Eltern auf Facebook adden oder blockieren?

Eltern auf Facebook – die Flut peinlicher Posts

Jeder kennt sie: peinliche Posts der eigenen Eltern auf Facebook, die plötzlich für alle Freunde sichtbar sind. Aber es kommt noch schlimmer! Denn es bleibt nicht bei Kommentaren zu Freizeitaktivitäten oder Fotos vom ersten Toilettengang nach dem Trockenwerden.

Eltern auf Facebook
Eltern und ihre Posts auf Facebook

Wer genau beobachtet, erkennt allerdings ein Muster hinter Kommentaren, Bildern und Gefällt-mir-Buttons-Drücker, denn es gibt so wie beim Enneagramm diverse Grundmuster von Elterntypen. Wer seine eignen darin findet, ist auf jeden Fall schon mal gewappnet!

Und an alle anderen Eltern: Sortiert euch ein, ihr findet euch wieder. Übrigens gibt es unter euch auch die wildesten Kombis. Die nervigste von allen ist eine Mischung aus Typ 5 und 4!

Typ 1: Wir posten alles!

My home is my castle? Schutz in den eigenen vier Wänden? Fehlanzeige, das war einmal. Seit Facebook sehen es viele Eltern sogar als ihre Pflicht an, ihre Mitmenschen mit den Fotos der eigenen Kinder zu überfluten. Nichts darf fehlen.

Von Stunde Null (nackt, direkt nach der Geburt, am besten noch vor dem Durchtrennen der Nabelschnur) bis hin zum ersten Gang aufs Töpfchen und dem ersten ausgefallenen Milchzahn (auch der wird in Szene gesetzt!).

Es gibt kein Foto, das tabu ist, solange es nur ein „Ach wie süüüß“ als Kommentar nach sich zieht. Aber wofür eigentlich? Um zu zeigen, wie die kindliche Entwicklung ihren Lauf nimmt oder um sich selbst davon zu überzeugen, dass der eigene Nachwuchs im Netz ganz hoch im Kurs steht? Die Motivation dahinter bleibt ein Rätsel, der Schutz der Privatsphäre auch. Und ich will nicht unbedingt die Käseschmiere der Nachbarskinder sehen.

Appell: Liebe Eltern: Hört bitte auf! Wir wollen nicht alles sehen und nicht alles wissen. Und eure Kinder werden es euch eines Tages danken. Ihr wisst ja: Das Langzeitgedächtnis des Internets ist besser als das seines Elefanten!

Typ 2: Viel Lärm um nichts!

So wie manche Eltern auf Facebook jedes Foto posten und kommentieren gibt es noch die Sorte Erwachsener, die sich nur im Netz bewegt, um Moralapostel oder Schutzpolizei zu spielen. Achtung, Alarmstufe rot!

Diese Eltern stören die Harmonie jeder Gruppe. Chillen unmöglich. Posts wie: Stellt keine Bilder von euch ins Netz – Denkt an Copyright – Achtung, in Duisburg ist ein Straftäter entflohen oder Achtung, Tierfänger sammeln Hauskatzen in Kleiderboxen sind spätestens nach dem 10ten Wiederholen lästig!

Appell: Liebe Eltern: Ja, wir wissen, dass unsere Fotos jeder sehen kann, das ist so gewünscht, okay! Und nein, der Bikini ist nicht eingelaufen, er soll genau so sitzen. Und ja, wir sind auch gegen Tierquälerei, aber wir informieren uns vorab im Netz, ob die Info auch stimmt – wir wissen nämlich wie man googelt – und Achtung, Achtung, der entflohene Straftäter war kein Kinderschänder, sondern ein Steuerhinterzieher.

Typ 3: Asche auf mein Haupt! Die eigenen Eltern

Peinlichkeit potenziert mit Niveaulosigkeit. Meist treten die Eltern auf Facebook erst bei, um mal kurz zu schauen, was Junior so macht. Heimlich, still und leise werden Fotos und Kommentare ausspioniert und landen dann als Gesprächsstoff am Essenstisch.

Aber dieser nervigen Phase eins folgt der Schrecken aller Kinder: Phase zwei! Die eigenen Eltern adden dich! Und jetzt? Ignorieren der Freundschaftsanfrage hat Konsequenzen in Form von Staubwedeln oder Putzeimern (die man dir wohlgefällig lächelnd in die Hand drückt), wenn du es auch nicht gleich mit deiner Ignoranz in Zusammenhang bringst.

Also bleibt dir spätestens nach einer Woche keine Chance mehr, deine Eltern in deine Freundesliste mit aufzunehmen. Aber danach kommt Phase 3! Und die greift, je nach hier aufgeführtem Elterntypus, weitreichend um sich. Deine Eltern liken alles, was du machst, sogar wenn du dir über Facebook die Hausaufgaben durchgeben lässt oder damit drohst, auszuziehen.

Peinlicher noch, wenn erst einmal deine Babyfotos auf den Seiten deiner Freunde auftauchen. Hatte er schon immer diesen süßen Leberfleck in Herzform auf der linken Pobacke?

Appell: Liebe Eltern, diesmal meine: Hört auf, mich vor meinen Freunden zu blamieren. Ihr seid keine sechszehn mehr! Ich will weder euer Nachbar bei Farmville werden noch Bilder von euch entdecken, auf denen ihr so tut, als wärt ihr jung. Papa ist kein Toy-Boy und Mama kein It-Girl.

Typ 4: Sunny-side-up-Eltern

Es gibt sie, es gibt sie nicht, es gibt sie, es gibt sie nicht. Nein, hier ist nicht die Rede von großer Liebe, sondern den perfekten Eltern oder vielmehr der perfekten Familie. Nein, nicht das Hausmütterchen und der Kundenberater, die ihre Kinder überbehüten.

Das hier ist richtig fies, denn wir reden hier von Müttern, die aussehen, als seien sie dem Impression- oder Conleys-Katalog entstiegen. Jung, elegant und immer trendy. Natürlich sind sie Anwältinnen oder leiten berühmte Konzert- oder Modelagenturen. Ihre Ehemänner sind David Beckham-Verschnitte, groß, schlank, sportlich und erfolgsverwöhnt – und haben neben dem neusten BMW auch den besten BMI.

Sie kennen mindestens eine berühmte Persönlichkeit und golfen im besten Klub der Stadt. Sie sind Upperclass, natürlich! Sie wohnen im besten Viertel und haben das größte Haus, das schnellste Auto und die hübschesten Kinder. Apropos: der Nachwuchs ist perfekt! Er zählt zur In-Clique, hat weiße Zähne, Geigenunterricht, verschiedene Förderpreise gewonnen und einen umwerfenden Body.

Er besitzt gerade die nötige Prise Arroganz, um lässig zu wirken und ist trotzdem überall beliebt. Du könntest ausrasten, wenn du ihre Bilder siehst? You never walk alone!

Appell: Liebe Sunny-side-up-Eltern: Eure Existenz ist so fragwürdig wie die Oberweite von Dolly Buster. Ihr existiert nicht! Habt ihr das begriffen? Ihr. Existiert. Nicht.

Typ 5: Bescheidenheit ist (k)eine Tugend

Zugegeben: Die Sunny-side-up-Eltern lassen einen wünschen, dass ihre Existenz so gefaked ist wie die Hol(l)ister-Jeans aus der Türkei. Aber so-what? Es kommt noch besser. Der allerschlimmste Eltern-Typ ist der, der sein Licht absichtlich unter den Scheffel stellt, um zu demonstrieren, wie bescheiden er doch in all seinem Glanz ist. Er postet Dinge wie: Meine Güte, wie gerne würde ich bei diesen Temperaturen ins Schwimmbad, aber mein Kleiner muss morgen zum DFB-Training. Oder noch besser: Leider kann ich nicht an deiner Einladung teilnehmen, Mann ist das ärgerlich, aber ich spiele genau morgen Abend die Bratsche im Mannheimer Orchester. Nun, dieser Eltern-Typus ist unverkennbar die Stradivari unter den Arschgeigen, denn nichts ist so grausam, wie diese indirekten, überheblichen Hiebe auf die normale Bevölkerung, die nicht einmal zulassen, sie öffentlich anzugreifen.

Appell: Liebe Eltern. Hochmut kommt vor dem Fall, ihn in Bescheidenheit zu kleiden hat noch nie jemandem etwas genutzt. Ihr seid das größte öffentliche Ärgernis im Netz. Meldet euch doch einfach ab! Zwischen Bratsche, Erster Geige und Selbstbeweihräucherung habt ihr doch sowieso keine Zeit für Facebook!

Typ 6: Höher, schneller, weiter

Der Name ist Programm. Egal, was gepostet wird, dieser Typus setzt noch einen drauf. Stolze Fotos vom ersten Lächeln des Kindes von Bekannten kommentiert er mit gefühlten hundert Ausrufezeichen und einem bedenklichen: Was, erst jetzt? Meiner hat schon mit einer Woche gelächelt. Bleibt nur noch die Frage, wer hier zum Lachen in den Keller geht.

Es gibt nichts, was dieser Typus unkommentiert lässt und nichts, was er nicht besser weiß. Seine Kinder springen vier Meter zehn (in der ersten Klasse), haben Tennispokale gewonnen (erfährst du, wenn du ein Bild von der ersten Tennisstunde postest) und nebenbei noch den ersten Preis beim Malwettbewerb der Schule eingeheimst.

Appell: Liebe Eltern auf Überflieger-Kurs. Ihr seid nicht so nervig wie die versteckten Angeber von Typus 5, aber ihr solltet euch nicht wundern, wenn eure Freundeliste immer kürzer wird und sämtliche Eltern und Bekannte euch auf Ignorieren setzen.

Typ 7: Der Psychologe – wer bin ich und wenn ja wie viele?

Dieser Typ Eltern auf Facebook wirkt völlig harmlos. Seine Ratschläge und Diagnosen unter Hautausschlags-Bildern von deinen Kindern oder denen deiner Freunde (oder deinen eigenen: Wollte nur mal wissen, woher diese kleinen juckenden Pickelchen am Rücken kommen) kommentiert er in stoischer Ruhe und mit dem Fachwissen des Roches Lexikon Medizin.

Er weiß Rat, wenn andere Eltern von durchwachten Nächten, Windel-Dermatitis und Noro-Virus-Schrecken berichten und bietet sich selbst permanent als Zuhörer/Zu-Kommentierer an. Du beginnst dich mit Recht zu fragen, was er in seiner ansonsten knapp bemessenen Freizeit tut, denn er scheint in Facebook zu wohnen, aber wenn er das tut, kann er kein Arzt und noch weniger Psychologe sein?

Wer also ist dieser Mensch hinter den gut gemeinten Tipps? Oder sollte ich fragen: Was ist er? Mir kommen Bilder von gescheiterten Psychologiestudenten in den Kopf, armseligen Existenzen, die mir jetzt ihre Zwangsneurosen einkommentieren wollen … No way!

Appell: Wer seid ihr? Ihr macht mir Angst? Hört auf! Hiiilffeee!

Typ 8: Eltern? Welche Gattung ist das?

Nun ja, auch dieser Elterntypus will hier nicht unerwähnt bleiben, wobei ich mich manchmal frage, ob er überhaupt Kinder hat. Du siehst nämlich immer nur ihn auf seinen Fotos. Er beim Surfen auf Sylt, er beim Shoppen in Vegas, er abends auf der Terrasse mit einem Glas Wein.

Wo sind denn nun eigentlich Felix und Samira? Oder sollte ich besser schreiben Fata und Morgana? Hat er nicht auch durchwachte Nächte und Chaos im Kopf, weil er nicht weiß, ob er dem Nachbarsjungen nun wegen der gestohlenen Schaufel aus dem Sandkasten zur Rechenschaft ziehen soll oder das lieber Junior überlässt?

Er tut eigentlich gar nichts, außer er selbst sein. Und das ist fragwürdig, denn Eltern sind alles, nur nicht sie selbst. Sie sind wandelnde Zombies zwischen kleinen Frankensteins auf allen vieren und mit vollen Windeln.

Appell: Du gehörst weder zu den Eltern noch in irgendeine Gruppe verzweifelter Allein-Erzieher. Willst du uns nur zeigen, wie toll du das alles managest, wo du doch gar nichts machst?

Typ 9: Die DaWanda-Eltern

Dieser Typus schockiert 90°% aller Eltern auf Facebook mit zwei linken Händen. Denn er macht alles – wirklich alles – selbst, selbst die Windeln von Quendolin und Prana-Lara. Und er ist so gut, dass er seine selbst gemacht Erdbeermarmelade im Mund geblasenen Einmachglas für 200 Euro bei ebay versteigern kann. Und die wird sogar gekauft.

Nebenbei arrangiert er Kartoffelbrei zum Grand Canyon und die Jägersoße zum Colorado-River. Okay, der Colorado ist eine Dreckbrühe, aber muss das so perfekt durchdacht sein? Und wieso schickt er seine Kinder auf die Waldorfschule?

Die Vermutung liegt nahe, dass er von eben dieser kommt und nicht nur zum Einschlafritual die Namen seiner Kinder tanzt, sondern diese auch perfekt intoniert. Nebenbei ist das Bett selbst gezimmert und die Bettwäsche aus handgelesener Baumwolle (selbst gepflückt) hergestellt und handbestickt.

Appell: Schwierig, schwierig. Ihr seid perfekt. Aber könntet ihr zum Schutz euer Mitmenschen und Miteltern nicht ein klein wenig unkreativer sein? Nur ein bisschen? Und ihr müsst doch auch nicht alles posten? Lasst einfach das selbst genähte Winx-Kostüm (Mama – das will ich auch!!!!!!!) das nächste Mal weg!

Ein Gedanke zu „Eltern auf Facebook adden oder blockieren?“

  1. haha. Vielen Dank für den super Artikel. Ich habe mich bei jedem Elterntyp aufs neue köstlich herzlichst gelacht und dachte jedes Mal : schlimmer geht nicht mehr!! 😀 Aber doch, die Elterntypen sind alle samt grauenvoll und ich bin sehr froh, dass meine Eltern sich nie für facebook begeistert haben! Einmal ist meine Mama heimlich in Facebook gerutscht und zwar, in dem sie heimlich über den Account meiner Cousine (die wusste Bescheid, ich nicht) meine Profil begutachtet hat. Aber nachdem sie das Passwort verlegt hatte, blieb das ganze (hoffentlich?!) wieder aus. Eltern sollten akzeptieren, dass ihre Kinder sie nicht als facebook-Freunde haben wollen. Obwohl, wie meine Mama dann so schön meinte, du stellst doch alles öffentlich – warum darf ich es dann nicht wissen? Okay, auch Recht. Aber dann bitte keine peinlichen Kommentare..

    Herzliche Grüße

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