Kurzgeschichte Garten

Geschätzte Lesedauer 7 Minute(n)

Kurzgeschichte Garten – Ralf erinnert sich

Als Ralf seinen Sohn eines Abends ins Bett bringt und ihn friedlich schlafen sieht, erinnert er sich an seine eigene Kindheit und das sagenhafte Abenteuer zurück, welches er einst mit seinem besten Freund Maximilian im Garten erlebte. Es war ein Abenteuer, das die beiden Kinder einst sehr zusammenschweißte.

Kurzgeschichte Garten
Kurzgeschichte über ein Abenteuer im Garten

„Ich habe hier etwas, dass dir bestimmt sehr gefallen wird“, meinte Maximilian, als er in das Zimmer von Ralf kam. Die beiden waren zum Spielen verabredet und Maximilian hatte eine kleine Überraschung für Ralf dabei. „Was hast du denn?“, fragte Ralf mit einer gewissen Langeweile. „Ich habe mir ein eigenes Abenteuer ausgedacht und ich möchte es sehr gerne mit dir gemeinsam erleben.“

Ralf schien verwirrt zu sein, denn er wusste nicht, wovon Maximilian da sprach. „Was meinst du damit? Du hast dir dein eigenes Abenteuer ausgedacht? Ich verstehe dich nicht.“ Maximilian legte seinen Rucksack ab und suchte darin nach etwas. „Was suchst du denn jetzt?“, fragte Ralf. „Das wirst du gleich sehen“, antwortete Maximilian mit einem Lächeln. „Jetzt bin ich aber gespannt.“

Maximilian zog ein Blatt Papier hervor. „Das ist unser Abenteuer, das wir heute erleben werden.“ Ralf nahm das Blatt Papier in die Hand und las aufmerksam, was darauf geschrieben stand, ehe er zu lachen begann. „Ist das dein ernst?“, fragte Ralf. „Klar. Oder hast du für heute schon etwas anderes geplant?“ „Nein, eigentlich nicht. Aber …“ „Komm schon. Das wird lustig. Ein richtiges Abenteuer.“ Zunächst war Ralf skeptisch, denn Maximilian hatte auf dem Blatt Papier einige Dinge aufgelistet, die man bei einem Abenteuer erleben könnte. „Und wie genau hast du dir die Sache vorgestellt?“, wollte Ralf verständlicherweise wissen. „Wir spielen draußen im Garten. Wir werden dieses Abenteuer natürlich nicht in Wirklichkeit erleben. Alles, was wir benötigen, ist unsere Fantasie. Davon haben wir ja eine ganze Menge, oder nicht?“ „Ja, schon. Aber …“

Ralf war immer noch skeptisch. „Ach, komm schon, Ralf. Wenn du ein Spiel vorschlägst, bin ich immer sofort dabei.“ Ralf überlegte kurz und fasste dann einen Entschluss. „Das stimmt. Du machst bei meinen Spielideen immer mit. Jetzt probieren wir eines deiner Spiele aus. Ich bin dabei. Lass uns in den Garten gehen. Die Sonne scheint. Also können wir unser Abenteuer draußen im Garten erleben. Da ist es viel schöner.“ „Einverstanden.“ Die beiden gingen gemeinsam in den Garten. Natürlich vergaß Maximilian nicht, seinen Plan mitzunehmen.

Als die beiden im großen Garten ankamen, blickten sie zum Himmel auf und bemerkten, dass keine Wolke am Himmel war. „Ah, das perfekte Wetter, um draußen zu spielen“, meinte Ralf. „Das stimmt. Hier im Garten wird unser Abenteuer doppelt so viel Spaß machen.“ „Also. Wie ist unser Plan, Maximilian?“ „Okay, ich lese dir den Anfang unseres Abenteuers vor und den Rest des Abenteuers werden wir dann einfach selbst dazu erfinden.“ „Hört sich gut an. Dann lege los. Ich bin gespannt.“

„Dies ist der Beginn unseres Abenteuers: Wir wachen erschöpft am Rande eines großen Waldes auf. Es ist uns ein Rätsel, wie wir an diesen Ort gekommen sind. Wir haben den Wunsch, nach Hause zurückzukehren, doch haben wir keine Ahnung, in welche Richtung wir gehen müssen, um unser Ziel zu erreichen.“ „Das hört sich gut an, Maximilian.“ „Das ist der Anfang unseres Abenteuers. Den Rest können wir uns nun ausdenken.“ „Ich finde, wir sollten erst einmal versuchen herauszufinden, wo wir uns befinden.“ Maximilian stimmte zu. „Am besten, wir halten uns erst einmal von diesem Wald fern, denn zwischen diesen vielen Bäumen könnten wir uns sehr leicht verlaufen. Ich schlage vor, wir gehen über diese Lichtung. Dort hinten ist ein Hügel. Wir sollten versuchen, den Hügel zu erreichen. Vielleicht können wir von dort oben die Gegend etwas besser überblicken.“

„Meinst du?“, fragte Maximilian. „Der Hügel ist nicht besonders hoch. Ich glaube nicht, dass wir vom höchsten Punkt des Hügels über die Baumkronen hinwegblicken können.“ „Es ist es ein Versuch wert. Oder hast du eine bessere Idee?“ Maximilian schüttelte verneinend den Kopf. „Gut, dann machen wir uns auf den Weg. Der Hügel ist nicht weit entfernt.“

Die beiden kletterten auf das Klettergerüst, welches im Garten stand, und taten so, als befänden sie sich auf einem Hügel. „Kannst du etwas sehen?“, fragte Ralf. „Weit und breit nur Bäume. Wie sieht es bei dir aus?“ „Leider genauso. Ich schätze, uns bleibt keine andere Wahl, als uns durch den Wald zu schlagen.“ „Sieht ganz danach aus. Gehen wir doch in diese Richtung.“ Maximilian zeigte in Richtung Westen. „Einverstanden“, meinte Ralf daraufhin. Die beiden verließen den Hügel und machten sich auf den Weg in den Wald, welchen sich die beiden Kinder in der Nähe des Blumenbeets vom Garten vorstellten.

„Die Bäume sind sehr hoch. Ich habe noch nie in meinem Leben so hohe Bäume gesehen.“ „Ich auch nicht. Zum Glück müssen wir da nicht hinaufklettern. Ich habe schreckliche Höhenangst“, gab Ralf zu. „Warte!“, sprach Maximilian plötzlich. „Was ist los?“ „Hast du das nicht gehört?“ „Nein, was denn?“ „Ich bin mir nicht sicher. Aber ich habe dort vorne etwas gesehen.“ „Wo genau?“, fragte Ralf nach. „Da vorne zwischen diesen zwei Bäumen.“ „Hier gibt es viele Bäume“, erwiderte Ralf. Plötzlich zuckte Ralf zusammen. „Jetzt hast du es auch gehört, oder?“ „Ja, in der Tat. Was war das nur?“ „Ich weiß es nicht“, antwortete Maximilian. „Aber wir sollten leise weitergehen. Hier scheint noch jemand unterwegs zu sein. Es ist besser, wenn wir unentdeckt bleiben. Wer weiß, wer oder was dort draußen ist.“

Ralf schluckte schwer. „Mache mir bloß keine Angst, Maximilian.“ „Tut mir leid. Das wollte ich nicht. Komm, gehen wir schnell weiter. Aber sei leise.“ „Ich bin genau hinter dir. Gehe voraus.“ Die beiden versuchten, sich hinter einigen Sträuchern verborgen zu halten. „Da war das Geräusch schon wieder. Es hat sich angehört wie Schritte. Hier muss noch ein Mensch sein.“ „Das ist unmöglich, Ralf. Laut meinen Informationen leben hier keine Menschen. Du musst dich irren.“ „Ich hoffe, du hast Recht. Ich würde hier nur ungern auf andere Leute treffen. Wer weiß, was die hier draußen in der Wildnis zu suchen haben.“

Die beiden Kinder überlegten eine Weile. „Ich habe eine Idee“, meinte Ralf und hob einen Stein auf, den er auf dem Waldboden vorfand. „Was hast du vor?“, fragte Maximilian ahnungslos. „Keine Sorge. Bleib einfach ganz ruhig. Ich möchte nur etwas ausprobieren.“ Ralf warf den Stein zu einer Stelle, die sie gut im Blick behalten konnten. „Ah, ich verstehe, was du vorhast. Wirklich schlau, Ralf.“ „Danke, aber das ist die falsche Zeit für Komplimente. Vielleicht klappt es gar nicht.“ „Das werden wir gleich sehen“, erwiderte Maximilian.

Nach kurzer Zeit tauchten tatsächlich einige Gestalten an der Stelle auf, zu welcher Ralf den Stein geworfen hatte. Ralf und Maximilian stockte der Atem, als sie erkannten, welche Wesen sie gerade vor sich hatten. „Das sind Trolle!“, meinte Maximilian. „Oh, nein. Das ist gar nicht gut. Wir müssen hier so schnell wie möglich weg. Offenbar befinden wir uns hier in ihrem Gebiet. Trolle sind bösartige Wesen. Wir sollten zusehen, dass wir hier verschwinden.“ „Da stimme ich dir zu. Nichts wie weg hier.“

Als die beiden aufstanden, raschelten die Sträucher, hinter welchen sie sich versteckt hielten. Das Rascheln machte die Trolle auf sie aufmerksam. Die Trolle kamen auf Ralf und Maximilian zu. „Oh, nein. Sie haben uns bemerkt. Wir müssen rennen, Ralf!“, rief Maximilian laut. Die beiden Kinder rannten los, doch Maximilian stürzte. Ralf blieb stehen und versuchte, Maximilian auf die Beine zu helfen. Inzwischen kam die Gruppe Trolle immer näher. „Ich kann nicht weiterlaufen. Mein Fuß tut weh.“ Die Trolle hatten die Kinder schnell eingeholt. Sie versammelten sich kreisförmig um Ralf und Maximilian. „Oh, oh. Was tun wir jetzt?“, fragte Ralf. „Ich habe keine Ahnung. Wir stecken in der Klemme!“

Einer der Trolle, der Anführer der Gruppe, kam näher. Er schnüffelte an Maximilian. Maximilian bemerkte, dass der Troll einen üblen Mundgeruch hatte. „Es tut uns leid, wenn wir in euer Gebiet eingedrungen sind. Wir suchen nur den Weg nach Hause. Wisst ihr zufällig den Weg?“, fragte Ralf, als ihm auffiel, wie lächerlich seine Frage klang. „Kommt rein, ich habe euch ein Eis mitgebracht“, antwortete der Troll. Ralf und Maximilian waren sehr verwirrt. „Hast du das eben auch gehört?“, fragte Ralf. „Ja, schau dort drüben steht deine Mutter. Sie hält zwei Becher mit Eis darin in der Hand.“ „Tja, ich glaube, wir machen eine kurze Pause. Die Trolle werden uns schon nicht weglaufen.“ „Aber wenn wir wiederkommen, müssen wir einen Weg finden, wie wir vor den Trollen weglaufen können.“ Die beiden begannen, zu lachen.

Noch heute erinnert sich Ralf gerne an dieses kleine Abenteuer zurück, welches er vor einer langen Zeit zusammen mit seinem guten Freund Maximilian erlebt hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.