Fasching – Kleines Lexikon rund um Karneval

Kleines Faschingslexikon

Narren. Alles Narren. Es sind heute mal wieder nur Narren unterwegs. Ein flüchtiger Blick aus dem Fenster genügt schon, um das Ausmaß der ganzen „Katastrophe“ zu erkennen. Wagen reiht sich an Wagen.

Dreigestirn, Prinzengarde und mehr
Faschingslexikon

Nur im Schneckentempo geht es unter den erstaunten Blicken der Passanten voran.
Und zu allem Überfluss werden die am Straßenrand geduldig wartenden Passanten auch noch beworfen. Wer sich dieser Tage in die Rheinstadt Köln begibt, dem wird einiges abverlangt.

Man könnte meinen bei diesem Ausnahmezustand auf den Straßen könnte es sich um den alltäglichen Verkehrswahnsinn halten.

Doch weit gefehlt: Die Kölner feiern nur ihre fünfte Jahreszeit: Den Kölner Karneval.

Wahnsinn- Da(s) ist die Hölle (los)

Für Faschingsmuffel und absolute Faschingsverweigerer mag dies die härteste Zeit im ganzen Jahr sein. Während sie sich an den „tollen Tagen“ zuhause verbarrikadieren, um dem bunten Treiben zu entgehen, nehmen andere ihren Hut, um auf den traditionellen Rosenmontagsumzug die Beute der Jecken in Form von Bonbons besser einsacken zu können.

„Woher kommt das bloß und wann hört es endlich wieder auf“ jammern die Faschingsmuffel, während Faschingsfans in der Hochburg des Karnevals bei gefühlten 3,0 Promille fleißig kultige Faschingslieder wie „Mir lassen den Dom in Kölle“ mitgrölen.

Doch wir setzen dem Ganzen nun ein Ende. Wir können die Ahnungslosigkeit unserer Mitbürger nicht mehr mitansehen und setzen der Frage über Herkunft und Bedeutung der wichtigsten Faschingsbegriffe mit den folgenden(en) Erklärungen ein Ende.

Faschingsbegriffe in der Übersicht

1. Karneval: Der Begriff Karneval ist heutzutage mittlerweile deutschlandweit geläufig. Verwendet wird er jedoch in erster Linie im Rheinland. Neben dem Kölner Karneval sind die bekanntesten Veranstaltungen der Düsseldorfer, der Bonner und der Aachener Karneval. Etymologisch lässt sich die Bezeichnung nicht exakt zurückverfolgen.

Es wird vermutet, dass sich der Begriff aus dem Lateinischen (von carne für Fleisch und levare für wegnehmen) ableitet. Also Fleisch wegnehmen als Bezug auf die bevorstehende Fastenzeit nach dem Karneval.

2. Fasching: In Franken und in Bayern wird hingegen kein Karneval, sondern Fasching gefeiert. Faschingsmuffel können aber auch hier nicht Aufatmen. Denn der Charakter von Umzügen und Veranstaltungen bleibt im Wesentlichen auch hier derselbe. Daran ändern die Begrifflichkeiten wenig.

Wer also in Franken und Bayern die Narren nicht zu Gesicht bekommen will, sollte Würzburg mit dem größten Faschingsumzug in Bayern und Süddeutschland an den „tollen Tagen“ meiden und auch nicht das bayrische Fernsehen einschalten, um den legendären Veitshöchheimer Fasching (im Landkreis Würzburg) zu sehen. Etymologisch leitet sich das Wort Fasching aus dem Hochdeutschen (Vaschang) ab und symbolisiert den letzten Alkoholausschank vor Beginn der strengen christlichen Fastenzeit.

3. Fastnacht: Mainz bleibt Mainz wie es singt und lacht… Denn dort herrscht die Mainzer Fassenacht. Jeder hat wohl schon mal von Mainz als heimlicher Hauptstadt der Fastnacht gehört. Neben Köln deutschlandweit die Hochburg im ausgelassenen Narrentum. Aber auch im benachbarten Ausland hat sich die Fastnacht etabliert, wie man an der Baseler oder der Luzerner Fastnacht erkennen kann.

Fastnacht verbindet nicht nur die Bundesländer Hessen, Rheinland- Pfalz, Baden- Württemberg, Franken; westl. Oberbayern und Schwaben miteinander, sondern auch Länder wie Österreich, die Schweiz oder Luxemburg. Etymologisch liegt die Bedeutung des Begriffes auf der Hand. Die Fastnacht ist der Abend, an dem man zum letzten Mal sich (s)einem ausschweifendem Lebensstil hingeben darf, bevor die strenge Fastenzeit beginnt.

4. Rosenmontag: Ob Fasching, Fastnacht oder Karneval:. Ganz egal: Es wird einem immer was „an den Kopf geworfen“: Meistens sind es Bonbons. Seltener Rosen. Das sich dennoch der Begriff Rosenmontag für das närrische Treiben durchgesetzt hat, soll laut einer Legende zufolge daran liegen, dass der Papst im 11 Jahrhundert an einem Sonntag eine goldene Rose geweiht und an eine bekannte Persönlichkeit überreicht haben soll.

Nachdem diese Zeremonie jährlich wiederholt wurde, wurde aus diesem tag der Rosensonntag. Rosenmontag war konsequenterweise dann der Tag nach dem Rosensonntag. Eine andere Erklärung liefern Sprachwissenschaftler. Für sie ist das Wort Rosen eine sprachliche Abwandlung des Begriffes „rasen, toben“.

5. Rosenmontag Datum: Nachdem das Osterfest seit dem 16 Jahrhundert immer auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gelegt wurde, findet der Rosenmontag immer 48 Tage vor dem Ostersonntag statt. Frühestens kann dies der 2 Februar, spätestens der 8 März sein.

6. Elferrat: Elf Freunde sollt ihr sein. So lautet eine alte Fußballweisheit. Eine Weisheit, die sich nicht ganz auf den Elferrat übertragen lässt. Denn meistens sind es mehr als 11 Leute, die die organisatorischen Geschicke (wie die Planung von Umzügen und Veranstaltungen) innerhalb des Karnevalsvereinslebens lenken.

Aus historischer Sicht hat der Elferrat neben der Schnapszahl 11 (für das Datum 11.11 als Beginn der Saison) auch noch einen politischen Hintergrund: Sie verkörpert nämlich auch das Motto der französischen Revolution. Egalité, Liberté, Fraternité

7. Prinzenpaar und Dreigestirn: Zur fünften Jahreszeit ist nichts wie vorher. Nicht einmal an der Spitze von Kommunen und Städten. Denn während der tollen Tage regiert nicht das Stadtoberhaupt, sondern das Karnevalsprinzenpaar. Der Prinz (zusammen mit seiner Frau/Freundin) als Repräsentant des örtlichen Faschings bekommt dazu vom amtierenden Stadtoberhaupt symbolisch den Schlüssel zum Rathaus überreicht. Dies geschieht meistens zu Beginn der Karnevalssaison am 11.11.

Am Aschermittwoch muss er den Schlüssel wieder an den Bürgermeister zurückgeben. Bis dahin ist die Stadt/Gemeinde jedoch ganz in seiner Hand. Er tritt solange auf sämtlichen öffentlichen Veranstaltungen rund um den Karneval auf. In einigen Regionen ist der Prinz allerdings nicht Alleinherrscher. Dort muss er seine Macht mit einer dritten Person teilen. So wie in Köln neben dem Prinzen auch noch der Bauer und die Jungfrau das Sagen haben.

8. Orden wider den tierischen Ernst: Prinz muss man natürlich nicht sein, um den vom Aachener Karnevalsverein 1950 eingeführten „Orden wider den tierischen Ernst“ zu bekommen. Denn in der Regel bekommen diese Auszeichnung gar keine Karnevalisten, sondern vielmehr Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich besonders durch Humor und Menschlichkeit im Amt hervorgetan haben.

Die meisten Preisträger waren bisher Politiker. Aber auch religiöse Würdenträger, Schriftsteller, Unternehmer oder Schauspieler wie Ottfried Fischer (2012) haben die Auszeichnung bereits erhalten.

9. Lumpenball: Sie wollen alle nur eins. Auffallen. In der fünften Jahreszeit versucht sich ein jeder Faschingsbegeisterter mit ausgefallenen Kostümen zu übertreffen. Doch nicht jeder kann sich das auffällige und dennoch stilvolle Kostüm für die Kostümparty oder den eleganten Maskenball leisten. Z

um Glück gibt es ja da noch den Lumpenball. Die Idee ( eines Wieners aus dem 19 Jahrhundert): Eine Maskenball/eine Kostümparty, bei der ausschließlich alte, abgetragene und zerschlissene Kleidung getragen werden soll.

10. Mardi Gras: Die Bezeichnung in Frankreich für den Faschingsdienstag. Wörtlich übersetzt lautet sie „fetter Dienstag“ und spielt wiederrum auf die bevorstehende Fastenzeit an.

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