Mobbing Hintergründe

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Mobbing bei Kindern und Jugendlichen

Prägende Eindrücke der ersten zwei bis drei Lebensjahre des Kindes, in denen es erlebt
– Ob es angenommen , geliebt, versorgt, betreut, beachtet und wahrgenommen wird
– Ob es sich geborgen und gesichert fühlen kann in vertrauter Umgebung
– Ob es Trennung erleiden muss von den wichtigsten Personen seines Vertrauens
– Ob es missachtet, misshandelt und missbraucht wird
– Ob es vernachlässigt, ausgesperrt, ausgesetzt oder abgeschoben wird
– Ob es also in ständiger Ungewissheit bangen muss.

Mobbing bei Kindern und Jugendlichen
Mobbing – Arten, Ursachen und Hintergründe

Motive für Mobbing

All jene Lebensumstände und Gewohnheiten, die das Kind allmählich als Einstellungen und Einsichten zur Verfügung hat
– Wenn es in partnerschaftliche Beziehungen hineinwächst
– Offenheit und Zustimmung ebenso erfährt wie Zutrauen und Ermutigung
– Wenn es sich daran gewöhnen kann, dass ein Vertrauen in die nächsten Beziehungen gerechtfertigt ist
– Wenn es sich ständig eingeengt fühlt und sieht, wie es immer wieder enttäuscht wird,
– Weil es nicht gebraucht wird
– Weil ihm nichts zugetraut wird
– Weil es sich nur unterzuordnen hat- vor allem unter die zu hoch gesteckten Erwartungen der Eltern,
ein kleines Kind kann diese Erwartungen zunächst überhaupt nicht und später nur unvollkommen erfüllen.

Daraus erwächst das Gefühl nicht gut genug zu sein, ständig zu versagen. Dieses Gefühl wirkt weit in das Erwachsenenleben hinein und prägt.

Einflüsse

Die am häufigsten als „physische Gewalt“ bezeichneten Verhaltensmuster von Eltern gegenüber ihren Kindern „wiederholen“ sich in vielen gewalttätigen Angriffen von Kindern gegen Andere. Kindliche Schläger tragen ihre eigene leidvolle Erfahrung aus der Familie in die Schule hinein. Es ist ein angelerntes Verhalten, das unbedingt korrigiert werden muss.

Physische (körperliche) und psychische (seelische) Gewalt sind untrennbar miteinander verknüpft.

Gewaltbeeinflussende Faktoren

Gewalttaten geschehen nicht einfach so. Ursachen dafür sind eine ganze Reihe von Zusammenhängen, die man kennen muss, wenn man präventiv arbeiten möchte. Zu diesen Zusammenhängen gehören der Täter und seine Lebensgeschichte, Gleichaltrigengruppe, Familie, persönliche Einstellungen und Schule.

Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit von Gewalt steigern sind ungünstige Familienverhältnisse, Verflechtung in eine aggressive Jugendkultur, Entfremdung von schulischen Normen und Werten, Leistungsversagen in Schule und Beruf, schlechtes soziales Betriebsklima in der Lebenswelt junger Menschen, schlechte Qualität in der Beziehung on Kindern zu Erwachsenen, ungünstige bauliche Beschaffenheit und Ausstattung des sozialen Umfeldes.

Tätertypologie

Gemobbt wird aus verschiedenen Motiven heraus. Dies ist wichtig zu wissen, wenn man als Opfer Gegenmaßnahmen einleiten will oder als Lehrer und Kollege Mobbinghandlungen möglichst schon im Frühstadium unterbinden möchte. Ganz grob können in diesem Sinne Täter in eine Typologie eingeteilt werden:

1. Machtmobber

Es handelt sich häufig um Personen, die auf Kosten des Opfers einen Machtgewinn erzielen möchten.
Methoden: Ausbooten, ständiges unsachliches Kritisieren, Abwerten der Leistungen des Opfers, Nicht- zur- Kenntnis- Nehmen der Leistungen etc. mitunter werden gruppendynamische Prozesse ausgenutzt: Opfer wird eine Sündenbockfunktion zugewiesen. Es werden Tribunale inszeniert, auf denen auf dem Opfer herumgehackt wird. Machtmobber gehen häufig geschickt und subtil vor. Sie verfügen über entsprechendes Hintergrundwissen, Connections und oft über eine gewisse Skrupellosigkeit.

2. Neidmobber

Das Opfer wird attackiert, weil es Eigenschaften hat, die man selber gerne hätte: Titel, Erfolge, Prominenz, Popularität, bessere Fachkenntnisse etc.
Methoden: Häufig kommt es zudem zur Abwertung der Person des Opfers, Rufmord

3. Angstmobber

Das Opfer erinnert die Täter an eigene Unzulänglichkeiten, bedroht ihr Selbstwertgefühl. Sie haben Angst vor Veränderungen. Von den bisherigen Gewohnheiten oder von ihren Erwartungen abweichende Verhaltensweisen werden abgewertet, ohne Hinterfragen kritisiert. Angstmobber sind häufig Opfer von Machtmobbern, die bewusst Ängste schüren. Durch Rufmord und gezieltes Intrigieren werden sie gegen Sündenböcke mobilisiert.
Methoden: Da Angstmobber häufig stark emotional beeinträchtigt sind, sehen sie die Zusammenhänge sehr einseitig. Das Opfer wird, gleichgültig, wie es sich verhält, negativ gesehen. Oft werden ihm minderwertige Persönlichkeitseigenarten unterstellt. Aus Angst, in einer sachlichen Diskussion den Kürzeren zu ziehen, was wiederum das Selbstwertgefühl beschädigen könnte, werden klärende Gespräche vermieden. Angstmobber fühlen sich häufig selbst als Opfer, unverstanden, alleine gelassen. Sie erleben ihr Verhalten nicht selten als Reaktion auf vermeintliches Fehlverhalten des Opfers.

4. Lustmobber

Diesen macht es einfach Spaß, andere zu schikanieren, zu intrigieren und für Aufregung zu sorgen. Häufige sind sie auch Machtmobber.
Methoden: Die Motive anderer Mobbertypen, besonders Angstmobber, werden geschickt ausgenutzt. Typisch ist das Ausstreuen vager Gerüchte und Unterstellungen. Auch sie neigen zur Inszenierung vor Tribunalen, auf denen das Opfer von der Gruppe fertiggemacht werden soll.

5. Hühnerhofmobber

Gruppen neigen zur Aufstellung von Hackordnungen. Das ist bei Hühnern nicht anders als beim Menschen.
Methoden: Direktes Attackieren, Beschimpfen, Erniedrigen. Es wird kein Hehl daraus gemacht, dass man andere schikaniert.

6. Herdenmobber

Als soziales Wesen möchte der Mensch zu einer Gruppe gehören, dort anerkannt und geliebt werden. In der Gruppe fühlt man sich geborgen und stark. Herdenmobber sind für sich alleine häufig sehr unsicher, ängstlich und vermeiden aus diesem Grunde die Diskussion mit dem Opfer. Um dazuzugehören, schließt man sich mehr oder weniger unbewusst einer Gruppennorm an. Das gilt auch für die Auswahl von Mobbingopfern. Durch Gruppendruck kann es zu für Außenstehende verblüffende Wahrnehmungsverzerrungen kommen, durch die das Opfer in einem schlechten Licht gesehen wird. Herdenmobber sind eher wenig eigenständig und selbstkritisch. Sie sind überwiegend Opfer der Gruppendynamik, von Führern und Verführern. Durch Versetzungen und Veränderungen im Gruppensystem können sie friedfertig und kooperativ werden.

7. Der „edle“ Mobber

Dieser fühlt sich edel, hilfreich und gut. Er bzw. Sie setzt sich für die gute Seite ein, während andere- so seine Auffassung- gegen das Gute verstoßen. Häufig handelt es sich um Helfer, die mangelnde Sachkunde mit erhöhtem Engagement zu kompensieren versuchen. Durch die Spaltung in Gut und Böse kann man subjektiv seinen eigenen Wert erhöhen. Diesem Mobbertyp gegegnet man besonders oft in helfenden Berufen, im Gesundheitswesen und im pädagogischen Bereich.
Methoden: Die eigende Person oder Gruppe wird aufgewertet, die scheinbaren oder tatsächlichen Leistungen werden betont. Gleichzeitig wird auf die angeblichen Unzulänglichkeiten des oder der Bösen hingewiesen. Es besteht eine Tendenz, sich über diese bei Vorgesetzten zu beschweren. Die Handlungsweisen des Opfers werden nicht hinterfragt, sondern negativ kritisiert. Andere Meinungen werden als Feindseligkeit betrachtet und entsprechend geahndet.

Verhaltensmuster

1. Der freundliche Mobber

Chronische Mobber sind nicht selten charmant und freundlich. Man traut ihnen Gemeinheiten nicht zu.

2. Der korrekte Mobber

Das Verhalten wirkt formal, durchaus höflich.

3. Der Emotionstechniker

Viele Mobber spielen geschickt auf der Klaviatur der Emotionen. Dabei wird zB. Der Eindruck erweckt, das Opfer sei böse, der Täter und andere sind gut (Spaltung).

Beispiele: Antipathie signalisieren, dem Opfer glauben machen, es sei überall unbeliebt, einem Dritten gegenüber tiefes Vertrauen signalisieren und gleichzeitig Misstrauen dem Opfer gegenüber betonen, gut inszenierte Emotionsausbrüche-Weinen, Schreien, Rausrennen, etc. ,Theatralisch emotional gefärbte Bewertungen, z.B. bei kleinen tatsächlichen oder vermeintlichen Fehlern, umgekehrt werden- in der Absicht, das Opfer zu treffen- auch mittelmäßige Leistungen anderer überschwänglich gelobt.

4. Der Verrücktmacher

Hier gibt es zwei Ansätze: Man kann machen, was man will, es ist auf jeden Fall falsch. Da der Täter das Opfer ja schikanieren möchte, ist er an dessen objektiv guten Leistungen nicht interessiert- eher im Gegenteil der Täter ist unberechenbar. Heute schikaniert er das Opfer, inszeniert dramatische Emotionsausbrüche. Das Opfer ist geknickt. Am nächsten Tag ist er freundlich, scheinbar verständnisvoll. Das Opfer atmet auf und schreibt möglicherweise seine Probleme mit dem Täter der eigenen Überempfindlichkeit zu.

5. Der offene Mobber

Dieser macht keinen Hehl aus seinen Absichten. Mitunter kündigen sie sich sogar als Täter an .Sie fühlen sich häufig sicher, weil sie sich unterstützt und im Recht fühlen. Es handelt sich häufig um Hühnerhof- und Herdenmobber. Sie werden aber auch gern von intelligenteren oder geschickteren Mobbern vorgeschoben. Da offene Aggressoren am ehesten in die Schusslinie geraten, können sich die Drahtzieher im Notfall rechtzeitig zurückziehen.

6. Der betroffene Mobber

Dieser glaubt wirklich daran, dass das Opfer böse ist. Erkennbar sind sie daran, dass sie bereits bei der ersten Begegnung Ängste und Vorurteile dem Opfer gegenüber zeigen. Sie sind über die angeblich schlechten Eigenschaften des Opfers vorinformiert. Auch bei gutem Willen, sich sachlich und fair zu verhalten, werden sie sich über den Gruppendruck und selektive Wahrnehmungen bald der Gruppennorm anpassen. Dieser Prozess wird wiederum als Beweis für die Bösartigkeit des Opfers herangezogen.

Fragen, die sich Mobbing- Opfer oft stellen

Warum ich? Du bist der einzige Schüler in deiner Klasse, der gemobbt wird und fragst dich, warum das so ist? In den allermeisten Fällen gibt es dafür keine Erklärung. Es ist reine Willkür, dass du der Auserwählte bist. Wer mobben will, findet immer einen Grund zum Mobben.
Bin ich schuld? Nein. Für die Mobber gibt es immer irgend einen Grund und der hat oft gar nichts mit dir zu tun. Der Auslöser kann ein Streit über eine Kleinigkeit sein, der eskaliert ist.
Warum hilft mir niemand? Schüler wissen erst mal gar nicht was Mobbing ist und sehen deswegen auch keinen Grund dir zu helfen. Viele deiner Freunde haben vielleicht selbst Angst gemobbt zu werden, wenn sie dir helfen. Redet miteinander oder holt euch Hilfe in den Foren von www.schueler-mobbing.de oder www.schueler-gegen-mobbing.de
Muss ich mich verändern? Auf keinen Fall. Wenn du dich veränderst, sehen deine Mobber, dass sie alles mit dir machen können.
Was läuft beim Mobbing falsch? Mobbing wird verharmlost, heruntergespielt, ignoriert. Die Öffentlichkeit lehnt Mobbing ab und sieht weg!! Es gibt viel zu wenig Aufklärung über Mobbing und dessen Folgen. Kaum jemand weist die Täter in die Schranken, denn noch ist es keine Straftat.
Kann ich Mobbing verhindern? Leider nicht, die Täter können immer ein Opfer finden. Man kann sich zwar wehren, Mobbing aber nicht vorbeugen. Allerdings könnte Prävention selbst potenziellen Tätern zeigen, dass Mobbing wirklich schlimm ist. Das wäre eine wünschenswerte pädagogische Aufgabe von Schulen.
Wer kann mir helfen? Eigentlich jeder. Such dir Verbündete, die dich unterstützen können und wollen. Vor allem Lehrer sind gut dazu geeignet, gegen das Mobbing an Schulen etwas zu unternehmen.Rede auch frühzeitig mit deinen Eltern, dass ist wichtig. Wenn du gar niemand hast, dem du vertrauen kannst, dann poste in den obig erwähnten Foren.

Grundlagen erfolgreicher Prävention und Intervention

Leitsätze:

  • Gewalt kann man erklären, aber nicht entschuldigen!
  • Wegsehen ist unterlassene Hilfeleistung und damit strafbar!
  • Solange der Gewalttäter seine Ziele durch Gewaltanwendung sicher, leicht und für ihn ungefährlich erreicht, besteht für ihn kein Anlass, sein Verhalten zu ändern!
  • Wer einen Gewalttäter schont, schlägt dem Opfer ins Gesicht!
  • Gewalt wird so lange ausgeübt, wie sie sich lohnt!
  • Worte können Wunden schlagen, gegen die kein Pflaster hilft!
  • Spaßkämpfchen sind für die Überlegenen spaßig!

Gewalt und insbesondere Aggression sind untrennbar mit unserer biologischen Existenz, unserem Leben verbunden. Es ist deshalb unmöglich, ein gewaltfreies bzw. aggressionsfreies Zusammenleben zu erreichen. Das muss man akzeptieren. Nicht der Gewaltfreiheit sollte daher unser Bemühen gelten, sondern dem Versuch, die Auftretens Wahrscheinlichkeit von Gewalt und Aggression zu minimieren, Eskalationen zu verhindern sowie Gewalt und Aggressionen so zu kanalisieren, dass sie die Mitmenschen möglichst wenig schädigen.

Maßnahmen gegen Gewalt in der Schule:
  • Es gibt verbindliche Regeln und Absprachen, an die sich alle halten, auch die Lehrer.
  • Es gibt eine wahrnehmbare Schulidentität, die das Wir- Gefühl unterstützt oder der Schulleiter ist eine starke Integrationsfigur.
  • Gewalttätiges Verhalten wird nicht ignoriert, sondern sofort mit einer Reihe gestaffelter Maßnahmen beantwortet.

Der Arbeitsaufwand für die Lehrer ist größer als üblich, der notwendige Einsatz und das Engagement höher. Die Lehrer sind sich ihrer Verantwortung als Verhaltensmodelle und Verhaltenstrainer bewusst und üben daher Selbstdisziplin.

In Zusammenhang mit Gewalt besteht eine Interventionspflicht seitens der Lehrer. Der Schulweg und die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln müssen in Überlegungen zur Gewaltprävention von Seiten der Schule einbezogen werden.

Aufsichtspflicht

Intervention setzt Hinschauen voraus und Hinschauen Anwesenheit. Es muss sichergestellt werden, dass die Lehrer ihrer Aufsichtspflicht pünktlich nachkommen. Verantwortlich dafür ist die Schulleitung!

Es gibt Vorkommnisse, da darf es nicht in das Ermessen der Schule oder einzelner Lehrer gestellt sein, ob eine Sanktion verhängt wird.

  • Angriff mit Körperverletzung auf Mitschüler und Lehrer
  • Zerstörung des Eigentums von Mitschülern und Lehrern, Bedrohung, Telefonterror.
  • Waffenbesitz
  • Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Missbrauch.
  • Räuberische Erpressung, Schutzgelderpressung.
  • Handel mit Drogen und Waffen.

Unabhängig von der schulischen Sanktion, hat Strafanzeige zu erfolgen. Die Schule hat keine Möglichkeit, im Falle von Offizialdelikten von einer Anzeige abzusehen. Die Schulleitung beziehungsweise die betreffende Lehrperson macht sich in diesem Fall der Strafvereitelung schuldig.

Möglichkeiten der Prävention

Bei gewalttätigen Jugendlichen kann immer wieder festgestellt werden, wie ablehnend, grausam, feindlich Elternhäuser sein können und wie viel Leid diese Kinder in den ersten Lebensjahren haben erdulden müssen.

Daraus ergibt sich die Frage, was Eltern und Erzieher tun können, wenn sie der Gewalt vorbeugen wollen. Folgende Hinweise sind hilfreich:

  • Überprüfen Sie Ihre eigene Einstellung zur Gewalt.
  • Befürworten Sie keine Äußerungen zur Androhung und Anwendung von Gewalt.
  • Akzeptieren Sie Ihre Kinder, so wie sie sind und geben ihnen das Gefühl, dass sie bei Ihnen geborgen sind.
  • Beziehen Sie Ihre Kinder in Ihre Entscheidungen mit ein und schaffen so ein Klima des Vertrauens.
  • Sprechen Sie mit Ihren Kindern über deren Gewalterfahrungen, aber auch über Ihre eigenen.
  • Verbannen Sie endgültig den Spruch „ein Klaps auf den Hintern, eine Ohrfeige… hat noch keinem geschadet“ aus Ihrem Leben.
  • Wenden Sie selbst in Ihrer Erziehung keine aggressiven Verhaltensweisen an, und versuchen Sie Konflikte mit Ihren Kindern gewaltfrei zu lösen.
  • Zwischen Eltern und Kindern sollte es eine gleichberechtigte Kommunikation/Diskussion geben, die die eigene Meinung des Kindes zulässt. Für Kinder sind nicht die Belehrungen und Worte der Erwachsenen entscheidend, sondern die Art und Weise, wie die Erwachsenen im Alltag miteinander und mit den Kindern umgehen. Dabei darf durchaus gestritten werden.

Erfolgreiches Streiten hat Regeln:

  • Das Problem sofort ansprechen
  • In der Ich-Form sprechen
  • Sich nicht gegenseitig unterbrechen
  • Den Partner direkt ansprechen und dabei anschauen
  • Beim Thema bleiben
  • Beschuldigungen und Verletzungen unterlassen
Erziehungstipps für Eltern

Die folgenden Tipps sind dafür geeignet, dass Ihr Kind besser vor Gewaltübergriffen geschützt ist, bzw. tragen dazu bei, dass es nicht zum Gewalttäter wird:

  • Erziehen Sie Ihr Kind ohne Gewalt. Leben Sie gewaltfreie Konfliktlösungen vor. Zeigen Sie Ihrem Kind andere Möglichkeiten zur friedlichen Konfliktlösungen auf.
  • Kinder brauchen Regeln und klare Grenzen- und testen sie auch aus. Sollten diese überschritten werden, helfen Sie Ihrem Kind, Verantwortung für sein Verhalten zu übernehmen, indem es einen Ausglich schaffen muss.
  • Arbeiten Sie in der Erziehung eng mit Kindertagesstätten oder Schulen zusammen und nutzen Sie gemeinsame Veranstaltungen, um sich mit Pädagogen auszutauschen. Holen Sie sich dort Anregungen, indem Sie Ihren Fall schildern.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über seine Schulsituation.
  • Beteiligen Sie sich an Elterngremien , wo über Gewaltphänomene und Vorbeugungsmöglichkeiten gesprochen wird.
  • Gehen Sie darauf ein, wenn Ihr Kind von Gewalttaten erzählt oder gar verletzt nach Hause kommt.
  • Verharmlosen Sie die Geschichte nicht, sondern nehmen Ihr Kind ernst. Dadurch vermitteln Sie Ihrem Kind das Gefühl, dass Sie seine Probleme ernst nehmen.

Eltern sollten für ihre Kinder da sein, wenn sich Schwierigkeiten abzeichnen. Helfen Sie Ihrem Kind beim lösen von Alltagsproblemen, wie Lernschwierigkeiten, persönlicher Isolation oder mangelndem Zuspruch. Erkennen Sie seine Stärken und fördern Sie sportliche oder musische Fähigkeiten. Kinder brauchen Anerkennung, Erfolgserlebnisse und die Möglichkeit, sich auszutoben. Interessieren Sie sich für die Freizeitgestaltung Ihres Kindes.

Empfehlungen für Eltern

Achten Sie auf Anzeichen von Kummer bei Ihrem Kind. Möglicherweise zeigt Ihr Kind plötzlich Unwillen in die Schule zu gehen, gehäuftes Auftreten von Kopf- oder Bauchschmerzen oder es fehlen Schulmaterialien in unüblich starkem Ausmaß; evtl. verlangt es nach erhöhtem Taschengeld oder es hat Beschädigungen an Kleidern oder gar körperliche Verletzungen.

Zeigen Sie aktiv Interesse am Leben Ihres Kindes und seinem Bekanntenkreis. Sprechen Sie über Freundschaften mit ihm, wie es seine Freizeit verbringt und was auf dem Schulweg so alles passiert.

Wenn Sie glauben, dass ihr Kind das Opfer von Mobbing oder Gewalt ist, dann benachrichtigen Sie sofort die Schule und bitten Sie um einen Termin mit dem Lehrer, der sich der Probleme Ihres Kindes annehmen sollte.

Überlegen Sie mit dem zuständigen Lehrer Maßnahmen, die Ihrem Kind helfen und die geeignet sind, es innerhalb und außerhalb der Schule zu unterstützen.

Wenn das Problem auch außerhalb der Schule auftritt, sollten Sie einen Anwalt hinzuziehen. Bitten Sie ihn, einen Brief an die Eltern des Täters zu senden, in dem er die möglichen rechtlichen Konsequenzen bei einer Wiederholung der Angriffe darstellt.

Ermutigen Sie Ihr Kind, nicht zurückzuschlagen. Dies würde die Schwierigkeiten nur noch schlimmer machen. Dieses Verhalten könnte auch im Widerspruch zum Wesen Ihres Kindes stehen. Ermuntern Sie Ihr Kind stattdessen, neue Freundschaften zu schließen. Ein Kind, das Freunde hat, wird seltener attackiert.

Seien sie ausdauernd und bestehen sie darauf, dass etwas geschieht.

Empfehlungen für Opfer und deren Eltern

Die folgenden Richtlinien sind für Eltern, die wissen, dass ihr Kind ein Opfer von Mobbing und Gewalt ist.
Erzählen Sie als Erstes Ihrem Kind, dass an ihm nichts falsch oder schlecht ist. Es ist nicht das einzige Opfer.

  • Raten Sie Ihrem Kind, nicht zu zögern, einem Erwachsenem darüber zu berichten.
  • Klären Sie gemeinsam, an welchen Plätzen die Angriffe passieren und wie Ihr Kind diese Orte meiden kann. Wenn ein Ausweichen nicht möglich ist, dann raten Sie Ihrem Kind, sich zu vergewissern, dass sich dort vertraute Personen aufhalten.
  • Raten Sie Ihrem Kind, nicht zu versuchen, sich durch Süßigkeiten oder andere Geschenke von den Attacken freizukaufen. Erfüllen Sie keine Forderungen Ihres Kindes nach zusätzlichem Geld.
  • Arbeiten Sie gemeinsam mit Ihrem Kind und einem zuständigen Lehrer einen Plan aus. Sollten die Angriffe wieder auftreten, dann sollte der Plan befolgt und ein Erwachsener informiert werden.

Tipps für Eltern, deren Kinder Täter geworden sind

  • Kinder und Jugendliche, die zu Aggressionen und Gewalthandlungen neigen, brauchen Hilfe, um gewaltfördernde Einflüsse in ihrer Lebenssituation dauerhaft zu verändern.
  • Versuchen Sie herauszufinden, was Ihr Kind eigentlich aggressiv macht und warum es in bestimmten Situationen aggressiv reagiert.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Auswirkungen von Gewalttaten für das Opfer, aber auch darüber, welche Konsequenzen sie für den Täter habe.
  • Verdeutlichen Sie Ihrem Kind: Wer heute Täter ist, kann morgen Opfer sein!
  • Fördern Sie bei Ihrem Kind das Verständnis für andere, fremde Kulturen.
  • Tolerieren Sie keine Gewalt, auch keine Beleidigungen, Beschimpfungen und menschenverachtenden Äußerungen. Denken Sie auch hier an Ihre Vorbildfunktion.
  • Erklären Sie, dass Gewalt unsozial ist und von unserer Gesellschaft abgelehnt und verurteilt wird.
  • Sollte Ihr Kind im Verdacht stehen, an einem Gewaltdelikt beteiligt zu sein, wenden Sie sich nicht von ihm ab. Es braucht Ihre Unterstützung zur Lösung dieses Problems. Verhaltensweisen ohne Gewalt sind erlernbar, beispielsweise durch soziale Trainingskurse.

Überdenken Sie Ihren Erziehungsstil

Braucht Ihr Kind mehr Zuwendung, mehr von Ihrer Zeit, mehr Regeln oder mehr Gelegenheiten Verantwortung zu übernehmen?

Informieren Sie sich bei Erziehungsberatungsstellen oder dem Jugendamt, wo Sie professionelle Hilfe und Unterstützung erhalten können.

Tipps zum Schulgespräch

Das können Sie tun:

1. Bereiten Sie das Gespräch mit dem Lehrer sorgfältig vor.
Überlegen Sie vorher, was Sie von ihm und der Schule erwarten. Machen Sie sich dazu schriftlich Stichworte, das hilft Ihnen, klar zu bleiben, denn durch die Situation sind Sie erst mal emotional überwältigt.
2. Schildern Sie den Vorfall sachlich.
Unterlassen Sie in jedem Fall Schuldzuweisungen. Die Lehrer können in der Regel nichts dafür. Die Lehrkraft zu bitten, etwas dagegen zu unternehmen, wird nur dann erfolgreich sein, wenn bereits pädagogische Konzepte gegen Mobbing an der Schule bestehen.
3. Entwickeln Sie gemeinsam mit dem Lehrer konkrete Strategien.
Bitten Sie den Lehrer, nicht den speziellen Mobbing Fall Ihres Kindes zu diskutieren sondern lieber darüber, welche Konsequenzen Mobbing oder Gewalt jeglicher Art in Zukunft für die Täter haben wird. Eine Diskussion Ihres Falles führt dazu, dass Ihr Kind als Petzte dasteht, mit der Folge, dass die Mobbing/Gewaltübergriffe auf Ihr Kind zunehmen werden.
4. Überprüfen Sie, ob der Lehrer tatsächlich etwas unternommen hat.
Das darf nicht länger als wenige Tage dauern. Befragen Sie dazu Ihr Kind. Wenn alles nichts hilft, wenden Sie sich an den Direktor. Die Schule hat die Pflicht, sich darum zu kümmern, dass es Ihrem Kind gut geht.
5. Wenn Sie kein Gehör bei der Schule finden:
In diesem Fall haben Sie die gesamten Vorgänge bereits schriftlich dokumentiert.
Evtl. Arztbesuche lassen Sie sich schriftlich mit Attest bestätigen. Wenn Sie in eine psychologische Beratung in Anspruch genommen haben, lassen Sie sich das attestieren.
Mit diesen Unterlagen wenden Sie sich an die vorgesetzte Dienstbehörde der Schule. Bitten Sie um Klärung der Sachlage und um Hilfe.
6. Wenn der schulische Weg nicht hilft:
Gehen Sie zu Beratungsstellen der Polizei, schalten Sie einen Anwalt ein, scheuen Sie sich nicht, den zivilrechtlichen Weg zu gehen.

Das sollten Sie unbedingt unterlassen:

1. Die Schuld bei ihrem Kind suchen.
2. Mit den Eltern der Täter reden.
3. Mit den Tätern reden.
4. Ihr Kind zu den Lehrgesprächen mitnehmen.

Tipps zur Eltern- Kind Kommunikation

1. Eigene Gefühle ausdrücken
2. Das Problem klar definieren
3. Gesprächsregeln festlegen und einhalten
4. Ich Botschaften senden.

Ich Botschaften drücken nur die eigene Befindlichkeit aus, und verzichten auf jegliche Anklage, Beschuldigung, Unterstellung und Interpretation des Verhaltens der anderen.

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