Depression erkennen und behandeln

Depressionen bei Erwachsenen und Jugendlichen

Die Depression ist die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung. Es sind schätzungsweise 4 Millionen Menschen in Deutschland betroffen, ca. 10 Million erkranken bis zu ihrem 65. Lebensjahr an einer Depression. Bei Frauen wird dieses Krankheitsbild doppelt so oft diagnostiziert wie bei Männern.

Depressionen
Depressionen sind eine ernsthafte Krankheit

Eine reine Depression im Kindesalter ist selten. Bei Vorschulkindern beträgt sie weniger als 1%, Schulkinder 2-3% und bei Jugendlichen bereits 7-13%.

Entwicklung

In den vergangenen Jahren wurde in den entwickelten Ländern ein Anstieg diagnostizierter Erkrankungen beobachtet. Die genauen Ursachen sind noch weitestgehend unklar. In den westlichen Ländern hingegen stiegen die Suizide und der Alkoholismus an

Ursachen

  • Entscheidende Veränderungen der Lebensverhältnisse
  • Schicksalsschläge, schwere Krankheit
  • Länger andauernde Belastungen und Konflikte (Arbeit/Familie/Ehe)
  • Alkoholmissbrauch
  • Genetische Faktoren

Bei allen Formen der Depression finden Veränderungen in den komplexen Neurotransmittersystemen (Botenstoffsystemen) des Gehirns statt. Auch Veränderungen im Regelsystem der Hormone von Hypothalamus, Hypophyse (Hirnanhangdrüse) und der Nebenniere wurden nachgewiesen.

Symptome bei Jugendlichen und Erwachsenen:

  • Niedergeschlagenheit
  • Traurigkeit
  • Lustlosigkeit/fehlender Antrieb
  • Schlafstörungen
  • Appetitlosigkeit
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • Vermindertes Selbstbewusstsein
  • Schuldgefühle
  • Ängste
  • Erschöpfung
  • Hoffnungslosigkeit bis hin zu Todeswünschen und Suizidgedanken
  • Körperliche Beschwerden
  • Aggressivität (überwiegend bei Männern zu beobachten)
  • Nachdenklichkeit/grübelndes Verhalten (überwiegend bei Frauen zu beobachten)

Symptome bei Kindern:

  • Ausdrucksloses, trauriges Gesicht
  • erhöthe Irritabilität
  • gestörtes Essverhalten
  • entwickelt ein selbststimulierendes Verhalten
  • verminderte Mimik und Gestik
  • leicht irritierbar und stimmungslabil, introvertiert und aggressives Verhalten
  • weniger an motorischen Aktivitäten interessiert und können stark an Gewicht- ab oder zunehmen
  • Schlafstörungen mit Albträumen
  • können Suizidgedanken und Schulleistungsstörungen entwickeln

Jugendliche in der Pubertät zeigen häufig ein vermindertes Selbstvertrauen, sind apathisch, entwickeln Ängste und Konzentrationsmängel, Leistungsstörungen, Stimmungsschwankungen, psychosomatische Störungen: Kopf- oder Rückenschmerzen, Störungen des Verdauungstraktes. Jugendliche zeigen hierbei schon die Kriterien der depressiven Episode, wie sie bei Erwachsenen zu erkennen sind.

Diagnose

Diese sollte vom zuständigen Hausarzt oder aber einem Psychiater oder psychologischem Psychotherapeuten gestellt werden.

Hier kommen unterschiedliche Diagnosemöglichkeiten in Betracht:

  1. die Hamilton- Depressionsskala (HAMD): diese klinische Fremdbeurteilungsskale wurde 1960 von Max Hamilton entwickelt.
  2. die Beck- Depressionsskala (BDI): ebenfalls ein psychologisches Testverfahren
  3. Inventar depressiver Symptome (IDS): eine Skala zur Beurteilung von Depressionen von 1986

Mitunter wird eine Depression von einer anderen Erkrankung überdeckt und nicht erkannt. Eine Depression kann sich auch vorwiegend durch körperliche Symptome- oft Schmerzen- äußern und wird dann als „larvierte Depression“ bezeichnet (Depression versteckt sich hinter den körperlichen Symptomen wie hinter einer Larve).

Im Zusammenhang mit Depressionen wird oft eine Anamnese des Familiensystems nach Beziehungs- und Bindungsstörungen sowie frühkindliche Deprivationen oder auch seelischen, körperlichen und sexuellen Misshandlungen erstellt.

Behandlungsmöglichkeiten für Depressionen

Es stehen verschiedene Ansätze zur Behandlung von Depressionen zur Verfügung. In vielen Fällen können Depressionen ambulant behandelt werden, sollte dies aber aufgrund der Schwere der Symptome nicht ausreichen, ist eine stationäre Krankenhausbehandlung erforderlich.

Medikamentöse Behandlung: Bei einer mittelschweren und schweren Depression ist eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva sinnvoll, die zur Normalisierung des Hirnstoffwechsels und somit zur Verbesserung der Symptome beitragen sollte.

Psychotherapie: Nach einer eingehenden Diagnostik wird ein individuelles Störungsmodell entwickelt, aus dem sich Ansatzpunkte zur Veränderung ergeben.

Die Therapieelemente umfassen:

  • Aufbau positiver und angenehmer Aktivitäten und Erlebnisse (Erlebnispädagogik)
  • die Veränderung verzerrter, übermäßig negativer und pessimistischer Denkmuster
  • das Einüben sozialer Fertigkeiten zum gedeihlichen Umgang mit anderen Menschen
  • den (Wieder-) Aufbau sozialer Kontakte
  • den Aufbau von Strategien zur Lösung von Problemen und Konflikten
  • Sport- und bewegungstherapeutische Maßnahmen
  • Entspannungstechniken

2 Gedanken zu „Depression erkennen und behandeln“

  1. Depressionen werden oft so leichtfertig abgetan, dabei ist das eine weit verbreitete Krankheit, die jeden treffen kann. Danke für den Artikel.

  2. Ein sehr ernstzunehmendes Thema, welche Sie in diesem Artikel thematisieren. Ich litt als Jugendliche selbst unter Depressionen, welche ich inzwischen eingedämmt habe, welche aber nie behandelt wurden. Erschreckend, wie das Thema in der Gesellschaft zum Großteil noch verschwiegen wird und daher auch nie, oder zu spät erkannt wird. Es bedarf mehr Offenheit und das Thema sollten mehr angesprochen werden. Selbst in Schulen, auch wenn es, wie sie belegen, im Kindesalter häufig nicht vorkommt. Aber spätestens in den den höheren Schulkassen, wäre dies ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts.

    Danke für die Informationen.
    Frida

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