Cybermobbing ist eine Straftat

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Cybermobbing: Eine Straftat, die längst gesellschaftsfähig geworden ist

Zuhause ist für jeden Menschen ein Ort der Sicherheit und Geborgenheit. Diese Atmosphäre lebt von persönlichen Dingen, die uns umgeben und dem Gefühl der Sicherheit im Schutz des Privaten.

Cybermobbing ist anerkannte Straftat
Cybermobbing gegen eine Schülerin

Auch für Kinder und Jugendliche ist ihr Zimmer so ein Raum, an dem sie ihr Stören-unter-Strafe-verboten-Schild aufhängen, an dem sie laut Musik hören und stundenlange Telefonate führen.

Können Sie sich als Eltern vorstellen, dass jemand einfach in diesen geschützten Ort eindringt, Ihr Kind verbal attackiert, Ihm droht, es beleidigt oder bloßstellt? Genau so ergeht es Menschen, die von Cybermobbing betroffen sind. Am stärksten leiden Kinder und Jugendliche unter Cyber-Mobbing. Vom Gesetz ist Cybermobbing als Straftat eingestuft, für die Täter ist es oft nur eine Lappalie, in der Öffentlichkeit wird dieses unter Jugendlichen wichtige Cyber-Thema leider nicht ausreichen beachtet.

Suizid wegen Cybermobbing: Ein typisches Szenario und die besondere Gefahr dahinter

Anna hat in der Schule Streit mit ihrer besten Freundin, weil beide den gleichen Jungen aus der Parallelklasse gut finden. Sie werden ein paar Tage nicht miteinander reden und dann wieder zusammen Frisurentipps austauschen. Diesmal ist es jedoch anders. Anna wundert sich, warum sie auf einmal über ihren Facebook-Account seltsame Nachrichten bekommt; eindeutige Anfragen von älteren Männern. Dann stößt sie entsetzt auf eine Gruppe im Netz, die ihren Namen trägt und ihre Adresse zeigt. Sogar ein angebliches Nacktbild von ihr ist hier veröffentlicht, auf das irgendjemand per Fotomontage ihr Gesicht gesetzt haben muss. Das Bild geht durch die Schule, alle Lehrer sehen es. Selbst in der Nachbarschaft erntet sie entsetzte Blicke. Aus dem Nichts heraus ist Anna zum Opfer von Verleumdungen, Spott und üblen Nachreden geworden.

Wohin Cybermobbing führen kann, dokumentieren regelmäßig traurige Schlagzeilen in den Zeitungen, die vom Selbstmord eines Jugendlichen berichten, der über das Internet in den Tod getrieben wurde.

Mobbing im Internet und über das Handy nimmt schnell eine Eigendynamik an, die Ausmasse sind Eltern sehr oft nicht bewusst. Es beginnt mit Beleidigungen, Beschimpfungen und Unterstellungen über Chatprogramme oder das Smartphone. Anschließend werden diese Beleidigungen öffentlich gemacht. Die Diffamierungen greifen auf das eigene soziale Umfeld über und drängen die Betroffenen an den Rand der Gesellschaft.

Die besondere Gefahr des Cybermobbings geht von der hohen Reichweite aus. Reale Mobbingsituationen in der Schule bleiben meist – obwohl sie für die Betroffenen nicht minder schlimm sind – auf den Klassenraum beschränkt oder zumindest auf Schülerinnen und Schüler auf dem Schulhof. Im Internet kann jeder mitlesen. Je nach Wohnort kann hier ein Opfer in der ganzen Schule, im Dorf oder dem gesamten Stadtteil in wenigen Stunden bloßgestellt werden.

Die zweite Gefahr ist, dass es von der virtuellen in die reale Welt übertragen wird. Zunächst erhalten die Opfer „nur“ Nachrichten; später werden sie auch im realen Leben in der Klasse mit den Folgen des Cybermobbings konfrontiert und geraten in reale Mobbingsituationen.

Insbesondere Jugendliche in der Pubertät sind besonders anfällig für Kritiken und haben noch nicht das nötige Selbstbewusstsein, sich gegen derlei Anfeindungen zu behaupten und hier sind die Eltern aufgefordert zu helfen.

Von der Beleidigung zur Aufforderung zum Suizid

Die Formen des Cybermobbings. Cybermobbing fängt schon mit öffentlichen und herabwürdigenden Kommentaren in Sozialen Netzwerken an und endet bei der Aufforderung zum Suizid des Opfers. Die Anonymität verleitet schnell dazu, auf den Zug aufzuspringen und mal eben aus Spaß selbst eine diffamierende Äußerung zu tätigen oder den sogenannten Shitstorm aktiv mitzugestalten.

Wissenschaftlich gesehen, gibt es zahlreiche Formen und Unterformen des Cybermobbings. Die gängigsten davon sollen hier kurz vorgestellt werden.

Beleidigung und Beschimpfung
Verletzende und beleidigende Kommentare oder vulgäre Pöbeleien werden entweder über private Nachrichten versendet oder öffentlich gemacht und über das Handy verteilt.

Belästigung
Bei dieser Form des Cybermobbings handelt es sich um immer wiederkehrende, öffentliche Attacken von unbekannten Menschen oder auch Menschen aus dem eigenen sozialen Umfeld, die sich über lange Zeit hinweg an ein Opfer richten.

Gerüchte verbreiten
Die Täter stellen das Opfer mit Absicht durch das Onlinestellen von Texten, Fotos oder Videos bloß. Dies kann beispielsweise den Ruf einer Person dauerhaft schädigen oder Freundschaften zerstören.

Falsche Profile und Identitäten
Der Täter nimmt bewusst die falsche Identität des Opfers im Internet an. Sie postet in ihrem Namen Beschimpfungen oder sogar rechtsverletztende Äußerungen. Und wieso geht das? Das Profil ist halt anonym.

Bloßstellen
Hierbei verbreiten die Täter eine vermeintlich private Kommunikation oder intime Details bzw. peinliche Aufnahmen, um jemanden bloßzustellen.

Stalking
Beim Stalking werden wiederholt (sexuell) belästigende und bedrohende Kommentare veröffentlicht. Zum Stalking gehört auch die öffentliche Androhung von Gewalt oder die Aufforderung zum Selbstmord.

Cybermobbing – und mein Kind ist betroffen. Das können Sie tun

Das erste Gefühl ist bei Eltern immer Hilflosigkeit, dabei gibt es vieles, was Betroffene tun und bei dem Eltern den Jugendlichen helfen können.

Sie können sich beispielsweise an den Betreiber der jeweiligen Plattformen wenden und ihn dazu auffordern, den betreffenden Nutzer zu sperren und auch die Beleidigungen zu löschen.

Wichtig ist es, nicht darauf zu reagieren. Dies motiviert Täter nur zum Weitermachen, denn eine Reaktion ist genau das, was Täter wollen. Schulen haben oftmals Ansprechpartner für solche Fälle.

Bei schwereren Attacken sollten Sie Beweise sichern. Die rechtlichen Grenzen für Cyber-Mobbing sind sehr eng gesteckt. Niemand darf Bilder anderer Personen ins Netz stellen und auch nicht Falschaussagen veröffentlichen. Dies alles sind Rechtsverstöße, die verfolgt werden können. Speichern Sie Nachrichten, machen Sie Screenshots und suchen Sie sich professionelle Hilfe. Nehmen Sie Kontakt zur Polizei auf und bringen Sie den Rechtsverstoß zur Anzeige.

Erklären Sie Ihrem Kind: Mobbing hat in den seltensten Fällen etwas damit zu tun, wie jemand ist. Man wird nicht als Außenseiter zum Opfer von Mobbing sondern durch Mobbing zum Außenseiter. Wichtig ist es daher, die Ursachen nicht auf der persönlichen Ebene zu suchen, sondern in den sozialen Defiziten der Täter.

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