Auswandern statt Urlaub?

Vorbereitung für die Auswanderung

Unternehmen Sie eine Forschungsreise. Ja Sie haben richtig gelesen. Fahren Sie ins „gelobte Land“ nicht in Urlaub, sondern arbeiten Sie hart. Die meisten Menschen kommen ja aus einem angenehmen, entspannten Urlaub zurück – und denken plötzlich ans Auswandern. Das ist aber nicht die reale Welt. Die sieht nämlich anders aus. Und die genau sollten Sie das Land aber zuvor einmal erleben.

Auswanderung alleine oder mit Familie
Eine Auswanderung muss gut überlegt und geplant werden

Tun Sie so, als müssten Sie dort arbeiten, sich zurechtfinden, einkaufen und sich in fremder Umgebung verständigen. Sammeln Sie Daten: Prospekte, Zeitungen, Stadtpläne, Infos, Lagepläne von Schulen, Arbeitsstelle und Supermarkt. Mit den Pfunden fahren Sie dann wieder nach Deutschland, sichten alles sorgfältig und überlegen.

Ist es das wirklich? Entspricht die Gegend Ihren Vorstellungen? Finden Sie einen Job? Ist die Schule in der Nähe? Kommen Sie mit der Mentalität der neuen Nachbarn klar?

Wie ist es mit dem Klima, dem Essen? Sind vielleicht ein paar Deutsche auch in der Nähe? So, und wenn die Fakten alle auf dem Tisch liegen, dann sind Sie erst einmal in der Lage, eine fundierte Entscheidung zu treffen. Forschungsreise mal mit anderem Hintergrund, aber eine der wichtigsten in Ihrem Leben.

Denn Sie treffen schließlich eine Lebensentscheidung. Die krempelt Sie gewaltig um – vergleichbar mit Hochzeit, Auszug aus dem Elternhaus und
auf eigenen Füßen stehen.

Wie Sie sich optimal auf eine Auswanderung vorbereiten

Bevor Sie sich entscheiden auszuwandern, müssen Sie sich folgende Fragen stellen:

  • Was kann ich?
  • Wer bin ich?
  • Was will ich – vor allem was will ich in Zukunft leisten?
  • Welche Fähigkeiten habe ich?

Man nennt das auch kritische Selbstanalyse oder nüchterne Bestandsaufnahme. Sie sollten ehrlich zu sich selbst sein. Es nützt nichts, wenn Sie bisher ein bequemer Typ waren und sich nun etwas vormachen.

Etwa so: Plötzlich entdecken Sie Ihre handwerkliche Ader im Ausland. Sie trauen sich zu, ein Haus selbst zu bauen oder ein altes, heruntergekommenes reparieren zu wollen. Das klappt nicht.

Bleiben Sie also ehrlich zu sich selbst – und immer realistisch.

Was haben Sie bisher beruflich gemacht? Wollen Sie das so weiter tun oder gar ausbauen? Haben Sie vielleicht andere Fähigkeiten außerhalb Ihres Berufs, die sich im neuen Land erweitern lassen? Wenn Sie Ihr Profil haben, gleichen Sie es mit den Möglichkeiten im Auswanderungsland ab.

So kommen Sie der Frage „Ist das alles realistisch?“ immer näher und finden von selbst eine Antwort. Vielleicht steht am Ende: „Nein, das ist es alles nicht!“ Nun gut, dann können Sie zwar Mut und Abenteuerlust entwickeln, aber wissen wenigstens, was auf Sie zukommt. Ganz ohne Wagnis ist Auswandern nie. Mut gehört dazu, aber keine Träumerei. Die ist hier fehl am Platze. Wer wagt, gewinnt. Und die Kraft des Wagnisses hilft manchmal, das eine oder andere Manko zu überwinden.

Man wächst mit den Aufgaben, so auch beim Auswandern. Aber gleich Berge versetzen wollen? Vorsicht! Manchmal ist es auch nicht verkehrt, sich für eine Übergangsphase ein Standbein in Deutschland zu halten. Für den Fall, dass es doch nicht klappt, stehen Sie dann wenigstens nicht auf der Straße. Also halten Sie für ein Jahr die alte Wohnung oder eine kleinere mit dem Rest-Hausrat, den Sie nicht mitnehmen. Oder sichern Sie sich bei Verwandten und guten Freunden ab, wo Sie zur Not unterkommen können.

Wo Sie sich informieren

Suchen Sie im Internet nach entsprechenden Adressen. Haben Sie sich für ein Land entschieden, wird es Informationen über die Stadt, den Ort, die Region geben. Manchmal müssen Sie Ihre Suche etwas erweitern, wenn Sie nicht direkt vor Ort geeignete Stellen finden.

Die meisten Informationen übers Auswandern bekommen Sie hier. Sie finden auch aktuelle Warnhinweise, etwa ob in dem Land Krisen und Epidemien zu befürchten sind und wie Sie sich
darauf vorbereiten können.

Es ist schwer, hinter alle Feinheiten im Zusammenhang mit dem Auswandern zu kommen. Deshalb ist es ratsam, auch mal längere Foren und Blogs im Internet zu lesen. Hier tauschen Auswanderer ihre Erfahrungen aus, und da können Sie gute Tipps abstauben. In Foren diskutieren auch Leute, die auswandern wollen. Hier können Sie Fragen stellen. Sie finden zahlreiche Antworten auf genau Ihre Probleme. Geben Sie in den Suchmaschinen einfach „Auswandern nach Brasilien“ oder „Wer hilft mir beim Auswandern nach Kanada?“ ein.

Oder geben Sie einfach nur den Namen des Landes ein, in das Sie auswandern wollen. Sie werden sehen, wie viele Seiten sichvor Ihnen wie ein „Sesam öffne Dich“ auftun. Nehmen Sie
sich lieber etwas mehr Zeit. Und dann suchen Sie sich die Diskussionsforen oder Web-Blogs aus. Manchmal sind dort auch Emailadressen angegeben, die Sie direkt anschreiben und um Rat fragen können. Es gibt auch Fragen nach Treffen und Clubs, die Ausreisende in der neuen Heimat vor Ort gründen wollen.

Sie treffen sich dann regelmäßig und tauschen sich persönlich aus. Im thailändischen Pattaya zum Beispiel gibt’s einen Montagsstammtisch. In Paraguay suchen deutsche Auswanderer in einer deutschsprachigen Zeitung Tierfreunde, die gemeinsam junge Hunde und Katzen aufnehmen und für sie ein Tierheim gründen wollen. In Paraguay treffen sich Deutsche und Schweizer immer an einem Donnerstagabend in einem deutschen Lokal zum Skatspielen und Gedankenaustausch. Manchmal werden solche Treffen auch über die Deutsche Botschaft oder Handelskammer angeboten.

Aber bleiben Sie auch immer kritisch. Behalten Sie Ihren gesunden Menschenverstand und lassen sich nicht das Goldene vom Himmel vorgaukeln. Seien Sie misstrauisch, wenn Unglaubliches versprochen wird. Vor allem, checken Sie extreme Ansichten oder Schilderungen gegen. Fragen Sie zur Absicherung einen anderen User.

Schauen Sie auch ruhig mal in Blogs rein, in denen bereits Ausgewanderte über einen längeren Zeitraum ihre Erfahrungen berichten – wie in einem Tagebuch. Zugegeben, es ist manchmal müßig, stundenlang zu lesen. Aber um Ihr Vorhaben abzusichern, müssen Sie auch viel lesen.

Teilen Sie es doch einfach in der Familie auf. Jeder liest etwas und schreibt die wichtigsten Stichworte auf. Auswandern muss zu einem Gemeinschaftsprojekt werden, das ist nichts für Einzelkämpfer.

Nützliche Adressen sind hier das Auswärtige Amt (www.auswaertiges-amt.de), das für jedes Land immer aktuelle Informationen bereithält. Hier erfahren Sie Grundsätzliches über Land und Leute, Kultur, Währung, wirtschaftliche Lage, Jobs, aber auch die aktuellen Warn-
/Sicherheits- und Impfhinweise.

Die offizielle Seite des Landes selbst, in das Sie auswandern wollen, hält hierzu ebenfalls zeitnahe Informationen bereit. Klicken Sie einfach die jeweilige Botschaft an. Gehen Sie doch mal persönlich vorbei und besuchen Sie die Sprechstunde.

Es gibt aber auch ganz spezielle Servicestellen für Auswanderer, so das Bundesverwaltungsamt in Köln mit seiner Informationsstelle für Auswanderer und Auslandstätige.

Auswandern mit Familie und Kindern

Ganz andere Fragen stellen sich, wenn Sie mit Familie und Kindern auswandern wollen. Wobei vor allem kleinere Kinder oft das Auswandern leichter verkraften und schneller mit der neuen Situation zurechtkommen als Erwachsene. Kinder sind da extrem anpassungsfähig, auch was neue Sprache angeht. Sie brauchen nämlich einen Kindergarten oder eine Schule.

Informieren Sie sich über das Bildungssystem in der neuen Heimat. Welche Schule kommt für Ihr Kind in Frage? Das Internet versorgt Sie mit nützlichen Tipps. Und wenn Sie zur Vorbereitung ins Gastland fliegen, schauen Sie sich verschiedene Einrichtungen in der Nähe selbst an. Was könnte Ihren Kindern am besten gefallen, wo finden Sie sich schnell zurecht? Reden Sie in der neuen Heimat mit Kindern, Eltern und der Schulleitung oder dem Kindergarten – und dann entscheiden Sie.

Beziehen Sie Ihre Kinder mit ein. Denn sie müssen ja schließlich Schule oder Kindergarten besuchen. Bedenken Sie aber: Manchmal gibt’s auch hier Wartelisten. Da kommt´s dann auf Prioritäten wie alleinerziehend, berufstätig, behindert oder ein krankes Elternteil an. Schauen Sie auch ruhig hinein, besuchen Sie mal eine Unterrichtsstunde. Diskutieren Sie den Schulwechsel vor allem auch mit Ihren Kindern. Bereden Sie ihn auch mit der alten Schule. Vielleicht kann man Ihnen da nützliche Tipps mitgeben.

Auch die Frage, wie Sie Ihre Kinder auf den Wechsel vorbereiten, muss geklärt werden. Besprechen Sie das Auswandern intensiv und rechtzeitig mit Ihren Kindern, beziehen Sie sie auf jeden Fall in die Entscheidung und Vorbereitung mit ein. Üben Sie mit Ihnen die neue Sprache.

Kochen Sie vielleicht schon mal etwas Einheimisches. Zeigen Sie Bilder und Landkarten, Sehenswürdigkeiten. Wecken Sie Spannung bei Ihren Kindern. Begeistern Sie Ihre Kleinen für
das Neue.

Noch ein Tipp: Fertigen Sie bei ihrem Entscheidungs-Besuch Fotos von der neuen Umgebung an, von Schule, Kindergarten oder Schulweg, von Supermarkt, Spielplatz oder Bushaltestelle. Hängen Sie die Fotos in Ihrer alten Wohnung auf. So können Sie und vor allem Ihre Kinder sich schneller an die neue Umgebung gewöhnen.

Fragen Sie auch Ihren Kinderarzt, wie Sie Ihre Kinder medizinisch am besten vorbereiten, welche Vorsorgeuntersuchungen Sie noch vor der Ausreise erledigen können und wie Sie in der neuen Heimat am besten einen neuen Arzt finden.

Eventuell müssen Sie auch noch mit dem Zahnarzt reden, wenn Ihre Kinder Zahnspangen tragen. Nehmen Sie Berichte und Empfehlungen Ihrer Ärzte für die Kollegen vor Ort mit.

So kann die Behandlung nahtlos weitergehen. Eventuell sollten Sie wichtige Arztberichte auch vorher noch übersetzen lassen. Ihre Kleinen brauchen Kinderzimmer und eine Wohlfühl-Atmosphäre. Erleichtern Sie Ihnen den Übergang.

Eventuell brauchen Sie vor Ort auch ein Kindermädchen. Übers Internet können Sie das auch schon vorbereiten. Au Pairs finden Sie mittlerweile weltweit. Aber Sie können natürlich auch ein Au Pair-Mädchen aus der alten Heimat mitnehmen.

Am besten ist auch ein Stadt- oder Lageplan von der neuen Umgebung. Heutzutage finden Sie im Internet solche Pläne. Drucken Sie sie aus und planen die Wege, die Sie künftig gehen müssen. Wo sind Supermarkt, Bäcker und Metzger? Wie kommunizieren Sie?

Wo finden Sie neue Freunde? Knüpfen Sie Kontakte zu Nachbarn und anderen Müttern aus Schule und Kindergarten. Laden Sie Klassenkameraden Ihrer Kinder nach Hause ein. So integrieren Sie sich mit der ganzen Familie in der neuen Umgebung am schnellsten. Kinder unterschiedlichster Kulturen und mit verschiedenen Sprachen kommen sehr schnell zusammen und finden immer einen Weg der Verständigung.

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