Rauchen ist eine Sucht

Ist Rauchen wirklich eine Sucht?

Auf jeden Fall – und eine der schlimmsten und gefährlichsten obendrein! Aus dem Rauchen von Zigaretten, Zigarillos, Zigarren oder Tabak, auch mit Cannabis vermischt, entwickelt sich Abhängigkeit, und zwar von dem Stoff Nikotin. Der stellt sich nämlich durch den Konsum von Tabakwaren ein. Nikotin hat ein extrem hohes Abhängigkeitspotenzial. Es kann deshalb sehr schnell zu einem abhängigen Verhalten führen.

Rauchen - abhängig vom Nikotin
Man muss es sich nicht schön reden – Rauchen ist eine Sucht

Nach Meinung des Schweizer Bundesamtes für Gesundheit (BAG) und auch anderer wie der sehr strengen amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA ist das Abhängigkeitspotenzial von Nikotin mit dem von Heroin vergleichbar. Nach Meinung der Wissenschaft reichen schon wenige Zigaretten oder wenige Tage mit kleinem Zigarettenkonsum, bis eine körperliche Abhängigkeit erreicht ist.

Suchtverhalten ist allerdings nicht rational. Auch wenn man die Risiken und Kosten kennt, zählt das für jemanden nicht, der raucht, wenn er innerlich nicht bereit ist aufzuhören. Überredungsversuche und Druck von außen bringen nichts. Sie führen eher zum Gegenteil, nämlich die eigene Sucht zu verfestigen. Viele Raucher scheuen die von ihnen vermutete schwere Zeit der Entwöhnung. Dabei weiß man, dass der körperliche Entzug nur vier bis sechs Wochen anhält. Die schlimmsten Symptome lassen sogar schon nach wenigen Tagen nach.

Raucher überschätzen auch oft die Stärke der Symptome. Die Angst vor dem Entzug ist oft schlimmer als der Entzug selbst.

Typisch für Raucher ist ihre innere Zerrissenheit. Sie finden immer neue Ausreden, warum sie jetzt gerade nicht aufhören wollen oder können. Im Grunde sind es faule Ausreden. Denn mehrere Versuche aufzuhören sind normal, sagen selbst erfahrene Ex-Raucher. Man muss
es einfach konsequent weiter versuchen und darf sich nicht gleich bei der ersten Schlappe unterkriegen lassen. Schlimm ist nicht, dass man es nicht geschafft hat. Schlimm ist nur, wenn man nicht wieder aufsteht und ganz aufgibt.

Denn die erste Niederlage ist die Regel. Suchtexperte Professor Mühling ist davon überzeugt: „Jeder kann vom Rauchen loskommen, wenn man es wirklich will und verstanden hat, wie man Sucht überwindet.“ Schaut man in Blogs und Foren, gehen die Meinungen über die Suchtgefahr des Rauchens weit auseinander. Die einen wollen das über die Menge der Zigaretten definieren. Andere sprechen bereits ab der ersten Kippe von einer Sucht. Dabei ist Sucht aber auch etwas ganz Individuelles. Der eine ist stark genug zu sagen: Ok, ich probiere es mal. Danach bin ich aber auch stark genug, es wieder zu lassen. Der andere ist eher labil und findet schnell Gefallen an Neuem. Es kommt also auf die persönliche Konstitution an. Sucht ist Abhängigkeit.

Abhängig kann ich auch von Personen sein. Bin ich jemandem verfallen, emotional abhängig? Wir müssen also zwischen psychischer (geistiger, seelischer) und physischer (körperlicher) Abhängigkeit unterscheiden. Das eine ist die Gefühlsebene und das andere ist das, was ich tue, konsumiere, meinem Köper zuführe. Ist man erst einmal süchtig, verwischen sich häufig diese Grenzen. Dann kann zu einer Drogensucht auch eine emotionale Sucht kommen. Abhängigkeit und der Entzug davon drückt sich durch typische Symptome wie Schweiß auf der Stirn, Schwitzen, Zittern, Kopfschmerzen oder Kreislaufstörungen (Schwindel) aus.

Psychische Symptome können dabei auch Ängste und Depressionen, Halluzinationen, surreale Bilder und Träume sein – letztendlich auch Schlaflosigkeit. Die Gefahr beim Rauchen ist ja vor allem, dass viele sie nicht als Sucht wahrhaben wollen. Nehme ich Heroin oder Marihuana, weiß jeder, dass man davon süchtig werden kann. Nikotin verharmlosen wir geflissentlich und weisen eine mögliche Abhängigkeit als zusätzliches Gefahrenpotenzial neben den Gesundheitsschäden weit von uns. Sie nehmen die Suchtgefahr einfach nicht zur Kenntnis und
verdrängen sie.

Natürlich sind durch medizinische Studien die Auswirkungen des Rauchens auf unsere Gesundheit in den Fokus gerückt. Auch die Werbung auf den Zigarettenschachteln reduziert sich zwangsläufig auf den gesundheitlichen Aspekt: „Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit“. Der Suchtgedanke ist leider allzu oft ausgeblendet. Und doch ist das Suchtrisiko am gefährlichsten. Man unterschätzt es. Wie beim Kokain macht Nikotin vom ersten Zug an abhängig. Beobachten Sie doch einmal starke Raucher ganz genau. Das ist typisches Suchtverhalten, wenn nach stundenlangem Flug der Raucher eiligst in die Raucherkabine des Flughafens eilt oder sich eine Kippe außerhalb des Airports vor der Tür anzündet.

Es soll auch schon Leute gegeben haben, die es ohne Rauchen während eines Langstreckenflugs nicht ausgehalten und heimlich auf der Bordtoilette geraucht haben. Sie werden sofort durch die sensible Flugzeugtechnik erkannt, und das hat strenge Folgen. Bei der Ankunft wartet nämlich die Polizei, und sie müssen wegen Gefährdung des Luftverkehrs mit einer saftigen Anzeige rechnen. Starke Raucher halten es nicht lange ohne Zigaretten aus. Sie eilen aus der Sitzung, werden gegen Ende schon ganz kribbelig. Ihnen zittern die Hände. Der Schweiß bricht auf der Stirn aus – das sind alles Sucht-Symptome, die sie
leistungsschwächer machen.

Rauchen ist eine Sucht! Wann sie anfängt, darüber kann man streiten

Das ist wie gesagt auch Typ-abhängig. Es gib sicher zig Beispiele, in denen jemand mal aus Neugier einen Joint geraucht hat, dann aber für sich entscheidet: Nein, das ist nichts für mich. Für den hat sich das Thema damit erledigt. Vielleicht empfand er es nicht als berauschend. Das tiefe Inhalieren war ihm sogar unangenehm. Er hatte danach einen fürchterlichen Husten. Wie ja auch so mancher nach dem ersten Vollrausch sagt: Nie wieder! Das war nicht mein Ding. Danach meidet er dann solche Situationen. Man ist quasi geheilt, und das Thema Sucht hat sich erledigt. Also einmal probiert und dennoch nicht
süchtig.

Aber allzu oft ist der erste Joint auch der Beginn einer Sucht-Karriere. Genau so kann die erste Zigarette eine Nikotinsucht begründen. Vor allem ist die Droh- und Sanktionskulisse nicht so gefährlich. Drogenbesitz allein schon ist strafbar, in größeren Mengen sogar zum sofortigen Vollzug berechtigt. Denn dann gilt man gleich als Dealer. Wenn ein Jugendlicher aber eine Kiste Bier oder eine Flasche Wodka bei sich hat, wird ihm der Alkohol lediglich abgenommen. Oder wird ein Heranwachsender mit Zigaretten erwischt, bestehen die Sanktionen auch nur daraus, ihm die Kippen wegzunehmen.

So unterschiedlich wird mit süchtig machenden Drogen umgegangen. Das die Gesundheit mehr schädigende Nikotin wird gegenüber Haschisch und Alkohol verharmlost. Alles führt zu einer Abhängigkeit, auch Tabletten übrigens, die man ebenfalls als Droge einstufen muss. Natürlich sind die Auswirkungen des Tabakkonsums erst später sichtbar. Heroin lässt den Körper schneller zerfallen. Aber dann greift man auch schneller ein und kann mehr retten. Die einmal festgestellten Auswirkungen des Rauchens wie Krebs zum Beispiel sind oft so schlimm, dass man sie manchmal gar nicht mehr wieder zurückdrehen kann.

Nikotinpflaster gegen die Sucht nach Zigaretten

Übrigens, Nikotinpflaster haben fast gar kein Suchtpotenzial. Sie werden zur  Rauchentwöhnung eingesetzt. Auch Passivrauchen soll nicht süchtig machen. Allerdings ist in der Fachwelt noch nicht eindeutig geklärt, ob bereits der Genuss einer einzigen Zigarette typische Symptome von Abhängigkeit wie Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeit oder innere Unruhe hervorruft. Auch ist nicht klar, ob schon einmaliges Rauchen zu einem Verlust persönlicher Selbstbestimmung (Autonomie) führt. Wenn sich weitere Entzugserscheinungen wie Kopfschmerzen, Schweißausbrüche, Kreislaufbeschwerden oder Unruhe zeigen, kann man von einer Sucht ausgehen.

Stoppen Sie den Nikotingenuss, verschwinden die Symptome nach etwa 5 bis 30 Tagen wieder. Dann passiert aber folgendes: Die ständige Stimulierung des Belohnungssystems durch das Nikotin bleibt aus. Das äußert sich dann durch Gereiztheit, Aggressivität, Ungeduld, schlechte Laune bis hin zu Depressionen und Konzentrationsstörungen.

Weil dieser Zustand latent Monate anhalten kann, ist ein Grund dafür, warum Ex-Raucher wieder rückfällig werden. Warum Rauchen so gefährlich ist, liegt auch an der psychischen Abhängigkeit durch eingeprägte Verhaltensmuster. Diese haben sich im Laufe einer oft langen Raucherkarriere entwickelt. Sie können nach dem rein körperlichen Entzug noch Jahre danach anhalten. Darüber hinaus werden häufig dem Tabak Substanzen beigemischt, die die Abhängigkeit sogar noch verstärken.

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