Refluxkrankheit – Sodbrennen Symptome

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Sodbrennen – Gefahr in der Brust (Refluxkrankheit)

Viele haben das Bild schon einmal gesehen: ein Mensch, der scheinbar Feuer spuckt, und daneben die Überschrift „Sodbrennen“. Das ist natürlich ein schiefes Bild, denn Sodbrennen hat trotz seines Namens mit Feuer oder Flammen nichts zu tun. Vielmehr steckt eine Reizung der Schleimhäute in der Speiseröhre dahinter – ein ziemlich unangenehmes Gefühl.

Sodbrennen - Die Reflux-Krankheit
Wie entsteht Sodbrennen

Fast jeder Mensch erlebt das gelegentlich. Solange die Beschwerden nach Stunden oder höchstens eins, zwei Tagen von alleine verschwinden, besteht kein Grund zur Sorge. Bei etwa 10 bis 15 Prozent aller Betroffenen hält das Brennen im Hals allerdings an. Bei ihnen wird die Schleimhaut derart stark gereizt, dass sie sich entzündet.

Die sogenannte Refluxkrankheit, die daraus entsteht, muss in jedem Fall behandelt werden. Denn auch wenn leichtes Sodbrennen fast immer harmlos ist: In fortgeschrittenen Krankheitsstadien drohen ohne eine geeignete Therapie schwerwiegende gesundheitliche Schäden – bis hin zu Krebs.

Die folgenden Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema Sodbrennen helfen, das Schlimmste zu vermeiden.

Wie entsteht die Refluxkrankheit?

Die Wurzel des Übels ist der Magensaft. Er dient dazu, die Nahrung vorzuverdauen und „aufzuschließen“, indem er Eiweiße spaltet. Diese Aufgabe bewältigt er mit Hilfe von Enzymen (Pepsin) und – das klingt zunächst befremdlich – einer Portion Salzsäure.

Salzsäure in unserem Körper? Ist das nicht gefährlich? Nicht, solange der Magensaft da bleibt, wo er hingehört – im Magen nämlich. Trotz des sehr sauen pH-Wertes von 1 bis 3 – das ist hundertmal saurer als Essig – richtet die Verdauungsflüssigkeit dort keinen Schaden an. Durch ihren speziellen Aufbau vertragen die inneren Wände des Magens diese ätzende Umgebung problemlos.

Normalerweise hält ein Schließmuskel den Übergang zwischen Speiseröhre und Magen dicht, so dass keine Säure durch die obere Öffnung des Magens austritt. Doch die Funktion dieses Muskels kann wegen unterschiedlicher Gründe gestört sein (siehe nächste Frage). Als Folge davon fließt der Mageninhalt in die Speiseröhre und reizt die Schleimhaut. Das macht sich als Sodbrennen bemerkbar.

Warum schließt der Magen nicht mehr?

Der Schließmuskel, auch „Sphinkter“ genannt, der den Mageneingang abdichtet, kann aus verschiedenen Gründen schwächeln. Zum einen ist es eine nicht ungewöhnliche Alterserscheinung, weshalb Sodbrennen ab dem 50. Lebensjahr deutlich häufiger auftritt. Meist geschieht das nachts, weil der Sphinkter zwischen Speiseröhre und Magen im Schlaf noch mehr erschlafft. Hinzu kommt, dass der Rückfluss des Mageninhalts im Liegen begünstigt wird.

In anderen Fällen führt ein Zwerchfellbruch zur Verlagerung des Magens im Bauchraum. Die Speiseröhre verliert dann ihre Spannung, und der Schließmuskel arbeitet nicht mehr richtig. Bei einem großen Zwerchfellbruch fließt Inhalt aus dem Magen mitunter sogar bis in den Rachenraum.

Was sind die typischen Symptome?

Das klassische Symptom von Sodbrennen ist ein schmerzhaftes Kratzen und Brennen im Oberbauch. Die Pein strahlt mitunter bis hinter das Brustbein aus. Schlucken oder Trinken verbessert das Gefühl nicht. Dieses Empfinden ist aber kein Muss. Bei manchen Betroffenen löst der Rückfluss von Magensäure in den Hals zunächst überhaupt keine Symptome aus – das ist besonders tückisch. Wenn später dann doch Beschwerden auftreten, befindet sich die Krankheit womöglich schon im fortgeschrittenen Stadium, was eine Therapie erschwert.

Was sind untypische Symptome?

Manchmal löst Magensäure in der Speiseröhre Symptome aus, die weder Patient noch Arzt mit Sodbrennen in Verbindung bringen. Vor allem junge Menschen klagen öfter über diffuse Schmerzen in der Brust. Wenn Ärzte dann einen Herzinfarkt ausgeschlossen haben, entpuppt sich das Problem nicht selten als Sodbrennen.

Die Säure im Hals kann auch zu chronischem Husten oder Heiserkeit führen, was Mediziner oft zunächst als Begleiterscheinung einer Erkältung oder als Asthmasymptome deuten. Zuweilen berichten Betroffene über ein Fremdkörpergefühl im Bereich des Kehlkopfs.

Wann muss ich zum Arzt?

Gelegentliches Kratzen und Brennen im Hals sind kein Anlass zur Sorge. Bei seltenen Beschwerden muss niemand zum Arzt. Vielleicht wurde zu viel Kaffee getrunken, oder ein schweres, fettreiches Essen war die Ursache. Bei solchen Speisen produziert der Magen vermehrt Säure. Das unangenehme Gefühl im Hals geht meist von selbst vorüber. Treten die Beschwerden allerdings öfter auf – mehrmals in der Woche -, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Jemandem, der schon zwei bis drei Wochen lang mehrfach am Tag unter Sodbrennen leidet, wird eine Spiegelung empfehlen, um den Zustand der Speiseröhre überprüfen zu können.

Wie sieht eine Therapie aus?

An erster Stelle erfolgt eine Überprüfung der Lebensgewohnheiten. Stimmt das Körpergewicht? Bewege ich mich ausreichend? Übergewicht und Trägheit können Sodbrennen begünstigen. Vorsicht auch beim Genuss von Weißwein, Süßigkeiten und Fettgebackenem. Im Zweifelsfall ist es besser, darauf zu verzichten. Gleiches gilt für Kaffee, Schwarztee und Getränke mit Kohlensäure. Rauchen schadet, da Nikotin den Speichelfluss verringert, der die Magensäure neutralisiert. Ein Anpassen der Lebensgewohnheiten kann zwar helfen, reicht allerdings oft nicht aus. Für solche Fälle gibt es mittlerweile eine Reihe schnell wirkender Medikamente.

Bei leichten Beschwerden bieten sich säurebindende Arzneien an (Wirkstoffe: Hydrotalcit, Algeldrat, Magaldrat, Natriumaluminiumcarbonat) sowie Kalzium- und Magnesiumcarbonat. Präparate mit Ranitidin oder Famotidin hemmen die Bildung von Magensäure. Ist eine Störung der Magenbewegung die Ursache, helfen pflanzliche Mittel mit Extrakten aus Pfefferminze, Kümmel, Enzian und Bitterer Schleifenblume. In schweren Fällen verschreiben Ärzte Wirkstoffe aus der Klasse der Protonenpumpenhemmer. Sie unterdrücken die Säurebildung am effektivsten, wirken aber nicht sofort.

Medikamente als Auslöser?

Bestimmte Wirkstoffe lassen den Schließmuskel am Mageneingang erschlaffen und erleichtern dadurch einen Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre. Dazu zählen spezielle Asthma-, Herz- und Blutdruckmedikamente. Auch manche Kalziumkanalblocker und Antidepressive können einen negativen Effekt ausüben. Doch auf ihre Arzneien dürfen die Patienten deswegen nicht verzichten – das wäre mitunter lebensgefährlich. Wer unter Sodbrennen leidet, sollte daher zunächst mit seinem Arzt sprechen.

Ist eine Operation sinnvoll?

Will ein vom Sodbrennen Geplagter keine Medikamente einnehmen, verträgt er sie nicht oder bleibt deren Wirkung aus, können Ärzte oft mit einer Operation helfen. Ein solcher Eingriff wird „Fundoplicatio“ genannt. Dabei bilden Chirurgen aus dem Gewebe am Mageneingang eine Manschette, die sie um den Übergang von der Speiseröhre zum Magen legen. Die auf diese Weise entstehende Verengung führt dazu, dass der undichte Schließmuskel wieder richtig funktioniert. Die meisten Patienten leben nach der Operation beschwerdefrei. Außer den üblichen Komplikationen, die jeder Operation folgen können (Infektion, schlechte Wundheilung), ist der Eingriff sicher (wenn ein versierter Arzt sie durchführt).

Wie groß ist die Krebsgefahr?

Bei etwa zehn Prozent der Personen mit Refluxkrankheit kommt es zu Schleimhautveränderungen in der Speiseröhre. Dabei handelt es sich um Krebsvorstufen, Mediziner sprechend vom „Barrett-Syndrom“. Meist sind davon Patienten betroffen, bei denen sich die Refluxkrankheit erst sehr spät oder zuvor noch gar nicht bemerkbar gemacht hat. Auch in diesem Stadium können Ärzte gut behandeln – vorausgesetzt, der Patient meldet sich rechtzeitig mit seinen Beschwerden.

Das ist nicht immer der Fall, so dass manchmal aus der Krebsvorstufe ein echter Krebs entsteht. Meist bleibt solch eine Wucherung zunächst lokal begrenzt. Bei frühzeitiger Entdeckung schaffen es Chirurgen oft, die Krebszellen mit endoskopischen Verfahren zu entfernen. Wichtig ist, den Zustand der Speiseröhre solcher Patienten nach einem Eingriff penibel zu überwachen. Wenn dies gelingt, sind starke Komplikationen selten.

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