Cybermobbing und Schule

CYBER-MOBBING

Tatort Internet

„Ich hörte nur noch ‚Fotze’, ‚Hure’, und zwischendurch noch ‚Wir hassen dich’, ‚verpiss dich einfach’, ‚Missgeburt’.“ Für Sylvia Hamacher war Schule der reinste Horror. Weil die Gymnasiastin nur ausgewählte Freunde auf ihre Halloween-Party einlud, wurde sie jahrelang von ihren Mitschülern gemobbt – im Klassenzimmer und Internet gleichermaßen.

Von Meike Stephan

Cybermobbing unter Schülerinnen und Schülern
Cybermobbing an Schulen – Tatort Internet

„Die Schlampe machen wir fertig, so lange, bis sie freiwillig von der Schule geht“, schrieb ein Peiniger über Sylvia per Nachrichtendienst Twitter. Das ist nur eine Nachricht von vielen, die belegen, wie übel Sylvia im Netz zugesetzt wurde. Dass es sich bei ihr nicht um einen Einzelfall handelt, zeigt eine Studie über Cybermobbing bei Schülerinnen und Schülern.

Sie besagt, dass jeder vierte Schüler schon einmal gemobbt wurde. 16,6 Prozent der Befragten waren bereits Opfer von Cybermobbing. Zehntausend Kinder werden jede Woche an deutschen Schulen ausgegrenzt, in neun von zehn Schulklassen wird gemobbt.

Das kritischste Alter, in dem die meisten Fälle von Cybermobbing registriert werden, liegt zwischen 12 und 15 Jahren. In dieser Zeit beginnen die Jugendlichen, sich einerseits intensiver mit dem Internet zu beschäftigen und werden andererseits mit der Pubertät konfrontiert. „Im Schnitt sind in jeder Klasse ein oder zwei Kinder von Mobbing betroffen“, schätzt Sozialpädagoge Franz Hilt, Leiter des Präventivprogramms Konflikt-Kultur innerhalb des Caritasverbands.

„Es ist ganz egal, wie die Opfer auf die Angriffe reagieren, sie können lächeln, weinen, zurückschlagen. Die Täter instrumentalisieren ihre Reaktionen immer so, wie sie sie brauchen“, sagt Mechthild Schäfer, Privatdozentin am Department für Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Sie gilt als führende Mobbing Expertin und hat zahlreiche wissenschaftliche Beiträge zum Thema verfasst.

Internet senkt Hemmschwelle

Beschimpfungen, Gerüchte, peinliche Fotos und Videos – Zunehmend wird das Internet für Anfeindungen und Schikanen genutzt. Das Medium scheint die Hemmschwelle für Mobbing zu senken. Viele Kinder und Jugendliche trauen sich in der virtuellen Welt eher, andere zu beleidigen oder bloßzustellen.

Das besonders Schlimme an Cybermobbing: Die Anfeindungen sind meist jahrelang im Netz präsent und können für den Betroffenen weitreichende Auswirkungen haben, etwa wenn potentielle Arbeitgeber die Inhalte sehen. Jeder, vom Nachbarn, über den Metzger bis zum Postboten kann im Internet die Verleumdungen nachlesen.

„Egal wo ich hinging, nirgends war ich sicher. Jeder schien zu wissen, was im Netz über mich verbreitet wurde. Es genügte ja, meinen Namen zu googeln“, beschreibt Sylvia Hamacher ihre Hilflosigkeit und Ohnmacht. Sie begann, ihren Peinigern zu glauben und fühlte sich hässlich und dumm, glaubte, dass sie es verdient habe, so behandelt zu werden. Die Schülerin fing an sich zu ritzen und dachte darüber nach, sich das Leben zu nehmen.

Hilfe für Mobbing-Opfer

Mobbing ist zermürbend und macht krank. Für Betroffene ist der einzige Ausweg die Flucht nach vorn: Ein Gespräch mit Eltern oder Freunden ist ein guter erster Schritt. Häufig gibt es an Schulen auch Vertrauenslehrer, die ebenfalls ein guter Ansprechpartner sind. Die bereits zitierte Studie ergab, dass Cybermobbing in den meisten Schulen konsequent geahndet wird und dass dem oder den Tätern disziplinarische Konsequenzen drohen.

Hilft das nicht weiter, können sich Mobbing-Opfer an Beratungsstellen wenden. Viele Gewerkschaften und Krankenkassen beschäftigen Spezialisten, die professionelle Hilfe bei Mobbing anbieten. Da es vielen Betroffenen unangenehm ist, persönlich über ihre Probleme und Ängste zu sprechen, gibt es immer mehr Anlaufstellen im Internet. Hier bekommen Betroffene anonyme Hilfe in Chats, Foren und via E-Mail. Auch die kostenlose Telefonberatung „Nummer gegen Kummer“ hilft Jugendlichen bei Problemen jeder Art.

Weiterführende Links

Mehr Informationen für Jugendliche, Eltern und Lehrer zu Cybermobbing, Privatsphäre und Datenschutz gibt es auf Klicksafe, Schau hin!, juuuport, und der Webseite des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik.

Ein kostenloser Ratgeber zu Cyber-Mobbing bei Schülern kann hier heruntergeladen werden.

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