Religionen – Islam Fundamentalismus und Christentum

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Islamismus – Fundamentalismus

Der Fundamentalismus ist eine Bewegung zurück zu den Wurzeln, zu den Anfängen der Verkündigung oder Offenbarung eines Glaubens. Im Islam bedeutet das eine Rückbesinnung auf den Koran mit dem Ziel, Anpassungen an jahrhundertelange gesellschaftliche Entwicklungen wieder rückgängig zu machen. Aus diesem Grund sind Fundamentalismus und Konservativismus Gegensätze. Konservative wollen das Bestehende erhalten, Fundamentalisten wollen es verändern.

Islam - Religion
Islam – Fundamentalismus

Der Begriff Islamismus oder islamischer Fundamentalismus bezeichnet das Streben nach der Errichtung eines islamischen Staatswesens, die Einführung der Scharia, des islamischen Rechts, und die Rückbesinnung auf die Normen Mohammeds und der ersten vier Kalifen, ohne auf die Errungenschaften der modernen Technik zu verzichten.

Den Islamisten war anfangs der ursprünglich westliche Begriff „Fundamentalisten“ fremd, heute bezeichnen sie sich selbst als Fundamentalisten. Den Begriff „Fundamentalist“ gibt es im Islam schon seit Jahrhunderten, das Wort bezeichnet traditionell jedoch die Gelehrten der Wissenschaft, die sich mit dem Studium der Fundamente des islamischen Rechts befasst haben.

Das Phänomen des Islamismus entstand im 20. Jahrhundert. 1928 gründete Hasan al-Banna die Muslimbrüder in Ägypten gegen den als dekadent geltenden Einfluss des Westens, dem sie durch islamische Erziehung und ein soziales Netz entgegenzuwirken suchten. Man nahm den Westen als Kolonialismus, „Kreuzfahrertum“, christliche Mission, ein fremdes Erziehungssystem wahr, kurz – als „kulturelle Invasion“ – und vermutete eine globale Verschwörung gegen den Islam.

In den 1980er Jahren versuchten islamistische Gruppen zunehmend, ihre Ziele gewaltsam durch Attentate und Entführungen zu erreichen.

Der Islamismus bedient sich unterschiedlicher Mittel: auch innerhalb der Familie durch ein an islamischen Grundsätzen orientiertes Leben, mittels Werbung für den Islam, durch das Streben nach allen rechtlichen Möglichkeiten für den Islam, durch Literaturverbreitung, durch den Unterhalt sozialer Einrichtungen oder den Bau von Moscheen.

Islam und Christentum

Gegenseitige Kritik und Unterschiede

Für den Islam ist Christus zwar ein Prophet, der den wahren Gott verkündete. Aber durch seine Nachfolger sei seiner Verkündigung der Wahrheitsgehalt genommen worden. Als Beweis führen die Moslems die Entstehung der verschiedenen christlichen Konfessionen, Dogmen, Sekten und Kirchen an, die sich unaufhörlich bekämpfen.

Der Islam habe das Christentum überwunden, seine Wahrheitsgehalte in sich aufgenommen, seine Fehler getilgt und es durch Mohammed, den letzten Propheten, zu einer überlebten Religion gemacht. Die islamische Missionsarbeit in Afrika stützte sich weitgehend auf die These, die Afrikaner seien auch als Christen für den Europäer nichts weiter als Kolonialvölker, der Islam aber nehme sie als Gleichberechtigte auf.

Der geschichtliche Gegensatz hat von christlicher Seite die schärfsten Urteile hervorgebracht. Mohammed galt als Werkzeug des Satans, und an seinem Lebenswandel wurde kein gutes Haar gelassen. Nicht nur die voreingenommene Christenheit verfocht solche abfälligen Urteile.

Auch aus berufenem Munde kamen trotz der Anerkennung des arabischen Weges zum Monotheismus mancherlei Bedenken. Sie richteten sich gegen die Stellung Allahs als einer Gottheit der Willkür, die Verquickung von Befriedigung irdischer Wünsche mit den Zielen der Religion und nicht zuletzt gegen die untergeordnete Stellung der Frau.

Im Unterschied zum Christentum gibt es im Islam nicht die Lehre von der Dreieinigkeit und der göttlichen Menschwerdung. Die Offenbarung Gottes wird den Menschen nur durch Menschen gebracht, die vom göttlichen Geiste inspiriert sind. Das Leben nach dem Tod verspricht dem Moslem alle sinnlichen Genüsse in einem prachtvollen Garten, wo nur das Gute wohnt. Dieser sinnenfreudige Zug fehlt den christlichen Jenseitsvorstellungen, die die Seligkeit als eine wunschlose Ewigkeit im Angesicht Gottes verkünden. In dem verklärten Dasein nach dem Weltgericht wird es weder Gut noch Böse geben.

In der Anschauung über den Wert des Weltlichen ergibt sich in der islamischen und christlichen Auffassung eine gewisse Ähnlichkeit. Für den Islam hat die Welt trotz aller Freuden doch nur einen relativen Wert, da er immer in Erwartung des nicht mehr fernen Weltendes lebt. Im Christentum hängt dem Weltlichen das Sündhafte an, eine gewisse Geringschätzung, die zur Überwindung aufruft.

Trotzdem glaubt der Moslem, dass seine Glaubenstreue ihm alle Möglichkeiten für das Wohlbefinden auf dieser Erde eröffnet. Der Mensch ist weder natürlich noch übernatürlich Ebenbild Gottes, es gibt keine Verwandtschaft zwischen Himmel und Erde.

Während im Christentum die Kirche als Hüterin göttlicher Ordnung auftritt, besteht im Islam eine Theokratie gleichberechtigter Laien. Nur die Schiiten besitzen eine hierarchisch geordnete Geistlichkeit. Es gibt keine Trennung weltlicher und religiöser Bereiche. Aus der Gemeinschaft der Laien gibt es kein Ausbrechen, denn alle gehören nach dem Willen Allahs dazu. Im Christentum besteht durch die Sonderstellung der Kirche viel stärker die Gefahr der Absonderung.

Der christliche und der muslimische Gott

Es scheint dem Moslem selbstverständlich, dass er Gott dient, aber unbegreiflich, dass Gott etwas für die Menschen opfert, und gar noch seinen Sohn. Deshalb befremdet ihn der Gedanke, dass nur durch diesen Opfertod der Menschheit Vergebung geschenkt worden sei. Auch Allah wird ja das Attribut des Vergebens zugesprochen. Aber ob er vergibt, hängt allein von seinem Willen ab, selbst wenn der Mensch nach bestem Wissen und Gewissen gute Werke tut.

Für den Islam ist Christus – Isa – ein menschlicher Prophet. Anlässlich seiner Wiederkunft errichtet er sein göttliches Reich, das ewig währt. Der Islam deutet diese Wiederkunft jedoch in seinem Sinne aus, indem er Christus nur wiederkehren lässt, um Mohammed als den Größeren zu verkünden und ihm zum Siege zu verhelfen.

Trotzdem liegt der Schwerpunkt im religiös-weltlichen Handeln des Islam auch auf dem persönlichen Verdienst. Das beginnt bei der Verrichtung der religiösen Übungen, die nur dann verdienstlich genannt werden können, wenn sie richtig vollzogen werden. Wer nach Mekka pilgert, wird nach islamischem Glauben von allen Sünden gereinigt.

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