Kurzgeschichte Fahrrad fahren

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Kurzgeschichte Fahrrad: Wie ich Fahrrad fahren lernte

Ich fieberte meinem 3. Geburtstag entgegen. Mama und ich malten eine Woche vor meinem Ehrentag ein Geburtstagswunsch-Bild, um mich etwas abzulenken. Denn eine ganze Woche ist so lang. Natürlich hat Mama mir geholfen.

Kurzgeschichte Fahrrad
Kurzgeschichte Fahrrad fahren lernen

Ich malte ein wunderschönes Fahrrad, auf dem ein blonder Junge saß. Der Junge auf meinem Bild hieß Nico, genau wie ich und er konnte schon richtig gut Fahrrad fahren, ohne hinzufallen.

Das Fahrrad war blau-gelb gestreift. Mama wusste, dass ein Fahrrad mein sehnlichster Wunsch war. Deshalb rollte sie das Bild ein und band eine blaue Schleife darum. Wir legten es auf Papas Platz am Esstisch.

Am Abend saßen wir alle gemeinsam am Tisch und Papa entdeckte mein Bild. Er rollte es aus und sah es an. Daraufhin sagte er zu mir: „Nico, dafür bist du doch noch viel zu klein. Später, wenn du älter bist, kannst du ein Fahrrad haben!“ In meiner Enttäuschung bemerkte ich nicht, dass er Mama zuzwinkerte. Später am Abend las Mama mir noch eine Geschichte vor. Ich war aber so traurig über das, was Papa gesagt hatte, dass ich ihr gar nicht richtig zuhören konnte.

Ich schlief ein und träumte davon, dass ich endlich Geburtstag hatte, alle meine Gäste um mich herum standen und mir beim Auspacken meines Fahrrades zusahen. Als ich es endlich von dem vielen Papier befreit hatte, war ich ganz stolz, es war genau wie auf meinem Bild blau-gelb gestreift. Ich fuhr damit umher, als hätte ich in meinem Leben nie etwas anderes gemacht, als Fahrrad zu fahren.

Am nächsten Morgen weckte Mama mich und fragte mich, was ich denn so Schönes geträumt hätte. Sie erzählte mir, dass ich im Schlaf gelacht hätte. Dann erzählte ich ihr meinen Traum und vertraute ihr an, dass ich doch schon längst Fahrrad fahren könne und dass ich gar nicht zu klein bin, um ein Fahrrad zu besitzen. Mama lachte und rief mir zu: „Na, wenn das so ist, dann musst du nur ganz Fest dran glauben. Ein Glaube kann manchmal Wunder bewirken.“ Ich verstand zwar nicht so richtig, was Mama mir damit sagen wollte, aber ich verstand, dass sie sagte, ich solle nur weiterhin daran glauben, dann klappt das vielleicht doch noch mit dem Fahrrad. Och, wenn da nur nicht mein Papa wäre, der mich noch viel zu klein dafür fand.

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Am Morgen meines dritten Geburtstages hatte Mama meinen Geburtstagstisch ganz liebevoll gedeckt. Drei Kerzen zierten den Tisch und Papa sagte: „Nico, während du die Kerzen auspustest, darfst du dir etwas wünschen und darfst einen Wunsch niemanden verraten, dann geht er in Erfüllung.“ Ich pustete mit aller Kraft auf einen Schlag alle Kerzen aus und wünschte mir ganz fest, dass unter meinen Geschenken auch ein Fahrrad sein würde. Dort lagen tatsächlich ein paar Pakete, wo ein Fahrrad vielleicht hätte drin sein können, wenn man es mehrmals hätte falten können, um es in einen winzigen Karton zu verstecken. Ein Geschenk durfte ich schon vor dem Kindergarten auspacken. Ich hatte mich für ein kleines quadratisches Geschenk entschlossen. Natürlich war mir klar, dass das kein Fahrrad ist. Es war ein Buch mit dem Titel: „Johann lernt Fahrrad fahren“. Da dachte ich mir: Johann lernt Fahrrad fahren, aber ich soll noch zu klein dazu sein? Ich konnte das einfach nicht verstehen.

Mittags holten Mama und Papa mich gemeinsam vom Kindergarten ab. Zu Hause angekommen, gab es mein Geburtstags-Festessen. Oma und Opa waren auch da. Ich bekam viele Geschenke, aber leider war kein Fahrrad dabei. Papa sah, dass ich schon traurig war. Auf einmal hatte er ein großes Geschenk auf dem Arm und stellte es mir vor die Füße. Er lächelte und forderte mich auf, es auszupacken. Es war ein wunderschönes blaues Fahrrad mit gelben Verzierungen. Das Beste war, es konnte gar nicht umfallen, weil es Stützräder am hinteren Rad befestigt hatte. Ich durfte meine allererste Runde sofort auf meinem neuen Fahrrad drehen. Es war ein bisschen schwieriger in die Pedalen zu treten als bei meinem alten Dreirad, aber ich kam recht schnell damit zurecht. Denn schließlich war ich ja kein Baby mehr, ich war doch schon so groß. Zwar war es auch ein klitzekleines bisschen wackeliger als auf dem Dreirad, aber ich gewöhnte mich schnell daran.

Am Abend meines Geburtstages ging ich früh zu Bett. Am nächsten Morgen erweckte Mama mich aus meinem schönen Traum. Ich wollte am liebsten gar nicht aufstehen, weil ich dachte, ich hatte das alles nur geträumt. Da sagte Mama zu mir: „Mein kleiner Schatz, wer sich zuerst die Zähne gründlich geputzt hat, darf heute mit dem Fahrrad zum Kindergarten fahren.“ Da war mir klar, es war kein Traum. Ich sprang aus dem Bett und lief schnell ins Badezimmer. Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg in den Kindergarten. Ich durfte mit meinem Fahrrad fahren. Ich war so stolz, endlich zu den Großen, die mit dem Fahrrad zum Kindergarten fahren, zu gehören. So ging es Tag ein, Tag aus weiter bis der Winter kam. Da wurde mein Fahrrad zum Überwintern in den Keller gestellt. Und ich ersehnte den Frühling herbei.

Endlich kam das Frühjahr und ich konnte wieder mit meinem Fahrrad fahren. Eines Tages fragte Papa mich, ob er denn nun mal langsam die Stützräder von meinem Fahrrad abbauen sollte? Ich war ja schon groß, also sagte ich natürlich ja. Oh je, wenn ich gewusst hätte, wie wackelig das ohne Stützräder ist, hätte ich das wohl nicht so eifrig gesagt. Aber ich wollte ja kein Angsthase sein, deshalb sagte ich Papa auch nichts von meiner Angst, ohne Stützräder zu fahren. Mama machte sich dann auf den Weg mit mir zum Kindergarten. Ich schob mein Fahrrad. Mama stutzte und fragte mich: „Nico, warum schiebst du dein Fahrrad?“ Ich schaute sie nur mit meinen großen Augen an.

Und als wenn sie Gedanken lesen könnte, hielt sie mein Fahrrad mit einer Hand am Sattel fest und mit einer Hand am Lenkrad und sagte: „Komm setz dich drauf. Du musst keine Angst haben, ich halte dich fest.“ Ich setzte mich ganz vorsichtig drauf und trat ebenso vorsichtig in die Pedale. Dies machten wir von nun ab immer so. Eines Tages meinte Mama, dass ich das schon ganz toll machen würde und sie mich nun nur noch am Sattel festhalten müsse. Sie ließ also ihre Hand vom Lenker weg. Nun war ich der alleinige Herrscher über mein Fahrrad-Lenkrad. Da ich mir sicher sein konnte, dass sie mich am Sattel des Fahrrades festhielt, hatte ich keinerlei Ängste mehr. Es funktionierte wunderbar. Ich wurde nun auch immer schneller, so dass Mama neben mir herlaufen musste.

Eines Nachmittags fuhr ich wieder mit Mamas Hilfe Fahrrad. Mama hielt mich wie immer ganz sicher am Sattel fest. Das war ein tolles Gefühl. Ich fühlte mich sicher und geborgen. Ich hatte so viel Freude am Fahrrad fahren, dass ich immer schneller wurde. Mama lief und lief neben mir her. Ich rief Mama immer und immer wieder zu: „Mama, nicht loslassen. Mama, halt mich fest.“ Sie versicherte mir, dass sie das machen würde und sagte aber auch immer wieder: „Du kannst das ganz toll, auch ohne meine Hilfe.“ Und dann kam der Moment, an dem ich wieder mit so viel Freude fuhr und Mama neben mir herlief. Aber sie lief nur noch neben mir her, was ich aber nicht bemerkte.

Erst als ich angehalten hatte, verriet sie mir, dass ich das alleine hinbekommen hätte und sie mich gar nicht mehr festgehalten hätte. Und wieder fuhr ich los und sie lief nur noch neben mir her, aber sie hielt mich nicht mehr fest und zwei Tage später lief sie auch nicht mehr neben her. Von da an, war ich der König auf meinem Fahrrad und konnte ohne jegliche Hilfe hinfahren, wo immer ich hin wollte, natürlich nur auf unserem Grundstück. Von nun an gehörte ich zu den richtigen Fahrradfahrern, wie die Großen. Hin und wieder falle ich doch mal hin, aber ich bin immer wieder schnell auf meinem Fahrrad und weiter geht die Fahrt.

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