Redewendung Etwas auf dem Kerbholz haben

Woher stammt die Redewendung „Etwas auf dem Kerbholz haben“

Antonia und Leonard spielen im Kinderzimmer. Dabei geht es laut her. Auf einmal hat Leonard eine Idee, er will der Oma, die in der Küche gerade backt, einen Streich spielen. Er zieht eine Gummispinne aus der Hosentasche und flüstert Antonia zu, dass sie diese auf den Küchentisch legen wollen.

Etwas auf dem Kerbholz haben
Woher stammt die Redewendung „Etwas auf dem Kerbholz haben“

Die Oma wundert sich, weil es auf einmal so still im Kinderzimmer wurde. Dann tauchen Antonia und Leonard in der Küche auf. Leonard versteckt die Gummispinne hinter seinen Rücken.

„Na, was habt ihr denn auf dem Kerbholz?“, fragt die Oma und schaut dabei die Kinder lächelnd an. Antonia und Leonard haben ihren Streich sofort vergessen, sie verstehen die Redewendung nicht und fragen nach.

Die Oma erklärt: „Früher, als noch nicht alle Menschen lesen und schreiben konnten, wurde ein zweiteiliges Holzstück verwendet, um Geschäfte abzuwickeln. Damals wurde nicht immer bar bezahlt. Das Kerbholz diente zum Anschreiben der Rechnung. Beim Kauf wurde ein Schnitt ins Kerbholz gemacht und dann geteilt.

Ein Teil blieb beim Verkäufer, ein Teil nahm der Kunde mit. Bei der Abrechnung, zum Beispiel Ende des Monats, wurden beide Kerbhölzer zusammengelegt und die Kerben gezählt. So konnte niemand schummeln und zusätzlich Kerben ins Holz schnitzen, um den Betrag zu erhöhen. Auch Arbeiter hatten dieses Kerbholz mit ihren Arbeitgebern. Für jeden gearbeiteten Tag wurde ein Schnitt in das Holz gemacht und am Ende des Monats wurden die Arbeitstage zusammengerechnet und der Lohn ausgezahlt.

Da aber die Einkerbungen im Holz meist etwas mit Schulden zu tun hatten, kam es zu dieser negativen Bedeutung der Redewendung.“

Antonia und Leonard sind begeistert. Sie fragen, ob ihre Oma mit ihnen ein Kerbholz basteln kann. Die Oma nimmt zwei Essstäbchen aus dem Schrank und einen Filzstift. Sie legt die beiden Stäbchen zusammen und macht einige Striche, wischt diese mit einem Lappen wieder weg.

„So ist die Rechnung bereinigt“, sagt sie. Dann erhält Leonard einen der Stäbchen und Antonia den anderen. Beide überlegen sich, was sie auf dem Kerbholz eintragen wollen. Vielleicht die Streiche, die sie zusammen ausgeheckt haben, damit sie diese am Ende des Monats zusammenrechnen können?

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