Medienkompetenz bei Kindern – Medien und Internet

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Kindergartenkinder, die bereits morgens um sechs vor dem Fernseher sitzen, Zehnjährige, die während des Unterrichts mit ihrem Smartphone spielen und Teenager, deren Leben sich nur noch in sozialen Netzwerken abspielt: Diese Szenarien sind nicht weit hergeholt, sondern Realität.

Zwischen Flucht und Sucht – Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen stärken

Medienkompetenz durch Vorbilder
Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen

Neuesten Studien zufolge schaut ein Großteil der Drei- bis Sechsjährigen regelmäßig fern, mehr als 30 Prozent der Kinder zwischen sechs und elf Jahren besitzen ein eigenes Smartphone, knapp 20 Prozent sogar einen eigenen PC oder Laptop (Stand: 2014). Die Tendenz ist deutlich steigend.

Die Gefahren, die von übermäßigem und ungefiltertem Medienkonsum an jedem Tag ausgehen, sind hinreichend bekannt. Doch was kann man im Rahmen der Erziehung tun in Zeiten, in denen selbst die Schule zur „Bildung“ voraussetzt, das Internet zur Informationsbeschaffung zu nutzen und der Gruppendruck immer stärker wird?

Mediennutzung begleiten und mit Kindern reflektieren

Das erste elektronische Medium, mit dem Kinder in Kontakt kommen, ist meistens der Fernseher. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es immer mehr TV-Sender gibt, die sich auf die ganz jungen Zuschauer als lohnende Zielgruppe spezialisiert haben. Zum anderen schauen sich Kinder das Nutzungsverhalten ihrer Eltern ab.

Im Grunde wäre es begrüßenswert, wenn Kinder unter sechs Jahren überhaupt nicht fernsehen würden. Das Problem besteht darin, dass Kleinkinder noch nicht zwischen Fiktion und Realität unterscheiden. Selbst harmlose Sendungen können bei sensiblen Kindern Ängste auslösen, die sich oft in Albträumen oder Verlustängsten äußern.

Zudem lernen Heranwachsende, die viel Zeit inaktiv mit Fernsehen verbringen, weniger als Altersgenossen, die spielen und sich selbstständig beschäftigen. Nicht umsonst heißt es: „Learning by Doing.“ Gerade in Familien mit mehreren Kindern ist es jedoch fast unmöglich, Vorschulkinder das Fernsehen komplett zu verbieten.

Umso wichtiger ist es, dass die Kleinen niemals vor dem Fernseher alleine gelassen werden. Das TV-Gerät ist kein Babysitter. Eltern sollten immer gemeinsam mit ihrem Kind das Gesehene reflektieren und fragen: „Was hast du gesehen? Wie fühlst du dich dabei?“ Das hilft Kindern, Inhalte richtig einzuordnen und zu verarbeiten.

Darüber hinaus ist es wichtig, die Möglichkeit fernzusehen nicht als Belohnung oder Bestrafung einzusetzen. Andernfalls wird dem Fernseher durch das Verhalten der Eltern zu viel Bedeutung beigemessen und das Kind glaubt erst recht, dass es ohne Fernsehkonsum nicht leben kann.

Gefangen im Netz – wie Eltern ihre Kinder schützen können

Das Internet erscheint vielen Kindern und Jugendlichen wie ein digitaler Abenteuerspielplatz. Ohne Zweifel hat das World Wide Web unzählige Vorteile und es macht keinen Sinn, das Internet an sich zu verteufeln und das eigene Kind davon fernzuhalten.

Es gibt jedoch zwei Gefahrenquellen, die Eltern kennen sollten. Die Erste ist der drohende Realitätsverlust durch soziale Netzwerke, Onlinegames oder virtuelle Shoppingportale. Das Suchtpotenzial, welches von diesen Angeboten ausgeht, ist enorm groß.

Auf der anderen Seite ist für viele Nutzer das Internet ein rechtsfreier Raum, in dem sich nach Belieben pöbeln, beleidigen oder drohen lässt, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen – die Anonymität im Netz macht Cybermobbing möglich.

Medienkompetenz im Umgang mit Medien

All das müssen Kinder wissen – es hilft nicht, die Gefahren zu verharmlosen oder totzuschweigen. Grundschulkinder sollten trotzdem das Internet nur nutzen, wenn ein Erwachsener in der Nähe ist. Wichtig ist, dass sie lernen das Netz effektiv und zielgerichtet zu nutzen, um von den Möglichkeiten der Informationsbeschaffung optimal zu profitieren.

Bei Jugendlichen gilt die Devise: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser. Eltern müssen versuchen, den guten Draht zu ihrem Teenager aufrechtzuerhalten, auch wenn es Reibereien gibt. Nur so bemerken sie rechtzeitig, wenn ihr Kind sich in eine Scheinwelt flüchtet oder im Netz Opfer von Cybermobbing oder sexueller Gewalt wird.

Medienpädagogik: Vorbild sein und Alternativen anbieten

Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter orientieren sich noch stark an ihren Eltern. Das gilt auch für den Umgang mit Medien. Mütter und Väter, die nur ausgewählte Sendungen mit Mehrwert schauen und phasenweise bewusst auf Ihr Smartphone verzichten, weil sie beispielsweise ein Buch zur Bildung lesen oder mit der Familie etwas unternehmen möchten, sind positive Vorbilder für Kinder.

Einfach mal jeden Tag „abschalten“ und sich um wirklich wichtige Dinge kümmern: Diese Haltung ist ein klares Signal für Kinder und sorgt dafür, dass sie die Realität und bestimmte Werte wie Familie, Freundschaft, Selbstständigkeit und Kreativität nicht aus den Augen verlieren.

Medienkonsum verbannt Kinder in die völlige Passivität – gemeinsame Spiele, Ausflüge, Sport, Treffen mit Freunden hingegen sorgen dafür, dass sie sich bewusst werden, wie schön es sein kann, das eigene Leben aktiv mitgestalten und beeinflussen zu können.

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