Lust auf normalen Sex & einfache Erotik

Die Lust auf den ganz normalen Sex

Das, was die Medien seit Jahren als erfüllte Sexualität verkaufen wollen, setzt Paare häufig unter enormen Druck. Es ist Zeit, sich von diesem Druck der instrumentalisierten Erwartungshaltung durch Film, Funk und TV zu befreien.

Paar mit Körperkontakt
Die Lust auf ganz normalen Sex

Unterwerfung, Peitschenhiebe, Fesselspiele: Blümchen-Sex scheint seit dem Welterfolg von „Fifty Shades of Grey“ nahezu ausgestorben zu sein. In der verfilmten Hollywood-Version unterwirft sich die zunächst schüchterne und unerfahrene Anastasia dem ebenso grausamen wie schönen Milliardär Christian Grey, der Anastasia in die Welt der sado-masochistischen Spielart einführt.

Das komplexe Thema ist abendfüllend umgesetzt und seit seiner Einführung in den breiten Massenmarkt geradezu ein Maßstab für erfüllenden Sex geworden.

Weniger Sex, längere Beziehung

Da kann einen schon ein mulmiges Gefühl beschleichen: wenn es darum geht, ein erfülltes Sexualleben vorweisen zu können, sollte man die meisten bekannten Sexualpraktiken bereits ausprobiert haben – oder zumindest ebenso verklärt in die Laken sinken, wie es die Film- und Romanhelden stets zu tun pflegen. Tagein, tagaus – wohin man schaut, sieht man vermeintlich befriedigte Menschen, knackige Körper und schlussfolgert daraus den perfekten Sex.

Selbstverständlich sieht die Realität vollkommen anders aus: neben dem Freizeit-Stress, der Arbeit und Haushalt bleibt häufig kaum Zeit oder gar Lust übrig, um ganz normalen, ausgiebigen Sex genießen zu können. Auch fällt das erotische Vorturnen, das man im TV ständig vorgebetet bekommt, meist mangels Zeit weg.

Anstatt dass Pärchen miteinander Sex haben nicken sie gemeinsam vor der Glotze ein. Da fragen sich natürlich viele: ist unsere Beziehung bzw. unser Sexleben so langweilig? Reizt man den Partner sexuell nicht mehr? Hamburger Sexualforscher haben in einer Studie herausgefunden, dass das vollkommen normal ist und nichts mit der erotischen Ausstrahlung des Partners zu tun hat. Je länger eine Beziehung andauert, desto weniger Sex haben Paare miteinander.

Frisch verliebte Paare haben, ganz unabhängig in welchem Alter, durchschnittlich rund 10 Mal pro Monat Sex miteinander. Menschen in langfristigen Beziehungen schaffen es in der gleichen Zeit im Mittel „nur“ noch auf 4 Mal. Erstaunlich ist, dass es dabei offenbar keine Rolle spielt, ob die Beziehung nun bereits 5 oder 25 Jahre andauert. Das hängt vor allem damit zusammen, dass sich die Sexualität auf ganz natürliche Weise im Verlauf einer Beziehung verändert.

Die Verhaltensforschung ist sich einig, dass gerade in der Anfangsphase einer Beziehung der Sex als Bindemittel genutzt wird, um die Menschen zusammenzuschweißen. Je länger eine Beziehung dann andauert, desto mehr rückt der Sex in den Hintergrund – andere Dinge rücken in den Fokus. Häufig tritt dann auch die Frage auf, ob das schon alles gewesen wäre.

Herausfinden, was beiden gemeinsam Spaß bereitet

Selbstverständlich muss klar sein, dass es „das“ noch nicht gewesen ist. Es ist aber nun einmal ein Fakt, dass sich das Sexleben im Verlauf einer Beziehung verändert. Die Frage, ob man eine neue Stellung ausprobieren soll, stellt sich eher selten. Häufiger kreist das Thema um mögliche Erektionsstörungen und Scheidentrockenheit und wie man damit umgehen soll.

Glück haben jene Menschen, die einen Hausarzt haben, dem sie volles Vertrauen entgegenbringen. Es geht dann vor allem darum zu erkennen, dass die Sexualität jedes einzelnen Partners eine andere ist als die, die zu Beginn der Beziehung vorhanden war. Das hat übrigens auch Vorteile, denn Experten sagen, dass die Sexualität in längeren Partnerschaften, die man übrigens „individuelle Sexualität“ nennt, emotional tiefer gehenden Sex praktizieren. Die Partner finden gemeinsam heraus, welche Art von Sex ihnen Erfüllung bereitet und welche Träume und Wünsche sie gemeinsam ausprobieren möchten.

Sexualtherapeuten warnen aber davor, in solchen Phasen zu viele Strömungen von außen aufzunehmen – es sollten keine Vorbilder wie das bereits genannte „Fifty Shades of Grey“ oder Pornografie hinzugezogen werden. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, denn die sexuellen Einflüsse prasseln täglich auf jeden Menschen ein. Genau diese tägliche Übersättigung durch erotische Inhalte führt dazu, dass Menschen unter emotionalen sowie psychischen Druck geraten.

Der permanente Vergleich zwischen sich selbst und den vermeintlichen Super-Lovern aus den Medien kann man nur verlieren. Und dann soll Sex noch Spaß machen? Unwahrscheinlich.

Sex, der Spaß macht, klappt bei Paaren, die sich miteinander wohlfühlen. Diese Paare finden in der Regel ihre eigene Sexualität. Wichtig ist, dass man miteinander spricht und ehrlich sagt, was einem durch den Kopf geht. Klar ist, dass das nicht immer und für jeden leicht ist.

Blöderweise gibt es in unserem Kulturkreis keine adäquate Sprache für den sexuellen Bereich, da in diesem Bereich keine gewachsene Kultur vorhanden ist. Es muss klar sein, dass schöner Sex nicht vom Himmel fallen kann. Erotik kann und wird nicht ständig spontan ausbrechen wie ein Vulkan, auch wenn es in den Filmen immer so dargestellt wird. Guter Sex bedingt, dass man etwas dafür tut.

Lieber unperfekt lieben

Es gibt verschiedene Mittel und Methoden, das Sexleben so auszugestalten, dass man damit zufrieden sein kann. Es ist nicht immer leicht, allerdings gibt es immer einen Weg.

  • Sex nach Plan: darauf zu warten, dass man urplötzlich von der Lust überfallen und überwältigt wird, ist vergebene Liebesmüh´. Moderne Menschen planen und strukturieren ihren kompletten Tag durch – warum also gerade beim Thema Sex nicht? Natürlich wirkt das ziemlich unromantisch, aber es ist ein Fakt, dass unperfekter Sex weitaus besser ist als überhaupt kein Sex.
  • Zwischenmenschliche Gespräche: erotische Pläne zu schmieden, während man über Sex spricht, kann bereits die Zündflamme für die eigene Lust werden. Genauso, wie man nicht jeden Tag das gleiche Gericht zu Mittag ist, ist auch Sex ausschließlich nur im Bett, auf Dauer langweilig und fad. Neue, ausgefallene Plätze zu suchen kann der Kick schlechthin werden.
  • Zeit nehmen hilft: Während in Filmen immer nur wenige Minuten vergehen, bis die Kontrahenten in vollkommener Erfüllung selig in die Kissen sinken, läuft es in der Realität anders – und das ist auch gut so. der sogenannte „Slow Sex“ wird mit langsamen Bewegungen, dafür aber umso intensiver, ausgeführt. Die Qualität des Sex steigt rapide an.
  • Offen für Neues sein: Inspiration, die man aus Büchern und Filmen bezieht, muss nicht zwingend schlecht sein. Es ist wichtig, etwas Gutes daraus zu machen. Es müssen nicht gleich Fesseln, Peitschen und brennende Fackeln sein. Man kann beispielsweise damit beginnen, einfach mal die Augen zu verbinden. Es kommt bei allen sexuellen Spielarten nur darauf an, dass beide Teilnehmer sich dabei wohl fühlen. Damit der Sex gut wird ist es wichtig, dass auch mal ein Nein akzeptiert wird.

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