Kann Glück denn eine Sünde sein?

Ich würde ja so gerne mal – aber das geht halt nicht

Gerne würden wir mal öfter unseren Wünschen folgen, wenn wir nicht so gut erzogen wären. Aber manchmal sollte man auf alle Regeln pfeifen und sich einen Wunsch erfüllen. Scharen von Frauen rennen in jedem Frühjahr ins Fitness-Studio um bis zum Sommer eine gute Figur zu haben, jedoch scheitern die meisten an ihrem inneren Schweinehund.

Glücklich sein mit kleinen Dingen
Kann Glück Sünde sein? – © Dan Race – Fotolia.com

Aber man sollte nicht gegen ihn kämpfen sondern ihn lieber friedlich zähmen. Geben Sie ihm ab und zu nach, verstoßen Sie gegen Regeln, die Ihnen schon als Kind eingeimpft wurden und die heute immer noch unseren Alltag erschweren. Sündigen Sie, denn wer sich selbst ab und zu selbst verwöhnt, wird auf Dauer mehr Erfolg haben. Ihr schlechtes Gewissen müssen Sie besiegen.

„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, diesen Satz lernen wir schon in unserer Kindheit und begleitet uns durchs ganze Leben. Erst muss das Gemüse gegessen werden, dann kommt der Nachtisch aus dem Kühlschrank.

Erst machen wir Jogging, dann gönnen wir uns ein Stück Torte, erst sparen wir an anderer Stelle, dann kaufen wir uns die neue Tasche. Auf diese Art beruhigen wir unser Gewissen, erst wenn wir sagen können „Das habe ich mir verdient“, können wir die Belohnung genießen.

Aber diese Selbstdisziplin fordert auch ihren Tribut, denn wir kämpfen ständig gegen unser schlechtes Gewissen. In der menschlichen Natur liegt das Streben nach dem Angenehmen und das Vermeiden von Unangenehmem.

Unsere Disziplin versucht pausenlos, die Instinkte im Zaum zu halten, dabei ist das völlig falsch, denn wer seinen Bedürfnissen auch mal nachgibt, ist glücklicher.

Glückliche Menschen können Krisen besser meistern, sie sind gesünder und leben länger

Die Versuchungen lauern überall, der Kellner bietet uns ein schmackhaftes Gericht an oder die Verkäuferin zeigt uns eine tolle Bluse. Wer hier immer widersteht, wird irgendwann feststellen, es fühlt sich gut an.

Andere bewundern uns, wir fühlen uns stark und die Standhaftigkeit wird zur Belohnung. Aber Standhaftigkeit schmeckt nicht so gut wie ein Eisbecher. Wer sich jeder Sünde verwehrt, wird irgendwann zum Asketen, der andere missioniert. Da lohnt sich eher die gelegentliche Sünde, denn sie macht uns sympathisch und verständnisvoll.

Auch bleibt im Alltag in der Partnerschaft oft Spontanität und Erotik auf der Strecke, obwohl sich beide nach den romantischen Zeiten zurück sehnen. Auch hier einfach mal kleine Sünden zulassen, auch wenn der Po keine Bestform hat, ziehen Sie trotzdem das hautenge Kleid an, wenn es Ihnen gefällt.

Wenn Sie sich Ihrer Weiblichkeit bewusst sind, wird auch Ihr Partner das spüren. Auch ein Flirt mit dem Nachbarn ist nicht verboten, das Gefühl begehrt zu werden und attraktiv zu sein, fördert das Selbstbewusstsein und dadurch kommt auch das Prickeln in den Alltag zurück.

Wir werden zu glücklicheren und sinnlicheren Menschen, wenn wir ab und zu der Versuchung nachgeben. Nur übertreiben sollte man es nicht, denn übermäßiges Schwelgen nimmt auf Dauer den Reiz. Dann sind die teuren Schuhe, die wir uns geleistet haben, nichts Besonderes mehr und das, was mal exklusiv und außergewöhnlich war, wird schnell zum Alltag.

Deshalb liegt das Geheimnis in der Dosis und die Diät ist auch leichter umzusetzen, wenn man sich ab und zu eine Praline gönnt.

Ich bin es mir wert

Unser Selbstbewusstsein hängt von unserem Körpergefühl ab, es kommt darauf an, wie zufrieden wir mit uns selbst sind. Um Ihrem Ego einen Schubs zugeben, dürfen Sie sich ruhig mal selbst verwöhnen – auch wenn Sie gelernt haben, dass man sich jedes Vergnügen verdienen muss. Eine tolle Gesichtsmaske, ein paar neue Ohrringe oder ein schönes Kleid zeigen Ihnen: „Ich bin es mir wert“.

Nach der Arbeit geht es nach Hause, wo schön der Wäscheberg wartet. Es muss eingekauft werden und ein Familienbesuch steht auch an, für den man auch noch etwas besorgen muss. Die To-do-Liste ist lang und obwohl man sie abgearbeitet hat, ist man nicht glücklich. Die Tage und Wochen vergehen wie im Flug und man hat trotzdem nichts erlebt.

Der Versuchung nachzugeben heißt auch, das Besondere zurück in den Alltag zu bringen und Kleinigkeiten zu genießen. Dafür muss man aber auch Raum schaffen.

Müssen wirklich alle anstehenden Arbeiten gleich erledigt werden? Viele schöne Dinge ziehen vorbei, weil das schlechte Gewissen zu groß ist, um sie mit allen Sinnen zu genießen.

Aber das kann man trainieren. Halten Sie unterwegs an und lassen Sie die Eindrücke bewusst auf sich wirken, setzen Sie sich für ein paar Minuten auf die Parkbank, atmen Sie tief durch und genießen Sie die Sonne, obwohl zu Hause oder im Büro die Arbeit wartet.

Solche Auszeiten verstoßen zwar gegen die Regeln, aber sie machen auch glücklicher und ausgeglichener. Nehmen Sie auch gezielt Zeit zum Nichtstun, das ist keine Sünde und hat auch nichts mit Faulheit zu tun, sondern es bringt und wieder zu dem zurück, worauf es im Leben ankommt.

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