Haustiere Erste Hilfe Hund und Katze

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Erste Hilfe für Hund und Katze

Trotz aller Vorsicht und Umsicht im Umgang mit dem geliebten Vierbeiner kann es zu Unfällen kommen. Auch als verantwortungsvoller Tierhalter kann man Unfälle nicht generell vermeiden. Ein Rivale, eine läufige Hündin oder eine Katze auf der anderen Straßenseite, ein urplötzlich um die Ecke biegendes Fahrzeug oder auch eine panische Fluchtaktion, schon ist das Unglück passiert. Aber es kann auch bei Stürzen und bei Karambolagen im Spiel zu Verrenkungen und Knochenbrüchen kommen.

Erste Hilfe bei Haustieren
Erste Hilfe für Hunde und Katzen

Bissverletzungen durch Raufereien oder Schnittwunden an den Pfoten bedürfen ebenfalls einer speziellen Versorgung.

Man kann das Risiko aber minimieren. Viele Notfälle lassen sich vermeiden, indem mögliche Gefahrenquellen ausgeschlossen werden. Hunde sollten beispielsweise im Straßenverkehr grundsätzlich angeleint sein, ebenso aber auch im Winter, wenn in der Nähe sich Seen mit einer dünnen Eisdecke befinden, oder auch im Wald, wo die Gefahr des Wilderns besteht. Ein gut erzogener Hund sollte stets zuverlässig bei Fuß gehen.

Selbstverständlich ist natürlich, dass im Sommer Tiere nichts in parkenden Autos verloren haben. Ebenso sollte man auch auf Gewaltmärsche an heißen Tagen verzichten sowie natürlich auch auf anstrengende Fahrradtouren mit älteren Tieren.

Ungesicherte Stromquellen stellen besonders für junge Tiere eine Gefahr dar, wenn sie im Spiel darauf herumkauen. Bei einer Katzenhaltung ist Vorsicht bei gekippten Fenstern geboten. Katzen können bei ihren Streifzügen leicht in gekippten Fenstern hängen bleiben oder sich auch mit ihrem Halsband verheddern.

Schneckenkorn, Rattengift und andere schädliche Substanzen sollten unbedingt von Haustieren ferngehalten werden. Bei trächtigen Tieren kann eine reibungslose Geburt durch eine ausgewogene Fütterung während der Trächtigkeit unterstützt werden. Natürlich sind auch hier die regelmäßigen vorbereitenden Tierarztbesuche wichtig und ebenfalls ein ruhiger und ungestörter Platz zur Niederkunft.

Der Zustand des verletzten Tieres

Bevor man nun mit den ersten Notfallmaßnahmen beginnt, ist es selbstverständlich notwendig sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Hier sollte man Ruhe und Besonnenheit walten lassen. Zuerst wird mit dem verletzten Tier der erste Kontakt aufgenommen, um dann anschließend die Lebensfunktionen zu prüfen.

Erste Kontaktaufnahme mit dem verletzten Tier

Wenn man sich einem verletzten Tier nähert, sollte man unbedingt daran denken, dass Tiere unberechenbar sein können, wenn sie Schmerzen, Angst oder einen Schock haben. Man muss dabei vorsichtig sein und sich zunächst selbst vor Verletzungen schützen.

Viele Besitzer sind in Notfallsituationen schon von ihrem eigenen Tier gebissen worden. Bei einer Annäherung muss dann möglichst ruhig und behutsam mit dem Tier gesprochen werden und man sollte aber auch auf plötzliche Reaktionen des Tieres gefasst sein.

Bei schwer einschätzbaren Situationen kann dabei eine Decke gute Dienste leisten. Diese hält man vor sich, so können eventuelle Attacken des Tieres einfach ins Leere laufen.

Sollte allerdings gar nicht möglich sein, sich dem Vierbeiner gefahrlos zu nähern, wirft man die Decke einfach über das Tier und wickelt es damit ein. So können beispielsweise Katzen in einen Transportbehälter gesetzt werden.

Sollte das Tier bewusstlos sein und es werden Verletzungen befürchtet, kann man dann die Decke ganz vorsichtig unter das Tier ziehen und mit einem Helfer wie ein Sprungtuch spannen. So kann vermieden werden, dass sich der Zustand des Tieres beim Transport verschlimmert.

Prüfung der Lebensfunktionen

Die Prüfung des Zustandes eines verletzten Tieres kann bei bewusstlosen und offensichtlich friedlichen Tieren mit einfachen Mitteln erfolgen. Zuerst wird dabei geprüft, ob das Tier auf Zuruf und Händeklatschen reagiert. Wichtig ist nun eine Beobachtung des Tieres.

° Aus der Distanz achtet man auf die Atembewegungen, wie das Heben und Senken
des Brustkorbs.
° Der Kreislaufzustand wird geprüft, indem man die Oberlippe anhebt. Mit dem Finger
drückt man dann leicht auf das Zahnfleisch. Innerhalb von zwei Sekunden sollte sich die
Stelle dann wieder rosa färben. Andernfalls hat das Tier dann vermutlich einen
Kreislaufschock erlitten. In diesem Fall werden dann lebensnotwendige Organe nur
noch ungenügend mit Sauerstoff versorgt.
° Den Puls fühlt man beim Tier an der Innenseite des Oberschenkel. Um auf solche
Situationen vorbereitet zu sein, ist es ratsam an Hund oder Katze zu üben, um im
Notfall die richtige Stelle zu kennen. Den Herzschlag kann man in Höhe des Ellenbogens
an der linken Brustkorbwand spüren.
° Wichtig ist auch, dass man sich die Augen ansieht, ggf. wird mit einer Taschenlampe
hinein geleuchtet. Die Pupillen sollten sich bei Lichteinfall dann verengen.
° Sind weder Atmung noch Herzschlag feststellbar, müssen dann sofort Wiederbelebungs-
Maßnahmen eingeleitet werden.

Anlegen von Verbänden bei verletzten Tieren

Blutungen abbinden (Druckverband)

Bei Verletzungen und stark blutenden Wunden ist es sinnvoll für den Transport zum Tierarzt einen Verband anzulegen. Dabei muss man darauf achten, dass dieser nicht zu fest sitzt. Eine Ausnahme hierbei sind allerdings pulsierende hellrote Blutungen, bei denen ein arterielles Gefäß geöffnet wurde und starke Blutverluste drohen.

In diesem Fall sollte dann direkt oberhalb der Wunde abgebunden oder mit einem Stapel sauberer Taschentücher oder steriler Tupfer abgedrückt werden.

Verletzungen verbinden

° Man legt direkt auf die Wunde eine fusselfreie, sterile Abdeckung. Für den
Transport zum Tierarzt reicht zur Not auch ein frisches Handtuch.
° Bei dauerhaften Verbänden sollte die nächste Schicht aus dicker, gut polsternder
Verbandswatte bestehen. Bei Pfotenverbänden muss unbedingt zwischen den einzelnen
Zehen und unter der Afterkralle / Wolfskralle gepolstert werden, um so Druckstellen zu
vermeiden.
° Die ein- bis zweifingerdicke Polsterung sollte dann mit einer elastischen Binde umwickelt
und straff angezogen werden, ohne jedoch die Blutzirkulation abzuschnüren.
° Die äußerste Schicht sollte aus gewerbeverstärktem Klebeband oder Pflaster
bestehen, und an stark beanspruchten Stellen, wie der Sohle, mehrlagig geklebt sein.
° Um den Verband am Rutschen zu hindern, kann er mit Pflaster am Fell fixiert
werden. Allerdings nicht auf unbehaarter oder geschorener Haut, da sich sonst
Hautentzündungen entstehen können.

Fieber richtig messen

Fieber kann verschiedene Ursachen haben. Empfehlenswert ist es, diese von einem Tierarzt abklären zu lassen.

Erste Anzeichen für Fieber sind Appetitlosigkeit und Bewegungsunlust. Die Tiere sind schlapp und müde. Sie können bei höheren Körpertemperaturen apathisch wirken und haben ein erhöhtes Trinkverhalten. Die Atmung und der Puls ist erhöht, die Ohren und auch wenig behaarte Körperstellen wie die Innenseite der Beine fühlen sich heiß an.

Die Nase ist ebenfalls warm und trocken. Bei Katzen können die Augen tränen. Manche Tiere zittern und bei stark erhöhten Körpertemperaturen kann Schüttelfrost auftreten, das Fell ist gesträubt und es kann zur Muskel- und Gelenksteifheit kommen.

Zur Temperaturmessung ist es ratsam sich noch einen Helfer zu holen, der das Tier festhält. Zuerst wird dann die Thermometerspitze mit Vaseline o.ä. eingefettet, damit es gleitfähig ist. Nun nimmt man mit einer Hand den Schwanz und zieht ihn vorsichtig gerade nach oben, so dass der After sichtbar ist. Wichtig ist dabei, diesen nicht mit den Geschlechtsteilen zu verwechseln.

Jetzt kann man das Thermometer vorsichtig 2 bis 3 cm in den Po schieben, so dass die silberne Metallspitze nicht mehr sichtbar ist und drückt den Bedienungsknopf. Nach ca.10 Sekunden ertönt dann ein piepsendes Signal und auf der Digitalanzeige ist die Körpertemperatur sichtbar. Es ist ratsam von Zeit zu Zeit die Temperatur zu messen, so dass sich das Tier daran gewöhnt.

Die normale Körpertemperatur beim Hund liegt zwischen 37,5 bis 39 °C und bei der Katze zwischen 38 und 39,3 °C. Ist die Temperatur nun mehr als 1 °C erhöht oder dauerhaft um 0,5 °C niedriger oder höher sollte der Tierarzt informiert werden. Bei stark erhöhten Körpertemperaturen über 40 °C ist unbedingt schnellstens ein Tierarzt aufzusuchen, denn hier besteht Lebensgefahr.

Transport des verletzten Tieres zum Tierarzt

Bevor man sich auf den Weg macht, sollte der Tierarzt angerufen werden, um festzustellen ob die Praxis besetzt ist. Sollte dies nicht der Fall sein, nennt ein Anrufbeantworter den zuständigen Notdienst. Tierärztliche Klinken sind rund um die Uhr erreichbar. Wenn beim Tierarzt bekannt ist, dass man kommt, kann dort schon alles für die Notfallversorgung vorbereitet werden.

° Man sollte niemals alleine fahren, es sei denn, das Tier ist in einem sicheren
Transportbehälter aufgehoben. Frei bewegliche Tiere im Auto können nicht nur den
Fahrer, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer gefährden.
° Am besten sind Hund und Katze in einer Transportbox aufgehoben. Ansonsten sollten
Hunde vom Besitzer oder einer vertrauten Person auf dem Rücksitz gehalten werden,
während dann die zweite Person das Auto fährt.
° Gelähmte Tiere und Tiere mit Verdacht auf Wirbelsäulenverletzungen sollten auf
einem Brett o.ä. gelagert werden, um weitere Schäden für das Rückenmark durch
Bewegung zu vermeiden. Dies gilt auch für Vierbeiner mit Knochenbrüchen.
° Zeigt der Hund Abwehrreaktionen, kann es aus Gründen der eigenen Sicherheit nötig
sein, ihm zur Untersuchung und zum Transport ein Schnauzenband anzulegen.
Dazu bildet man mit einem festen Band oder auch einer Mullbinde eine größere
Schlinge und zieht diese dann über der Schnauze des Hundes mit einem festen Ruck
zu. Die Enden werden dann unter dem Kiefer gekreuzt und hinter dem Kopf mit einer
Schleife zu gebunden.
° Katzen trägt man am besten mit dem Nackengriff und hält dabei die Hinterbeine
mit der anderen Hand gut fest. Sehr widerspenstige Katzen kann man oft auch nur
unter großer Vorsicht mit Hilfe einer übergeworfenen Decke in den Korb setzen.

Rechtliche Fragen bei der Ersten Hilfe von Hunden und Katzen

Notfälle beim Tier sind häufig mit Schadenersatzansprüchen verbunden, sei es dass das Tier selbst Schäden verursachte, beispielsweise einen Verkehrsunfall, sei dass die Schäden am Tier und die Tierarztrechnung Streitgegenstand sind, etwa, wenn ein friedlicher, angeleinter Hund von einem freilaufenden gebissen wurde.

Schäden durch das Tier

Unfälle mit Haustieren

Rechtliche Fragen bei Unfällen mit Tieren

Bei Verkehrsunfällen wird die Schuld dem Tier angelastet, „wenn es in seiner Unberechenbarkeit ursächlich am Schaden beteiligt war“- in der Regel also fast immer.

Für den Tierhalter heißt das dann, er haftet für den durch sein Tier entstandenen Schaden, selbst wenn ihn keine Schuld trifft und das nicht unter seiner Aufsicht war.

Wurde das Tier durch einen „Tierhüter“ betreut, also eine Person, die gegen ein vertraglich geregeltes Entgelt das Tier beaufsichtigt, haftet auch diese.

Allerdings fällt dabei die gelegentliche Versorgung des Tieres nicht darunter, wenn beispielsweise Nachbarn oder Freunde während des Urlaubs die Katze versorgen oder den Hund ausführen.

Die Privathaftpflicht-Versicherung des Halters deckt Schäden nur bei Katzen und Kleintieren. Dabei muss man unbedingt auf die entsprechende Klausel achten. Bei Hunden sollte der Halter unbedingt eine Hundehaftpflicht-Versicherung abschließen.

Schäden am Tier

Bei Raufereien zwischen Tieren wird die Schuld im Allgemeinen zwischen den Kontrahenten geteilt, das heißt die Tierarztrechnungen werden bis zu einer bestimmten Obergrenze auf die Halter umgelegt.

Wenn allerdings die Schuld eindeutig bei einer Partei liegt, beispielsweise ein angeleintes, friedliches Tier wird von einem freilaufenen Hund angegriffen, haftet der Halter des Angreifers für die auftretenden Tierarztkosten.

Dies gilt natürlich auch bei tierquälerischen Handlungen wie Schlägen, Tritten oder auch Schüssen, welche ein friedliches Tier treffen. Eine Ausnahme bildet hier: Jäger sind berechtigt im Wald wildernde Tiere abzuschießen!

Fundtiere

Für Fundtiere ist in der Regel die Gemeinde zuständig, das heißt sie übernimmt in Schadensfällen dann die Kosten für die tierärztliche Notfallversorgung. Wird dann allerdings der Halter ausfindig gemacht, muss er selbstverständlich die Kosten erstatten, auch für die anschließende Unterbringung im Tierheim.

Um ein Tier in Lebensgefahr zu retten, darf man auf fremden Grund und Eigentum eigenmächtig handeln.

Allerdings ist dann ratsam, dass man in solchen Fällen stets einen Zeugen sucht. Ebenfalls empfiehlt sich das auch bei Beißereien, bei denen der Hund angeleint war.

2 Gedanken zu „Haustiere Erste Hilfe Hund und Katze“

  1. Danke für die gute Übersicht! Vielleicht noch eine kleine Anmerkung: Gerade Freigänger-Katzen werden vor allem im Sommer immer wieder Opfer von offenen Regentonnen, Swimmingpools oder anderen Wasserbehältern. Daher sollte man immer darauf achten, solche Bereiche von vornherein abzudecken, um die Tiere vor einem potentiellen Ertrinken zu schützen.

    1. Hallo Timo, vielen Dank für Deinen Beitrag, leider lese ich das jetzt erst 🙁
      Wichtiger Hinweis, diese Gefahr gibt es dann natürlich nicht nur für Katzen, auch für „wilde“ Tiere wie Eichhörnchen. Sofern man etwas außerhalb der Stadt wohnt.

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