Was sind Hasenbrote?

Hasenbrot – Eine kulinarische Reise der besonderen Art

Vor nicht allzu langer Zeit erzählte eine gute Bekannte ein paar Anekdoten aus ihrer Jugend. Dabei erwähnte sie auch das Hasenbrot.

Hasenbrot Rezept
Hasenbrot – Herkunft und Rezept

„Wir waren drei Kinder und haben uns fast darum geprügelt.“, erzählte sie schmunzelnd.

„Als der Vater von der Arbeit nach Hause kam, warteten wir schon sehnsüchtig am Bahnhof auf ihn. Als der Zug endlich ankam, durchsuchten wir zuerst seine Tasche nach den geliebten Hasenbroten und wurden zumeist auch fündig.“

So recht wusste ich nichts damit anzufangen.

Warum brachte ihr Vater „Hasenbrote“ mit? Um der Sache weiter auf den Grund zu gehen, begab ich mich auf die Suche nach Definitionen und fand folgendes heraus:

Hoffmann von Fallersleben
„Hasenbrot“ aus „Die Kinderwelt in Liedern“

„Und wenn mein Vater geht zur Stadt,
so bringt er mir was mit,
bald Mandeln und Rosinen,
bald Obst und Kuchenschnitt.

Und geht er auch nur übers Feld,
so denkt er dann auch mein.
Er bringt mir immer Etwas,
sollt’s trocken Brot auch sein.

Das trockne Brot, das schmeckt gar gut,
denn wie mein Vater sagt,
so hat er’s auf dem Felde
den Hasen abgejagt.“

Wie bitte? Man stiehlt den armen Hasen auf dem Feld ihr Brot? Aber seit wann schmieren sich Feldhasen denn Brote? Das kann so doch nicht richtig sein. Also weiter …

Grimms Wörterbuch

„Hasenbrot, ein wetterauisches Kinderwort für Brot, das der Jäger nicht auf der Jagd verzehrt, sondern in seiner Jagdtasche wieder mit nach Hause bringt und als vom Hasen herrührend den Kindern gibt …“

Auch diese Definition war nicht zufriedenstellend. Ich war ratlos!

Doch dann hatte ich eine Idee und entschloss mich, jemanden auf der Straße anzusprechen, einfach so. Und was soll ich sagen, ich hatte Glück. Eine ältere Dame hörte sich meine Frage an und berichtete:

„Ich kenne es von meinen Großeltern. Sie besaßen damals einen eigenen Bauernhof. Hasenbrote sind Brote, die die Feld- oder Waldarbeiter wieder mit nach Hause brachten. Ja, angeblich hätten die Hasen auf dem Feld daran geknabbert, weil sie den Proviantkorb nicht im Auge behielten.“

Ein anderer Herr erzählte:

„Mein Vater brachte immer Hasenbrot mit. Er hatte so viel zu tun, dass er nicht dazu kam, es zu essen. Mutter hatte es immer kräftig mit Wurst belegt und ich freute mich schon darauf. Am liebsten aß ich das Leberwurstbrot. Mein Vater war LKW-Fahrer und bewahrte seine Frühstücksbrote immer in einer Blechdose auf. Am Nachmittag, wenn er von der Arbeit heimkam, war das Brot richtig durchgezogen und so lecker. Mein Vater wusste das und hob immer eines für mich auf.“

Aha! Fassen wir also zusammen: Hasenbrote sind belegte Frühstücksbrote, die ungegessen von der Schule, Arbeit oder einer Reise wieder mit nach Hause gebracht werden

Ihren Namen haben sie einer alten Erzählung zu verdanken, in der die Arbeiter ihren Proviant wieder mitbrachten, weil die Hasen daran geknabbert hatten. Über die Qualität eines Hasenbrotes lässt sich sicherlich streiten. Nicht jeder mag ein Brot, das den ganzen Tag in der Wärme vor sich hin zog. Aber klar, es ist Geschmackssache.

Übrigens gibt es noch weitere Definitionen des Hasenbrotes. So kann es sich auch um ein altes, getrocknetes Brot handeln, das an Schweine, Hühner und eben auch Hasen verfüttert wird.

Ich bekam als Baby auch trockenes Brot. Nein, natürlich nicht als Mahlzeit, sondern um die Zahnung zu unterstützen. Außerdem wird der Begriff Hasenbrot auch für die Pflanzenart „Luzula campestris“ und eine mit Schokolade überzogene Schaumwaffel verwendet.

Für alle, die jetzt Lust auf „Hasenbrot“ bekommen haben, gibt es abschließend noch ein kleines Rezept:

Hasenbrote

Zutaten: 1 kg Schüttelgurken, Zucker, Salz, Senfkörner, Zwiebeln, Essig, Dill

  • Die Schüttelgurken werden in Scheiben geschnitten und in eine Schüssel gegeben.
  • Hinzu kommen 2 Teelöffel Salz, 2 Teelöffel Senfkörner, 3 Esslöffel Zucker, 2 Zwiebeln (in Scheiben), 6 Esslöffel Essig und etwas Dill.
  • Alle Zutaten werden anschließend „geschüttelt“.
  • Das Ganze sollte etwa eine Stunde lang durchziehen.

Zu diesem Salat (auch Senfgurken oder Tomaten können verarbeitet werden) werden dann ein Paar Arbeitsbrote gereicht.

Guten Appetit!

(c) Katja Wittwer

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