Onlinesucht Selbsthilfe – Medien und Internet

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Wege zur Selbsthilfe bei Online-Spielsucht

Was können Sie tun wenn Sie bereits süchtig – oder gefährdet – sind? Das Aufgeben von Gewohnheiten benötigt viel Zeit, Geduld und Durchhaltevermögen. Beim Gaming ist es nicht anders. Es gibt Experten, nach deren Meinung der “kalte Entzug” der beste Weg ist, um mit dem Spielen aufzuhören, andere plädieren eher dafür, nach und nach die Zeit, die Sie mit Onlinespielen verbringen zu verkürzen.

Selbsthilfe bei Onlinesucht
Wege weg von der Spielsucht

Zunächst ist es wichtig, dass Sie erst einmal erkennen, dass Sie dieses Problem haben – dies ist zunächst der wichtigste Schritt.

Danach sollten Sie die Gründe analysieren, warum Sie überhaupt internetsüchtig geworden sind. Warum haben Sie überhaupt mit dem Online-Spielen angefangen? Haben Sie vielleicht ganz harmlos als Freizeitbeschäftigung damit begonnen, um Stress abzubauen oder Langeweile zu vertreiben oder um sich von irgendwelchen Problemen abzulenken? Das Gamen beginnt meist als harmloser Spass, und bekommt dann nach und nach Vorrang vor anderen Interessen oder Aktivitäten, bis es – als schleichender Prozess – die Kontrolle über Ihr komplettes Leben übernimmt. Die Ursachen des Problems zu erkennen ist sehr wichtig, um es zu überwinden. Denn wenn Sie feststellen, dass das Onlinespielen nur ein Ventil fur eine andere – tiefer liegende – Störung ist, dann mussen Sie bei der Therapie zusätzlich dort ansetzen.

Gleichzeitig sollten Sie damit beginnen, die Online-Zeit bewusst – z.B. mit Hilfe eines Computertagebuches – zu reduzieren. Wenn Sie damit bereits Probleme haben, sollten Sie sich hier schon professionelle Hilfe suchen.

Was können Sie tun, um das Spielen als Gewohnheit aufzugeben?

Es gibt durchaus einige Möglichkeiten, schlechte Angewohnheiten oder sogar Abhängigkeiten selbst zu überwinden. Jeder Mensch ist anders. Viele schaffen es aus eigener Kraft, andere haben es – vielleicht sogar mehrfach – versucht, nur um danach wieder in ihr altes Verhaltensmuster zurückzufallen.

Egal, welches Ziel im Leben Sie erreichen möchten, es geht immer nur darum, den „inneren Schweinehund” zu überwinden, und dafür braucht man in erster Linie eine viel Willenskraft und Selbstdisziplin. Sie müssen sich aktiv dafür entscheiden, die Computerspielsucht hinter sich zu lassen, und diesen Weg mit Leidenschaft, Ehrgeiz und äußerter Konsequenz gehen. Und hart zu sich selbst sein.

Für das Ablegen einer Angewohnheit, mit der Sie in den letzten Monatenoder sogar Jahren den größten Teil des Tages verbracht haben, benötigen Sie außerdem viel Geduld. Rechnen Sie damit, dass Sie das starke Verlangen verspüren werden, zum Spiel zurückzukehren oder eventuell sogar mit weiteren Entzugserscheinungen, die man von anderen Suchtarten her kennt, wie z.B. kaltem Schweiss, Nervosität oder innerer Unruhe. Aber nach und nach lassen diese Symptome nach, und Sie können Ihrem normalen Tagesablauf nachgehen. Dafür ist es wichtig, dass Sie willensstark und ausdauernd sind und ein ausgeprägtes Durchhaltevermögen besitzen. Gewöhnen Sie sich an, dass
Sie – jedes Mal wenn Sie das starke Verlangen zum Spielen verspüren etwas zu tun haben, mit dem Sie sich ablenken können.

Folgende Maßnahmen können Sie sofort umsetzen, wenn Sie den eisernen Willen haben, Ihre Computer-Spielsucht zu überwinden. Sollten Sie genügend Selbstdisziplin und Willensstärke aufbringen können, sollten Sie mit Punkt 1 und 2 starten. Dies entspricht dem “Kalten Entzug”, sozusagen “von jetzt auf gleich”. Wie gesagt, jeder Mensch ist anders. Nicht alle werden es auf diese “harte Tour” schaffen. Auch wenn Sie bei Punkt 3 beginnen – d.h. die Zeit, die Sie mit Online-Spielen verbringen, nach und nach einzuschränken – befinden Sie sich auf einem guten Weg.

1. Account löschen

Löschen Sie Ihren Spiel-Account samt Ihrem Punktestand und allem, was Sie sonst bisher im Spiel erreicht haben – und zwar sofort! Solange Sie noch Zugriff auf ihre “erarbeiteten” Leistungen und Erfolge haben, solange ist die Versuchung da, in das Spiel zurückzukehren.

2. Spiele löschen/ deinstallieren

Deinstallieren Sie die Computerspiele von Ihrem Computer und verkaufen oder verschenken Sie samtliche Spiel-Software und Hardware (z.B. Spielkonsole). Sie können diese auch an Hilfsorganisationen spenden. Warten Sie nicht auf einen besonderen Zeitpunkt, z.B. bis sie einen bestimmten Spiel-Schritt oder ein bestimmtes Level beendet haben. Sie nehmen sich vielleicht vor, dass Sie sich das nächste Update des Spieles nicht kaufen werden oder das nächste Level nicht mehr beginnen werden, aber dass Sie dies schaffen, ist äußerst unwahrscheinlich. Wie oben bereits beschrieben, sind die Spiele so aufgebaut, dass man am Ende einer Spieleinheit so gespannt auf die Fortsetzung ist, dass man fast gar nicht mehr anders kann, als den nächsten Schritt zu machen.

3. Computer umstellen

Entfernen Sie den Computer aus dem Wohnbereich und stellen Sie ihn an eine möglichst ungemütliche Stelle, an der Sie sich ungern aufhalten (z.B. in den Flur oder in eine Kammer). Ein kompletter Verzicht auf PC und Internet wäre in dieser Situation zwar wünschenswert, ist jedoch heutzutage kaum durchsetzbar, da Computer und Internet sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich – sinnvoll angewendet – zu nützlichen Einrichtungen geworden und kaum mehr wegzudenken sind. Trainieren Sie jedoch den bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit diesen Medien und begrenzen Sie die Zeit, die Sie am Computer oder im Internet (möglichst naturlich nicht mit Spielen!) verbringen, indem Sie sich an dem Standort, an dem sich Ihr Computer befindet „nicht zu wohl fühlen“. Machen Sie sich selbst den Zugang zu diesen Medien möglichst schwer und unbequem.

4. (Offline-) Alternativen suchen

Die Gefahr ist groß, dass sie wieder in die Spielsucht zurückfallen, wenn sie gelangweilt zu Hause sitzen und nicht wissen, was sie tun sollen. Und nicht zu wissen, wie Sie Ihre Langeweile bekämpfen können, wird weitere Depressionen für Sie zur Folge haben. Erinnern Sie sich an Hobbys oder Interessen, die sie hatten, bevor sie abhängig wurden. Haben Sie Sport getrieben oder hatten Sie andere Interessen wie z.B. Fotografie oder Kochen?

Informieren Sie sich uber den neuesten Stand und besuchen Sie Veranstaltungen zu diesen Themen. Es ist wichtig, sich selbst ständig zu beschäftigen und abzulenken, dies verhindert, dass Sie anfangen, wieder an Ihr Spiel und die Fantasiewelt zu denken. Gehen Sie ins Fitnessstudio, ins Kino oder ins Einkaufszentrum oder machen Sie einfach einen Spaziergang im Park, alles eben, was Sie außerhalb Ihrer Wohnung und abseits von Ihrem Computer beschäftigt halt und eine Ablenkung von der virtuellen Welt schafft.

5. Einen strukturierten und geregelten Tagesablauf festlegen

Viele Abhängige folgen erst einmal nur einem ersten Impuls oder Ihrer Frustration, um die virtuelle Welt zu verlassen, nur um später wieder dorthin zurückzukehren. In dieser Fantasiewelt fühlen sie sich sicher, vor allem in Fallen, in denen sie sich von der realen Welt, von Familie, Freunden und Kollegen distanziert und keine “realen” Kontakte mehr haben. Sollte es Ihnen auch so gehen, sollten Sie einem geregelten Tagesablauf folgen und nicht einfach in den Tag hineinleben und die Zeit totschlagen. Auch ein geregelter Schlaf-Wach-Rhythmus ist an dieser Stelle wichtig.

Suchen Sie sich eine Tätigkeit, die Sie – auch zeitlich – voll ausfüllt und die Ihnen keine Gelegenheit lässt, uber die Ihre Vergangenheit als Gamer nachzudenken. Dazu können Sie z.B. auch eine ehrenamtliche Tätigkeit in einer karitativen Einrichtung annehmen.

6. Soziale Kontakte knüpfen

Rufen Sie Ihre Kollegen, Klassenkameraden, Familienangehörigen und Freunde an und treffen Sie sich mit Ihnen. Je mehr Sie rausgehen und Leute treffen, umso mehr fühlen Sie sich wieder mit der realen Welt verbunden. Und wenn Sie erkennen, welche Erfolge andere Menschen erreicht haben, wird Ihnen dies vor Augen fuhren, dass man in der realen Welt ebenfalls Erfolgserlebnisse haben kann. Dies ist eine gute Motivation fur Sie, Ihr Leben neu zu gestalten.

7. Verabschieden Sie sich von ihren virtuellen Freuden

Ihre „Online-Freunde“ werden versuchen, Sie in das Spiel zurückzuholen und Sie mit Aussagen darüber anzulocken, wie gut Sie waren, damit Sie sich wichtig und unverzichtbar fühlen. Es ist nichts falsch daran, Online-Freundschaften zu schließen und zu pflegen, aber zunächst sind sie wie “Trinkfreunde”, die man nach einem Alkoholentzug auch meiden sollte, wenn man von der Alkoholsucht wegkommen mochte.

8. Bitten Sie um Hilfe

Der Versuch, der Spielsucht zu entkommen, kann und wird Ihr Leben verändern und Sie werden dazu alle Hilfe und Unterstützung benötigen, die Sie finden können. Wenn Sie Freunde oder Verwandte in einer anderen Stadt oder einem anderen Land haben, besuchen Sie diese, um Ihre Umgebung zu verändern. Durch diesen “Tapetenwechsel” bekommen Sie eine neue Perspektive.Es ist keine Schande, sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht und diese bei Menschen zu suchen, die diese bieten können.

9. Unterstützung innerhalb der Familie

Die Familie ist die beste Möglichkeit, die man haben kann, um Unterstützung zu erhalten. Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen über Ihr Problem. Lassen Sie sie wissen, dass Sie erkannt haben, dass Sie online-spielsüchtig sind, und dass Sie diese Abhängigkeit überwinden wollen. Wenn Ihre Verwandten Ihren guten Willen sehen, werden sie sicherlich alles in ihrer Macht stehende tun, um Ihnen zu helfen. Ihre Familienangehörigen sind die Menschen, die Sie am besten kennen und verstehen und Ihnen sinnvolle Ablenkungen vorschlagen können.

10. Unterstützung durch Freunde

Gute Freunde können Ihnen bei der Überwindung Ihrer Sucht eine große Hilfe sein. Wenn Sie während Ihrer Abhängigkeit den Kontakt zu ihnen abgebrochen haben, versuchen Sie, Ihnen die Situation zu erklären. Gute Freunde werden das verstehen und werden sich freuen, Ihnen helfen zu können, wieder “ganz der Alte” zu werden.

Mit Freunden auszugehen oder sich mit ihnen zu treffen bietet Ihnen die dringend benötigte Ablenkung. Und denken Sie daran, niemals Einladungen zu Ausflügen oder Partys abzulehnen, egal, ob Sie sich nervös oder unsicher fühlen. Spielsucht kann die Menschen sehr scheu und zurückhaltend machen, und es braucht Zeit und Entschlossenheit, dies wieder rückgängig zu machen.

11. Professionelle Hilfe

Obwohl die Computerspielsucht medizinisch (noch) nicht richtig als Krankheit anerkannt ist, können Ihnen auch viele Psychiater und Psychologen beim Überwinden der Sucht helfen, da die Symptome und Merkmale denen anderer Abhängigkeiten sehr ähnlich sind. Suchen Sie sich einen guten Psychologen oder andere professionelle Hilfe, die in Ihrer Nähe verfügbar ist.

Auch Selbsthilfegruppen und Hilfezentren, die sich auf die Therapie und Rehabilitation Spielsüchtiger spezialisiert haben, sind in diesem Zusammenhang zu nennen. Informieren Sie sich, ob es eine solche Organisation in Ihrer Nähe gibt, die fur Sie gut zu erreichen ist. Auch Telefonberatungen können Sie um Hilfe bitten. Entsprechende Adressen und Telefonnummern finden Sie im Internet.

12. Andere Abhängige

Hilfe von jemandem zu bekommen, der in derselben Situation war oder ist und der die Sucht bereits hinter sich gelassen hat oder gerade denselben Prozess durchmacht, wie Sie, kann Ihnen enorm helfen, da er Ihre Situation am besten versteht. Kontakte können Sie ebenfalls in entsprechenden Selbsthilfegruppen finden.

Auch im Internet gibt es viele Foren mit Geschichten, Anleitungen, Tipps und Tricks für Onlinespiel-Süchtige sowie Erfolgsgeschichten von Betroffenen, die ihre Sucht überwunden haben. Wenn Sie diese Erfahrungsberichte lesen, werden Sie erkennen, dass Sie mit Ihrem Problem nicht allein sind. Solche Geschichten können sehr inspirierend und motivierend sein und können Ihnen die nötigen Impulse geben.

Wie Sie sehen, gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, Hilfe und Unterstützung zu finden, aber am wichtigsten ist Ihre eigene Disziplin und Entschlossenheit und Ihre “Ich-werde-es-schaffen”-Einstellung. Niemand kann Ihnen helfen, wenn Sie nicht dazu entschlossen sind, sich selbst zu helfen. Es ist keine Schande sich einzugestehen, dass
Sie Hilfe brauchen und diese zu suchen.

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