Bauchtanz – Bewegung und Sport

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Die Entstehungsgeschichte vom Bauchtanz

Sie steht im Mittelpunkt. Mit den unverkennbaren Merkmalen des Orientalischen Tanzes“ wie den lustbetonten und sinnlichen Bewegungen der Hüfte und des Beckens sorgen in erster Linie die Frauen auch heute noch für eine ungebrochene Faszination der orientalischen Kultur mit ihren verschiedenen Tanzstilen.

Bauchtanz - Entstehung und Bedeutung
Wie entstand der Bauchtanz

Es kommt daher nicht von ungefähr, dass es vor allem die Frauen sind, die für den Bauchtanz geradezu prädestiniert sind. Denn obwohl es keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt, belegen viele prähistorische Skulpturen und Felsmalereien von Indien über den Orient bishin zum Balkan und zum Mittelmeerraum die wichtige Rolle des Tanzes sowie den hohen Stellenwert der Frauen dabei in den frühesten Kulturen.

Vermutungen zufolge gehört der Bauchtanz zu den ältesten Tänzen der Welt

Und schon zu frühester Zeit wurde nicht zuletzt im alten Ägypten mit religiösen, dem heutigen Bauchtanz ähnlichen Fruchtbarkeits-, Geburts- oder Tempeltänzen und Bräuchen das Sinnbild der Frau und der Weiblichkeit an sich, verehrt.

Im Laufe der Zeit hat der Tanz dann seine ursprüngliche religiöse Bedeutung verloren und entwickelte sich zu einer Form der Unterhaltung weiter. Dem Christentum und dem Islam war diese Entwicklung aufgrund ihrer Glaubensüberzeugung ein Dorn im Auge. Und so verschwand nach der Ausbreitung des Christentums im Mittelmeerraum und dem Siegeszug des Islam in den orientalischen Ländern der Tanz wieder aus dem öffentlichen und kulturellen Leben.

Wiederentdeckung des Bauchtanzes

Obwohl das Weltbild im 19 Jahrhundert nach wie vor stark den christlichen Moralvorstellungen unterworfen war, waren es Orientreisende wie Emile Zola; Gustave Flaubert oder Lady Mary Montagu, die mit ihren Berichten die Begeisterung für en Orientalischen Tanz wieder aufflammen ließen.

Dabei finden sich in ihren Aufzeichnungen Berichte von Ghawazi- Frauen; die der Volksgruppe der Zigeuner zuzuordnen sind, wieder. Während diese auf öffentlichen Plätzen auftraten und beim einfachen Volk sehr beliebt waren, holten sich die Reichen zunehmend Almeh- Frauen, professionelle Unterhalterin mit einer ansehnlichen Bildung in Musik, Tanz und Poesie ins Haus.

Trotz dieser allgemeinen Bewunderung der Bauchtänzerinnen durch alle Schichten hindurch, lastete den Frauen immer noch viele Vorurteile an: Bauchtänzerinnen waren und sind demnach keine Frauen zum Heiraten.

Das goldene Zeitalter des Orientalischen Tanzes

In den 20er Jahren änderte sich der Stellenwert des Bauchtanzes schlagartig. Mit der Eröffnung des ersten Kabaretts nach Vorbild des westlichen Varietes in Ägypten durch die Künstlerin Badia Masabni erreichte der Orientalische Tanz eine nie dagewesene Popularität.

Dem legendären Casino Opera ist es daher zu verdanken, dass der Solotanz sich zu dem entwickelt hat, was wir heute unter dem Begriff Bauchtanz verstehen. Durch die veränderte Bühnensituation des Kabaretts Casino Opera kamen nun neben verschiedenen Schrittfolgen und den traditionellen Hüftbewegungen auch noch Bewegungen der Arme; Hände, der Schultern oder des Kopfes dazu.

Solotänzerinnen der ersten Stunde wie die legendären Stars Tahia Carioca oder Samia Gamal begannen ihre Karriere im Casino Opera. Nicht zuletzt durch die vom Casino Opera neu entfachte Popularität des Orientalischen Tanzes, bleibt diese Zeit als „goldenes Zeitalter des Orientalischen Tanzes“ in den Köpfen vieler bestehen.

Ausbreitung des Tanzes in den Westen

Nachdem die Orientreisenden des 19 Jahrhunderts mit ihren spannenden Berichten bereits die westliche Phantasie über den Orient angeregt hatten, wurde mit dem Auftritt von „Little Egypt“- einer Tänzerin namens Farida Mahzar- auf der Weltausstellung in Chicago weltweit, aber besonders in der westlichen Hemisphäre eine neue Welle des Orientkultes ausgelöst.

Gerade zu dieser Zeit der steifen Korsetts war die Sensation perfekt als Farida eben nicht nur die Füße und Beine, sondern auch den Torso und die Körpermitte bewegte.  Diese bis dato unvorstellbare Darbietung zog bald schon jede Menge Nachahmer an. Zu den berühmtesten zählen noch heute Mary Garden mit ihrem Tanz der sieben Schleier in „Salome“ oder die legendäre „Mata Hari“.

Während die einen das orientalische Treiben mit Freuden verfolgten, beugte sich der andere und überwiegende Teil des Westens den damals vorherrschenden prüden Moralvorstellungen und schwörte dem „unanständigen“ Tanz ab. Die immer größer werdende Anzahl von weniger begabten Nachahmrinnen tat dann ihr übriges dazu, dass die Welle erstmal wieder abebbte.

Orientalischer Tanz auf der Hollywood Bühne

Ausgerechnet Hollywood sorgte dann mit seinen Musicalfilmen im Stil von 1000 und 1 Nacht für ein Comeback der Orientbegeisterung. In den oftmals kitschigen Hollywood Darstellungen entdeckten dann auch die Tänzerin ein eignes Körperbewusstsein und schminkten und frisierten sich dementsprechend.

Die kitschige und übertriebene Darstellung des Orientstils in den Hollywoodfilmen beeinflusste daraufhin aber die ägyptische Unterhaltungsindustrie, so dass auch dort das arabische Publikum mit solchen typischen Tanzfilmen versorgt werden konnte.

In den wilden 60ern

Angeregt von den Hollywood Tanzfilmen war es abzusehen, dass Anfang der 60er Jahre erste „Bellydance Studios in den USA eröffnet wurden. Es waren aber nicht nur westliche Tänzerinnen, die den Tanz noch genauer studieren wollten. Arabisch stämmige Einwanderer wollten ebenso die Gunst der Stunde nutzen und auf den „Orientzug“ aufspringen.

Allerdings wurde durch Buchtitel wie „The very sexy exercise“ oder „Make your husband a sultan“ fälschlicherweise dem Bauchtanz ein erotischer und anrüchiger Charakter unterstellt, die sich bis heute hartnäckig halten.

Die Auswirkungen der Sexuellen Revolution

Vielleicht lag es auch an diesen fälschlichen Assoziationen, dass in den 70er und 80er Jahren zu einer Ausbreitung der Bauchtanz-Begeisterung enormen Ausmaßes kam. Feministinnen entdeckten in Zeiten der Emanzipation den Bauchtanz als Methode der Selbsterfahrung und als Befreiung des weiblichen Körpers.

Durch Ehefrauen amerikanischer Soldaten, die in Deutschland stationiert waren sowie durch Frauen, die kurzzeitig in den USA gelebt und gearbeitet haben, schwabbte die Orientwelle“ dann endgültig auch nach Deutschland. In Frauengesundheitszentren und- bildungsstätten breitete sich das Bauchtanzkurs- und Seminarangebot unaufhörlich aus.

In den 90ern schossen dann Fachzeitschriften, deutschsprachige Literatur und weitere Studios wie Pilze aus dem Boden. Somit war der „Orientkult“ aus Deutschland nicht mehr wegzudenken.

Bauchtanz heute

Bis heute ist das Interesse am Bauchtanz ungebrochen. Schätzungen zufolge beschäftigen sich ca. 60 000 Frauen hobbymäßig mit dem Bauchtanz. Die Vielfalt an Festivals; Basaren; Fachmessen in ganz Deutschland und Europa tun ihr Übriges dazu, dass Bauchtanz in aller Munde bleibt.

Und was ist mit Ihnen? Haben Sie auch schon eine Leidenschaft für den orientalischen Tanz entwickelt?

Wenn Sie diese Frage bejahen und gern selbst einmal wissen wollen, was dahinter steckt, dann probieren Sie es doch selbst einmal aus. In nahezu jeder Stadt gibt es heute vhs Kurse oder Tanzstudios, in denen man den Orientalischen Tanz in all seinen Facetten erlernen kann.

Aber folgen Sie einfach Ihrem Bauchgefühl. Es wird Ihnen schon sagen, was Sie wirklich wollen.

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