch an der Angelschnur, zwingen Sie es nicht, über Dinge zu sprechen, die ihm peinlich sein könnten. Besorgen Sie stattdessen Bücher oder Filme zu dem Thema und sorgen Sie dafür, dass es sie liest beziehungsweise anschaut. Manchmal ist auch eine Patentante (für Mädchen) oder der Patenonkel (für Jungs) ein besserer Ansprechpartner. Hier dürfen Sie gerne deren Unterstützung in Anspruch nehmen, wenn es für alle Beteiligten in Ordnung ist.

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